Sonntag, 28. Juni 2015

Karwoche von Andreas Föhr (audio)

Die Wallner- und Kreuthner- Regionalkrimis von Andreas Föhr verfolge ich in loser Folge. Das bedeutet: Wenn ich ein Hörbuch aus dieser Reihe, gelesen von Michael Schwarzmeier, im Angebot sehe, greife ich zu. So auch bei "Karwoche", wobei ich dieses Mal den Roman auch in Printversion im Hause hatte.

"Karwoche" ist der dritte Roman der Reihe, allerdings ist es meines Erachtens nicht zwingend notwendig, die ersten beiden Romane zu lesen. Man versteht auch so die privaten und beruflichen Beziehungen der wiederkehrenden Charaktere, allen voran Wallner, Kreuthner und Manfred. Aber sicher macht es mehr Freude, ihre Entwicklung in zeitlicher Reihenfolge mitzuerleben. ;)

Klemens Wallner ist Kriminalkommissar und will Ostern zusammen mit seiner Freundin Vera nach Italien. Eigentlich. Uneigentlich kann er mit Müh und Not einem Verkehrsunfall entgehen, als ihm auf der Landstraße ein Transporter und ein Passat entgegenkommen, die sich, wie es ausschaut, ein Rennen liefern.  Hinter dem Steuer des Passat sitzt Polizeiobermeister Kreuthner, der wie Wallner bei der Kripo Miesbach dienstansässig ist. "Natürlich" sei es kein Rennen gewesen, so Kreuthner, er habe den Transporter verfolgt, Straßenkontrolle und so! Und dann findet Kreuthner auch noch eine Leiche im Laderaum des Transporters...

Wie bereits in "Der Prinzessinnenmörder" und "Schwarze Piste"erzählt Andreas Föhr zeitlich wechselnd von den früheren Ereignissen und den aktuellen Ermittlungen, die um kürzere Erinnerungsrückblicke einzelner Charaktere ergänzt werden. Diesen zeitlichen Sprüngen kann man dabei problemlos folgen. Ich komme mit diesem Erzählstil sehr gut zurecht, zumal hierdurch ellenlange "Rückblenden" und darzustellende Überlegungen durch aktives Geschehen incl. Dialoge ersetzt werden. Parallel schreiten die Ermittlungen der Polizei voran, wobei Wallner dieses Mal urlaubsbedingt eigentlich am Rande steht. Was natürlich nicht bedeutet, dass er loslassen kann und dies ist ein Aspekt, der in diesem Roman - beruflich und privat (z.B. im Hinblick auf Wallners Großvater Manfred) - ebenfalls beleuchtet wird.  Was Kreuthner angeht: Ich mag ihn als Charakter, mehr als z.B. Manfred, obwohl oder gerade weil Leo Kreuthner ein Schlitzohr ist. Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht mit einer Person von Kreuthners Art zusammenarbeiten wollen. ;)  Während des Hörens war ich wegen Kreuthner so häufig am Kopf schütteln, dass er mir beinahe weh tat - und er findet auch immer noch jemanden, der ihm hilft! Wenn ich nur an die Geschichte mit dem Durchsuchungsbeschluss denke; wie gut, dass wir es hier mit einer fiktiven Geschichte zu tun haben. ;) In diesem Stadium - es folgen ja noch Romane - hat Kreuthner,  einen guten Kern, aber seine Aktivitäten sind hier noch deutlich von Eigennutz motiviert, wie ich finde. ;)

Für mich "funktioniert" auch dieser Regionalkrimi wieder. Was den Fall angeht - ich schwankte zwischen zwei Personen, bei einer davon handelte es sich dann tatsächlich auch um den Täter. Der Krimiplot war für mich grundsätzlich schlüssig, jedenfalls aus psychologischer Sicht, dennoch habe ich noch Fragen in Bezug auf das frühere Geschehen. Dummerweise kann ich hier im Blog ohne zu spoilern nicht konkret darauf eingehen... Okay, ein Hinweis zu einer Sache (ich denke, wer den Roman kennt, weiß, worauf ich anspiele): Etwas ganz Bestimmtes wird vorgelegt in einem zum Ende des Romans hin stattfindenden Gespräch. Ich frage mich z.B., wie real der Ablauf dazu ist, wie dieses Bestimmte dort hingekommen ist, wo es war, wenn ich überlege, wer zu diesem Zeitpunkt welche Überlegungen - auch gerichtet auf die Zukunft - anstellen musste und auf deren Basis dann handelte.

Wie eingangs schon erwähnt, habe ich zu diesem Hörbuch dieses Mal auch die Printversion gehabt.  Ich war neugierig, ob der Autor auch im Dialekt schreibt, was er bei bestimmten Charakteren auch tut. Ein anderer Aspekt ist - ich habe die Printversion nicht vollständig gelesen, sondern nur ab und an bei bestimmten Hörbuchstellen hineingeschaut -, dass dieses Hörbuch (und auch die anderen von mir bislang aus dieser Reihe gehörten Hörbücher ) eine gekürzte Fassung des Romans ist. Der Kriminalfall funktionierte für mich auf der Basis des gekürzten Hörbuches, mir hat also nichts "gefehlt". Nun ja, ich habe mich an einer Stelle gefragt, ob etwas ausgelassen wurde, aber nein, Print- und Hörbuch sind hier identisch.* Was mir aber z.B. auffiel: In einem Gespräch zwischen Wallner und Vera geht es u.a. um Wallners Befürchtungen, dass Manfred geistig altersbedingt abbaut. Später denkt er über die Beziehung zu Vera nach und auch über seine verstorbene Tochter und frühere Ehe. Die Kürzung an dieser Stelle finde ich unglücklich, das hätte ich auch gern als Hörer erfahren.

Michael Schwarzmeier Lesart mag ich sehr; er bemüht sich, den einzelnen Figuren erkennbare Stimmmuster zu verleihen und sei es auch nur, indem jemand leicht verschnupft klingt (jedenfalls für meine Ohren). Ich mag auch seine zurückhaltende Lesung des Grundgeschehens, die sich angenehm von den Dialogen abhebt.

"Karwoche" hat mich als Hörbuch gut unterhalten, trotz der Kürzungen und trotz der verbleibenden Fragen zum Krimigeschehen. Ich werde der Reihe auch in Hörbuchversion wohl weiter treu bleiben.

*An einer Stelle soll am Ostersonntag eine Grundstücksfrage von der Kripo geklärt werden, was die Mitwirkung eines Grundbuchrechtspflegers o.ä. bedarf. Zum einen musste ich daran denken, dass Grundbucheinsichten in NRW von Notaren z.B. online erfolgen können, es bedarf also regelmäßig keines Ganges mehr zum Grundbuchamt. Dies ist schon länger hier möglich und vermutlich ebenfalls in Bayern, vielleicht auch schon 2011, als der Roman erschien.  Daneben gibt es aber auch noch das Katasteramt/Liegenschaftskataster, welches besonders in den Fällen hilfreich ist, wenn man weder den Namen des Eigentümers weiß noch die konkrete Bezeichnung des Grundstückes, mit welchem letzteres im Grundbuch steht. 

Kommentare:

  1. Schau mal an, darauf ob gekürzt ist, habe ich gar nicht geachtet. Das kommt davon, wenn man die CDs nur schnell auf den mp3-Player zieht und nicht weiter hinschaut.

    Was die Sache mit dem Grundbuchamt angeht: Mir ist das gar nicht aufgefallen! Ich habe so wenig mit Ämtern zu tun, dass ich gar nicht darüber nachdenke was online möglich wäre oder nicht. ;)

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    1. Dass Du von der Kürzung auch beim Hören nichts bemerkt hast, spricht ja auch dafür, dass sie funktioniert, wenn man es nicht weiß. ;)

      Was den Rest angeht, da bin ich wohl etwas berufsvorbelastet. *g*

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    2. Ja, da bist du definitiv vorbelastet! :D

      Ich sehe, du hast gerade "Ein Mann namens Ove" in Arbeit - wie gefällt es dir?

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    3. Ein bisschen, lach ...

      Ove - einerseits mag ich, was ich höre, andererseits nervt mich der ältere Ove (noch?). Und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Art, wie erzählt wird, mehr nervig finde oder als ungewöhnlich und ok, lach.

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    4. Ich mochte den älteren Ove, nachdem ich durch die Rückblicke erfahren habe, warum er so geworden ist wie er ist. Ich glaube, man muss sich anfangs einfach auf ihn einlassen.

      Ich muss gestehen, ich weiß nicht, ob ich die Geschichte als Hörbuch hätte erleben wollen. Wie macht sich der Sprecher denn bei der Nachbarin?

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    5. Sehr gut - er spricht sie ganz normal. :)

      Die Erzählart hat schon ihre Vorteile in der Audioversion - man wird immer wieder an die frühere Stelle erinnert. ;)

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