Montag, 6. Juni 2016

"Atlas der unentdeckten Länder" von Dennis Gastmann

In der örtlichen Buchhandlung fiel mein Blick auf den "Atlas der unentdeckten Länder" von Dennis Gastmann; ich blätterte hinein und nahm es mit.

Während meiner SamoccaTime las ich die ersten Seiten, auf denen den Autor recht unterhaltsam von einer Überfahrt berichtete. Ich dachte nur: "Keine Chance, Natira, dass Du irgendwann diese Insel besuchst, Du hast ja so gar nicht die hierfür erforderlichen Seebeine. "

Inzwischen habe ich alle elf Kapitel gelesen und für mich ist das Buch, nun, etwas unausgewogen.

Ich habe Passagen gelesen, in denen ich Poetik sah, z.B. wenn D. Gastmann von der Nationalhymne Akhzivlands (Meeresrauschen) spricht (wobei mir nicht klar wurde, ob es sich dabei tatsächlich um die "offizielle" Nationalhymne handelt), er in die Region Ladonien in Südschweden einführt oder in Palau bereit ist, die ganz großen Fische zu sehen. Teilweise gingen die  Passagen (Ladonien) für mich schon fast ins Surreale über angesichts des Textaufbaus und der Bilder. Dann wieder gibt es "normale" Berichterstattung im Plauderton. Es gab, sozusagen, ein ebenso breites stilistisches wie örtliches Angebot in dem Buch, wobei sicherlich ein Zusammenhang zwischen besuchter Gegend und Wahl des Präsentationsstils besteht.

Unabhängig davon, ob mich die Ansichten der Menschen, denen der Autor begegnete, aufregten oder nicht: Ich habe Vieles davon mit Interesse und Faszination gelesen, etwa wenn er von der Charta auf Pitcairn und den dortigen Umgang mit Zeuginnen berichtet oder er über sein Gespräch mit dem Palästinenser Hussein schreibt. Für  meinen Geschmack - vielleicht waren insofern auch meine Erwartungen fehlgeleitet - gab es für mich aber zu wenig über die "unentdeckten" Länder zu lesen.

So interessant ich z.B. die Anreise über Taschkent  nach Karakalpakistan auch fand, hätte ich mir bei dieser Gelegenheit noch mehr als die gefühlten fünf Sätze über die menschenverursachte Austrocknung des Aralsees incl. gesundheitlicher Auswirkungen dieser Umweltkatastrophe gewünscht und dafür weniger über die Vorbereitungszeit in der Botschaft vor Reiseantritt. Auch von der Geisterstadt in Ra's al-Chaima hätte ich gern etwas mehr gelesen, z.B. im Tausch gegen Kürzungen bei der einführenden Story zu Pitcairn (Aufenthalt auf Tahiti, Flug und Überfahrt und dann Aufenthalt auf Pitcairn). Statt im Kapitel "Ladonien" zu lesen, wie anderorts Länder in Besitz genommen wurden, hätte ich gerne mehr über die "Entwicklung" dieses Landes gelesen. Von dem Kapitel über Transnistrien ist mir z.B. hauptsächlich in Erinnerung geblieben, dass eine Frau namens Ofen darin vorkam und viel Alkohol; der Rest dieses Kapitels ging leider bei mir unter. Natürlich ist das eine subjektive Wahrnehmung; andere Leser werden die im Buch zu findenden Interaktionen des Autors mit Land und Leute mehr schätzen als Ausführungen zu den besuchten Regionen, die ich bei Weglassen anderer Passagen präferiert hätte. Jedem kann es nicht recht gemacht werden  ;)

Drei Anmerkungen habe ich aber noch:
- Die "Länder", die Dennis Gastmann besucht hat, sind so unentdeckt, wie es der Buchtitel glauben machen möchte, nicht. Zwar konnte ich mit Karakalpakistan nichts anfangen, jedoch schon etwas mit Athos und Pitcairn (auch wenn nie dort war). Von meinem persönlichen Kenntnisstand einmal abgesehen spricht aber auch z.B. der existierende Tourismusbetrieb von Palau oder Ra's al-Chaima, auf die der Autor in Nebensätzen sogar eingeht, von der Bekanntheit dieser Regionen; auch Athos ist nicht gerade unbekannt zu nennen.
- Die besuchten Regionen unterliegen zum Teil auch anderen als der eigenen Administration, so autonom sie auch sein mögen. Hier ist z.B. Pitcairn (UK zugeordnet) zu nennen und auch  Ra's al-Chaima (Vereinigte Emirate), weshalb ich nach Lektüre des Buches dessen Titel zwar als durchaus verkaufswirksam einordne, aber leider auch falsch ("unentdeckt") bzw. irreführend ("Land" muss ja nicht zwangsläufig als Synonym für "Staat" stehen).  
- Ich glaube, mir hätten gezeichnete Landkarten ("Atlas") zur Lage der besuchten Länder sehr gut gefallen. Es müssen nicht immer Fotos sein, die es übrigens im Buch auch nicht gibt. ;)

Kommentare:

  1. Okay ... also ein sehr gemischtes Leseerlebnis. Wenn ich mir so deine Kritikpunkte anschaue, würde ich vermuten, dass mich diese Punkte auch stören würde. Schade, dass dich das Buch nicht mehr überzeugen konnte.

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    1. Ja, gemischt ist das richtige Wort, aber - wie gesagt - vielleicht lag es auch an meiner Erwartungshaltung, Winterkatze.

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    2. Die kann einem natürlich schon dazwischen kommen ...

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  2. Hmm... das scheint ja ein ganzschön unstetiges Leseerlebnis gewesen zu sein. Schade, dass der Titel nicht ganz treffen ist. Das hätte bei mir sicher auch falsche Erwartungen geweckt.

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    1. @A.Disia
      Ja, unstetig in dem Sinne, dass ich immer dachte, es käme noch etwas anderes in dem Kapitel. :)

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  3. Mh, klingt nach einem BüchereiBuch. ;)

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    1. @Hermia: Oder nach einem Buch, dass ich in das Päckchen legen kann, mit welchem ich Dir ... demnächst Deine Leihgaben zurückschicke? :)

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