Sonntag, 8. März 2015

"Mit Miss Marple aufs Land" von Luise Berg-Ehlers

Zwar befand sich das Buch bereits länger auf meiner Wunschliste, aber Hermia hatte es letztes Jahr während der Sachbuch-Challenge wieder in mein Bewusstsein geholt. Und inzwischen ist "Mit Miss Marple aufs Land - Englische Schriftstellerinnen zwischen Tearoom und Tatort" von Luise Berg-Ehlers bei mir eingezogen.

Ich empfand die Lektüre dieses Buches wirklich wie eine Reise durch das ländliche England. Es war wie eine kleine sightseeing-tour, die mich über das Land, durch Dörfer, ein paar Städte, darunter auch London, bis an die Küste führte. Dabei bekam ich immer wieder Informationshäppchen präsentiert: über Cottages, Gartenarbeit, Getränke und Essen in Pubs, Tearoom, Kirchen, Wechselläuten et. Und dann sind da natürlich noch die Krimi-Autorinnen.

Luise Berg-Ehlers plaudert über Detektive wie Miss Marple, Lord Peter Wimsey, Inspektor Wexford etc. und deren Einsatzorte und unternimmt zugleich auch Ausflüge in das Leben ihrer Erschafferinnen. Neben Ruth Rendell und Agatha Christie werden z.B. auch  Daphne du Maurier oder Margery Allingham genannt, P.D. James und Caroline Graham und noch ein paar mehr. Garniert wird dies mit großformatigen farbigen Fotos und netten kleinen farbigen Aquarellen.

Das alles ist unterhaltsam und appetitanregend: Nicht nur würde ich jetzt gerne eine Rundreise durch Großbritannien machen und in einen echten Tearoom auf Scones mit clotted cream & jam - oder mit jam & clotted cream ;) -  einkehren,  ein Landhaus besichtigen oder mit der Bahn durchs Agatha-Christie-Country fahren. Zu gerne würde ich auch sofort ausprobieren, wie mir z.B. Ann Granger gefällt oder Caroline Graham (bislang kenne ich nur ein, zwei Folgen der TV-Serie um Inspector Barnaby). Meine Merkliste - Antesten von Krimireihen - ist also auch wieder angewachsen. ;)

Dennoch will ich zwei Sachen ansprechen, die mich auf meiner Reise aufs Land ein klein wenig irritierten (die beiden erstgenannten Punkte) und eine, der mich etwas störte:
- Ich liebe die vier Miss-Marple-Margaret-Rutherford-Filme, aber ihre Miss Marple auf dem Cover dieses Buches zwischen drei Autorinnen zu setzen (auch wenn eine davon Agatha Christie ist), finde ich nicht richtig; hier hätte ich lieber nur Autorinnen gesehen.
- Angesichts des Untertitels und der Buchbeschreibung dachte ich, Miss Marple wäre im Titel beispielshaft genannt - sie ist jedoch nach meinem Gefühl deutlich prominenter als andere Figuren im vorliegenden Buch vertreten. Nichts gegen Miss Marple, aber ich finde das angesichts der gegebenen Auswahl an Autorinnen u. Charakteren etwas schade.
- Frau Berg-Ehlers plaudert u.a. über Einsätze der Ermittler. Ich wurde dabei leider auch gespoilert, denn wenn ich einen Krimi bzw. ein Buch noch lesen möchte, will ich vorher z.B. den Beruf des Mörders nicht wissen oder, was mit einem Gebäude durch wen passiert. Auch wenn die Krimi-Autorinnen und ihre Werke grundsätzlich bekannt sind, sei es auch nur durch Verfilmungen, hätte ich mir hier noch ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl - welches Frau Berg-Ehlers nämlich grundsätzlich zeigt - gewünscht.

Insgesamt habe ich das Buch aber wirklich genossen, wobei in meiner Vorstellung das perfekte Wetter für diese Lektüre ein April- oder Herbsttag gewesen wäre (stattdessen gibt es hier strahlend blauen Himmel mit Sonnenschein), dazu eine heiße Tasse Tee und Regentropfen an der Fensterscheibe. :)

Kommentare:

  1. Das Buch stand Weihnachten auf meinem Wunschzettel, doch niemand hat es entdeckt...
    Da ich in diesem Jahr wohl zum ersten Mal nach Großbritannien kommen werde, habe ich nun nach dem Lesen Deiner Rezension beschlossen, es mir zum Osterei zu machen.
    Aly mit den drei Bettelkuhkatzen
    (Ist der Fellwechsel so ein Energiefresser?)

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    1. Liebe Aly, das ist ein perfektes Ostergeschenk (ich werde mir übrigens die dritte Sherlock-Staffel in der Special Edition zu Ostern schenken)! Das Buch wird Dich bestimmt großartig auf Deinen England-Urlaub einstimmen.

      Die MuMs sind derzeit, tja ... Merlin frisst, aber mäkelig und Marlowe hat die letzten drei Mahlzeiten (nur Huhn mit Brühe bzw. Thunfisch mit Brühe) in Sekundenschnelle wieder auf die Fliesen befördert. Er will fressen, aber ich warte jetzt erst einmal ab, gebe ihm Butter u. Wasser, viell. sitzt da ein Fellknäuel quer (sonst muss ich noch zum TA mit ihm). Sonst ist er fit, spielt, geht auf dem Balkon ...

      Btw
      Um Dir das Inuit-Buch zuschicken zu können, müsstest Du mir nochmal Deine Anschrift an natiraszeit(at)googlemail.com schicken, Aly. :)

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  2. Gibt kaum was Schöneres als Scones mit Clotted Cream in einem schönen englischen Tearoom auf den Land :-)

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    1. mmmh... Das möchte ich wirklich gern mal genau dort essen.

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  3. Das klingt wirklich sehr nett! Wobei ich auch finde, dass man so ein Buch so schreiben sollte, dass es (in mehr als einer Hinsicht) "appetitanregend" ist und nicht spoilernd.

    Was das Wetter zum Lesen angeht: Zu schade, dass du mir das Buch nicht eben herbeamen kannst, denn hier regnet es und ich habe mir gerade Tee und Kekse hingestellt.

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    1. Geregnet, besser gesagt ganz fein genieselt, hat es hier nur heute morgen, Winterkatze, danach war es wieder sonnig und warm.
      Ich habe das Buch übrigens schon mal separiert ... ;)

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    2. Bei uns war es den ganzen Tag grau in grau - das hat mich immerhin nach meinem Vormittagstermin vor der Gartenarbeit bewahrt und mir einen "Bürotag" ermöglicht. ;)

      Danke! :) Morgen hol ich mir erst einmal ein Buch über Städteplanung aus der Bibliothek, das extra für mich angeschafft wurde. Darauf freu ich mich schon total!

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    3. Gemein wäre es, wenn das Städteplanungsbuch dann so richtig interessant und gut ist und wir armen Sachbuch-Challenge-Teilnehmer nicht so eine entgegenkommende Bücherei haben... ;)

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    4. Nun, Städteplanung ist ja schon ein sehr spezielles Thema, vielleicht interessiert euch das ja gar nicht. Ich bin ja vorbelastet. ;) Auf der anderen Seite ist es von Jan Gehl ... :D

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    5. Jan Gehl ist für mich nun gar keine Referenz, daher ... ;) Aber interessant hört sich das Thema schon an, finde ich.

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    6. Jan Gehl steht für ein Umdenken in der Architektur, wobei es darum geht, dass der öffentliche Raum für Menschen nutz- und erlebbar sein soll, statt der Verkehrsplanung und Formsprache zu erliegen, die dafür sorgt, dass Menschen sich dort nicht mehr wohlfühlen. Ich finde den ziemlich cool (für einen Architekten). :D

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    7. Ah! Das erinnert mich an einen Platz in der Fußgängerzone hier im Wohnort, der vor zwei o. drei Jahren zubetoniert wurde mit ein drei oder vier Einlassungen im Pflaster, aus denen ein paar Wasserstrahlen kommen können, nachdem vorher dort etwas seitlich gelegen ein kleiner Brunnen mit Grün (Büschen) und ein paar Bänken waren, wo sich Eltern hinsetzen u. die Kids am Brunnen beobachteten konnten. Jetzt ist es eine plane Pflasterfläche u.die Wasser"spiele" sind nur gelegentlich an. Hässlich.

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    8. Ja, das ist ein gutes Beispiel dafür, was schief läuft bei der Stadtplanung.

      Lustigerweise war Jan Gehl lange ein ganz "normaler" Architekt - und heiratete dann eine Psychologin, die ihn fragte, was seine Architektur eigentlich für die Menschen bedeuteten würden. ;)

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  4. So, nun habe ich mein "Osterei" gelesen. Deine Rezension trifft alles auf den berühmt-berüchtigten Kopf. Mir hat das Buch gut gefallen und die Leseliste wächst....
    Habe mir gleich mal Leseproben zu älteren Krimis heruntergeladen und schaue nun einmal, wie ich mit dem Englisch zurechtkomme.

    Grüßchen von
    Aly mit den nimmersatten Kuhkatzen

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    1. @Aly *schmunzelt* Viel Spass beim Leseprobenlesen! :)
      Viele Grüße - und Streicheleinheiten für die Kuhkatzen!

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  5. Ich bin immer noch dabei, alte Beiträge aus dem Feed Reader zu kommentieren. ;)

    Miss Marple auf den Cover fand ich auch etwas unpassend gewählt - aber vermutlich einfach, damit sich das Buch besser verkauft. Zumindest wäre das meine Vermutung gewesen...

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  6. Als Grund kann ich mir das sehr gut vorstellen, Hermia, aber ich finde, dann hätten logischerweise entweder nur noch A.Christie oder andere fiktive Charaktere mit auf das Cover gehört. Nun ja, der Inhalt ist dennoch charmant. :)

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