Samstag, 18. Juli 2015

"Ein Mann namens Ove" von Fredrik Backmann (audio)

In der Verlagsvorschau des letzten Jahres hatte ich "Ein Mann namens Ove" von Fredrik Backmann gesehen und in meinem Hinterkopf vermerkt. Ich glaube, es war die Katze, die meinen Blick zuerst auf das Buch lenkte, was nur angemessen ist, wie sich im Verlauf der Geschichte zeigt. ;)

Anfang des Jahres gab es dann eine Hörbuchaktion und ich griff zu. Heikko Deutschmann klang in der Hörprobe nicht schlecht, obwohl ich es eigentlich nicht mag, wenn ich das Einatmen eines Sprechers höre und es der Inhalt an dieser Stelle nicht "verlangt". Um diesen Punkt vorweg zu nehmen: Entweder kam dieses Einatmen nur ganz selten vor oder ich habe es über den Verlauf des Hörbuches nicht mehr wahrgenommen. :)

Ein Mann namens Ove lebt in einer kleinen Reihenhaussiedlung und ist daheim. Er ist nicht mehr der Jüngste, aber eigentlich noch kein Rentner. Er ist schweigsam, mürrisch, hat misanthropische Züge, macht tägliche Kontrollgänge in der Siedlung, auf denen er eines Tages die Katze trifft. Beide messen sich mit Blicken,  schätzen sich ein. Dann gehen sie getrennt ihrer Wege; Ove, weil er einen Plan hat. Denn dass er sein Leben so, wie gerade, führt, das war so nicht vorgesehen. Allerdings hat Ove, wie der Leser/Hörer erfahren wird, ein paar Probleme, seinen Plan umzusetzen...

Ich habe mich am Anfang etwas schwer getan mit diesem Titel. Zum einen ging mir Ove etwas auf die Nerven mit seiner ständigen Verallgemeinerung, dass alle doch nur noch Computer benutzen, niemand irgendetwas mehr kann etc. Zum anderen nutzt der Autor - wie sich dann aber herausstellt, hauptsächlich zu Beginn der Geschichte - bewusst die Form der Redundanz. Ich meine damit nicht, dass die Kapitel mit "Ein Mann namens Ove" beginnen, sondern dass bestimmte Sätze in den fortlaufenden Kapiteln wiederholt werden. Einer davon ist, dass diese Art des Lebens so nicht vorgesehen war. In der Nachschau passen diese Wiederholungen allerdings, denn für mich nehmen sie auf, wie sich Oves Gedanken im Kreis drehen.

Aber die Geschichte zog mich trotzdem von Anfang an auch in ihren Bann. Zum Teil lag es sicher an dem sich durch die Geschichte ziehenden Humor, der meinen traf; ich schüttelte den Kopf, lachte, schmunzelte. Im Wesentlichen wollte ich jedoch mehr über diesen Kauz erfahren, darüber, ob er der Katze wieder begegnet und dem neu in die Siedlung gezogenen Trottel, der nicht rückwärts mit einem Hänger einparken kann und dessen Frau hochschwanger ist und die größten braunen Augen hat, die Ove je gesehen hat. Und ich wollte mehr von Sonja hören, Oves Frau. Also blieb ich dran - und erfuhr all das und noch mehr.

Gestern habe ich das letzte Kapitel des Hörbuches gehört. Der Mann namens Ove - und nicht nur er - ist mir mit seinen Eigenarten über die Zeit ans Herz gewachsen. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass die Dinge in ihrer Gesamtheit so im wirklichen Leben stattfinden würden ("Denn das Glück ist eine Reise" fühlt sich für mich in dieser Beziehung "echter" an), so sind die Geschichte und die Charaktere in dieser verdichteten Form trotz allem so real, dass ich sie mit offenem Herzen und mit einem lächelnden und einem weinenden Auge angenommen habe. Heikko Deutschmanns Lesart  hat sehr viel dazu beigetragen. Die Geschichte und die Personen wurden durch ihn ohne großartige stimmliche Verstellungen lebendig. Jetzt, nach dem Hören, kann ich mir nicht vorstellen, dass mich die Printversion des Buches in dieser Form mitgenommen hätte.  :)

Kommentare:

  1. Schön, dass es dir gefallen hat! :)

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    1. Ja, sowohl Heikko Deutschmann als auch Ove haben mich über die 6 CDs hinweg dann doch überzeugt. :D

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