Samstag, 31. Mai 2014

"Von Ratlosen und Löwenherzen" von Rebecca Gablé

Wie an der einen oder anderen Stelle bereits einmal erwähnt, bin ich nicht gerade ein Geschichtsfan, was ich auf den trockenen Geschichtesunterricht in der Schule zurückführe. Ich nähere mich einzelnen Epochen oder historischen Personen eher zufällig an - ein historischer Roman hier, ein Film dort, ein Sachbuch mit Querverweis ...  Zuletzt wurde ich ja durch Gombrichs "Geschichte der Kunst" darüber belehrt, wie unterhaltsam (Kunst-)Geschichte sein kann. Und dieses Mal gelang es Rebecca Gablé.

In meiner "historischen" Romanphase hatte ich von ihr "Das Lächeln der Fortuna" gelesen. Das ist inzwischen bestimmt 15 Jahre her, aber ich habe eine grundsätzlich positive Erinnerung an diesen Roman, auch wenn ich keine Einzelheiten mehr vor Augen habe. Ich bin mir nicht ganz sicher, wo mir "Von Ratlosen und Löwenherzen" von Rebecca Gablé untergekommen ist; ich vermute es war bei Hermia und/oder Ariana. Jedenfalls war der Titel hängen geblieben und als ich diesen Monat die - gekürzte - Hörbuchversion sah, griff ich zu. Das war eine gute Idee.

"Von Ratlosen und Löwenherzen - Eine kurzweilige aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters" hält, was der Titel verspricht. Es geht um das _englische_ Mittelalters, welches die Autorin in dem einleitenden Kapitel von 450 (Abzug der Römer und Ankunft der Angelsachsen) bis 1485 (Ende der Rosenkriege) ansetzt. Schließlich sind die Briten schon damals andere Wege gegangen als z.B. die Italiener. Der in der Einleitung angeschlagene Ton zieht sich durch das gesamte Buch: er ist modern, häufig humorvoll, informativ und dennoch leicht. Und hinzu kommt dann noch Andreas Fröhlich als Sprecher - schlichtweg klasse.

Der grobe Überblick ist: Abzug der Römer, Angelsachen und Dänen, die Normannen (ua. mit Wilhelm dem Eroberer), dann das Haus Plantagenet (u.a. Henry II und Eleonore von Aquitanien), das Haus Lancaster (u.a. Henry V) und das Haus York (u.a. Richard III), wobei zum Schluss noch Henry VII (Tudor) auftaucht. Wie man sieht, geht es vorrangig um die Geschichte der Königshäuser. Ca. bei Beginn eines neuen Jahrhunderts wird aber auch immer wieder auf die größeren historischen Veränderungen in England eingangen, z.B. wie man zum freien Mann werden konnte, was es tatsächlich mit dem Recht der ersten Nacht auf sich hatte, Änderungen im Rechtswesen, Umstellung auf Schafwirtschaft etc.

Ich habe diesen Geschichtslektionen von Rebecca Gablé und Andreas Fröhlich wirklich gern gelauscht. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich ca. ab dem Ende des Hauses Plantagenet/Beginn des Hauses Lancaster ab und an den Überblick über die Edwards und Henrys und ihre familiären Beziehungen verlor. Hätte ich den Titel als Buch gelesen, wäre dies in dieser Form sicher nicht passiert. Es ist nun mal einfacher zurück zu blättern als zurück zu spulen. Wären die englischen Könige und Königinnen doch nur ein wenig kreativer bei der Namensgebung ihrer Sprösslinge gewesen! ;)

Dennoch: Mein insgesamt positiver Eindruck leidet trotzdem nicht: Der Autorin und dem Sprecher ist es gelungen, mir unterhaltsam englische Geschichte zu vermitteln. Das finde ich großartig.

Hm, wie wäre es denn mit einer Fortsetzung der englischen Geschichte, Frau Gablé? ;)

Sonntag, 11. Mai 2014

"Mit den Augen der Maler - Schauplätze der Kunst neu entdeckt" von Florian Heine

Gestern kam "Mit den Augen der Maler - Schauplätze der Kunst neu entdeckt" von Florian Heine bei mir an. Auf den Titel bin ich - mal wieder - eher zufällig bei Arvelle gestoßen, fand aber die Beschreibung interessant. Danach bietet der Autor nämlich dem Betrachter einen neuen Blickwinkel auf ausgewählte Gemälde (z.B. El Grecos "Ansicht von Toledo") an, indem er die Schauplätze "damals" und heute gegenüberstellt. Kaum war das Buch da, hatte ich mich auch schon darin vertieft. Ich hatte mir nämlich von "Mit den Augen der Maler" einen für mich als Laien weitergehenden Einblick in Bezug auf ausgewählte Künstler und Werke erhofft, wobei meine Basis die vor kurzem gelesene "Geschichte der Kunst" von Herrn Gombrich (klick) war.  Um es vorweg zu nehmen: Meine Hoffnung hat sich erfüllt.

Florian Heine (übrigens freischaffender Fotograf und Kunsthistoriker) präsentiert in diesem Buch eine Auswahl an Gemälden und Malern, die auf unterschiedliche Art und Weise wegweisend für die Entwicklung in der Malerei waren. Dabei konzentriert er sich auf 21 europäische Künstler verschiedener Zeiten und Orte:

Seine Reise beginnt bei Giotto, der um 1300 erstmals statt einer "anonymen" Farbe Ansichten einer Stadt als Hintergrund einführte. Weiter geht es mit Dürer, der mit seinen Aquarell-Reisebildern ein Vorreiter der Landschaftsmalerei war. Sehr beeindruckt hat mich übrigens das Gemälde "Ansicht von Toledo" von El Greco mit seiner leuchtenden Stadtmauer und Stadt zwischen Grün und Blau. Man kann das heutige Toledo in dem Gemälde wiedererkennen - aber Florian Heine zeigt auf, dass El Greco "sein" Toledo malte in dem Sinne, dass er das Bild nach seiner eigenen Ansicht komponierte, Gebäude versetzte etc. Interessant fand ich auch, auf was der Mann in Caspar David Friedrichs "Der Wanderer über den Nebelmeer" schaut bzw. welche Deutungen möglich sind.

Beispielhaft sind auch noch van Gogh, Munch oder Braque nennen, die Florian Heine präsentiert. Spannend, welche Ermittlungen Forscher anstellen, um zu erfahren, ob ein Munch-Gemälde ein Nacht- oder Tagbild ist und was es mit der nicht vorhandenen Spiegelung eines Gestirns im Wasser auf sich haben könnte. Bei Braque allerdings stieß ich an meine Grenzen - die tatsächlichen Ansichten des Ortes/Schlosses konnte ich mit der kubistischen Umsetzung dieses Malers nicht in Einklang bringen; mein Auge ist sicher auch zu ungeschult. Das ändert aber nichts daran, dass ich auch hier die dargelegten Ableitungen mit Interesse gelesen habe. Das Buch endet nicht mit einem Maler, sondern mit einem Fotografen und Ausführungen dazu, wie angesichts der jüngsten Entwicklung in der der Malerei und Fotografie sich diese beiden Ausdrucksformen ähneln und annähern.

Florian Heine nimmt also nicht einfach einen direkten Vergleich von Gemälde und aktuellen Ansichten vor, sondern er führt auch kurz in das Leben und Werk des jeweiligen Künstlers ein und macht mir als Leser klar, warum ich in diesem Buch über diesen Künster etwas lese. Als Kunsthistoriker bringt der Autor Künstler und Werk zudem prägnant in zeitlichen und kulturellen Kontext, und zwar auf eine auch mir als Laien verständliche Weise. Florian Heine ist für mich zwar nicht so deutlich spürbar leidenschaftlich dabei wie Erich Gombrich in seiner Kunstgeschichte, aber ich fühle mich dennoch auf angenehme Weise "unterrichtet". :) 

mal ein Zugangspost

Auf ausdrücklich geäußerten Wunsch der Winterkatze hin gibt es heute mal wieder seit ewigen Zeiten einen Zugangspost. Er ist erstaunlich lang geworden - gebt Winterkatze die Schuld. ;)

Zunächst mal zu den bislang in diesem Monat gekauften ebooks:


Derzeit gibt es deutsche Agatha-Christie-ebooks ("Fischer -Klassik") günstig für 2,99 Euro und da ich erst 2014 diese Autorin kennengelernt habe - und zwar über vollständige Hörbuchlesungen - habe ich einen Miss-Marple und zwei Hercule-Poirot-Romane mitgenommen sowie Geschichten um Mr Harley Quinn:
Das letztgenannte ebook lese ich auch derzeit. Zwar bin ich von Kurzgeschichten recht angetan, aber die ebook-Umsetzung ist nicht sehr sorgfältig vorgenommen worden. Ich habe bereits ein paar digitale Fehler an den Verkäufer gemeldet (bin bei ca. 52 %).  Zwar machen die Fehler das ebook nicht unlesbar, irritieren aber doch (Mr Bums statt Mr Burns z.B.). Ich befürchte, dass die Übertragung auch bei den anderen Titeln fehlerhaft sein wird. Die 2,99-Euro-Aktion läuft wohl zwei Monate, wobei ich nicht weiß, wann sie begonnen hat. Wer über die Übertragungsfehler hinwegsehen kann oder mag, kommt derzeit jedenfalls günstig an die digitale deutsche Version.

Zugegriffen für 0,99 Euro habe ich nach der Leseprobe auch bei "Die Asklepios-Papiere" von Swen Grossmann. Ein junger Mann hat Unterlagen aus einem Pharmakonzern gestohlen (offenbar nicht wegen "Industriespionage") und seiner Exfreundin übermittelt mit der Bitte zu kommen. Sie (schwanger) setzt sich tatsächlich in den Zug; in der Zwischenzeit wird er ermordet. Ich fand die Leseprobe ansprechend und hoffe auf zukünftige gute Unterhaltung.

Außerdem habe ich mir Gustav Schwabs "Sagen des klassischen Altertums" für 0,00 EUR digital auf meinen reader gepackt. Es soll sich um eine ungekürzte Ausgabe der Sagen handeln; hineingeschaut habe ich allerdings noch nicht. Ich habe die Sagen als Kind GELIEBT und auch wenn ich viele nicht mehr parat habe, so kenne ich doch noch z.B. die Namen der Hauptgötter in der griechischen und römischen Version und erinnere mich an diverse Sagengestalten. :) Anlass war übrigens Birthes Besprechung von Shaws "Pygmalion", die mich an Pygmalion und Galathea und griechische Sagen erinnerte.

Dann habe ich gestern digital auch im Rahmen meines Audible-Abos - aber ohne Einsatz meines Guthabens -  für 0,85 Euro eingekauft:


Die 0,85 Euro habe ich übrigens für "The curious Case of Benjamin Button" bezahlt, die übrigen Hörbücher gab es (nur im Abo?) kostenlos.

Walter Mitty sagte mir etwas wegen der Verfilmung mit Ben Stiller. Letztere habe ich nicht gesehen, nur einen Trailer, aber das Tagträumerische sprach mich an und hier habe ich eine Gelegenheit, Walter kennen zu lernen.

Die Sherlock-Holmes-Story "Blue Carbuncle" war nur ca. 45 Minuten lang und wurde von mir gestern bereits während meiner Walking-Tour gehört. Alan Cunning liest sehr gut; die Geschichte hätte besser zu Weihnachten (zu der sie spielt) gepasst, machte natürlich aber auch gestern Freude. :) Bei "Benjamin Button" bin ich einfach neugierig:

Vor Jahren habe ich den Roman "Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli" von Andrew Sean Green" gelesen und als dann die Verfilmung zu Benjamin Button kam, dachte ich, hm, so was kenne ich doch. Dass F. Scott Fitzgerald diese Kurzgeschichte geschrieben hatte, wusste ich bis dahin nicht. Ich will sie einfach mal hören. :)

Über "Peter Lundt" bin ich beim herumstöbern auch gestolpert und fand die Beschreibung - Peter Lundt ist ein blinder Detektiv - interessant und für 0,00 EUR zum Austesten auch unschlagbar. ;)

Meine Anfang der Woche rausgegangene Arvelle-Bestellung kam auch gestern an:


"Das Wetter vor 15 Jahren" von Wolf Haas war von meinem Merkzettel immer mal wieder rauf- und runtergewandert. Als Neyasha es während der 7d7b-Aktion las und dann auch eine Besprechung einstellte, kam es dieses Mal in den Einkaufswagen. Ich bin auf das im Interview-Stil geführte Buch schon recht neugierig.

Von Jurek Becker wollte ich schon immer mal etwas lesen. Mal sehen, ob mich der 1978 erschienene Roman "Schlaflose Tage" über einen Lehrer, der wegen eines Herzstechens sein Leben umkrempelt, anspricht. Vielleicht - ich war 1978 neun Jahre und lebte in der DDR - regt der Roman sogar ein paar Erinnerungen an.

Die "Die Geheimnisse von Harris Burdick" von Chris van Allsburg habe ich bereits einmal durchgeblättert, enthält das Buch neben der Einleitung doch "nur" 14 schwarz-weiß Zeichnungen mit Titel und Bildunterschrift. Aber in diese werde ich mich noch einmal in Ruhe vertiefen; vielleicht regen sie mich zu Geschichten an.

"Everything we miss" ist seitenmäßig nicht sehr umfangreicher englischer Comic von Luke Pearson. Ich habe noch nicht weiter hineingeschaut, es war ein Spontankauf, vielleicht wird der Blick dafür geschärft, was wir in unserem Leben haben aber übersehen.

"Mit den Augen der Maler" von Florian Heine bin ich aktuell bereits beschäftigt. Ich sehe es für mich als weiterführenden Teil zu Gombrichs Kunstgeschichte an, weil der Autor sich an (heutige) Schauplätze von ausgewählten Gemälden (z.B. El Grecos "Ansicht von Toledo") begeben hat. Es geht aber nicht nur um den Vergleich, sondern er wählt bewusst bestimmte Maler aus, schreibt dazu, was und wie sie in ihrer Zeit "sahen". Ich bin fasziniert.

Auch wenn der Post bereits jetzt sehr lang ist, ich packe auch gleich noch aktuell offenen Bestellungen mit hinein: 


Das Buch über El Greco (aus dem Taschen Verlag) ist meiner Lektüre von Gombrichs Kunstgeschichte und Heines "Mit den Augen der Maler" geschuldet - ich möchte mehr von seinen Arbeiten sehen.

Und böse - Amazon hat zur Zeit eine Aktion "3 Hörbücher für 30 Euro". Tja, wenn ich für jeweils 10,00 EUR Eva Mattes "Emma"-Lesung lauschen oder Kurt Vonnegut kennenlernen bzw. das Knopfland (für Kinder) erkunden darf, dann habe ich nicht wirklich eine Wahl, oder? Außerdem habe ich schon länger mal mit "Alexis Sorbas" geliebäugelt, der Krimi "Die Wahrheit und andere Lügen" klang einfach zu verführerisch und über "Rot wie das Meer" höre ich ständig nur Positives, zuletzt von der Winterkatze, sodass ich gleich noch eine zweite Runde Aktionshörbücher eingesackt habe. Schlimm so etwas (wie gut, dass wir uns noch in der ersten Monatshälfte befinden). Vielleicht hätte ich gestern abend doch den ESC schauen und nicht bei den Hörbüchern surfen sollen ...

Freitag, 9. Mai 2014

"Alles über Shakespeare" von Charlotte Lyne

Birthe hat auf ihrem Blog dieser Tage einen historischen Roman von Charlotte Lyne besprochen. Das hat mich daran erinnert, dass sich auf meinem TuB schon länger „Alles über Shakespeare“ von Charlotte Lyne befindet. Und - wie Birthe auch erwähnte - die Lektüre dieses Buches bietet sich in diesem Jahr durchaus an, feierten wir doch den 450. Geburtstag des Barden (getauft 26.04.1954). ;)

Nun ist mir zwar das eine oder andere Stück von Shakespeare vertraut, aber ich lerne seine Arbeit noch immer kennen. Hamlet war zwar Schulstoff, aber im Übrigen muss(te) ich mich dem Barden so nähern und hatte bzw. habe dabei keine Hemmungen, dies auch auf dem Umweg einer Verfilmung bzw. Theateraufzeichnung (so zuletzt geschehen mit "Macbeth") oder über "No fear Shakespeare" (zB Gegenüberstellung von Altenglisch und modernem (Prosa-)Englisch) zu tun. :) Was den Menschen selbst angeht: Eine Shakespeare-Biographie habe ich bislang noch nicht gelesen, sondern nur - vor rund 15 Jahren - das Buch "Das Shakespeare-Komplott" von Walter Klier. Soweit ich es in Erinnerung habe, geht der Autor dort Hinweisen nach, wonach Shakespeare einer anderen historischen Person seinen Namen lieh.

Mit diesem "Basiswissen" habe ich mich also am letzten Sonntag in "Alles über Shakespeare" vertieft. Bereits in der Einleitung macht die Autorin aber - natürlich - darauf aufmerksam, dass in diesem Buch nicht „Alles über Shakespeare“ zu finden ist. Der Titel sei eher als Provokation und - der Kreis schließt sich am Ende des Buches - Herausforderung an den Leser zu verstehen, selbst auf "Entdeckungsreise" zu gehen.

kurzer Ausflug ins Star-Trek-Universum. :)
Shakespeare und seine Werke sind dort vielfältig zu finden, sowohl bei Kirk & Co als auch z.B. bei Picard. Im Zusammenhang mit Inhalt und Titel dieses Buches musste ich aber trotzdem an eine der vielen Erwerbsregeln der Ferengi denken, wonach man sich nicht scheuen solle, zu Verkaufszwecken einen griffigeren Titel zu wählen... :) 

Jedenfalls: Über die historische Person William Shakespeare ist offenbar nicht wirklich viel bekannt (insbesondere in Bezug auf sein Privatleben z.B. in London, seine Lebensansichten etc.). Immer wieder wurde und wird z.B. angesichts seiner Abstammung und Bildung („Bauernbengel“, Besuch nur einer einfachen Schule in Stratford) bezweifelt, dass die uns bekannte historische Person William Shakespeare mit dem Verfasser der Sonette und Stücke - und der Inhaber eines erstaunlichen Wortschatzes-  identisch ist. Auch Charlotte Lyne erwähnt mehrfach, dass man Shakespeare nicht wirklich „zu fassen“ bekommt.

Die Autorin verknüpft daher hier die mageren gesicherten Daten der historischen Person (z.B. das Leben im elterlichen Heim, die frühe Heirat mit einer älteren Frau, der Tod des Sohnes) mit den vorhandenen Stücken und Sonetten und versucht so, die historische Person mit dem Autor in Übereinstimmung zu bringen. Für mich lasen sich ihre Ableitungen recht schlüssig. 

Daneben geht Charlotte Lyne auch immer wieder - zwar nur kursorisch, aber dennoch informativ  - auf zugehörige Themen ein wie z.B. sich ändernde politische Verhältnisse, die damaligen Anforderungen an Autoren und Schauspieler, die Entwicklung der englischen Sprache oder die Rekonstruktion des Globe.

Ihre Ausführungen fand ich sehr verständlich, zumal "Alles über Shakespeare" einer Führung nachempfunden ist und der Leser immer wieder direkt angesprochen und einbezogen wird. Charlotte Lynes Leidenschaft für Shakespeare und sein Schaffen ist dabei deutlich spürbar.

Weiter aufgelockert wird das Buch z.B. durch Textzitate aus Shakespeares Werken und vielen Illustrationen (Gemälde, die Shakespeare oder Zeitgenossen zeigen, Drucke, Illustrationen zu Szenen seiner Werke etc.). Zum Schluss gibt es noch eine Zeittafel, die Auflistung seiner Werke und Empfehlungen für weiteren Shakespeare-Genuss. 

Ich stimme Charlotte Lyne zu: Wer auch immer die William Shakespeare zugeschriebenen Sonette und Stücke verfasst hat, war ein Ausnahmetalent. Nicht umsonst beschäftigen wir uns auf unterschiedliche Weise immer wieder mit seinen Werken. Stellt Euch vor, sie wären nach seinem Tod nicht zusammengetragen und veröffentlicht worden ...

Sonntag, 4. Mai 2014

"Das da Vinci Universum - Die Notizbücher des Leonardo", Hrsg. von Emma Dickens

Ariana war so lieb, mir nicht nur die Hörbuch-Version von "Das da Vinci Universum - Die Notizbücher des Leonardo", Hrsg. von Emma Dickens, gelesen von Peter Tabatt, zu leihen, sondern mir auch die Printausgabe zur Verfügung zu stellen. Ich war nämlich etwas unsicher, ob die Notizbücher mit ihren Skizzen und Zeichnungen sich wirklich für eine Hörbuchversion eignen.

Die erste der drei CDs enthält u.a. die Einleitung. Diese besteht aus einem kurzen Abriss von Leonardo da Vincis Leben, seiner Suche nach Gönnern, den verschiedenen Orten seines Wirkens, der Vielfalt seiner Interessen. Was so verheißungsvoll beginnt, wird - zwar nicht direkt im Anschluss, aber alsbald - auf der ersten CD von dem Auszug "Über die menschlichen Proportionen" fortgesetzt. Ich hörte mir die trockenen Sätze darüber an, wie viel Mal die Handfläche ohne Finger in den Fuß ohne Zehen geht oder welche Größe ein Mensch beim Knien erreicht etc. Ich bin fast eingeschlafen und ich wusste, wenn die zweite CD ähnlich weitergeht wie die erste endete, würde es auch das Ende des Hörbuches für mich sein ... 
Als ich später im Buch blätterte, habe ich gesehen, dass dort die diversen Merksätze zu den Proportionen von Zeichnungen aufgelockert und verdeutlicht werden. Auch auf dem Begleitheft des Hörbuches sind diese Zeichnungen enthalten. Nur lassen sie sich irgendwie so schlecht während des Hörbuchhörens beim Autofahren ansehen. ;)
Erfreulicherweise konnte ich aber feststellen, dass die nächsten beiden CDs interessanteres Material enthielten. Es gab Auszüge darüber zu hören, wie man perspektivisch malt, wie man Zorn oder Verzweiflung oder Leidenschaft in Bildern darstellt, weshalb ein Dritter die von Leonardo verfasste Anatomie nutzen sollte. Mir wurde auch in diesen Notizbuchauszügen vor Augen geführt, wie vielfältig Leonardos Wissensdurst war, wie aufmerksam er studierte und beobachtete - ob nun in der Anatomie oder seine Betrachtungen zur biblischen Flut. Seine voll Überzeugung niedergelegten Angaben z.B. zum Erdinnern mögen heute belächelt werden, aber seine logischen Überlegungen und Ableitungen zum Salzgehalt oder den Bewegungen des Meerwassers, um zwei zu nennen, sind bestechend. Gerade im Vergleich zur heutigen Spezialisierung beeindruckt die Bandbreite seiner von ihm verfolgten Interessen und Fähigkeiten, und zwar auch dann noch, wenn man seine in der Einleitung erwähnte Eigenschaft berücksichtigt, gelegentlich Dinge nicht zu Ende zu bringen. ;)  

Was kann ich zur Einlesung durch Peter Tabatt sagen? Wenn man - zum Teil sehr trockene - Fachtexte lesen muss, ist es schwierig, seine stimmlichen Fähigkeiten zu entfalten. Er war sehr gut zu verstehen, las akzentuiert und klang manchmal belehrend, was aber zu den Notizbuchauszügen durchaus passte. Erst auf CD3, als er Fabeln las, konnte ich als Hörerin deutlicher seine vorhandene stimmliche Wandlungsfähigkeit wahrnehmen. ;)


Im Ergebnis kann dieses Hörbuch im Vergleich zum Buch nicht gewinnen. Die Übertragung einer Text/Skizzen/Zeichen-Kombination in ein Hörbuch funktioniert halt nur bedingt. Aber trotzdem ermöglicht auch die Lesung einen faszinierenden Einblick in Leonardos Erkenntnisse und schürt durchaus, zumindest bei mir, das Interesse an diesem Menschen - und zwar unabhängig von Mona Lisa oder Flugapparaten. ;) Hm, wenn ich gut bin, greife ich bald zu Charles Nicholls Leonardo-da-Vinci-Biographie, die sich schon länger in meinem TuB befindet (seufz). Sie wird sogar als "wundervolle Biographie" in der Einleitung von "Das da Vinci Universum" erwähnt ...Und dieses Jahr - am 02.05.2014 hat sich sein Todestag zum 495. Mal gejährt -  gibt es z.B. die Ausstellung "Leonardo da Vinci - Exploring Arts & Science", die in Bremen eröffnet und mich reizt.

Samstag, 3. Mai 2014

(auch) als Wiederholungstäter: "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende

Vor einiger Zeit wurde bei Audible die vollständige Lesung von Michael Endes "Die unendliche Geschichte" durch Gert Heidenreich im Abo für ein halbes Guthaben angeboten (das Angebot gibt es übrigens - 03.05.2014 noch immer) und ich konnte einfach nicht nein sagen. Ich mag die Geschichte, die ich auch als Buch bei mir zu Hause stehen habe und die ich sowieso mal wieder lesen wollte. Eine wunderbare Gelegenheit - sowohl für meine persönliche Wiederholungstäter-Challenge als auch für Arianes Hörbuch-Challenge. :)

Ich bin also mit dem ca. 11jährigen Bastian Balthasar Bux in ein Antiquariat gestürzt und dort dem mürrischen Eigentümer Karl Konrad Koreander unter die Augen getreten (ist es nicht putzig, dass beide Nachnamen wie Gewächse klingen, aber es jeweils nicht sind?), habe beobachtete, wie Bastian magisch von einem Buch - in welchem Herr Koreander gerade gelesen hat - angezogen wird und wie er dieses aus dem Antiquariat klaut. Bastian, der von seinen Mitschülern nicht nur wegen seiner Pummeligkeit gehänselt und von seinem Vater seit dem Tod der Mutter fast vollständig ignoriert wird, verkriecht sich mit diesem Buch auf dem Schulspeicher und beginnt zu lesen: von Phantasien; von der Kindliche Kaiserin Phantasiens - die schwer, vielleicht sogar tödlich, erkrankt ist -; von dem ominösen Nichts, das sich in Phantasien ausbreitet; von Atreju aus dem Volk der Grünhäute, der ausgesandt wird, ein Heilmittel für die Kindliche Kaiserin zu finden ...

Ich überlege gerade, inwieweit "Die unendliche Geschichte" Teil des "Allgemeinwissens" besonders hier in Deutschland ist. Spoilere ich bereits, wenn ich mich mit dem zweiten Teil des Buches befasse? Falls Ihr also das Buch noch nicht kennt, jetzt ist die Chance, mit dem Lesen dieses Beitrags aufzuhören. ;)