Dienstag, 25. März 2014

"16.50 Uhr ab Paddington" von Agatha Christie (audio)

Nein, ich habe nicht wirklich lange für das Hörbuch "16.50 Uhr ab Paddington" von Agatha Christie, ungekürzt gelesen von Katharina Thalbach, gebraucht. Begonnen am Sonntagvormittag wollte ich es heute Mittag zwingend zu Ende hören (und aus diesem Grund platzte mein Feedreader am heutigen Abend auch etwas aus den virtuellen Nähten).

Wie ich schon am vergangenen Sonntag im Rahmen der 7d7b-Mini-Aktion geschrieben habe, kenne ich vo diesem Buch eine Romanverfilmung, und zwar (bislang) ausschließlich diejenige mit Margaret Rutherford. Im Hinterkopf hatte ich daher auch immer irgendwie den Film laufen und muss sagen, dass gerade zu Beginn die wesentlichen Szenen enthalten sind. Allerdings werden in dieser Verfilmung die Erlebnisse anderer Figuren dem Miss Marple-Charakter zugeschrieben:

So beobachtet z.B. die Figur von Mrs. Gillicuddy (Was für ein Name!) den Mord im Zug und Lucy Eyelesbarrow ist diejenige, die in Rutherford Hall als Hauswirtschafterin eine Stellung annimmt - auf Bitten und im Auftrag von Miss Marple. Letztere steht (mal wieder) im Hintergrund, dieses Mal altersbedingt. Schließlich sind seit dem ersten Roman meiner laienhaften Schätzung nach (eine Zahl wird nicht genannt) ca. 20 Jahre vergangen (der erwachsene Sohn der Pfarrersfrau aus "Mord im Pfarrhaus" taucht in diesem Roman auf). Miss Marple quartiert sich als Lucys Tante in der Nähe von Rutherford Hall ein und steht eher mit Überlegungen und Rat als mit Tat zur Seite. Es ist vielmehr Lucy, die sich mit den diversen Herren und der einen Frau der Familie Crackenthorpe "herumschlagen" muss und die mit Hilfe von Miss Marple und Inspektor Craddoc versucht zu ermitteln, ob es auf dem Anwesen eine Leiche gibt bzw. wer die Ermordete und wer der Täter war.


Obwohl ich in diesem Fall wegen Kenntnis der Verfilmung schon gespoilert war, habe ich doch neugierig der Geschichte gelauscht. Denn je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr Unterschiede  im Vergleich zur Verfilmung mit Margaret Rutherford kamen (zwangsläufig) zum Vorschein. Ich meine dabei nicht nur fehlende Szenen und Charaktere, sondern z.B. dass der mir aus den Filmen bekannte Inspektor Craddoc in diesem Buch erstmals begegnet ist. Und natürlich ist im Film nur beschränkt Zeit, die Charaktere zu zeigen bzw. zu entwickeln. Mein Interesse wurde also problemlos wachgehalten.

Etwas überrascht war ich davon, dass Agatha Christie sich im Gegensatz zu "Mord im Pfarrhaus" und "Ruhe unsanft" hier von den ermittelnden Personen, also Lucy, Inspektor Craddok und Miss Marple immer wieder "entfernte". Weder Lucy noch Miss Marple sind Zeugen des Mordes. Keiner der drei ist z.B. in der Nähe, wenn Emma sich mit einem bestimmten Besuch unterhält oder Harold daheim ist. Natürlich gibt es allwissende Erzähler und offensichtlich funktioniert der Roman auf diese Weise. Es kam für mich - ausgehend von den bislang von mir gehörten Romanen - nur, ja, unerwartet.

Wie immer, wenn ich eine Lesung von Katharina Thalbach neu einschalte, bin ich im ersten Moment überrascht, wie rauh ihre Stimme ist. ;) Aber ich habe mich sehr schnell eingehört und finde, dass Katharina Thalbach ihren Job sehr gut macht und den einzelnen Charakteren - trotz der alles überlagernden "Rauheit" ihrer Stimme - eigene Nuancen verleiht. Ihr Oberhaupt der Familie Chrackenthorpe klingt z.B. hämisch, oft ruppig und unhöflich und manchmal, wie ich finde, sogar schleimig. Miss Marple klang zwar nicht so verhuscht, wie ich sie mir vom reinen Romantext vorgestellt habe, aber doch so sanft und zurückhaltend, wie es dieser Sprecherin möglich ist, behaupte ich mal. ;)

Dass mir die Umsetzung sehr gut gefallen hat, dürfte sich letztlich natürlich auch daran zeigen, dass ich trotz umfangreichen Arbeitspensums jede Gelegenheit genutzt habe, um das Hörbüch weiter zu hören. :)

Sonntag, 23. März 2014

7d7b Mini Tag 4 (Teil 3) - Meine Cousine Emilia von Vlada Urosevic

Ein weiterer Roman auf  meinem SaB-Stapel war "Meine Cousine Emilia" von Vlada Urosevic. Über dieses Buch bin ich bei Hermia gestolpert, deren Rezension mich neugierig genug machte, es mir zu besorgen.

Ich mochte den Schreibstil des Autors und ich kann mir vorstellen, dass das Übersetzen dieser episodenhaft erzählten Abenteuer des kindlichen bzw. pubertierenden Erzählers, die er mit seiner Cousine Emilia erlebt, nicht einfach war.

In den Episoden verschwimmen Realität und Fantasie (außer natürlich, man hat sich den Glauben z.B. an Einhörner bewahrt). Sie sind voller kindlicher Vorstellungskraft, Zauber, erwachender Sexualität, Melancholie, aber auch zum Teil von einer, wie ich finde, verstörenden Brutalität. Ich denke da z.B. an die beiden Einhorn-Geschichten. Die Szenerien wechseln, gleiten ineinander über; die Geschehnisse und Orte sind nicht immer logisch aufgebaut, vielmehr hatte ich das Gefühl, mich in der Traumwelt des Erzählers zu befinden. Wegen der letzten Geschichte bin ich am Überlegen, wie weit die Fantasien und Träume des Erzählers in Bezug auf Emilia gingen, wie viele Jahre war sie wohl tatsächlich in Skopje?

Es ist kein einfaches Buch, das ich "nebenher" lesen konnte. Ich brauchte die Pausen. Manche Bücher brauchen einfach Zeit.

....

Ich hatte mir ja im Rahmen dieser 7d7b-Mini-Aktion vorgenommen, meinen SaB zu reduzieren. Was das angeht, war die Aktion für mich ein voller Erfolg. Daneben hatte ich auch noch Zeit und Muße für ein Hörspiel und eine Novelle. Das Tolle ist, dass ich ein bewusstes Lese-/Hörwochenende hatte, was ich aber nicht als verpflichtend, sondern als entspannt und entspannend empfunden habe. Vielen Dank, Melli und Mandy!

7b7d mini Tag 4 (Teil 2) - Schroders Schweigen von Amity Gaige

Ah, mithilfe der Miniaktion habe ich jetzt vom Stapel angelesener Bücher einen zweiten Roman "befreit". Genau das habe ich mir erhofft.

Am heutigen Nachmittag habe ich nämlich "Schroders Schweigen" von Amity Gaige zu Ende gelesen. In diesem Roman erzählt der Protagonist Eric im Grunde in Form eines Briefes bzw. Berichtes von seinem Leben. Da sich das Nachfolgende bereits aus den Anfängen bzw. zu Beginn des Romans ergibt, spoilere ich nicht, wenn ich Folgendes schreibe: Das Besondere an Eric ist nicht nur die eigene Kindheit (Emigrant aus der DDR), sonder dass er sich bereits als Jugendlicher eine zweite Identität schuf, von der sein Vater nichts wusste. In letztere wuchs er über die Jahre mehr und mehr hinein, unter ihr heiratete er und wurde Vater einer Tochter. Und dann kam es zur Trennung und Problemen beim Umgang

Ich fand es faszinierend, Erics Erklärungsversuche zu lesen, seine Sicht auf die Dinge und seine Empfindungen gegenüber seiner Frau und seiner Tochter, denn das ist es, worum es in dem Roman geht. Dabei musste ich mir manchmal in Erinnerung rufen, dass der Ich-Erzähler ein Hochstapler ist, ein Mensch mit einiger Phantasie. Der Roman lässt mich vor diesem Hintergrund mit einigen Fragen zurück: Wie viel seines Berichtes ist wahr? Sind seine geschilderten Erinnerungen, besonders an an seine Kinderzeit, wahr oder wurden sie nur bequemerweise an die aktuellen Gegebenheiten angepasst? Ist der Brief ein Entschuldigungsschreiben an seine Frau, sein Kind oder angesichts seiner aktuellen Situation doch mehr? etc. 

Erics Gedanken sind nachvollziehbar. Seine geschilderten Empfindungen als Vater, der unter der Trennung leidet, fühlen sich richtig an. Ich kann die Fragen, ob ich seinem Brief, seinem Lebensbild glaube, ob ich dieser fiktiven Gestalt mit meinen Zweifeln Unrecht tue, für mich noch nicht beantworten.

Zugestandenermaßen fand ich Erics Abhandlungen - also besser gesagt die Entscheidung der Autorin, diese in den Roman aufzunehmen - über "Pausologie" und das Schweigen nur in geringem Umfang interessant und "wesentlich" für seinen Bericht. Ich bin mir in diesem Zusammenhang aber auch nicht sicher, ob sich mir bei einem neuerlichen Lesen des Romans die Bedeutung mehr erschließt. Jetzt war es jedenfalls so, dass mich manche Abschweifungen dazu brachten, den Roman für einige Tage wegzulegen, obwohl mich die Grundstory reizte.

Im Nachhinein hätte ich ein paar Kürzungen als hilfreich für den Lesefluss und das Halten zumindest meines Interesses an der Geschichte hilfreich gefunden. Aber nichtsdestotrotz war der Roman interessant und ist Erik eine schillernde Person.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich jetzt erst einmal eine Lesepause einlege und eine Akte X Folge schaue oder ob ich zu einem weiteren Buch - vielleicht sogar vom SaB - greife. Das entscheide ich operativ taktisch nach meinem frühen Abendessen (schließlich ist Mittag ausgefallen). Und ich werde in meinem Abschlusspost heute Abend darüber berichten. :)

7d7b Mini Tag 4 (Teil 1) - "16.50 Uhr ab Paddington" von Agatha Christie

Der Sonntag brachte tatsächlich ein etwas längeres Schlafen mit sich, hehe! MuMs versorgen, eine kleine Stärkung incl. Kaffee verzehren und daneben mein Handy mit einem neuen Hörbuch versorgen schloss sich an und auf ging es zu einem vormittaglichen Spaziergang, Gerade gönne ich mir ein zweites Frühstück, jetzt auch mit einem Glas Sekt (jawohl).

Ich habe während meines Spazierganges begonnen, "16.50 Uhr ab Paddington" von Agatha Christie, gelesen von Katharina Thalbach zu hören und Luzy - die im Auftrag von Miss Marple in Rutherford Hall arbeitet - hat gerade die Leiche gefunden und der Polizei gemeldet. Wie immer, wenn ich eine Lesung von Katharina Thalbach einschalte, bin ich im ersten Moment überrascht, wie rauh ihre Stimme ist. ;) Aber ich habe mich ruck zuck eingehört und finde, dass Katharina Thalbach ihren Job sehr gut macht und den einzelnen Charakteren - trotz der alles überlagernden "Rauheit" ihrer Stimme - eigene Nuancen verleiht.

Was die Story angeht, so kenne ich im Gegensatz zu "Ruhe unsanft" und "Mord im Pfarrhaus" eine Romanverfilmung, und zwar ausschließlich diejenige mit Margaret Rutherford. Im Hinterkopf habe ich daher auch immer irgendwie den Film laufen und muss sagen, dass die wesentlichen Szenen bislang enthalten sind. Allerdings werden in dieser Verfilmung die Erlebnisse anderer Figuren dem Miss Marple-Charakter zugeschrieben, z.B. diejenigen von Lucy.

Ich gehe nicht davon aus, dass ich das Hörbuch am heutigen Sonntag im Rahmen der Mini-Version von 7d7b beenden werde, auch wenn ich später sicherlich Gelegenheit haben werde, noch ein oder zwei Kapitel zu hören. Jetzt werde ich mir nämlich erst einmal eines meiner angebrochenen Bücher greifen, ich muss mich noch spontan entscheiden, welches. Und darüber berichte ich dann in einem separaten Post. :)

Samstag, 22. März 2014

7d7b mini (Teil 3): Böser kleiner Junge von Stephen King

Heute abend habe ich nicht nur zwei Akte X-Folgen geschaut  - eine davon bescherte mir ein unverhofftes Wiedersehen mit Vash aus Star Trek sowie Cpt. Carter aus Stargate - , sondern ich habe "daneben" auch noch die knapp 60seitige Novelle "Böser kleiner Junge" von Stephen King gelesen.

In dieser Novelle erzählt der Verurteilte George Halles kurz vor seiner Hinrichtung seinem Pflichtverteidiger, was er die ganze Zeit verschwiegen hat: Warum er die Schüsse abgegeben hat.

Es ist ein wenig Schummelei, diese Novelle als eigenständiges Buch im Rahmen von 7d7b zu werten, aber schließlich ist die als separate Geschichte erschienen. :) Was die Story selbst angeht ... Hm, ich bin ein Fan von Stephen King und er ist in meinen Augen ein sehr guter Geschichtenerzähler, und zwar auch, was Kurzgeschichten angeht. Diese Novelle ist schnell erzählt und schnell gelesen und mich hat - natürlich - auch interessiert, was George Halles zu berichten hatte.

Aber ich muss auch sagen, dass es in meinen Augen eine zwar "nette", aber doch recht konventionelle Geschichte war: Ich empfand die Entwicklung nicht besonders überraschend und im Gegensatz zu seinen anderen Erzählungen sprach sie mich auch auf keiner Ebene besonders an in dem Sinne, dass ich eine Gänsehaut bekam, sie mich an etwas erinnerte oder ich mich gruselte.

So nett der Gedanke auch ist, dass diese Story ein Dankeschön des Autors an seine europäischen Fans ist (in Form einer Vorabveröffentlichung in deutsch und französisch), ich hätte mich geärgert, wenn ich sie für 1,99 EUR gekauft hätte. Wie gut, dass ich sie bei skoobe ausleihen konnte. ;)

Ich denke nicht, dass ich heute noch ein weiteres meiner bereits angefangenen Bücher weiterlesen, geschweige denn beenden werde. Aber auf meinem ebook-reader schlummern noch einige Leseproben, von denen ich heute wohl noch die eine oder andere durchlesen werde um zu entscheiden, ob ein oder mehrere Bücher auf die "Merkliste" kommen. :) Das werde ich allerdings in meiner Koje machen; das frühe Aufwachen und Aufstehen incl. der Bewegung an der frischen Luft heute (das bin ich ja gar nicht mehr gewohnt bei der ganzen Büroluft unter der Woche *g*) fordern ihren Tribut. Morgen geht es dann in diesem Theater weiter. :D

7d7b mini - Tag 3 (Teil 2) - Tod im Tower von Emma Goodwyn

Hehe, ich habe ein weiteres meiner persönlich gesteckten Ziele für diese Mini-Aktion erreicht, nämlich dieses angefangene ebook zu beenden. Während ich mir einen leckeren Milchkaffee und danach noch einen Tee gegönnt habe, las ich die restlichen ca. 30 % von "Tod im Tower" von Emma Goodwyn.

Wie im gestrigen Post schon gesagt, spielt dieser Krimi im Milieu der Yeoman Warders im Tower, wo während der Schlüsselzeremonie eine Besucherin getötet wird. Natürlich stellt sich die Frage: Whodunnit? Und selbstverständlich auch warum? ;)

Neben den Ermittlungen der Polizei, die von Superintendend Simon Whittington geleitet werden, wünscht der Chief der Yeoman Warders aber eigene Ermittlungen, die von dem erst vor kurzem in den dortigen Dienst eingetretenen John Mackenzie durchgeführt werden sollen. Letzterer war vorher in der Armee als Psychologe tätig und scheint Chief Mullins für den Job geeignet. So weit so gut - nur werden die Ermittlungen dadurch verkompliziert, dass Simon und John verwandt sind (und kein gutes Verhältnis haben) und dass der alsbald verhaftete Verdächtige (dem John die Tat nicht zutraut) nur schweigt ...

Leider habe ich kaum etwas über Emma Goodwyn herausfinden können, außer dass es ein Pseudonym für eine Psychologin ist. Da das ebook keine Übersetzung erwähnt, dürfte der deutschsprachige Roman von einer deutschsprachigen Autorin geschrieben worden sein. Ich habe nämlich an ein paar Stellen überlegt, ob es an der Übersetzung liegt oder am Schreibstil der Autorin.

Um es klar zu stellen: Ich habe den Roman, als ich endlich Ruhe hatte, sehr zügig gelesen. Die Geschichte hat mich schon wegen des ungewöhnlichen Settings interessiert. Ob und inwieweit die Ausführungen zu den Abläufen im Towergelände, beim Ravenmaster, die Qualifikationen zum Yeoman Ward und die Örtlichkeiten stimmen, kann ich zwar nicht beurteilen, aber ich gehe davon aus. :) Der Krimiplot bot im Hinblick auf den Täter für mich ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Überraschung, die Frage war nur, wie und wann die Lösung präsentiert wird. Schlimm fand ich das grundsätzlich nicht, wenngleich ich mir zum Ende hin wünschte (wohl weil der Täter bekannt war), die Autorin wäre schneller auf den Punkt gekommen.

Was mich immer mal wieder etwas aus dem Lesefluss herausbrachte und vielleicht auch dafür sorgte, dass mich die Charaktere nicht so recht überzeugen konnten, war, dass manche Beschreibungen, Dialoge oder Informationen, die die Autorin für wichtig und mitteilsam erachtete, etwas, hm, umständlich wirkten. Ein Beispiel: John soll einer Frau beim weihnachtlichen Schmücken helfen. Emma Goodwyn lässt John daraufhin in direkter Rede zur Frau sagen, dass sein Dienst erst am Mittag beginnt und er daher noch ein wenig Zeit hat. Gefühlsmäßig hätte ich es "flüssiger" und in der Situation echter empfunden, wenn John in direkter Rede kurz gesagt hätte: "Gern, ich habe erst ab Mittag Dienst." Manchmal ist es der Satzbau, manchmal ein Wort in einem Satz, welches mich stolpern ließ, wie z.B. dass aufgrund des Inhaltes der Regenbogenpresse eine bestimmte Person und seine Familie "beschädigt" wird (gemeint ist sicher, dass der Ruf der fraglichen Person leidet).

Ein anderer Aspekt sind Johns Beiträge zu den laufenden Ermittlungen aufgrund seiner psychologischen Ausbildung, die vom Chief und der Familie als essentiell herausgestellt werden. Natürlich bewegt sich der Plot über die Story hinweg um John herum und selbstverständlich leistet John Beiträge. Aber für mich hatten diese weniger mit seiner früheren Arbeit als Psychologe zu tun (oder mit einer besonderen Lebenserfahrung), sondern damit, dass er eher als Freund bzw. Familienmitglied in der Lage war, an bestimmte hilfreiche Informationen für den Fall zu kommen. Das Zusammenspiel John/Plot wirkte auf mich irgendwie nicht "organisch". Vermutlich mache ich mich nicht gerade sehr verständlich, aber ich kann es nicht besser ausdrücken (insbesondere nicht, ohne zu spoilern). Lest den Roman am Besten selbst (als PrimeKunde kann man ihn - zumindest aktuell - kostenlos leihen) und vielleicht versteht Ihr was ich meine - selbst wenn Ihr es nicht so empfinden solltet. :)

Trotz all dieser Punkte hat mir der Roman zugesagt und ich kann mir vorstellen, dass die nächsten beiden Romane um John Mackenzie insgesamt "flüssiger" sind. Vielleicht hole ich sie mir irgendwann auf den Reader und teste diese Theorie. :)

Hm, wozu greife ich jetzt? Ich habe ja noch ein paar angefangene Romane hier liegen.... Ach, erst drehe ich mal eine Feedreader-Runde und dann entscheide ich mich später spontan - und berichte darüber später am heutigen Tage in einem separaten Post.

7b7d mini Tag 3 (Teil 1) - The Importance of Being Earnest by Oscar Wilde (audio)

Ah... Samstag! Ich hätte es schöner gefunden, wenn ich nicht bereits um halb sieben wach geworden wäre - nein die MuMs waren nicht schuld -, aber das frühe Aufstehen führte zumindest dazu, dass ich bereits jetzt ein erstes HörBUCH erledigt habe. Nun ja, um ehrlich zu sein: Es war ein knapp 2stündiges Hörspiel, eine dramatisierte Fassung von "The Importance of Being Earnest" by Oscar Wilde (klick: Hörprobe), an welcher u.a. Amanda Root (die ich aus einer Verfilmung von "Persuasion" by Jane Austen kenne) und Dame Judi Dench (als Lady Bracknell) mitwirken sowie Michael Sheen als John Worthing, um die wohl bekannteren Namen hier mal in den Raum zu werfen.

Während ich mich gegen 8.00 Uhr mit Peddy in der Gegend unterwegs war, habe ich mich mit "The Importance of Being Earnest" amüsiert. Die restliche Stunde habe ich dann daheim schmunzelnd beim geruhsamen Sektfrühstück - ja, das habe ich mir gegönnt - gehört.

Die beiden Lebemänner Jack (John) Worthing und Algernon Moncrieff sind kreativ, wenn es gilt, unbequemen Verpflichtungen aus dem Weg zu gehen oder sich Freiräume zu schaffen. Während Algernon regelmäßig seinem Freund Bunbury beistehen muss, der so häufig krank ist, dass er eigentlich mit einem Bein im Grabe sehen müsste, erfindet Jack seinen Bruder Ernest, der in der Stadt sein Unwesen treibt und den er immer wieder zur Raison bringen muss. So wird Jack zu Ernest in der Stadt und Algernon zu Bunbury auf dem Land. Schwierig wird es nur, als sich "Ernest" mit Gwendolen verloben will (Algernons Cousine und Lady Bracknells Tochter) und Algernon neugierig auf Jacks bildhübsches Mündel sich letzterem auf dem Land als "Ernest" vorstellt.

Mal abgesehen von den Irrungen und Wirrungen an sich zeichnet sich das Stück durch eine großartige Spielfreude mit der Sprache aus. Augenfällig ist natürlich "earnest"(ehrlich) im Zusammenhang mit der Art, wie Algernon und Jack ihr Leben führen, aber über das ganze Stück hinweg bis hin zum Schluss wird "earnest" (moralisch ernsthaft, wirklich) immer wieder thematisiert.

Aber auch im Übrigen glänzt der Text von Wortspielen (wozu ich auch den Namen der Gouvernante Prism zähle, der ausgesprochen verflixt ähnlich wie prison klingt) und Bonmonts, für die Wilde berühmt und berüchtigt war und ist. ;)  So wird das gesellschaftliche Leben der Aristokratie, ihre (heuchlerischen) Einstellungen zur Moral satirisch mit leichter Hand und voll Witz vorgeführt (welch ein Gegensatz zu Dorian Gray), was dieser auf den ersten Blick "einfach" unterhaltsamen Verwechslungskomödie eine weitere Ebene verleiht.

Die Darsteller - Sprecher mag ich sie kaum nennen - leisten hervorragende Arbeit, die Dialoge wurden lebhaft vorgetragen, die Sätze flogen mir nur so um die Ohren. Dennoch hatte ich keine Probleme, den Worten zu folgen bzw. den Sinn zu verstehen. Ich denke, dass die Darsteller einfach ihr Handwerk (Aus-Sprache) verstehen - aber möglicherweise spielt auch hinein, dass ich relativ gut das Englische hörend verstehe (Film- und Serientraining *g*) und mit dem Stück vertraut bin. Kombiniert mit klapperndem Geschirr und dem Gurkensandwich oder Muffins kauenden Algernon war dies ein wunderbares kurzweiliges Hörerlebnis.

Ich werde wohl gleich meinen englischen Krimi weiterlesen, wie der Tag 3 lesetechnisch weiter läuft, gibt es in einem separaten Post zu lesen.

Freitag, 21. März 2014

7d7b mini - Tag 2

Mich überrascht nicht, dass ich den ganzen Tag über keine Zeile privat gelesen habe. Allerdings bin ich dieses Mal auch nicht dazu gekommen, mein weiteres angefangenes Hörbuch - "Das Tagebuch des Oscar Wilde" von Peter Akroyd - weiter zu hören, ich hatte einfach keine Lust dazu und habe mich lieber von Grace and Tony (z.B. mit November) musikalisch ablenken lassen.

Nach dem Wochenendeinkauf, den ich nach der Arbeit auch gleich erledigt habe, waren die MuMs zu versorgen - und dann habe ich mich erst einmal um den Feedreader gekümmert und natürlich auch die Posts der anderen Teilnehmer/innen gelesen.

Tja und jetzt tippe ich hier und befinde mich dabei schon in der Koje. ;) Mal sehen, vielleicht lese ich gleich noch etwas in "Tod im Tower" von Emma Goodwyn (ich muss immer an "Der Zauberer der Smaragdenstadt" von Wolkow denken, wenn ich den Nachnamen lese *g*). "Tod im Tower" spielt im Milieu der Yeoman Warders  Während Besucher dort die Schlüsselzeremonie beobachten können, wird eine Besucherin getötet, das Zeitfenster ist klein und die Anzahl auf dem Gelände befindlichen Personen zumindest überschaubar. Whodunnit?

Donnerstag, 20. März 2014

7d7b mini Tag 1

Wie erwartet bin ich heute nicht zum Lesen gekommen bzw. hatte ich nicht wirklich Lust dazu. Vielmehr habe ich abends nur eine unterhaltsame Folge Akte X (ich bin inzwischen in Staffel drei agenkommen) gesehen, in welcher dem Anschein nach Menschen von Aliens entführt werden und dann ein dritter Außerirdischer auftaucht und mehr oder weniger die Aliens zusammenstaucht ...

Aber es geht ja bei 7d7b um Bücher, also Schluss mit Akte X.

Bevor ich jetzt gleich das Licht lösche und mein Haupt zur Ruhe bette, wollte ich aber mitteilen, dass ich zumindest mein HörBUCH "The unexpected Mrd. Pollyfax" by Dorothy Gilman beendet habe. Wozu eine Fahrt mit Peddy zur Arbeit und zurück doch gut sein kann. ;) Ich hoffe, dass ich mich in den nächsten Tagen zum Schreiben eines Nach-Klangs aufraffen kann (wäre ja auch für die Hörbuchchallenge nicht schlecht *g).

Für heute aber sage ich aber gute Nacht ... :)

Dienstag, 18. März 2014

7 Days 7 Books Mini

Bei der Winterkatze habe ich die "7 Books 7 Days" Aktionen von Melli und Mandy ja schon häufiger "mitbekommen", aber das Verhältnis zwischen Arbeitsanfall bei mir und der Aktion ist regelmäßig etwas, hm, unharmonisch. Ich bin mir daher auch noch immer nicht sicher, ob ich an der regulären Aktion 2014, die in der Karwoche stattfindet und den Ostermontag einschließt, teilnehmen werde.


Aber bei der Miniversion, die diese Woche am Donnerstag (20.03.2014) beginnt und bis incl. Sonntag (23.03.2014) läuft, werde ich einfach mal einen Versuch starten. Ich hoffe, dass ich zumindest von Freitag bis Sonntag aktiv(er) teilnehmen kann und es auch schaffe, ein paar meiner angelesenen Bücher bzw. Hörbücher abschließen zu können.Ich denke, in diesem Post hier werde ich die Ergebnisse (hoffentlich *g*) meiner Bemühungen zusammengefasst verlinken.

Na dann...

- Am ersten Tage habe ich das Hörbuch "The unexpected Mrs. Pollifax" beendet.

- Am zweiten Tag habe ich abends nur noch etwas in "Tod im Tower" gelesen.

- Am dritten Tag habe ich das 2stündige Hörspiel "The Importence of Being Earnest" by Oscar Wilde gehört, "Tod im Tower" von Emma Goodwyn beendet und mir die Novelle "Böser kleiner Junge" von Stephen King zu Gemüte geführt.

- Am vierten Tag habe ich mein Hörbuch "16.50 Uhr ab Paddington" von Agatha Christie begonnen und außerdem vom Stapel angelesener Bücher "Schroders Schweigen" von Amity Gaige sowie "Meine Cousine Emilia" von Vlada Urosevic beendet.

Es war ein großartiges Lese-/Hörwochenende!

Samstag, 15. März 2014

Heute unterwegs

Ich war mit Peddyheute ein Stündchen unterwegs. Und während ich hier vorbeifuhr





und auch schon mal selbst gemustert wurde





habe ich  gelauscht, wie Mrs. Pollyfax sich in einer nicht gerade sehr gastlichen Umgebung schlägt und dabei auch pflegerisch bzw. aus der Not heraus sogar medizinisch tätig werden muss - zumindest kann die rüstige Dame in einem interessanten Buch über ein Land schmökern und eine Partie Solitär spielen (mit richtigen Karten, nicht an einem Computer). Barbara Rosenblat, die ich als Vortragende in der Amelia-Peabody-Reihe von Elizabeth Peters kennen und schätzen gelernt habe, liest auch "The unexpectet Mrs. Pollyfax" by Dorothy Gilman ganz wunderbar (auf der verlinkten Seite gibt es auch eine Hörprobe).

Sonntag, 9. März 2014

Zwischendurch

Am Sonntagmorgen habe ich den Rest "Sleeping murder" auf dem BBC-Player auf englisch geschaut. Die Kombination erst den Roman lesen/hören, dann die Verfilmung mit Joanne Hickson schauen lässt mich an Arianas Buchverfilmungschallenge denken. ;) Die Umsetzung ist nah am Original, besonders lustig fand ich die Szene, in der Miss Marple am Boulevard sitzt, Gwenda kommen sieht und die flugs so tut, als läse sie die Zeitung - natürlich erkennt Gwenda sie und Miss Marple ist soooo überrascht. ;)

Beim Abspann sah ich, dass ein Frederick Trevers den Dr. Kennedy gespielt hat. Es war noch gar nicht so lange her, da habe ich diesen Namen gehört bzw. im Zusammenhang mit dem Hörspiel "Der Elefantenmensch" geschrieben. Eine kurze Rechercher ergab, dass der Schauspieler tatsächlich mit diesem Arzt verwandt ist. Zufälle gibt es.

Ist es nicht großartig, wie sich das Wetter entwickelt hat. Am Donnerstag sah es morgens noch so aus



am Samstagabend so



und auch heute ist es traumhaft schön. Die Magnolie unterhalb meines Balkons treibt sozusagen Blüten. Ach ja, Balkon. Ich wollte heute auf den Balkon, später etwas Rad fahren ... Auf den Balkon bin ich auch, allerdings pfundweise gefallen und mit dem Knie zuerst, während ich noch versuchte, mich mit der Hand am dort stehenden Katzenkratzbaum festzuhalten. Ergebnis: Knie geschwollen, Handfläche am Sisal aufgeschrammt - immer wieder schön, so auf Balkonfliesen zu knallen. Wirklich, ich hatte das noch gut in Erinnerung vom letzten Boltenhagen-Urlaub und hätte eine Auffrischung nicht gebraucht, hmpf. Naja, zumindest der Kratzbaum hat es unbeschadet überstanden. Man muss ja Prioritäten setzen. ;) Radfahren habe ich mir dann erst einmal geschenkt, dafür das schöne Wetter auf dem Balkon lesend genutzt (mit einem Kühlgelpack auf dem Knie). Die MuMs waren von dem Wetter auch ganz angetan.



An diesem Wochenende habe ich die griechischen Hartweizennudeln mal ausgetestet, die wie zu groß geratener Reis aussehen, aber nach Pasta schmecken. Kaufen werde ich sie nicht noch einmal. Aussehen und Konsistenz (die Größe kombiniert mit dem Pastageschmack) sind nicht meins, aber nun, ich musste sie aufbrauchen. Am Samstag hatte ich sie mit frischen Champignons kombiniert, die restlichen Nudeln kamen am Sonntag in diesen Auflauf mit Zuchini, Erbsen, drei Cocktailtomaten, restlichem Schwarzwälder Schinken und natürlich Käse.  Aber ich bleibe dabei, nochmal kaufen werde ich sie nicht. ;)

Ich lese momentan weiterhin "Schroders Schweigen" von Amity Gaige und mir gefällt auch, was ich lese. Es geht - ganz grob - um einen Hochstapler und sein Familienleben - in Trennung und nur mit Besuchsrechten für die Tochter. Aber ich muss auch sagen, dass es MIR entgegen der Klappentextwerbung recht leicht fällt, das Buch zur Seite zu legen und etwas anderes zu tun. Ein Hörbuch weiter zu hören z.B. oder eine weitere Folge Akte X zu schauen. :)

Und wie ich gerade sehe, hat es wirklich nicht sehr lange gebraucht, bis die gestern früh frisch geputzten Fenster von Marlowe "eingeweiht" wurden ...

"Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" von Jules Verne (audio)

Es ist so lange her, dass ich das Buch "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" gelesen habe, dass viele Details meiner Erinnerung durch den (oder die?) Filme ersetzt wurden (ich glaube, es war diejenige mit James Mason). Wie überrascht war ich z.B. zu hören, dass die Expedition deutlich weniger Personen aufwies als von mir erinnert ...

Die Geschichte beginnt im Hause des Professors Lidenbrock zu Hamburg und wird von dessen Neffen Axel erzählt. Dieser berichtet davon, wie sein Oheim eines Tages mit einem antiken Buch nach Hause kommt und in diesem eine verschlüsselte Runeschrift des Isländers Arne Saknussem findet. Dieses Ereignis führt dann letztlich zur Expedition des Professors und des ihn unwillig begleitenden Neffen Axel; das Trio wird auf Island von dem stoischen Hans komplettiert.

Für mich war dabei die "Vorgeschichte", wie es also zur Entschlüsselung der Schrift bis zum Abstieg in den Krater kommt, ebenso interessanter als die Ereignisse danach. Die Charakterisierung von Professor Lidenbrock durch die Augen seines Neffen erfolgt dabei schon sehr frühzeitig- und ebenso Axels durch seine eigenen Aktionen. Selbst wenn man bedenkt, dass letzterer ein junger Mann und abhängig von dem Professor ist, so wirkt Axel zusätzlich auch charakterlich schwach, bequem und mit phlegmatischen Tendenzen. Bezeichnend ist, dass er im Gegensatz zm Professor den Code erkennt, die Expedition gern verhindern will - um bei seinem Gretchen und in Sicherheit zu bleiben - , er aber dennoch in der Lage ist, sein Geheimnis zu bewahren: Denn er schafft es nicht, kurzfristig dem Hunger im Hause des Professors zu widerstehen oder selbständig einen Weg zu suchen (und zu finden), um gegen diesen anzugehen. Der Professor dagegen ist cholerisch veranlagt, überheblich, dominierend und nicht kritikfähig (wenn sich Axel denn dazu aufschwingt). Dass die beiden trotz ihrer Unterschiede und Streitereien aneinander auch emotional hängen, zeigt sich aber auf der späteren Expedition ebenso, wie ihnen die Charakterschwächen Probleme bereiten. ;)  Jules Verne hatte nämlich keine Hemmungen, letztere immer wieder vorzuführen, z.B. wenn der Professor Lidenbrock auf Island durch einen Kollegen im Zusammenhang mit dem Bibliotheksbestand zusammengestutzt wird oder Axel erkennen muss, dass Gretchen mutiger und neugieriger ist als er selbst.

Neben der Idee, solch eine Forschungsreise zum Gegenstand eines Romans zu machen, finde ich noch immer faszinierend, wie Verne Fiktion und Realität vermischt. Die Forscher finden ein unterirdisches Meer und besondere Bäume - aber im gleichen Roman spricht er über die Gefahren von Grubengas, die Entstehung (und Verwertung) von Kohle oder geologische Gesteinsschichten oder führt Berechnungen vor (Abstiegsdauer). Der Autor Snorri Sturluson des antiken Buches (in dem sich die Schrift befindet) ist eine historische Person, der Isländer Saknussem dagegen nicht. Es wird im Roman eine Ruhmkorfflampe verwendet und gepriesen, eine tragbare elektrische Leuchte. Gab es sie damals? Meine Recherche brachte mich auf die Seite von Andreas Fehrmann, der sich damit beschäftigt hat (klick). Das Ergebnis: Ja, in 1862 wurde eine entwickelt - der Roman erschien 1864  -, die technische Entwicklung ging jedoch auf Dauer in eine andere Richtung. Für damalige, technisch interessierte, Leser war Ruhmkorff wohl ein Begriff, meine Recherche heute war etwas aufwändiger. ;)

Heutzutage sind die im Roman angeführten Theorien zur Entwicklung der Erde oder Geologie hoffnungslos veraltet, damals, stelle ich mir vor, war es - selbst unvollständig oder fehlerbehaftet - unterhaltsam verpacktes Wissen, Urban-Phantastik. Die Romane regten - und regen noch heute - die Fantasie an, mögen sie bereits damals Fehler enthalten haben oder heute in naturwissenschaftlicher Hinsicht veraltet sein. Es hat seinen Grund, warum so viele Menschen noch immer etwas mit Nautilus, Phileas Fogg, Captain Nemo anfangen können oder wissen, dass Zugang zum Mittelpunkt der Erde in einem Vulkankrater zu finden ist, selbst wenn man sich nicht an den Namen Snäfields Jöcul erinnert. ;)

Ich mag die "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" mit ihren quasi-wissenschaftlichen Exkursionen noch immer, auch wenn mir heute das Ende (vor dem "Aufstieg") etwas gehetzt vorkommt. Jules Verne gefiel dieser "Zwischenschluss" vielleicht, um das Mysterium aufrechtzuerhalten, vielleicht fiel ihm auch nichts mehr ein oder er war unter Zeitdruck, weil die Recherchen für ein neues Buch drängten, wer weiß. ;)

Noch ein paar Anmerkungen zur Sprache und der Lesung:
Ich fand Syntax und Sprache großartig antiquiert. Peinlich wird hier noch in direkter Ableitung von dem Wort Pein verwandt. Man geht auf die Bibliothek; das Wort Vierländerin musste ich erst einmal googlen und der Oheim wird gesiezt, um nur Beispiele zu nennen.  Für mich passte das ganz hervorragend zum Jahr 1863, in welchem die Geschichte beginnt. Timmo Niesner verleiht Axel nicht nur eine jugendliche Stimme, sondern transportiert die gesamte Geschichte lebendig und abwechslungsreif (okay, bei der Auflistung der Runen bzw. des Alphabets ist es etwas langweilig, aber hier würde jeder Sprecher an seine Grenzen kommen *g*). Und das antiquierte Deutsch kommt ihm problemlos über die Lippen. Eine Hörprobe findet Ihr hier (klick).


Dienstag, 4. März 2014

"Ruhe unsanft" von Agatha Christie (audio, vollständig)

Es hat ja nicht wirklich lange gedauert, bis ich den nächsten Agatha-Christie-Roman gehört habe. Nachdem mir Sayuri diesen Romantitel ans Herz legte, habe ich mich bei den Audioproduktionen umgeschaut und nur zwei gefunden: eine gekürzte Version, gelesen von Katharina Thalbach, der vor ca. einem halben Jahr von der Winterkatze besprochen wurde, und diese - bislang einzig existierende - ungekürzte Version von "Ruhe unsanft", gelesen von Gabriele Blum (es wäre sicher interessant, einen direkten Vergleich der beiden Hörbuchversionen vorzunehmen, das überlasse ich aber der Winterkatze *g*).

Die junge Gwenda Reed trifft ein paar Tage früher als ihr Ehemann in England ein und macht sich auf die Suche nach einem ehelichen Haus. Sie wird in dem Seebad Dillmouth fündig: Das Haus kommt ihr direkt wie ein Heim vor, alles wirkt direkt vertraut und so, wie es sein soll. Aber es ist schon irgendwie merkwürdig, dass sie weiß, wo es einen Wanddurchbruch gab oder wo sich früher die Steinstufen im Garten befanden.... Und dann hat sie auch noch einen Zusammenbruch während einer Theateraufführung, die sie zusammen mit Miss Marple und deren Neffen samt Ehefrau besucht und in dessen Folge Gwenda überlegt, ob die von ihr erinnerte tote Frau eine Tatsache oder eine Illusion ist.

Im Mittelpunkt der aus neutraler Sicht erzählten Geschichte steht das junge Ehepaar Reed. Miss Marple steht - wie in "Mord im Pfarrhaus" - eher am Rande des Szenerie und ist, nachdem die Ereignisse von den Reeds in Gang gesetzt wurden, dennoch mit ihren Anmerkungen und Hinweisen essentiell für den Fortgang des Geschehens. Letzteres dreht sich, wie schon gesagt, regelmäßig um die Reeds und so bin ich im Wesentlichen ihnen gefolgt, bei ihrer Detektivarbeit aber auch ihren Rätseleien und Schlussfolgerungen. ;) 

Diese Detektivarbeit der Reeds gestaltet sich übrigens auch nicht so einfach. Das hängt natürlich nicht nur damit zusammen, dass zunächst herauszufinden ist, wer die erinnerte Frau war und welches Schicksal sie tatsächlich ereilt hat. Außerdem sind es kindliche Erinnerungen Gwendas, also muss sie die Frau vor rund zwei Jahrzehnten gesehen haben - falls überhaupt. Und natürlich können die Reeds weder einen Vertrauensvorschuss wie z.B. ein Pfarrer für sich in Anspruch nehmen, noch können sie wie die Polizei einfach Fragen stellen. Die Reeds - und auch Miss Marple, deren Gesundheit es ganz offensichtlich erforderlich machte, genau dieses Seebad aufzusuchen - müssen also manchmal ein paar Umwege auf ihrer Suche nach Antworten machen.

Diese Wege, auf die Agatha Christie die Reeds und Miss Marple geführt hat, fand ich wirklich interessant - und dennoch bin ich ab und an beim Hören gedanklich abgeschweift. Der Grund lag nicht im Plot, sondern in der Lesung: Frau Blum hat zwar einen guten Job gemacht; sie liest flüssig und verleiht den einzelnen Charakteren verschiedene Färbungen, sodass sie unterscheidbar sind. Jedoch ist Frau Blums Vortragsweise ruhig, beinahe sanft zu nennen. Dies passt zwar recht gut zum Titel an sich ;) und zu Miss Marple incl. ihren Erläuterungen. Allerdings führte diese Lesart bei mir dazu, dass ich von der gefühlt vor sich hin plätschernden Lesung ab und an etwas, ja, eingelullt wurde. Im Nachhinein muss ich sagen, dass mich die Vortragsweise an meine Kinderzeit erinnerte, wenn meine Schwester mir - im Bett liegend - vorlas. ;) Alles in allem hätte ich mir also eine etwas abwechslungsreichere und - z.B. wenn die jungen Leute miteinander reden - lebhaftere Vortragsweise gewünscht..

Es ist schon irgendwie lustig, dass meine ersten beiden Agatha-Christie-Romane der erste und der letzte Miss-Marple-Roman sind. Beide gefielen mir von der Story her und auch wenn ich bei beiden mit der Lesung nicht zu 100 % glücklich war, bin ich mit dem Hörbuchkauf jeweils zufrieden. ;) Mal sehen, wie mir der dritte Miss-Marple-Roman in Hörbuchform (16.50 Uhr ab Paddington) gefällt und welchen Eindruck Hercule Poirot in "Tod auf dem Nil" auf mich machen wird.