Freitag, 27. Februar 2015

Ein Sommer mit Wölfen von Farley Mowat

Nachdem ich "The Philosopher and the Wolf" von Mark Rowlands geselen hatte, stöberte ich ein wenig durch das Angebot bei Skoobe und fand dabei "Ein Sommer mit Wölfen" von Farley Mowat. Das Buch wird als eines der amüsantesten Naturbücher und als Erlebnisbericht beworben. Hm ...

Eine Vorwarnung vorweg: Ohne Spoiler geht es auch dieses Mal nicht. Das "Hm..." muss ich ja irgendwie erklären, nicht wahr? ;) Falls Ihr das Buch also unbedarft lesen möchtet ...

"Ein Sommer mit Wölfen" wurde 1963 vom Autor geschrieben, nachdem er zuvor im Auftrage der kanadischen Regierung monatelang als Biologe in der kanadischen Wildnis tätig war. Er sollte untersuchen, wie umfangreich die dort lebenden Wölfe die Karibuherden dezimierten, entsprechende Beschwerden waren immer wieder eingereicht worden und die Regierung wollte prüfen, ob die Wölfe getötet werden sollten. Mowat bekam einen Schwung nützlicher und unnützer Ausrüstungsgegenstände gestellt, Anweisungen wie und wann er sich zu melden hätte und machte sich auf den Weg.

Nach Mowats Erzählung konnte er seinen Forschungsort nur mit Mühe erreichen; Blizzards hatten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Irgendwann konnte er aber einen privaten Piloten überzeugen, ihn in die Wildnis zu fliegen; er wurde von dem Piloten an einem gefrorenen See abgesetzt- allerdings laut Mowat ohne genauere Ortsangabe irgendwo ca. 450 km nordwestlich von Churchill.  Dort, in der kanadischen Tundra im Nirgendwo, war er dann also allein und sich selbst überlassen und schlug ein Nachtlager auf. Vermutlich war es ganz gut für ihn, dass er am nächsten Tag von Mike, einem Inland-Inuit, gefunden und mit in dessen Hütte genommen wurde. Letztere konnte er dann  als Basis für seine Erkundungen etc. nutzen. Kurz darauf hat er seinen ersten Kontakt mit einem wildlebenden Wolf. Dabei sollte es nicht bleiben. Besonders dieser Wolf und sein Rudel - es bestand aus einer Wölfin, Jungtieren und einen weiteren männlichen Wolf - werden von Mowat über den Sommer beobachtet. Dabei leistet ihm später auch Ootek, ein weiterer Inland-Inuit, häufig Gesellschaft. 

Mowat schreibt durchaus amüsant über und von dem Leben des Wolfsrudels, vom Lern-Spiel der Jungtiere, dem Wechsel zwischen Sommer- und Winterlager, von Karibus, von den Inuit, mit denen er Kontakt hat. Dabei gab es Szenen, die mich lachen ließen, andere waren unterhaltsam und dann gab es noch welche, die für mich einen schlechten Beigeschmack hatten. Trotz allem konnte der Autor mich problemlos mit seiner Erzählung halten; ich habe das Buch ziemlich in einem Rutsch durchgelesen. Der vorherrschend lockere Ton verdeckte dabei auch nicht, wie ernst die Situation für die Wölfe damals war (z.B. Anlass des Forschungsauftrages oder welche Aktivitäten den Wölfen so zugeschrieben wurden). 

Aber:
Ich hatte beim Lesen mehrfach das Gefühl, dass "Ein Sommer mit Wölfen" als Naturbuch wohl noch durchgehen kann, aber vielleicht nicht als Erlebnisbericht. So kann ich mir z.B. die Ankunft Mowats mit dem Flugzeug mitten in der Wildnis in dieser Form nicht vorstellen: Sein Bericht vermittelt mir den Eindruck, dass er ein unbedarfter junger Biologe ohne großartige Vorkenntnisse vom Leben in der Wildnis war, dem dieser Auftrag aufgebrummt wurde und der dann irgendwo in der kanadischen Tundra "strandet". Für den Spannungs- und Unterhaltungswert des Buches ist dieser abenteuerliche Start sicherlich gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Ausgangssituation so war bzw. es sich so zugetragen hat. Auch dass Mowat als Einzelperson von der Regierung diesen Auftrag erhalten hat, finde ich etwas seltsam, gerade wenn ich die Unwägbarkeiten in der Wildnis und die damals bekannten Probleme mit dem Funk etc. bedenke. Dennoch:  Diese Vorgehensweise - so gefahrbehaftet sie in diesem Fall auch war - mag um 1960 herum in Kanada normal gewesen sein; ich weiß es schlichtweg nicht. Dann erzählt der Autor davon, wie er ein Zelt neben der Hütte aufschlägt, dieses abends dann aber allein verlässt und mit dem Kanu durch die Gegend paddelt, weil er denkt, er hätte eine von den Mikes (der schon länger weg ist) Hundewelpen gehört. Das finde ich... abenteuerlich. Nun, wenigstens war schon Frühling und der Schnee geschmolzen.  

Mein Problem besteht also darin, dass ich nicht weiß, wo Mowats Erleben anfängt und endet und was vielleicht ganz oder teilweise unterhaltsames Beiwerk ist. Dieses Ergebnis finde ich für einen Erlebnisbericht unglücklich.

Ich wollte das Buch wirklich mögen vor dem Hintergrund, dass der Autor für die wildlebenden Wölfe eine Lanze briche und sie mit "Ein Sommer mit Wölfen" in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Aber meine Unsicherheit darüber, ob und in welchem Maße Mowat an den vorstehend angesprochenen Stellen fabuliert hat, führt dazu, dass ich nun leider - möglicherweise ungerechtfertigt - auch an den übrigen Beobachtungen und Erlebnissen des Autors im Buch zweifle. Sein Gebaren u.a. gegenüber seinem Gastgeber Mike, den er z.B. mit "Wolfssaft" (Bier mit weiterem Alkohol vermengt) bekannt machte, wie er stolz berichtet, und dessen Hütte er mehr oder weniger vereinnahmte, kam nur noch hinzu.

Kommentare:

  1. Du hast gerade anscheinend kein so rechtes Glück mit deinen Wolfsbüchern, wenn du am Ende nicht ohne Spoilerwarnung und einem zwiespältigem Gefühl die Nachlese schreiben kannst.

    Neugierig macht mich der Titel jetzt nicht, aber er hat mich daran erinnert, dass ich vor vielen Jahren mal eine Reportage gesehen habe, in der ein Wissenschaftler einige Monate in der Wildnis von Mäusen lebte, um zu beweisen, dass ein großes Säugetier so genügend Fleisch bekommt. Der Hintergrund dieses Selbstversuchs war eben auch, dass Wölfe als Gefahr für Nutztierherden gesehen wurden, während dieser Wissenschaftler beobachtet hatte, dass die Tiere sich vor allem von kleinen Nagern ernähren.

    Ich glaube, ich habe in meinem Leben wirklich zu viele seltsame Naturdokus gesehen ... *g*

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  2. Das ist interessant: In dem Buch gibt Mowat an, dass das Wolfsrudel statt von Karibus lange Zeit von Nagetieren, insbesondere Mäusen, gelebt hat. Er berichtet auch, er habe dann einen Selbstversuch gestartet, um zu testen, ob das auf Dauer funktioniert ...

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  3. Ach, guck mal an! Wenn er das war, dann ist er für den Selbstversuch aber mit einer Kamera begleitet worden (oder hat seinen Selbstversuchalltag selber gefilmt).

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  4. Nun, viell. hat er sie ja wiederholt. Oder es war Ootek.

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    1. also der mit der Kamera #Ootek

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    2. Das habe ich mir gedacht. :) Keine Ahnung, so weit reicht meine Erinnerung nicht - es ist lange her, dass ich das gesehen habe. :D

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  5. Es gibt auch einen Disneyfilm, das auf diesem Buch beruht: "Wenn die Wölfe heulen", im Original "Never cry wolf". Da isst er auch Mäuse aus diesem Grund - sicher, dass das eine Reportage war, die du da gesehen hast, Winterkatze?

    Den Spielfilm fand ich immer toll und wollte eigentlich auch das Buch immer mal lesen ... Hm.

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    1. @Birthe
      Ich kenne den Film nicht. Es wundert mich aber nicht, dass das Buch verfilmt wurde, denn die zugrundeliegende Stimmung ist sehr wolfsfreundlich, beobachtend und, wie gesagt, unterhaltend. Vielleicht kannst Du ja mal in einer Bücherei oder bei Skoobe hineinlesen.

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  6. @Birthe: Hm, nicht ganz sicher. Ich hätte zwar vermutet, dass ich den Film vor 1983 gesehen hätte, aber ich kann mich auch täuschen.

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