Sonntag, 22. März 2015

"Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna

Letztes Jahr habe ich während Winterkatzes Sachbuch-Challenge "Die Geschichte der Kunst" von E.H. Gombrich gelesen. Ich fand das Buch großartig, allerdings konzentrierte es sich doch stark auf Europa. Als ich daher letztens bei Amazon auf "Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna gestolpert bin, habe ich einfach mal zugegriffen, stand doch im Begleittext, dass der vorliegende Band aus der Reihe Imhof-Weltgeschichte der Kunst einen Überblick über die afrikanische Kunst bieten soll.

Wie ich bei Lektüre des Buches gelernt habe, sollte statt afrikanische Kunst vielleicht eher von afrikanischen Künsten oder von Kunst in Afrika gesprochen werden vor dem Hintergrund, dass mit ihr das Schaffen unterschiedlicher afrikanischer Völkergruppen gemeint ist. Ich kann diesen Blick durchaus nachvollziehen, entsprechendes gilt aber natürlich auch für andere Kontinente oder Gegenden, deren Schaffen "zusammengefasst" wird, sei es skandinavisches Design oder südamerikanische Kunst. Vielleicht vereinfache ich zu sehr, aber als wesentlich sehe ich eher an, dass man sich dieser Umstände bewusst ist. Und hinsichtlich der Kunst in Afrika passiert das vorliegend.

"Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna ist mit 72 Seiten recht schmal, enthält aber vielfältige Informationen in Form von erläuterndem Fließtext und farbiger detailreicher Fotografien diverser Objekte wie Masken, Statuen, Köpfe aber auch von Stoffe und Karten.

Wie angedeutet, geht der Autor dabei u.a. auf die Verschiedenartigkeit des Schaffens einzelner Völkergruppen Afrikas ein und auch darauf, dass die Objekte fremdartig für die Augen anderer Kulturkreise wirken - und mit welche "Vorurteilen" man in diesem Zusammenhang schaut und wertet kann. Anhand etlicher abgebildeter Beispiele erläutert der Autor dann das Kunstschaffen genauer, wobei nach meinem Gefühl das Augenmerk auf der Bildhauerei (incl. Masken) liegt. Dabei habe ich u.a. erfahren, dass Malerei in Afrika keine eigene Kunstgattung darstellt, sie ist nicht verzierend, sondern integrativer Bestandteil von (Kunst-)Objekten. Ich habe einen Einblick erhalten, was die Farben - ob aufgemalt oder mittels Stoff  - und aufgebrachte Muster oder die verlängerten Formen von Masken (Hörner können z.B. für das Wachstum der steil aufstrebenden Hirse stehen) bedeuten können und war fasziniert von der Bandbreite ihrer Herstellung (Materialien). Ebenso wie später im
Architektur-Kapitel bekam ich Hintergründe präsentiert, z.B. wie sich die Lebensauffassungen im Schaffen oder auch im Aufbau des Dorfes oder der Hütte wiederfinden.

Die Einblicke sind angesichts des Umfanges des Buches zwangsweise kursorischer Art, aber das Buch liefert das, was es laut Klappentext verspricht. Einen Überblick über die Künste in Afrika. Auch wenn ich manchmal im Text hängenblieb und mir dann auch das im Buch befindliche Glossar nicht weiterhalf
- so spricht der Autor an einer Stelle von der Kunst in der afrikanischen Gesellschaft (ich lese zusätzlich: auf dem gesamten Kontinent) führt dazu aus, "weil im Afrika der Sahelzone von alters her keine Schrift existierte..." (S. 24 dieser Ausgabe). Ich habe mich zunächst gefragt, wo die Sahelzone liegt (und im Internet recherchiert) und danach, weshalb der Autor sich "nur" auf diese Zone des Kontinents bezieht. Es kann ja durchaus sein, dass die wesentliche Entwicklung in dieser Zone stattfand,  aber hierzu erfahre ich in dem vorliegenden Buch nichts. Es hätte mir gefallen, etwas in der Art zu lesen: Für den Zweck dieses Buches sei darauf hingewiesen, dass es in der Sahelzone .... ; weiterführen Literatur findet sich ... (in dem Buch findet sich übrigens kein Hinweis auf weiterführende Literatur, allerdings der Autor selbst offenbar eine Koryphäe) -,
war das Buch für mich als Laien - betreffend Kunst im Allgemeinen und betreffend Kunst in Afrika im Besonderen - doch das, was ich haben wollte, eine Einführung und Übersicht zum afrikanischen Kunstschaffen.

Kommentare:

  1. Oh, das klingt spannend, magst du mir das leihen? Ich habe vor vielen Jahren mal eine Ausstellung in München über afrikanische Sitzmöbel besucht (Möbeldesign war da gerade mein großes Studienthema :D) und fand das Ganze faszinierend, aber auch etwas einseitig behandelt.

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    1. Na aber gern doch, Winterkatze. :D

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    2. Das ist so schrecklich! Nächstes Jahr gibt es keine Challenges mehr! Und überhaupt sollte ich mit dem Bloglesen aufhören! Und die Bibliothek nicht mehr besuchen ... und mich vollkommen von weiteren Versuchungen isolieren ... oder so ... *g*

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    3. Ja, das geht den Menschen wie den Leuten .... *g*

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  2. Unfassbar, wie du gerade ein Sachbuch nach dem anderen wegliest! Ist zwar inhaltlich nicht mein Thema, aber schön, dass es dir was gebracht hat. :-)

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