Donnerstag, 29. Januar 2015

"The Art of Asking" by Amanda Palmer

Amanda Palmer. Ja, ich gebe es zu: Hätte ich nicht Neil Gaimans Blog abonniert, wäre mir dieser Name nicht bekannt. Und ich hätte auch nicht gewusst, dass Amanda Palmer das Buch "The Art of Asking" geschrieben hat. Dann bin ich dem Titel wieder begegnet, dieses Mal bei einer Instagram-Nutzerin. Sie hat mir empfohlen, mal in den TED-Clip hinein zu schauen, in welchem Amanda Palmer über die Themen des (späteren) Buches spricht. Den Clip selbst habe ich damals in Gaimans Blogbeitrag ignoriert. Ich habe das Anschauen dann nachgeholt (hier ist er übrigens (klick)) und die Aufzeichnung hat mich auf das Buch neugierig gemacht.

Ich habe anlässlich der Lektüre auch in ein paar Musikvideos von Amanda Palmer hineingeschaut bzw. gehört. Ihre Musik trifft nicht meinen Geschmack, auch wenn mir z.B. die ruhigeren Songs wie "In my mind" oder "The perfect fit" durchaus ansprachen. Neben der musikalischen Komponente gibt es jedoch mehr, nicht nur die Songtexte, sondern auch mit den Konzerten verbundenen "Acts" oder lebende Statuen (besonders ihre "Eight-Food-Bride"), von denen sie in ihrem Buch erzählt. Es enthält neben begleitenden Fotografien übrigens auch Songtexte, z.B. dankenswerterweise "Girl Anachronism": In diesen Clip habe ich nur kurz hineingeschaut; z.B. dieser Text wäre mir entgangen. Das wäre schade gewesen, denn die Wahrnehmung dieses und der anderen Texte lohnt sich.

Der Titel "The Art of Asking" klingt nach einem Ratgeberbuch. Das ist es und ist es doch wieder nicht. Zwar können Interessierte aus dem Buch durchaus Anregungen entnehmen, wie man bestimmte Dinge angehen kann (sei es die Kommunikation mit den Fans, sei es das Kickstarter-Handling) oder dass Selbstzweifel und Unsicherheiten Teil des Weges sind. Allerdings ist über das gesamte Buch hinweg deutlich, dass es sich um persönliche, teils sehr private Erfahrungen handelt, die Amanda Palmer freiwillig mit Fans und anderen geteilt hat bzw. in dem Buch erstmals teilt. Sie erzählt von der Entwicklung ihrer künstlerischen Karriere, Selbstzweifeln, Crowdsurfing, dem Netzwerken, von ihren Fans, Freunden und auch davon, wie sie ihren späteren Ehemann Neil Gaiman kennenlernte.

Gerade da mir Amanda Palmer als Musikerin nicht wirklich nahe ist und ich mich vor diesem Hintergrund weder für Netzwerken oder Kickstarter interessiere, war es im Grunde diese private Ebene, die mich als Leserin ansprach. Und diese "Zugangsebene" reichte aus, um mir Amanda Palmer "einfach als Künstlerin" nahe zu bringen. Ich fand es bereits interessant zu erfahren, was sich Amanda Palmer sich für ihren Akt als lebende Statue überlegt hat und welche Erfahrung sie dabei z.B. auch in Regensburg machte. Die Blickrichtung (Straßen-)Künstler zum Publikum hin war für mich neu. Dabei kommen auch kleine Details zur Sprache, z.B. weshalb Amanda Palmers Augenbrauen so aussehen wie sie aussehen oder wie es dazu kam, dass sie eine Ukulele spielt.

Natürlich war ich neugierig, ob und in welcher Weise sie über ihre Beziehung zu Neil Gaiman spricht, weil ich seine kreativen Arbeiten nun schon mal kenne. Die Autorin - und ihr Ehemann - gewähren dem Leser tatsächlich immer wieder kleinere Einblicke, die, wie ich finde, in ihrer Auswahl erstaunlich viel über die Beziehung an sich offenbaren, über Neil Gaiman (bislang habe ich nichts Biographisches über ihn gelesen) und natürlich über Amanda Palmer (im Zusammenhang mit den weiteren privaten Einsichten im Buch ist das jetzt natürlich nicht ganz so erstaunlich ;)).

"The Art of Asking" hat mir einen Blick in Amanda Palmers privates Leben gewährt, mich etwas in ihre künstlerische Szene (incl. Plattenlabel, Kickstarter Alkonhol) eintauchen und ihre künstlerische Arbeit mit negativen und positiven Aspekten kennenlernen lassen. Sie ließ mich teilhaben an ihren Gedanken über den Wert eines Künstlers - ob nun als lebende Statue auf der Strasse oder als Couch-/Crowdsurferin sowie über das Wahrnehmen einer Person (das ließ mich auch an "The Artist is present" (klick) denken). Mir erscheint Amanda Palmer in ihrer Kreativität laut (in Musik u. Meinungsäußerung) und leise (Statue, Musik); sie ist kommunikativ, sie bittet, nimmt, gibt aber auch auf mehreren Ebenen.

Ein Fan ihrer Musik bin ich trotz des Buches nicht geworden. Ich habe auch nicht begonnen, ihr aktiv in den sozialen Medien zu folgen. Vermutlich werde ich (auch) in Zukunft nur von ihr hören, wenn ihr Ehemann sie in seinem Blog erwähnt. Ich finde das nicht schlimm und bezweifle, dass Amanda Palmer damit ein Problem hat. Ihre und meine Sphäre überschneiden sich halt nur in einem Bereich. ;) Die Lektüre von "The Art of Asking" fand ich trotzdem faszinierend und den Menschen Amanda Palmer lebendig und stark. Soweit sie mich ließ: I saw you.

Kommentare:

  1. ...

    (Ist angesichts der Menge der gelesenen Titel im Januar sprachlos. ;) )

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  2. Ich kenne Amanda Palmer von ihrer früheren Band "The Dresden Dolls" - da gefällt mir am besten das Lied "Coin Operated Boy" (Link zum ziemlich schrägen Musikvideo: http://youtu.be/YAnyYTjjhJ0). Ihre Solosachen kenne ich gar nicht.

    Mein Mann war vor Jahren mal bei einem Solo-Konzert von ihr, da hat sie live über Skye mit einem Musiker ein Duett gespielt (der konnte wegen der Aschewolke nicht beim Konzert dabei sein, glaub ich), was offenbar trotz leichtem Timelag super geklappt hat. Das muss wohl sehr beeindruckend gewesen sein.

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    1. Hm, Ariana, "Coin Operated Boy" hat was für mich, auch musikalisch.

      Im Buch erzählt sie u.a. davon, dass sie von Island nicht wegkam wegen des Vulkanausbruches und sich dann wohl spontan zu einem Gig entschloss, was dann über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde ...

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