Freitag, 10. Juni 2016

"Die Jahre sind mein Lebensglück - Schriftsteller über das Alter", Herausgegeben von Petra Müller und Rainer Wieland

Wie so viele andere Bücher befand sich auch dieses schon länger auf meiner Merkliste. Und im April habe ich mir "Die Jahre sind mein Lebensglück" gegönnt. Was folgt ist nur eine kurze Nachlese; ich müsste sonst ja aus den Texten selbst zitieren. ;)

Die Herausgeber Petra Müller und Rainer Wieland stellen 17 Schriftsteller und Schriftstellerinnen und deren Sicht auf das Alter vor. Obwohl, so ganz stimmt das nicht:

So werden z.B. von Agatha Christie, Colette und John Updike  Romanauszüge abgedruckt, weshalb ich nicht zwingend davon ausgehen würde, dass es sich bei den dortigen Ausführungen um die eigenen Sichtweisen Christies, Colettes oder Updikes zum Alter handelt. Es sind Romane, fiktive Charaktere kommen zu Wort. Ob Christie, Colette oder Updike wirklich ihre eigenen Ansichten in diesen konkreten Szenen niedergelegen oder "nur" empathische, aber halt nicht autobiographische, bleibt zumindest für mich offen. Da hilft es mir auch nicht, dass ich schon diverse (Kriminal-)Romane von Christie oder einen Roman von Updike gelesen habe. Bei letzterem handelte es sich übrigens um  "Ein Rabbit in Ruhe", den ich damals zäh fand. Aber vielleicht war ich vor 10 Jahren nicht im richtigen Alter, um diesen Roman wirklich schätzen zu können ;).  Ein anderes Beispiel ist das Kapitel über Samuel Beckett. Dort kommt nicht etwa der Autor zum Thema Alter zu Wort, nicht mal auszugsweise, sondern André Bernold, der über das Aussehen der Stirn, Hände, Kleidung, des Auftretens seines Freundes Beckett schreibt.

Bei anderen Gelegenheiten sind die Texte aber höchstpersönlich, besonders wenn aus Tagebüchern zitiert wird wie bei Thomas Mann und  William S. Burrogh. Auch Essays sind zu finden (Dorothy Parker, Henry Miller) oder Interviewauszüge (Astrid Lindgren). Neben den Vorgenannten finden sich in diesem Buch auch Agatha Christie, Simone de Beauvoir, Tania Blixen, Woody Allen, Claire Goll, Vladimir Nabokov, Vicki Baum Elias Canetti und George Tabori).

Die Texte, seien sie nun autobiographisch, aus Romanen, Interviews oder von Fremden, werden jeweils ergänzt von Fotos der bzw. des Betreffenden, einer kurzen Einführung zum Text und einem biographischen Auszug.  Die schwarz-weißen Fotografien sind, wie ich finde, sehr gut ausgewählt; sie wirkten auf mich häufig persönlich, auch wenn sie nicht "privat" sind, z.B. der Klarinette spielende Woody Allen oder der auf der Wiese stehende John Updike. Auch die Papier- und Druckqualität des gebundenen Buches sind sehr gut.

Zwangsläufig sind es Kurzporträts, ist die Auswahl der Vorgestellten ebenso durch die Herausgeber subjektiv eingeschränkt wie es durch die Themenvorgabe die Texte sind. Trotzdem und auch trotz meiner obigen Kritik, dass nicht immer der Betreffende "wirklich" selbst zu Worte kommt, habe ich "Die Jahre sind mein Lebensglück" sehr genossen. Die Auswahl der Schriftsteller und Schriftstellerin ist gemischt und die Präsentation (Quelle, Stil) ist so abwechslungsreich wie es die geschilderten Gefühle und Ansichten sind.

Kommentare:

  1. Schön, dass du das Buch genossen hast, nachdem du ja anscheinend eine Weile drumherum geschlichen bist. Ich weiß immer nicht so recht, was ich von solchen Zusammenstellungen halten soll - eben auch, weil ich häufig das Gefühl habe, dass auch bekannte Namen aufgenommen werden, um damit zu werben, ohne dass die betreffenden Personen wirklich etwas zum Thema beizutragen hätten.

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    1. Ich vermute, wenn ich das Buch in einer Buchhandlung gesehen hätte, hätte es nicht so lange auf dem Merkzettel gestanden, Winterkatze. :) Immerhin haben sie von den prominenten Namen wie Lindgren ein Interview gebracht oder von Mann das Tagebuch. :)

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