Freitag, 28. Februar 2014

Charles Darwin. Reise um die Welt (audio)

Immer wieder höre ich Wellen, die an Holz schlagen, das leise knarzt,
das Geräusch einer auf dem Papier dahingleitenden Feder,
das leise Mitsprechen des Textes im Schreibrhythmus.

Kein Zweifel, ich befinde mich auf einem Schiff und höre jemandem zu, der Briefe bzw. Berichte niederschreibt. Es ist der junge Charles Darwin, den ich bei diesem Hörbuch auf seiner rund 5jährigen Reise um die Welt begleite.

Dabei beginnt "Charles Darwin. Reise um die Welt" nicht direkt mit der Seefahrt, sondern mit einem Briefwechsel. Dieser führte dazu, dass der damals knapp 22 jährigen Charles Darwin an der Vermessungsfahrt der HMS Beagle teilnimmt. Er begleitet sie in seiner Eigenschaft als Geologe, aber wie seine Berichte zeigen, ist er auch als Botaniker und Biologe unterwegs: ein Naturforscher, der beobachtet, Gesteinsproben u.a. sammelt und entsprechende Berichte verfasst. 

Ich habe dem Vortrag Matthias Haases gern gelauscht, der zu 99 % die Lesung bestreitet (Herr Kuschmann kommt zu Beginn einmal zu Wort). Briefe und Reiseberichte können schnell trocken wirken, aber hier fand ich einen flüssigen Vortrag, der mich Darwins Staunen und Begeisterung, seine Belustigung, Unwohlsein und auch seine Missbilligung spüren ließ: Sei es, weil er regelmäßig seekrank wurde oder weil er spitzbübisch eine Schildkröte überholt, die ob des plötzlich Auftauchenden erschreckt reagiert. Oder sei es, wenn er kritisch und kritisierend beobachtet, wie Sklaven und/oder Ureinwohner behandelt werden.

Die Auszüge aus den historischen Briefen und Berichten sind natürlich keine Prosa, sondern Reisebericht. Manche Worte und Sätze wirken etwas antiquiert, was ich jedoch nicht als störend empfand. Einige Passagen enthalten fachspezifizische Bezeichnungen, in anderen finden sich Darwins Überlegungen, z.B. zur Entwicklung der Korallenriffe. Immer wieder werden Vögel oder Landschaften beschrieben, aber er legt auch Beobachtungen menschlichen Verhaltens nieder. Angesichts dieser Fülle an Informationen sind beim Hören bei mir einige Teile nicht icht hängengeblieben, aber auch das finde ich nicht schlimm, weil ich die Lesung insgesamt dennoch sowohl informativ als auch unterhaltsam empfand. :)

Den Titel kann ich problemlos Winterkatzes Sachbuch-Challenge zuordnen. Ich frage mich nur gerade, ob ich ihn auch bei Arianas Hörbuchchallenge unterbringen kann: die gelesenen Briefe und Berichte sind ja auch als Buch veröffentlicht worden, wenngleich wohl nicht in explizit identischer Form wie dieses Hörbuch?

Mittwoch, 26. Februar 2014

Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen von Franziska Wilhelm

Was ist das für ein Romantitel? Nun, jedenfalls ließ er mich zu "Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen" von Franziska Wilhelm greifen und damit hat er zumindest bei mir wohl seine Schuldigkeit getan. :) Und ja, er hängt mit der Geschichte zusammen. 

Franziska Wilhelms Protagonistin Milla ist eine junge Frau, die mit ihrer Familie im dörflichen Einerlei lebt und in der mehr oder weniger heruntergekommenen Sportlerkneipe der Familie aushilft. Letztere liegt nahe von Bahnschienen, an denen häufiger Menschen in den Freitod gehen. Das ist allseits bekannt - Millas Familie, den Dorfbewohnern, den Selbstmordgefährdeten etc. Dieser Teil des Settings bereitete und bereitet mit weiterhin grundsätzlich Unbehagen: Diese Menschen - wie z.B. auch Geisterfahrer oder Autobahnbrückenspringer (jeweils mit Selbstmordabsicht) - nehmen bewusst das Trauma und die Verletzung Unbeteiligter in Kauf. Dieser Problemkreis wurde von der Autorin nicht komplett außen vor gelassen, für meinen Geschmack aber auch nur gestreift. Nun kann man natürlich sagen, dass dies das Recht der Autorin ist, diese Umstände als gegeben darzustellen und sich auf Milla, ihre Familie und Kalle, mit dem Milla letztlich eine Fahrt unternimmt zu konzentrieren (und natürlich ist der Ort des Aufbruches für die Geschichte ebenso wichtig wie die Fahrt). Aber als Leser kann ich mir trotzdem wünschen, Franziska Wilhelm wäre intensiver auf diesen Problemkreis eingegangen, Gelegenheit hierfür gab es jedenfalls. 

Aber abgesehen hiervon, hat mir der Roman gut gefallen. Es gibt zwar keinen klassischen Spannungsbogen, aber die erzählten Geschichten - allen voran natürlich Millas Entwicklung, aber auch Kalles und die von Millas Familie - sind interessant. Vermutlich sprachen mich die erinnerten bzw. geschilderten Geschehnisse - sie spielen vor und nach der Wende  - auch deswegen an, weil sie vertraut erscheinen: sei es weil Bekannte ähnliches erlebt haben und/oder die emotionalen Auswirkungen für mich nachvollziehbar sind oder ich einfach etwas mit "Überbrühtem" und Caro-Zigaretten anfangen kann. Dass die Autorin eine klare einfache Sprache nutzt, die meinen Geschmack getroffen hat, kommt dann natürlich nur noch hinzu. Und ich mag das Ende. :)

Sonntag, 23. Februar 2014

Tuning des Lütten :)

Im Kommentar zu meinem Zuwachspost habe ich es bereits angedeutet, dass der Lütte im Idealfall oben noch einen erhöhten Abschlussrand hätte haben können.

Nachdem ich eine Stunde durch den örtlichen Baumarkt gelaufen bin, um die Einzelsachen zusammenzusuchen und jemanden an der Schneidemaschine zu finden, bin ich mit einer durchsichtigen Bastelglasscheibe mit den Maßen 50 x 50 cm und zwei selbstklebenden dunkelbrauen Kantenleisten á 1,00 m, die ich mir je in 2 x 50 cm lange habe kürzen lassen, nach Hause geradelt. Kosten: 11 Euro.

Daheim habe ich binnen 5 Minuten einen Rahmen um meinen Bastelglas geklebt. Dann habe ich vier Streifen von einer Antirutschmatte (da hatte ich noch Reste im Haus) geschnitten, die schmaler als die Kantenleisten waren. Diese Streifen habe ich direkt an die Kanten des Lütten gelegt: Sie bewirken tatsächlich, dass der gebastelte Rahmen nicht verrutscht und ich kann trotzdem jederzeit den Rahmen vom Lütten nehmen.

Das Ergebnis seht Ihr hier. Es ist an den Ecken nicht perfekt, aber für mich völlig in Ordnung. :)



Jetzt können die MuMs die Sachen auf dem Lütten auch nicht durch Zufall herunterschieben. :)

Samstag, 22. Februar 2014

Mord im Pfarrhaus von Agatha Christie (audio)

Das war er also, der erster Roman von Agatha Christie, den ich mir einverleibt habe. Ich arbeite an meinen Bildungslücken. :) Zwar habe ich ihn nicht selbst gelesen, sondern der Herr Thomas Loibl, aber das soll hier nicht weiter stören, nicht wahr? Zumal diese Umsetzung den Vorteil hat, dass ich sie Arianas Hörbuchchallenge zuordnen kann. :) Über die mp3-CD war ich zufällig gestolpert - dass es sich um den ersten Roman mit Miss Marple handelte, habe ich erst später erfahren.

Wie es der Titel nicht anders erwarten lässt, findet im Pfarrhaus ein Mord statt. Der Dorfpfarrer - der mit einer deutlich jüngeren Frau verheiratet ist; seine Schilderung hierzu brachte mich zum Schmunzeln  -, findet Colonel Prothero erschossen im Arbeitszimmer des Pfarrhauses. Wer war es? Der Colonel war kein einfacher Zeitgenosse und nicht gerade das beliebteste Mitglied der Gemeinde. Kurz vorher hatte er dem Pfarrer quasi Unterschlagung vorgeworfen, was letzteren empörte. Protheros Ehe erschien auch nicht glücklich. Und als früherer Richter ging er gegen Wilderer etc. mit besonderer Schärfe vor ...

Ich war wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass mir die Geschichte aus Miss Marples (die übrigens eine Nachbarin des Pfarrers ist) Perspektive erzählt wird. Mit Beginn des Hörbuches wurde ich aber sofort eines Besseren belehrt, denn es ist Mr. Clement, der Dorfpfarrer, der über seine Erlebnisse in diesem Zusammenhang berichtet. Er ist ist, der sich mit den ermittelnden Beamten "herumschlägt" oder der von Gemeindemitgliedern um Unterredungen gebeten (was können manche Leute klatschen) bzw. neugierig aktiv wird. Miss Marple, deren Eigenschaften zwar bereits zu Beginn des Romans im Pfarrhaus erörtert werden und die einen ersten Eindruck in der dortigen Teerunde hinterlässt, erscheint dagegen erst wieder später als Zeugin - mit scharfer Beobachtungsgabe und wachem Verstand, was dazu führt, dass der Pfarrer und sie immer wieder ins Gespräch kommen.

Es ist ein irgendwie seltsames Gefühl, dass diese über Jahre hinweg präsente weltbekannte Romanfigur, im Grunde so wenig Raum im vorliegenden Roman einnimmt. Ich habe wirklich eine andere Präsenz des Charakters erwartet. Allerdings erscheint Miss Marple bereits in "Mord im Pfarrhaus" beobachtend, mit dem Dorfklatsch vertraut, durchaus selbst beitragend, jedoch ohne dabei bösartig zu sein. Das Interesse an den Menschen ihrer Umgebung ist vielmehr ehrlich und für mich ist echte Anteilnahme erkennbar. Daneben ist die ältere Dame mit Menschenkenntnis und Verstand gesegnet. So gesehen, strahlt dieser Charakter bereits bei seinem ersten Auftritt und es wundert mich nicht, dass Agatha Christie zu ihm zurückgekehrt ist. Und offensichtlich hat es diese Figur geschafft, quasi als Nebendarsteller nicht nur ihren ersten Auftritt zu überleben, sondern in ähnlicher "Randposition" auch andere Geschichten wie "16.50 Uhr ab Paddington" oder, wie ich ebenfalls hörte, "Ruhe unsanft". :)

Was mich auch etwas überraschte, war der Humor in der Geschichte. Ich kann nicht einmal sagen, weshalb ich ihn nicht erwartet hatte. ;) Ihr hättet z.B. mein grinsendes Gesicht sehen sollen, wenn dem Pfarrer daheim das Essen serviert wird ...

Die von Thomas Loibl vorgenommene vollständige Lesung gefiel mir eigentlich sehr gut. Eigentlich. Ich war nämlich an manchen Stellen etwas genervt von der, ich sage mal, abgehackten Diktion, die immer mehr oder weniger deutlich ausgeprägt bei diversen männlichen Charakteren auftrat. Ich hatte den Eindruck, dass dies verstärkt immer dann der Fall war, wenn sich der Sprecher bewusst und konzentriert um Einführung bzw. Unterscheidung von Charakteren bemühte. Dann klang sogar der Pfarrer beinahe so zackig wie ein Mann des Militärs. Dabei geht es auch anders, was Loible in der Hörbuchlesung immer wieder beweist. So klingt der Pfarrer für mich in verschiedenen Szenen trocken, beleidigt, genervt, mitfühlend, bewundernd, milde etc.  Und auch die Unterscheidung von anderen männlichen Charakteren wie dem Vikar oder dem Neffen des Pfarrers gelang.

Alles in allem war das ein charmanter Einstieg in die Romanwelt von Agatha Christie. Vielleicht war es von Vorteil, dass ich diesen ersten Miss-Marple-Roman in der Hörbuchumsetzung kennengelernt habe - online habe ich gesehen, dass manchen Lesern die Geschichte zu langatmig vorkam. Das empfand ich nicht so. Und ich bin neugierig genug, Miss Marple bei einem weiteren Abenteuer zu begleiten - und auch Poirot, den anderen berühmten Ermittler Christies, kennenzulernen.

ps
Schon wieder ein Krimi?! :)

Mittwoch, 19. Februar 2014

Zuwachs

Über diesen Zufallsfund für reduziert 170 € bei Heine.de habe ich mich riesig gefreut: Vom Design her passt der kleine Turmtisch zum großen Bücherturm. Dazu dreht sich der Lütte auch noch! Der Sebstaufbau lief auch prima; sehr gut bebilderte Anleitung. Der Lütte steht jetzt deutlich mehr bestückt als auf dem Foto neben meinem Lesesessel. :)

Samstag, 15. Februar 2014

Nach-Klänge

In der letzten Zeit habe ich drei kürzere Audioproduktionen gehört, die mir so gut gefallen haben, dass ich sie hier kurz vorstellen möchte:

Aus der Reihe "Meister der Angst" stammt das rund 1 1/4 Stunden dauernde Hörspiel "Der Elefantenmensch". Es beruht grob auf dem Buch des Arztes Frederick Trevers, das dieser über John Merrick, den sogenannten Elefantenmenschen, geschrieben hat. In dem Hörspiel wird verdichtet erzählt, wie Trevers Merrick das erste Mal begegnet und was letzterer erlebt, bis er wieder nach London zurückkehrt, wo er auch stirbt. Ich hatte bei mehreren Gelegenheiten Gänsehaut und musste schlucken - weniger, weil die Geschichte gruselig im klassischen Sinne ist, sondern wegen des emotionalen Effektes auf mich. Die musikalische Untermalung und die Geräuschkulisse im Übrigen haben ihren Beitrag dazu geleistet und natürlich auch die Sprecher, besonders wenn Merrick versucht, sich zu artikulieren. Mein im Grunde einziger Kritikpunkt war die Besetzung eines Jungen zu Hörbuchbeginn. Aber diese Sprechrolle ist so klein, dass sie für den Gesamteindruck für mich nicht ins Gewicht fiel.

Ebenfalls aus der Reihe "Meister der Angst" stammt das ähnlich lange (bzw. kurze) Hörspiel "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" auf der Basis des Romans von Robert Louis Stevenson. Die Geschichte dürfte hinlänglich bekannt sein. Während Dr. Jekyll einige Zeilen für seinen alten Freund, den Anwalt Utterson, niederschreibt erinnert er sich an die Geschehnisse, die zu diesem Brief geführt haben: Seine Forschungen mit Drogen, der ersten Erfolg, Mr. Hyde ... Mich hat auch dieses Hörspiel gepackt, unwillkürlich runzelte ich die Stirn, schüttelte den Kopf und hatte immer wieder ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Trotz der kurzen Dauer - oder deswegen? - zogen Sprecher, Geräusche und Musik mich auch hier fasziniert in die Geschichte. Eines allerdings irritierte mich etwas: Als Hyde das erste Mal erscheint, hatte ich Gollum vor Augen. Nun, meine spätere googelei erbrachte, dass Andreas Fröhlich, der hier - großartig - Jekyll und Hyde spricht, auch Gollum synchronisierte. ;)

Die "Meister der Angst"-Reihe werde ich auf jeden Fall auf dem Schirm behalten! Vielleicht habe ich ja noch einmal Glück bei Arvelle ...

Dann habe ich vor ein paar Tagen auc noch das Hörbuch "Die Messerkönigin" von Neil Gaiman beendet, welches nicht ganz vier Stunden läuft. Von den im gleichnamigen Buch enthaltenen Kurzgeschichten wurden hier sechs von Oliver Rohrbeck eingelesen:
- "Ohne Furcht und Tadel", in der eine alte Dame bei Oxfam den Heiligen Gral kauft. Ich fand die Story sehr sehr witzig.
- "Der Preis", in welchem besonders ein Kater eine wichtige Rolle spielt und die mich angerührt und gegruselt hat.
- "Die Trollbrücke" - in der es u.a. um einen unter einer Brücke lebenden Troll geht. Die Story fand ich wegen der zwei Hauptcharaktere weniger gruselig, eher traurig.
- "Charlotte", in welcher es um einen jungen Mann geht, der in einer Zeitschrift ein Modell sieht. Ich kann mir diese Story mit ihrem Verlauf und dem Ende auch gut in einem Sandman-Comic vorstellen.
- "Shaggoth's Old Peculiar", in welcher ein junger Amerikaner bewaffnet mit einem Reiseführunger einen Trip nach Großbritannien macht. Ich fand diese Story witzig, aber anders und dunkler als "Ohne Furcht und Tadel".
- Und dann gibt es noch "Der Goldfischteich und andere Geschichten". Hier kommt ein Autor wegen der Verfilmung seines Buches auf Studiowunsch nach Hollywood, um ein Treatment u. später Drehbuch zu zum Buch zu schreiben. Die Story gefiel mir mit ihren Variationen und den kafkaesk anmutenden Geschehnissen sehr und auch hier denke ich, dass sie sehr gut in einem Sandman-Comic umgesetzt werden könnte.

So toll die Geschichten auch sind, sie wurden für mich durch Oliver Rohrbeck als Sprecher mit musikalischer Begleitung noch besser. Während er z.B. zittrig die alte Dame in der ersten Geschichte liest - und die wechselnde Musik hier herrlich ist -, machen sich z.B. in "Der Preis" Verwunderung und Ängstlichkeit in Rohrbecks Stimme breit. Die musikalische Begleitung wechselt stilistisch von Geschichte zu Geschichte und passt sehr gut (z.B. wird in "Charlotte" die Unrast des dortigen Erzählers musikalisch unterstrichen). Aber auch hier habe ich einen kleinen Kritikpunkt: Ich finde die Titelbezeichnung etwas unpassend, denn eine Kurzgeschichte "Die Messerkönigin" findet man in dieser Hörbuchproduktion nicht. Gerade auf diese Geschichte (audible-Kauf, die Einzeltitel waren dort nicht gelistet) habe ich natürlich die ganze Zeit gewartet. Aber davon mal abgesehen: großartig. :)

Mittwoch, 5. Februar 2014

Die Geschichte der Kunst von E. H. Gombrich

Vor etlichen Jahren hatte mir mein Seniorchef mal ein Buch in die Hand gedrückt und gesagt "Blättern Sie mal". Bei diesem Buch handelte es sich um eine schwarze Softcoverausgabe der Geschichte der Kunst von Herrn Gombrich. Anlass war damals - glaube ich - meine Erstlektüre von "Das Mädchen mit dem Perlenohring" von Tracy Chevalier; wegen dieses Romans wollte ich mehr über Vermeer wissen. Ich schnupperte etwas in das Buch hinein und fand es gut lesbar. Es ging aber alsbald an den Chef zurück.

Vor einiger Zeit stand dieses Buchdann in der 16. erweiterten, überarbeitete und neu gestalteten Auflage (Erstauflage 1950) einfach so in einer Bielefelder Buchhandlung - und dann ungelesen ein wenig bei mir. ;) Winterkatzes Sachbuch-Challenge bot nun einen guten Anlass, Gombrichs "Kunstgeschichte" wieder zur Hand zu nehmen und dieses Mal nicht nur hier und da zu blättern, sondern es tatsächlich zu lesen.

Vorab will ich noch sagen sagen, dass ich mir aus Geschichte an sich nicht viel mache und das entsprechende Unterrichtsfach recht langweilig fand.Vielleicht liegt das daran, dass ich hauptsächlich das Erlernen von Geschichtszahlen erinnere (753 -Rom kroch aus dem Ei) und lang(wierige)e Monologe über den dreißigjährigen Krieg oder die französische Revolution, über die November(teils auch Oktober-)revolution in Russland und natürlich die Weltkriege. Geschichte wurde für mich irgendwie nicht "greifbar". Und was Kunst angeht, bin ich auch ein Laie. Mal las oder sah ich etwas, dass mich dazu brachte, mich mehr  mit einem bestimmten Künstler zu befassen (Vermeer oder Kahlo). Und natürlich habe ich auch über Literatur, Gespräche und Fernsehen weitere Sachen aufgegriffen, aber das war es auch im Wesentlichen. Mich interessierten eher erzählte Mythen als Darstellungsformen in Bild, Plastik oder Architektur.

Ich habe mich also als Neuling in Gombrichs Kunstgeschichte vertieft.

Meine Erinnerung an dieses Buch hatte mich nicht getrogen. Bereits Gombrichs Vorwort fand ich interessant - sowohl im Hinblick auf die ihm selbst gesetzten Regeln als auch auf seine Herangehensweise an das "Kompendium". Er hatte sich einen jungen Leser vorgestellt, der Kunst neu entdecken will, weshalb er möglichst allzu wissenschaftlich bzw. abstrakte Begrifflichkeiten oder Abhandlungen vermeiden wollte. Dies gelingt Gombrich zwar nicht immer - manchmal ist er etwas lehrerhaft, manchmal (besonders zum Ende des Buches hin) näherte er sich der Fachsprache stärker an -, aber überwiegend. Dies war mit ein Grund, weshalb mein Interesse wachblieb, denn hätte der Autor sich in einer chronologischen Auflistung der Entwicklung und Stile ergangen, hätte ich das Buch alsbald zugeschlagen.

Natürlich findet man diese Chronologie, aber Gombrich erzählte im besten Falle lebhaft und engagiert von den Menschen und Künstlern ihrer Zeit, was sie motivierte, weshalb sie bestimmte Objekte besaßen oder herstellen wollten. Ich fand es faszinierend, wie er meinen Blick auf Details ägyptischer Darstellungen lenkte und erklärte, wie sie von Ägyptern gesehen wurden, wie man sie auch heute betrachten sollte. Immer wieder verbindet er gesellschaftliche, soziale und religiöse Entwicklung mit den Auswirkungen, die sie für die Künstler hatten. Für mich war die Vorstellung neu, dass das radikale Bilderverbot des frühen Islam dazu führte, dass sich die dortigen Künstler Formen und Farben zuwandten und es dehalb diese fantastischen Arabesken gibt.

Über das gesamte Werk hinweg kommt E.H. Gombrich immer wieder auf die Künstler zurück, seien es Bildhauer, Architekten oder Maler. Er präsentiert immer wieder Gebäudlichkeiten oder Gemälde oder Skulpturen bestimmter Epochen und erläutert insbesondere in der Malerei Hintergründe der Entwicklung. Wie italienische Künstler um räumliche Tiefe rangen, wie Verkürzungen "entdeckt" wurden, warum Verzerrungen in Kauf genommen wurden oder "Schönheit" Komposition untergeordnet wurde, was Impressionisten bewegte oder welchen Hintergrund ein Bild Kandinskys hat. Dabei schwingt in Gombrichs Beschreibungen soviel Empathie und auch Begeisterung mit, dass ich ihm den manchmal durchschimmernden leicht lehrerhaften Ton gern verzeihe. Würde ich eine Gemäldegalerie oder ein Museum besuchen, hätte ich gern solch einen Führer.

Der Text von Gombrichs Kunstgeschichte endet zwar im 20. Jahrhundert - und seine Andeutungen zur Fotografie oder Popart sind  interessant ;) -, aber er führt nachvollziehbar aus, dass die Kenntnis der Geschichte der Kunst zwangsläufig immer unvollständig bleibt, da sie sich immer weiter entwickelt und die Bedeutung von künstlerischen Ansichten oder Künstlern sich erst in der Zukunft zeigen wird.

Ein kleines Manko von Gombrichs Kunstgeschichte ist, dass sie sich sehr stark auf Zentraleuropa konzentriert. Zwar erwähnt er durchaus Ägypten, den vorderen Orient oder Asien (insbesondere zu Beginn des Buches), aber Afrika (im Übrigen) und Australien erscheinen eher am Rande, Amerika wird gestreift. Es wäre vielleicht spannend gewesen, zu lesen, ob und wie sich die Besiedlung z.B. von Amerika auf die Kunst der Ureinwohner auswirkte bzw. umgekehrt eine Beeinflussung stattfand.

Hm, gibt es noch etwas zu bemängeln? Naja, das Buch ist wegen seines Formats und der Papierart etwas schwer und deshalb auch etwas unhandlich. :)

Das änderte aber nichts daran, dass ich die Lektüre, die durch vielfache (erklärte) Bildbeispiele aufgelockert wird, sehr lehrreich und zugleich unterhaltsam empfand; E.H. Gombrich hat Geschichte und Kunst für mich lebendig gemacht.

Dienstag, 4. Februar 2014

"Schwarze Piste" von Andreas Föhr

Als im letzten Monat bei Amazon das Audiobuch "Schwarze Piste" von Andreas Föhr im Angebot war, habe ich zugegriffen. Schließlich wollte ich schon länger mal in eine Regionalkrimi-Reihe hineinschnuppern. Bislang beschränken sich meine Erfahrungen mit Regionalkrimis auf "Frau Maier fischt im Trüben" von Jessica Kremser. Das vor kurzem gekaufte ebook "Tödliche Saat" von Elke Bergsma, einen Ostfriesenkrimi, habe ich nämlich auch noch nicht gelesen.

Aber zurück zu "Schwarze Piste". Das Hörbuch kam auf 6 CDs daher, Gesamtlaufzeit 436 Minuten, und es handelt sich um eine gekürzte Lesung durch Michael Schwarzmaier des gleichnamigen Romans von Andreas Föhr.

Polizeiobermeister Kreuthner verstreut auf der sogenannten Schwarzen Piste, die er wie seine Westentasche kennt, die Asche seines vor kurzem verstorbenen Onkels. Angesichts der Gesetzeslage in Deutschland macht er das lieber kurz vor Einbruch der Dämmerung, wenn keine Skifahrer mehr unterwegs sind. Dachte er - dummerweise kommt aber die junge Frau, Daniela Kramm, "dazwischen". Die beiden bemühen sich in der anbrechenden Dunkelheit den Weg ins Tal zu finden, als Kreuthner auf einer Lichtung von einem auf einer Bank sitzenden Schneemann abgelenkt wird. Wie er bald feststellt, trifft diese Beschreibung in keiner Weise zu ...

Wie gesagt, ist dieser Teil mein erstes Buch aus der Reihe um Kreuthner und Wallner. Ich war davon ausgegangen, dass Kreuthner ein Ermittler der Polizei ist - aber das ist so nicht ganz richtig. Also er ermittelt schon. Aber aus den Andeutungen von Wallner und seinem Team (die zum Tatort gerufen werden) habe ich entnommen, dass Kreuthner wohl mehr ein Händchen für das Auffinden von Leichen hat und es bei seinen "Ermittlungen" eher Ärger gibt. Einen ersten Eindruck davon erhielt ich gleich zu Beginn des Hörbuches. Dort werden Geschehnisse geschildert, die ein paar Jahre zurückliegen. Kreuthner hatte zu diesem Zeitpunkt gerade ein, hm, etwas unglückliches Händchen beim Kartenspiel, was zu einer, nun ich sage mal, ungewöhnlichen Nacht für ihn führte. Die Ereignisse haben mich mehrfach auflachen lassen; da kam halt Schadenfreude durch. Auch bei den Geschehnissen am Morgen konnte ich mir ein mit Schmunzeln gepaartes Kopfschütteln nicht verkneifen, wenn Kreuthner seinem jungen Kollegen in die nach seiner Meinung nach Feinheiten des Streifendienstes einführt.

Wallner bildet einen deutlichen Gegensatz zu Kreuthner. Er übernimmt die Verantwortung für die Ermittlungen, leitet das Team, führt Verhöre durch. Einblicke in sein Privatleben gibt es auch, wobei Wallner trotz all seiner Ernsthaftigkeit und Professionalität sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben als sympathischer Mann dargestellt wird, der die häusliche Situation mit Kind und Kegel aber auch Kreuthners Extravaganzen zu meistern hat.

Für mich als noch immer eher gelegentliche Krimileserin/-hörerin entfaltete sich der Plot ruhig, aber nichtsdestotrotz interssant. Das Tempo steigert sich mit voranschreitender Story und dem Fortgang der Ermittlungen, die zu neuen Erkenntnissen, aber auch Gefahren führen. Das Tatgeschehen wird geschildert, aber es findet keine detaillierte blutreiche Bestandsaufnahme o.ä statt. Das "Zusammenspiel" der beiden gegensätzen Männer Kreuthner und Wallner in diesem Zusammenhang fand ich gelungen und unterhaltsam - ebenso wie das Zusammenwirken des ernsthaften Geschehens und des trotzdem vorhandenen humorvollen Tons. So manches Mal schüttelte ich den Kopf, schmunzelte, lachte oder empfand Mitleid (regelmäßig im Zusammenhang mit Kreuthners Extratouren), folgte den Gesprächen von Wallner und seinem Team mit Beteiligten mit Interesse und spekulierte, was den Ereignissen dieses Falles wirklich zugrundelag. Dabei lag ich zum Teil falsch, manches wurde im Verlauf des Romans für Ermittler und Hörer/Leser klarer bzw. offenbar und die Lösung selbst habe ich erst zusammen mit den Ermittlern "gefunden".

Alles in allem fand ich den Ausflug in diese Regionalkrimireihe äußerst unterhaltsam. Das hat sicher mit der sehr gelungenen Interpretation durch Michael Schwarzmeier zu tun. Die Geschichte wurde von ihm gut, aber zurückhaltend und Hochdeutsch vorgetragen. Sobald es aber zu Dialogen bzw. Gesprächen kam, wechselte er ins mehr oder weniger ausgeprägte Bayerische oder Berlinerische und verlieh hierdurch und durch Emotionalität den Figuren jeweils Charakter und Charisma.

Wo und in welchem Maße die Kürzung stattfand, kann ich nicht beurteilen. Mir sind jedenfalls keine Lücken aufgefallen; nach meinem Empfinden ist die Bearbeitung im Ergebnis stimmig. Auch dass ich irgendwann in der Buchreihe mit dem Teil "Schwarze Piste" eingestiegen bin, war kein Problem. Sicherlich ist es immer schöner, die Entwicklung der Charaktere über die Zeit mitzuerleben, aber die Geschichte - und die Beziehungen - waren auch so verständlich.

Fazit: ein Reihenexperiment mit positiven Ergebnis. :)

Sonntag, 2. Februar 2014

Projekt 52 Bücher 2013: 52/2013

Die letzte Woche von Fellmonsterchens Bücherprojekt 2013 hat heute begonnen und ich will nicht mal den Hauch von Verspätung aufkommen lassen. Und thematisch heißt es:

Schreib, was Du willst!

In seinem zweiten Jahr hat das Bücherprojekt 2013 mit seinen 52 Projektthemen etwas länger als ein Jahr gedauert, ganz einfach deshalb, weil Teilnehmer und Projektleiterin - die sehr verehrte zukünftige Weltherrscherin - darin übereinstimmten, dass es puschelig, entspannt und mit Spaß zugehen solle und eine kleine offizielle Auszeit perfekt dazu passe (übrigens gibt es trotzdem bereits jetzt über 1000 Beiträge).

Dieses Bücherprojekt zeichnet sich nicht nur durch Puschligkeit aus. Schön ist hier auch, dass es nicht darum geht, themenbezogene Bücher zu lesen und zu rezensieren. Man kann natürlich ein Thema nutzen, um ein Buch vom SuB zu ziehen oder wiederzulesen und hierzu eine Besprechung posten. Es geht vielmehr "im Allgemeinen" um Texte, seien sie gedruckt oder digital oder in Hörbuchform auf einer Kassette oder CD vorhanden, seien es Zeitungsartikel, Liedtexte, Comics oder Romane.

Man kann aktuelle, gelesene oder ungelesene Bücher vorstellen, sich Texte in Erinnerung rufen und in letzteren schwelgen. Man kann über Gedanken und Empfindungen reden, die Texte in einem hervorrufen. Es gibt ein kreatives Regelwerk, denn man kann sich nicht nur wortwörtlich zum Thema äußern, sondern das "um die Ecke denken" oder das Assoziieren ist ausdrücklich erlaubt - auch wenn der Beitrag mit dem Thema ggf. nur noch durch eine dünne Assoziationskette verbunden ist. ;) Vielleicht will man selbst auch keinen Text zum Thema schreiben, sondern einen Limerick, eine Fotostory oder ein Bild dazu bringen. Hat man keinen eigenen Blog, kann man auch die Kommentarfunktion beim Fellmonsterchen nutzen.

Die Textquellen und Gestaltungsmöglichkeiten sind ebenso wie die Gedanken zum Projektthema frei.

Diese Freiheit finde ich einfach großartig und kreativ. Hinzu kommt, dass man durch die Beiträge der anderen Projektteilnehmer schön über den eigenen Lesesessel hinausschauen kann. Manchmal gibt es Gemeinsamkeiten zu entdecken, manchmal Unterschiede, manchmal Anregungen. Man lernt neue Blogs und Blogger/innen kennen. Aber es gibt auch ein Risiko: Möglicherweise wird die Wunsch- bzw. Interessensliste wachsen... ;)

Das Projekt geht demnächst in eine dritte Runde und ich will hier die Werbetrommel dafür rühren! Und auch wenn ich nach zwei Jahren angemeldeter Teilnahme etwas themenmüde bin und mich deshalb nicht offziell beim Projekt anmelden werde, behalte ich das neue Projekt auf jeden Fall im Blick (und hoffentlich auch meine Wunsch-/Interessensliste). 

Falls Ihr Lust und Laune bekommen habt, Euch an dem Projekt zu beteiligen, keine Scheu! Zwar hat Kathrin noch keinen Anmeldepost eingestellt, aber sicher wird er unter dem 52-Bücher-Tag (klick) alsbald bei ihr auftauchen. :) 

Kathrin, Du warst wieder eine tolle Projektleiterin.
Danke!
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Wir lesen uns!
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