Freitag, 31. Januar 2014

Projekt 52 Bücher - 2013: 51/2013

In der laufenden Projektwoche von Fellmonsterchens Bücherprojekt gibt es die Frage:

Krimi/Thriller: lieber mit Blut und Gemetzel oder was, was tief in die Psyche geht?

Wenn ich mir so meine Leseliste dieses Monats und des vergangenen Jahres anschaue, finde ich Jessica Kremser mit der als Haushaltshelferin arbeitenden Seniorin Frau Maier, ich finde Charlotte MacLeod mit Janet und Inspektor Rhys oder (im Weihnachtsbuch) den Universitätsprofessor Peter Shandy. Dorothy L. Sayers mit Lord Peter läuft mir ebenso über den Weg wie Martin Suter mit seinem Lebemann Allmen. Und dann ist da natürlich noch Elizabeth Peters mit der Amelia-Peabody-Reihe, die aber zugegebenermaßen etwas außer Konkurrenz läuft, geht es dort doch meiner Ansicht nach mehr um die Familie gepaart mit ägyptischen Ausgrabungsarbeiten - eine Leiche! (hoffnungsvoll:) eine Mumie?!, nein, wieder eine frische, seufz ;) - , die von Verbrechern und jugendlichen Liebhabern immer wieder gestört werden. Aktuell höre ich gerade "Schwarze Piste" von Andreas Föhr, mein erstes (Hör-)Buch mit Kreuthner und Wallner; ersterer erscheint schlitzohrig, zweiterer bodenständig, beide wirken auf ihre jeweilige Art und im Zusammenspiel bzw. Gegensatz herrlich.

Den vorgenannten Titeln ist gemeinsam, dass es keine Thriller sind, sondern eher Cozy-Krimis, Regionalkrimi, Whodunnit etc. Die stattgefundenen Verbrechen bzw. deren Ergebnis werden (mal mehr, mal weniger genau) geschildert, aber die Stories strahlen auch eine gewisse Ruhe und Behaglichkeit aus (selbst Suters oder Föhrs Krimis) und Humor. Das gefällt mir.

Damit will ich andere Krimis oder Thriller nicht ad acta legen. :) Ich habe - allerdings vor einiger Zeit - "Cupido" und "Morpheus" von Jilliane Hoffman gelesen (fand ich beide gut) und "Der Seelenbrecher" von Sebastian Fitzek (eine recht atemlose Lektüre, aber dadurch hatte ich am Ende des Romans ein Gefühl, welches ich auch nach dem Essen von Fast-Food habe: in dem Moment lecker, aber nicht lang vorhaltend). Bei Thrillern bevorzuge ich die psychologische Spannung, ich brauche keine minutiösen Beschreibungen davon, was der Täter seinem Opfer im Detail antut (auch in Horrorromanen erreicht man mit Andeutungen bei mir regelmäßig mehr). Auf mich üben auch die "dunklen" Krimininalromane, zu denen ich z.B. die Romane von Stieg Larsson oder die Wallander-Romane von Mankell u.ä. zähle, weiterhin keinen Reiz aus; so gut sie auch sein mögen, meine Stimmung ist nicht danach.

Und interessanterweise bin ich trotz mehrfacher Anläufe mit "Verwesung" von Simon Beckett nicht weitergekommen bzw. habe ich nur einen Roman aus der Temperance-Brennan-Reihe von Kathy-Reichs gelesen. Denn die TV-Serie "Bones" incl. der häufig recht plastischen Darstellungen der Toten sehe ich gern; vermutlich gefällt mir die TV-Krimi/Humor/Charakter-Mischung. ;)

Mittwoch, 29. Januar 2014

Projekt 52 Bücher - 2013: 50/2013

zu spät, zu spät, mal wieder zu spät ... Aber ich habe einen guten Grund. Ich habe nämlich zu dem 50. Thema

Bei welchem Buch würdest Du nie gestehen, es je gelesen zu haben? Eine natürlich rein theoretische Bücherrunde.

von Fellmonsterchens Bücherprojekt überlegt und überlegt, was ich in dieser natürlich rein theoretischen Bücherrunde schreiben könnte. Mir ist immer noch nichts eingefallen. Schließlich habe ich schon an anderer Stelle gestanden, dass ich nicht nur die Jason-Dark-John-Sinclair-Hefte gern gelesen habe (bzw. gelegentlich z.B. über skoobe noch immer lese), sondern auch die zugehörigen Hörspiele ab und an sehr entspannend finde (die Geschichten gewinnen durch die Hörspielumsetzung übrigens sehr). Meine Mutter las ihre "Groschenhefte" wie Dr. Frank und Hedwig Courths-Mahler, ich las John Sinclair oder Professor Zamorra. :)

Auf meinen Blog befinden sich auch ein paar wenige Nachlesen zu Liebesromanen/Historicals/Romance-Fantasy oder wie auch immer man diese Genres nennen möchte, in denen, habe ich manchmal den Eindruck, Sex mit Liebe gleichgesetzt wird, entsprechende Szenen detailliert(er) beschrieben und der Sex selbst regelmäßig das Nonplusultra der Beteiligten ist incl. Orgasmen. Aber: Wer graue Schatten hier sucht, findet höchstens "Grau" (engl. "Shades of Grey") von Jasper Fforde. ;) Und für all diejenigen, die sich das fragen: Nein, ich habe bislang weder "50 Shades of Grey" noch ähnlich gelagerte SM-Bücher gelesen. Trotz des ganzen Hypes haben diese Romane meine Neugierde nicht geweckt. Auch nicht theoretisch. :)

Das Fellmonsterchen sprach Angelique an - die Romane kenne ich nicht, aber gab es nicht auch eine Verfilmung? Falls ja, ist mir vielleicht ein Film mal untergekommen, keine Ahnung.

Daher sorry, keine theoretische Bücherrunde für mich. :)

Sonntag, 26. Januar 2014

"Grau" von Jasper Fforde

Eddie Russett ist 20 Jahre jung, seine Ishihara - ein Farbtafeltest - steht unmittelbar bevor und er hat gute Hoffnungen, dass sie eine sehr hohe Rotfarbsicht ergeben wird. Er ist halb mit einer "Roten", nämlich Constance Oxblood, verlobt, muss sich aber erst einmal in Demut üben, wie von dem Präfekten angeordnet. Und zwar in dem Randzonendorf Ost-Karmin, in welches er seinen Vater, einen Mustermann, begleitet. Letzterer soll den örtlichen Mustermann Ocker ersetzen, der nach offiziellen Angaben aufgrund einer Eigenfehldiagnose umgekommen ist (zuviel Grün gelinst). Sich in die Dorfgesellschaft zu integrieren, sollte eigentlich gelingen. Aber wenn im Haus ein Apokrypher ein- und ausgeht, die Haushaltshilfe - eine Graue - zwar niedlich aber agressiv ist, Gleichaltrige zB auf dem Beigemarkt handeln und es an einem nagt, was mit Ocker wirklich passiert ist, dann kann man schon mal anecken.

Verwirrt? Ich war es zu Beginn. Jasper Fforde katapultierte mich direkt in ein Gesellschaftssystem, das außerhalb meiner Erwartungen lag und welches offenbar chromatisch aufgebaut ist. So wie es Menschen mit mehr oder weniger ausgeprägter Rotsicht gibt, gibt es andere mit Blau- oder Gelbsicht, es gibt Grüne oder Purpurne oder halt Graue. Und dann gibt es noch diese Hinweise auf die Epiphanie, die frühere Zeit mit den Einstigen oder angeordnete Rücksprünge. Für Eddie - aus dessen Sicht der Roman erzählt wird - oder den anderen Romanpersonen vertraute Dinge wie Meriten oder die chromatischen Hierarchien oder die Arbeit von Eddies Vater waren für mich neu. 

Über das Leben in der chromatischen Gesellschaft erfuhr ich dann mehr in Ost-Karmin, dem Randzonendorf. Ob dieses allerdings dem Standard entspricht, ist eine andere Frage. Denn bereits zu Beginn des Romans, während Eddie und sein Vater durch die Stadt schlendern, wird angedeutet, dass in den Randzonen möglicherweise "mehr" passiert. Wird dort mehr Schlupflochkunde praktiziert als woanders? Wird das Regelbuch befolgt? Mein Interesse an der Lektüre erhöhte sich jedenfalls, sobald Eddie und sein Vater in Ost-Karmin ankamen und sich die Handlung dort entfaltete. Ich war irritiert, weil ich nicht wusste, was es mit den Löffeln auf sich hat, aber wenigstens erfuhr ich mehr über die Postleitzahlen. Ob und wie sich Eddies Beziehung zu Jane entwickelte war ebenso interessant wie die Frage, ob die Hobbies ernstgemeint sind, traurig ist. Während manches so vertraut klang - die Buchtitel in der Bücherei (was für eine traurige Episode) oder die Art und Weise, wie Licht in Wohnraum gelangt - ließ mich anderes (das Chromatische, die Dunkelheit) daran zweifeln, dass ein Zusammenhang mit unsere Erde besteht. Und natürlich stellte ich mir die Frage: Wie landete Eddie in der fleischfressenden Pflanze (kein Spoiler, da der Roman damit beginnt)?

Eddie hat im Verlauf der Geschichte einige Erfahrungen zu machen und zu verarbeiten - sein letztliches Auftreten empfand ich als Leserin folgerichtig, auch wenn ich mir etwas anderes erhofft hatte. Neben ihm bleiben die anderen Figuren zwangsläufig etwas blasser - wohl der Preis dafür, dass der Roman aus der Ich-Perspektive geschrieben wird. Dies bedeutet nicht, dass die anderen Charaktere keine Faszination auf mich ausübten. Besonders über Eddies Vater, den Apokryphen und "Seine Farbenprächtigkeit"würde ich gern auch mehr erfahren. ;) Was mich ein wenig frustrierte war, dass ich nur indirekt etwas über die Verwaltung und das Gesellschaftsystem (insbesondere, wie es sich entwickelt hat) erfahren habe. Nun, Jasper Fforde arbeitet wohl an einem Prequel, welches 2015 planmäßig im englischsprachigen Raum erscheinen soll. Ich gehe davon aus, dass dieses Prequel auf Dauer bei mir einziehen wird und hoffe, dass hierdurch einige Fragen beantwortet werden. :)

Mittwoch, 22. Januar 2014

(auch) als Wiederholungstäter: "Denn das Glück ist eine Reise"

"Denn das Glück ist eine Reise" habe ich in printform im Frühjahr 2012 gelesen; es war eine Empfehlung vo der Winterkatze. Als ich es Anfang dieses Jahres als preisreduziertes CD-Hörbuch sah und mir der Sprecher bei der Hörprobe gefiel, griff ich ebenfalls zu und voilà - ich konnte die Geschichte nicht nur als Wiederholungstäter noch einmal genießen, sondern habe zugleich einen weiteren Titel für die Hörbuch-Challenge. ;)

Die Geschichte beginnt mit der jungen Adèle, die als Praktikantin auf einem Filmset in London eine Geburtstags-SMS von ihrem Großvater Georges erhält. Sie denkt zurück, wie wie es dazu kam: Adèle hatte ihren Großvater in Frankreich angerufen, weil ihre Mutter - die sich sonst um den 83jährigen Georges kümmerte -, zwei Monate nach Peru geflogen ist und dort außer in absoluten Notfällen nicht erreichbar ist. Georges freut sich durchaus über Adèles Anruf, aber nachdem das Telefonat endet, beginnt er zu fluchen. Das könnte alles verderben! Denn Georges will die Zeit der Abwesenheit seiner überfürsorglichen Tochter nutzen und mit seinem Nachbar, dem 76jährigen Charles, die Strecke der Tour de France nachfahren. Zwar "nur" im Auto, aber immerhin 3500 km! Und wie soll das gehen, wenn ihn Adèle durch Telefonanrufe kontrolliert? Es ist Charles, der eine Lösung präsentiert (und Georges überlegt, wie schade es doch ist, dass der junge Charles offenbar langsam dem Verstand verliert, denn wenn man auf dem Festnetz anruft, klingelt doch auch das Festnetz-Telefon"), denn Georges besitzt ein Handy. Und so machen sich die beiden Senioren dann doch noch auf den Weg ...

Ich fand es großartig, wieder in dieses etwas andere Roadmovie einzutauchen. Die Geschichte ist so charmant und ich musste manches Mal lächeln - z.B. wenn Georges sich ihre Ankunft in Nantes vorstellt - oder hielt ein bisschen verträumt in meinen Aktivitäten inne - z.B. wenn die Bretagne beschrieben wird. Caroline Vermalle erzählt wunderbar davon, wie die beiden Senioren unterwegs neue Menschen kennenlernen und auch, wie sich der Kontakt zu Adèle gestaltet und entwickelt. Und natürlich führt eine längere Reise zweier gestandener Männer auch zu Reibungen zwischen den beiden.

Viele Einzelheiten waren mir noch sehr vertraut, weil meine frühere Lektüre noch nicht so lange her. Aber manche Dinge waren doch nicht mehr so präsent (z.B. die Geschichte mit der Taschenlampe oder Marcel in den letzten Buchkapiteln). Durch die Hörbuchform wurde mir die Geschichte zudem auf andere Weise noch einmal neu und frisch präsentiert. Tobias Dutschke las mit sehr viel Einfühlungsvermögen und ich mochte von Anfang an seine langsame Altmännerstimme für Georges.

Schön war es.

Reinhören kann man hier (klick). Kaufen kann man das Hörbuch in digitaler Form z.B. auch dort. Aber auch auf CD gibt es das ungekürzte Hörbuch, z.B. bei hoerbuchnetz.de oder amazon.de.

Sonntag, 19. Januar 2014

Projekt 52 Bücher - 2013: 49/2013

Ich bin tatsächlich schon wieder in Rückstand, wenn auch nur mit einem Tag ;)

In der 49. Kalenderwoche von Fellmonsterchens Bücherprojekt lautet das Thema
Mein erstes Mal. Dieses Buch war das erste selbstgelesene/verschenkte/gekaufte/tränenauslösende/abgebrochene/mehrfach gelesene/für ein bestimmtes Genre begeisternde oder sonstiges, was sich ins literarische Gedächtnis einbrannte.

Wenn ich mich richtig erinnere, war das erste Buch, das ich von John Irving gelesen habe zugleich das erste, das mir mein Seniorchef geschenkt hat: "Das Hotel New Hampshire". Ich meine, dass ich es in meiner Ausbildungszeit zum Geburtstag von ihm erhalten habe, vermutlich im zweiten oder dritten Lehrjahr, also 1992 oder 1993.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich hauptsächlich Horrorromane gelesen, sei es von Koontz, sei es von King, sei es von Simmons. Und da lag nun dieses "Hotel New Hampshire" von einem Autor, der mir überhaupt nichts sagte. Ich begann zu lesen - und nein, ich bin nicht sofort und begeistert in die Seiten versunken und habe das Buch in einem Zug durchgelesen. Mich in Irvings Erzählstil hineinzufinden und mit den Figuren und den ihnen zustoßenden Ereignissen (Franny z.B.) klarzukommen, dann noch ein Bär, der Wechsel nach Wien etc., das hat mich Kraft und Zeit gekostet. Ich erinnere mich nicht, wie lange ich tatsächlich an dem Roman gelesen habe, aber gefühlt war es mehr als ein Monat - ich setzte immer und immer wieder an ... Gelohnt hatte es sich allerdings und "Das Hotel New Hampshire" blieb nicht der erste und einzige Roman von John Irving, den ich las. Zwar konnte ich nicht sehr viel mit "Die wilde Geschichte vom Wassertrinker" anfangen, aber mehr mit "Garp und wie er die Welt sah" und sehr viel mehr mit "Gottes Werk und Teufels Beitrag" sowie "Owen Meany". Also danke Chef! :)

"Lieber Mischa" von Lena Gorelik

2011 habe ich von dieser Autorin "Meine weißen Nächte" gelesen und damals brachte sie mich u.a. in meine eigene Kindheit zurück, obwohl sie viel jünger ist als ich. ;) "Mein Mischa" bewirkt solche Erinnerungen nicht, was damit zu tun hat, dass ich weder ein Kind habe, verheiratet bin, noch einer Religionsgemeinschaft angehöre. ;)

Lena Goreliks Ton hat mir bereits in "Meine weißen Nächte" gefallen und auch "Mein Mischa" zeichnet sich hierdurch aus: Er ist unterhaltsam, ironisch, humorvoll und wirkt mit leichter Hand geschrieben. Wie schwierig das zu bewerkstelligen ist bei einem Buch darüber, was es für Lena Gorelik bedeutet und für ihren Sohn bedeuten können wird, Jude zu sein, mag jeder selbst beurteilen.

Mit "Mein Mischa" hat Lena Gorelik einen originellen und (ver-)öffentlichten Brief an ihren Sohn geschrieben, versehen mit Kommentaren - und durchaus schon mal einem Kommentar zum Kommentar. :) Es handelt sich um Beobachtungen, Erinnerungen und Reflexionen der Autorin im Zusammenhang mit ihrer Religion und was diese (nicht nur, aber hauptsächlich) für ihren Sohn bedeuten kann.

"Mein Mischa" beginnt mit den 10 größten antisemitischen Vorurteilen, unter denen Lena Gorelik auch "Juden sind Wucherer" anführt und folgendes im Zusammenhang mit dem von ihr praktizierten Verleihen von Büchern statt Geld anführt:

"Ich sinniere schon länger darüber, einen Bücherjudenzins einzuführen: Wer ein Buch zu spät oder unzufrieden zurückgibt - unzufrieden, obwohl ich eines meiner geliebten Bücher voller Begeisterung weitergegeben habe -, muss den Bücherjudenzins zahlen. So käme ich zu Geld und könnte eine richtige Jüdin werden, die Bücher verleiht zu Wucherzinsen. Die Welt wäre dann ein Stück weit mehr so, wie man sie sich vorstellt. Und ich hätte Geld und Bücher." *

(hm ... ;) )

Aber mal abgesehen von dem Bücherjudenzins - auch wenn der Ton leicht ist, sind es die angesprochenen Themen nicht zwangsläufig. Es geht um das jüdische Lebensgefühl im Allgemeinen und im Besonderen. Sie schreibt über Menschen, die ihren Sohn nur deshalb hassen werden, weil er ein Jude ist und solche, die ihn nur aus diesem Grunde lieben werden. Sie erzählt etwas von ihrer Zeit in Israel, von Philosemiten und Konvertiten. Sie verschweigt nicht, trotz ihrer modernen offenen Einstellung - die in dem Buch immer wieder zum Ausdruck kommt - sich dennoch zu wünschen, ihr Sohn möge mit einer Jüdin oder einem Juden eine Familie gründen und nicht mit einem Goi. Ihr Dialog an dieser Stelle mit sich selbst ist sowohl unterhaltsam als auch erhellend.

Ich musste bei einigen Passagen in ihrem Buch schmunzeln, andere brachten mich zum Auflachen (Telefonat mit einer jüdischen Mutter oder die 10 Gebote für G"tt) und ein-, zweimal musste ich lächeln. Nicht weil die Passage so witzig war, sondern weil ich sie schön fand und/oder ich den Eindruck erhielt, dass die Autorin ihren Glauben feiert, z.B. wenn Lena Gorelik "ihre" Synagoge beschreibt.

Vieles, nun, eigentlich das Überwiegende, was mit der jüdischen Religion zu tun hat, ist mir fremd. Das gilt allerdings auch für die islamische Religion und in weiten Teilen auch für die christliche. Das ist ein mögliches Resultat, wenn die eigenen Eltern schon Jahre vor der Geburt nicht mehr in der (christlichen) Kirche waren, ich keinen Religionsunterricht (sondern z.B.  mit Staatsbürgerkunde das Gegenteil) in der Schule hatte und der Kontakt mit (in diesem Fall der) christlichen Religion über meine Kinder- und Jugendzeit hinweg gegen Null tendierte.

Das Ergebnis ist meine atheistische Einstellung. Eine Folge ist, dass ich das Konzept des Glaubens an sich nicht erfassen kann. Wie glaubt man? Entwickelt sich der Glaube und falls ja, woraus und wie? Ist er auf einmal da? Vermutlich ist bereits dieser Verständnisversuch wegen des rationalen Ansatzes zum Scheitern verurteilt. Ich verstehe auch manche Ausprägungen und Vorschriften in einem Glaubenssystem nicht (z.B. koschere Nahrungsmittel, Notwendigkeit eines Zölibats etc.) und weshalb die Menschen auch heute nach deren Wortlaut bzw. Auslegung leben sollen/müssen, aber bitte.

Gerne will ich alle Religionen respektieren, treffe aber auf Grenzen bei mir selbst, z.B. wenn religionsbedingt moderne Medizin abgelehnt, der Glauben aggressiv verbreitet wird, es zu religionsbedingt Kriegen kommt etc. Und ich will nicht ausschließen, dass einige Vorurteile in meinem Unterbewusstsein schlummern. Das ist mit ein Grund, warum ich die Lektüre von "Mein Mischa" so interessant fand. Es liefertn nicht nur einen Einblick, sondern man kann es, wenn man will, auch zum Anlass nehmen, über die eigenen Positionen und Einstellungen nachzudenken, und zwar nicht nur gegenüber Juden.

Quelle: S. 10 von "Lieber Mischa... " von Lena Gorelik, List Taschenbuch, 1. Aufl. 2012, ISBN 978-3-558-61105-1

Sonntag, 12. Januar 2014

als Wiederholungstäter: "Die Hüterin der Gewürze"

Im Januar 2014 habe ich mir bei skoobe "Arbeit und Struktur" von Wolfgang Herrndorf ausgeliehen. Letzteres enthält Gedanken, Erinnerungen, Reflexionen des Autors, der 2013 durch Freitod aus dem Leben schied; es war eine intensive Lektüre, die auf mich einen Sog entwickelte, dem ich mich kaum entziehen konnte. Ich brauchte eine Pause von dieser Realität - und griff deshalb zu Chitra Banerjee Divakuranis "Die Hüterin der Gewürze". 

Dieser Roman übte einen anderen Sog auf mich aus. Ich las die Warnung an die Leser und die ersten Sätze, mit denen Tilo, die Hüterin, sich vorstellte und erinnerte mich an das erste Mal, als ich dieses Buch las. Ich war mit einer Freundin am See, das Buch hatte ich ein paar Tage vorher gekauft. Der Tag war heiß und schön und während sie sich sonnte, saß ich mehr im Schatten und begann dieses Buch zu lesen. Zu dem See bin ich später übrigens kaum noch gefahren, weil ich den Badezugang nicht mochte. ;) Ich konnte nicht sehen, wohin ich trat und der Boden war eher morastig bzw. fühlte sich so an und das behagte mir Ostseekind nicht besonders. Aber ich schweife ab. :)

Tilo ist eine Hüterin der Gewürze, eine Seherin, eine weise Frau, die einen Laden für indische Emigranten in Oakland betreibt. Im inneren Raum des Ladens jedoch stehen Gewürze aller Art, deren Einsatz von einer Hüterin überwacht wird. Diese "Gaben" sind für für Inder bestimmt, die anderen sollen sich Hilfe woanders holen. Tilos Leben ist eingeschränkt, so darf sie z.B. den Laden nicht verlassen, und dennoch ist sie mit ihrem Leben zufrieden. Bis u.a. ein einsamer Amerikaner auftaucht ...

Mir gefällt noch immer die Art und Weise, wie Tilo erzählt und sich an den Leser wendet. Ich mag das Geheimnisvolle, das mit den Gewürzen verbunden ist, mit ihren Wirkungen. Ja, ich hätte gern mehr von Tilos Ausbildung zur Hüterin gelesen, aber das Streifen dieser Zeit hat auch seine Vorteile. Die Mystik wird auch insofern aufrechterhalten und nicht "zerredet". Außerdem hatte die Autorin so Zeit, sich auf Tilo und ihre Zeit in Oakland zu konzentrieren, was Tilo durch die Augen ihrer Kunden über deren Lebensumstände erfährt, welche Versuchungen Tilo erfährt und welche Entwicklung sie durchläuft. Für mich wirkt die Magie dieses Romans noch immer und er hat mich auch dieses Mal wieder mit einem warmen Gefühl erfüllt. :)

"Die Hüterin der Gewürze" wurde übrigens auch verfilmt und ich kenne die Bollywood-Umsetzung auch. Sie ist durchaus schön, aber ... z.B. die Lage des Ladens, Tilo entspricht nicht der Buch-Tilo - was auch die Geschichte mit Doug beeinflusst - und ihre Vorgeschichte  lässt einiges aus. ... ;)

Samstag, 11. Januar 2014

Um die Welt ...

Nein, an einer Lese-/Hör-Challenge "um die Welt" nehme ich nicht teil, aber bei Ariana habe ich eine graphische Umsetzung hier (klick) gesehen, in welchen Ländern sie literarisch (im Rahmen ihrer Challenge) bislang unterwegs war.

Mir gefällt diese Umsetzung. Und deswegen habe ich mir gedacht, ich schaue einfach mal, wo ich mich dieses Jahr so literarisch auf der Welt herumtreibe. Dabei werde ich immer nur ein Buch nennen, auch wenn ich das Land zufällig mehrfach aufsuchen sollte, und ich werde im jeweiligen Jahr natürlich nur die Länder nehmen, die _neu_ hinzugekommen sind.

In 2016
(Die Karte umfasst natürlich auch die Vorjahre, die in diesem Jahr hinzugekommenen Titel sind unten angeführt)

visited 25 states (11.1%)

1. in Saudi Arabien mit "Weil wir längst woanders sind"
2.


In 2015:
(Die Karte umfasst immer auch das Jahr 2014, die nachstehenden Titel sind die in 2015 hinzugekommenen):


visited 24 states (10.6%)

Create your own visited map of The World

  1. in Grönland mit "Mein Leben mit den Inuit" von Fred Bruemmer
  2. in Schweden u.a. mit "Öland" von Johan Theorin
  3. in Sibirien (Russland) mit "Der Tiger - auf den Spuren eines Menschenjägers" von John Vaillant
  4. in der Türkei mit "The amazing Mrs Pollifax" by Dorothy Gilman
  5. in Bulgarien mit "The elusive Mrs Pollifax" by Dorothy Gilman
  6. in Brasilien mit "Tagebuch eines Sturzes" von Michael Laub
  7. in der Ukraine mit "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky



In 2014:
visited 17 states (7.55%)
Zeitraum 01.01.2014 bis 28.12.2014 

  1. im Congo (zwei Staaten heute) mit "Herz der Finsternis" - Joseph Conrad
  2. in Japan mit "Am Meer ist es wärmer" - Hiromi Kawakami
  3. in Deutschland mit z.B. mit "Arbeit und Struktur" von Wolfgang Herrndorf
  4. in Frankreich z.B. mit "Denn das Glück ist eine Reise" von Caroline Vermalle
  5. in den Vereinigten Staaten mit z.B. mit "Das Mädchen" von Stephen King
  6. in Australien mit "Die Geheimnisse der Familie Templeton"
  7. in Großbritannien z.B. mit "Ruhe unsanft" von Agatha Chrstie
  8. in Mazedonien mit "Meine Cousine Emilia" von Vlada Urosevic
  9.  in Ägypten mit "Tod auf dem Nil" von Agatha Christie
  10. in Italien mit "Das da Vinci-Universum", Herausgeber Emma Dickens
  11. in Albanien mit "The unexpected Mrs Pollifax" von Dorothy Gilman"
  12. in Österreich - indirekt - mit "Das Wetter vor 15 Jahren" von Wolf Haas ;)
  13. in Canada mit "Zarte Landung" von Emma Donoghue
  14. in  Israel mit "Eine Nacht, Markowitz" von Ayelet Gundar-Goshen
  15. in Irland mit "Die Besucherin" von Maeve Brennan
  16. in Spanien (hauptsächlich) mit "El Greco Domenikos Theotokopoulos" von Michael Scholz-Hänsel

Mittwoch, 8. Januar 2014

Projekt 52 Bücher - 2013: 48/2013

Ganz im Zeichen des neuen Jahres fordert das Fellmonsterchen dieses Mal in der 48. Projektwoche auf, 

Meine Lese-Top-5 in 2013!

zu nennen. Nun zu meinen Favoriten im vergangenen Jahr gehören - die Reihenfolge der Nennung stellt keine Wertung da :) -

- Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes
Ich habe diesen Roman als Hörbuch-Leihgabe von meiner Freundin Sayuri erhalten und mochte, da ich durch die Online-Welt wusste, worum es ging, zunächst nicht recht ran an die Geschichte. Als ich für mich endlich so weit war, das Hörbuch zu hören, kam ich in den Genuss einer ganz außergewöhnlichen Geschichte, bei der ich gelacht und geweint habe und die mir eine emotionale Achterbahnfahrt bescherte. Luise Helm bestreitet die Lesung fast vollständig allein und ist mit vereinnahmender Empathie dabei.

- Joyland von Stephen King
Bis in den Herbst 2013 konnte ich mich zurückhalten, bevor ich schwach geworden bin und das Buch kaufte. Ich habe es nicht bereut. Horror in der Art von "Es" oder "Shining" etc. findet man in "Joyland" nicht, aber eine Kriminalgeschichte - die jedoch für mich nicht im Vordergrund stand. Ich habe vielmehr Kings für mich stimmige Beschreibungen genossen, von Devins erster Liebe, von seiner Arbeit im Vergnügungspark, von den Beziehungen, die er aufbaut.

- Drei Schatten von Cyril Pedrosa
Über die Graphic Novel bin ich auf Um- und Irrwegen über den Gratis-Comic-Tag gestolpert. Cyril Pedrosa balanciert hier für mich seine schwarz-weißen Zeichnungen und die anrührende Familiengeschichte kunstvoll aus. Energiereiche Bilder wechseln sich mit zurückhaltend statischen ab, die ich ebenso kraftvoll fand; die emotionale Story wird teils nur in diesen Zeichnungen erzählt, welche Liebe, Geborgenheit, Sorge oder Wut stark transportieren. 

- Verficktes Herz und andere Geschichten von Nora Gantenberg
Das war ein Geburtstagsgeschenkt und in diesem kleinen Buch fand ich starke Geschichten über starke Gefühle - manche waren geradeheraus, manche überraschten am Ende, manche ... in der Malerei würde man wohl sagen, dass der negativen Raum gezeichnet wurde. 

- The Snake, the Crocodile and the Dog by Elizabeth Peters 
soll als Beispiel für die im Englischen von Frau Barbara Roseblat genial eingelesenen Bücher der Amelia-Peabody-Reihe stehen, von denen ich im vergangenen Jahr zehn (oder waren es sogar elf) Titel gehört habe. B. Rosenblat macht die Emersons und auch Abdullah, Sethos, diverse Bösewichte oder Verantwortliche der Antikenverwaltung so großartig lebendig, dass die Geschichten für mich in eine neue Ebene gehoben werden. So mochte ich auch die Teile der Reihe, die ich in der printversion nicht so spannend fand, in dieser audiobook-version gern. Was ein guter Sprecher/eine gute Sprecherin doch bewirken kann.

Dienstag, 7. Januar 2014

H. G. Wells "The Time Machine" in der BBC-Radio3 -Hörspielfassung

Als ich letztes Wochenende bei audible unterwegs war, um meine zu diesem Zeitpunkt vorhandenen zwei Guthaben zu "verbraten", bin ich u.a.auf diese (ungekürzte englische) Hörspielfassung von "The Time Machine" by H.G. Wells gestoßen (klick). Es gibt diese Aufnahme auch als CD, wie ich bei Amazon gesehen habe.

Die Hörprobe sprach mich an und die Produktionsbeschreibung ("first ever UK radio adaptation, starring Robert Glenister as the Time Traveller and William Gaunt as H. G. Wells") klang gut - ich meine: BBC-Produktion, + und Robert Glenister (einigen von Euch vielleicht aus der aktuellen BBC-Serie "Hustle" bekannt), während mir William Gaunt nicht wirklich etwas sagte. Und - ich kannte bislang nur Filmadaptionen des Stoffes, auch das Buch selbst habe ich noch nicht gelesen. Dass das Hörspiel mit einer Länge von 1 Stunde 40 Minuten Wochenend-Küchentauglichkeit hatte, kam nur hinzu. ;)

Über den letzten Sonntag hinweg habe ich "The Time Machine" dann gehört. Die Geschichte um den namenlosen Zeitreisenden wird von einem Interview umrahmt, dass H.G. Wells einer Journalistin gibt, die - natürlich - sein Buch kennt und wie jeder vernünftig denkende Mensch annimmt, es sei Fiktion. Aber ist es das wirklich? Wells erzählt ihr, "was wirklich geschah", was nicht Eingang in sein Buch gefunden hat. Er berichtet von dem Abend, an welchem er - und andere -mit seinem Freund zu Abend speisten und einen außergewöhnlichen Bericht über Eloi und Morlock hörten ...

Ich bin ziemlich hin und weg von dieser Hörspielproduktion. Meinen einzigen Kritikpunkt werfe ich gleich am Anfang in den Raum: Die hohe kindliche Stimmlage (okay, kindlich passt ja durchaus) gepaart mit dem Gekichere -  ich weiß ;) - nervte mich. Aber ansonsten:

Schon William Gaunt als H.G. Wells zu lauschen mit seiner vollen Stimme - ich stelle mir vor, so hätte Charles Dickens geklungen - war ein Genuss. Das Ambiente des Abendessens wurde toll eingefangen mit Gläsern, Auftreten des Dienstmädchens, dem Knacken des Feuers im Hintergrund etc.. Und dann Robert Glenister als Zeitreisender: Wie gut, dass er Notizen auf eine Platte aufnimmt! Seine Beschreibungen sind gefärbt von Staunen, als er die Welt der Eloi das erste Mal wahrnimmt. Er klingt so frustriert, wenn er beoabachtet, welchen Entwicklungsstand die Eloi offenbar haben, dass ich unwillkürlich schmunzeln musste. Wie gesagt, das Geplapper der Eloi-Gruppe nervte mich etwas, aber der Zeitreisende hatte ja nicht nur mit ihnen zu tun; wenn die Morlock auftauchen, klingt es deutlich anders. Robert Glenisters Zeitreisenden ist Anspannung anzumerken, Erschöpfung oder Sanftheit. Die Geräusche und die musikalische Untermalung haben diese Eindrücke für mich noch unterstrichen.

Die englische Sprache war dank der hervorragenden Sprecher William Gaunt und Robert Glenister für mich sehr gut verständlich - auf jeden Fall immer inhaltlich, auch wenn mir mal eine Vokabel fehlte. Bei den Eloi muss ich das etwas einschränken ;) : Es war für mich häufig Geplapper, allerdings mit erkennbaren Wortfetzen bzw. Worten, die ich aus dem Englischen ableiten konnte. Wie eingangs erwähnt, kenne ich den Roman selbst weder auf deutsch noch auf englisch und weiß daher nicht, wie Wells die Eloi-Sprache "angelegt" hat.

Insgesamt habe ich Hörspiel jedenfalls sehr genossen und mich stimmungsvoll unterhalten gefühlt.

Und auch wenn es kurz und kein Hörbuch, sondern ein Hörspiel ist (und ich mich vorher mit Ariana zu diesem Punkt nicht abgestimmt habe), werde ich es als ersten Titel für die Arianas Hörbuch-Challenge 2014 werten. Ich bin optimistisch, dass ich nicht nur kurze Hörspiele hierfür hören werden. ;)

Sonntag, 5. Januar 2014

"Es ist so einfach: Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken" von Richard P. Feynman

Als erstes Buch für die Sachbuch-Challenge der Winterkatze habe ich mir Richard P. Feynmans "Es ist so einfach: Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken" gegriffen.

Irgendwie komme ich immer wieder zu diesem Physiker zurück. "Es ist so einfach,.." ist inzwischen das vierte Buch von bzw. über ihn in meinem Buchregal und abgesehen von den "Sechs physikalischen Fingerübungen" - welches neben Einleitungen und Vorworten sechs Vorlesungen enthält - gibt es zwischen "Es ist so einfach ...", "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!" und "Kümmert Sie, was andere Leute denken?" auch Überschneidungen. Einige Anekdoten tauchen in der einen oder anderen Form stärker ausgeführt in diesen Büchern auf.

Dennoch habe ich auch in "Es ist so einfach ..." wieder Neues bzw. weitere Aspekte entdeckt. In diesem Buch finden sich neben Erinnerungen noch ein paar Interviews und Vorträge. Darunter u.a. ein solcher über Miniaturisierung, der zum Teil - ebenso wie der spätere Vortrag über den Computer der Zukunft - zwar recht technisch (und für mich an diesen Stellen auch etwas schwer zu verstehen), aber dennoch interessant war. Besonders wenn man die heutigen Errungenschaften in der Nanotechnologie bedenkt und, dass der Vortrag zur Miniaturisierung von Feynman in 1959 gehalten wurde.

Zum Referieren im Zusammenhang mit "Lehren von Naturwissenschaften" wurde Richard P. Feynman von Kollegen eingeladen. Sein Aufhänger war die Frage, was Wissenschaft eigentlich ist. Neben liebevollen Erinnerungen an seinen Vater - ich sehe die beiden fast vor mir beim Waldspaziergang - finden sich hier kritische Überlegungen zu Unterrichtsgestaltungen bzw. -vorgaben wie Lehrplan, Lehrbücher und Methodik, die ich gut formuliert und begründet fand - insbesondere zu seinen Überlegungen, dass Kinder zum Erforschen und Lernen begeistert werden sollen statt zum Sammeln und Aufnehmen von Informationen. Anregend fand ich auch seine Überlegungen, die er bei anderer Gelegenheit zum Verhältnis Religion/Wissenschaft anstellte oder was er in einem Vortrag zum Verhältnis Wissenschaft/Gesellschaft zu sagen hatte. Im letztgenannten Vortrag gab er - 1964 - u.a. seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Biologie als Wissenschaft zukünftig in moralische Schwierigkeiten hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit gelangen wird. Angesichts heutiger Themen wie Klonen, genmanipuliertem Getreide oder Stammzellenforschung war er ziemlich weitsichtig.

Dass ich immer wieder zu "Feynman-Literatur" zurückkehre, hat wohl viel damit zu tun, dass er mich als Mensch und Wissenschaftler fasziniert - und er mir sympathisch ist. Er bekannte sich zu Fehlern, ist in der Lage komplexe Sachverhalte zu übersetzen, betonte - und praktizierte ;) - wissenschaftliches Arbeiten und forderte auf bzw. ermutigte dazu, zu zweifeln und zu hinterfragen.

"Ich habe gelernt, ohne Wissen zu leben. Ich bin nicht auf Erfolg aus. Und was ich vorhin über die Wissenschaft gesagt habe - ich glaube, mein Leben ist erfüllter, weil ich mir darüber im Klaren bin, daß ich nicht weiß, was ich tue. Mich begeistert einfach die Unermeßlichkeit dieser Welt."*

Feynman hat eine Art zu erzählen - ob er nun Einblick in sein privates oder beruflichen Leben gewährt - , die mich anspricht. In seinen Worten - aber auch aus  Einleitungen und Vorworten zu seinen Büchern - sehe ich Neugierde auf die Welt, eine beinahe respektlose Unbekümmertheit beim Eintauchen in andere (Wissens-)Gebiete außerhalb der Physik (was sich allerdings eher aus "Sie belieben wohl zu scherzen..." entnehmen lässt) und eine andauernde Begeisterung für seine Arbeit.

Eine biografische Übersicht zu Richard P. Feynman findet sich hier (klick) in der deutschen Wiki.

(*Quelle: S. 218 aus "Es ist so einfach - Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken" von Richard Feynman, Kapitel 7 "Der klügste Mann der Welt" - aus dem Interview Richard P. Feynmans mit der Zeitschrift Omni in 1979 -, ungekürzte TB-Ausgabe 6. Aufl. 2009 Piper Verlag GmbH München, ISBN 978-3-492-23773-4, bzw. "Der klügste Mensch der Welt" OMNI Publications Internation Ltd.)

Samstag, 4. Januar 2014

Projekt 52 Bücher - 2013 - 47/2013

Die 47. Kalenderwoche von Fellmonsterchens 52-Bücher-Projekt bringt als Thema

"Die Welt ist eine ..."

Kugel, ging es in meinem Kopf weiter. Diese Auffassung wurde bereits in der Antike, u.a. von Aristoteles, vertreten. Nun habe ich von Aristoteles selbst keine Schriften hier, aber ich weiß, dass er der Mentor von Alexander dem Großen war. Über letzteren habe ich vor mindestens 10 Jahren mal den ersten Teil der Romanbiographie "Alexander" von Gisbert Haefs gelesen und Aristoteles dürfte darin aufgetaucht sein. Konkrete Erinnerungen an diesen Roman habe ich allerdings nicht mehr und das Buch selbst wurde vor einigen Jahren von mir der Bücherei gespendet.

Die Kugelgestalt der Erde assoziiere ich u.a. mit Planetenbewegungen, Kopernikus und Galilei (und damit auch mit Berthold Brechts Stück "Leben des Galilei, dass ich als Schullektüre in Erinnerung habe - seitdem habe ich es auch nicht mehr gelesen), aber auch mit z.B. Kolumbus, der (Neu)Entdeckung Amerikas. Dies wiederum erinnerte mich an ein ebenfalls vor - ah, 10 - Jahren gelesenes Buch von William Prescott "Die Erorberung von Mexiko / Der Untergang des Aztekenreichs". Prescott hat 1843 aufgrund damals vorhandener Berichte in romanhafter Form geschildert. Ich erinnere mich auch hier nicht mehr konkret an den Inhalt. Aber ich meine, dass das Romanhafte zwar die Lesbarkeit erleichterte (Einschiffung, Cortés, Politik, Kultur und Gesellschaft der Azteken, Gründung von Siedlungen, Kämpfe), es dennoch angesichts des antiquiert wirkenden Tons eine herausfordernde Lektüre für mich war. Hier (klick) findet Ihr übrigens einen Teil der Originalausgabe; die ir vorliegende deutsche Ausgabe beginnt bei "book II" (klick).

Hörbuch-Challenge 2014 by Ariana

Ariana kann noch so unschuldig schauen, sie hat es faustdick hinter den Ohren. Postet einfach eine Hörbuch-Challenge in die Bloggerwelt. Im Zeitraum 01.01.2014 bis 31.12.2014 sollen 10 Hörbücher (Hörspiele sind u.U. auch möglich) gehört werden. Diese sind natürlich zu besprechen, wobei eine eigene Challenge-Übersichtsseite anzulegen und Ariane bekanntzugeben ist. Die genauen Bedingungen könnt Ihr bei Ariana nachgelesen.

Ich wollte eigentlich nicht teilnehmen. Schließlich habe ich mich schon zu Winterkatzes Sachbuch-Challenge angemeldet und mich selbst als Wiederholungstäter herausgefordert. Und nun lege ich genau diesen Post als Übersichtsseite für Arianas Hörbuch-Challenge 2014 an ... :)

Challengetitel mit Link:
  1. The Time Machine by H. G. Wells - engl. Hörspielfassung 
  2. Denn das Glück ist eine Reise von Caroline Vermalle
  3. "Schwarze Piste" von Andreas Föhr
  4. "Mord im Pfarrhaus" von Agatha Christie
  5. "Ruhe unsanft" von Agatha Christie
  6. "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" von Jules Verne
  7. "The Importance of Being Earnest" by Oscar Wilde - engl. dramatisierte Hörspielfassung
  8. "16.50 Uhr ab Paddington" von Agatha Christie
  9. "The Oscar Wilde Collection"
    ("A Woman of no Importance", "Lady Windemere's Fan", "An ideal Husband", "The Importance of Being Earnest (andere Version) und "The Picture of Dorian Gray")
  10. "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende
  11. "Das da Vinci Universum - Die Notizbücher des Leonardo", Hrsg. Emma Dickens
  12. "Von Ratlosen und Löwenherzen" von Rebecca Gablé
  13. "Die Wahrheit und andere Lügen" von Sascha Arango
  14. "Der Mieter" von Roland Topor


Donnerstag, 2. Januar 2014

Wiederholungstäter


Über die Jahresendfeiertage 2013/2014 ordnete ich gelesene Bücher ins Regal und mein Blick fiel - mal wieder - auf "Die Hüterin der Gewürze". Hm, ich war wieder nicht dazu gekommen, es noch einmal zu lesen.
Deswegen forderte ich mich selbst in 2014 heraus: mindestens 6 Bücher wollte ich wieder  lesen bzw. hören; ich wollte ein Wiederholungstäter (WT) sein.

Als Kandidaten hatte ich sofort einige Titel im Sinn, z.B. die hier gleich genannten drei, aber auch die weiter unten gelisteten Bücher (sie sind als mögliche Kanditaten und nicht als festgelegte Vorauswahl zu sehen): 
  1. "Die Hüterin der Gewürze" von Chitra Banerjee Divakaruni (in 2014)
  2. "Denn das Glück ist eine Reise" von Caroline Vermalle (in 2014)
  3. "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende (in 2014)
Tja, 3 von 6 in 2014 war ja nicht so der Renner. Ich habe zwar im Dezember 2014 zwei meiner Kinderbücher wieder gelesen und Mansfield Park als Hörspiel gehört, aber zählt das? ;)

Deswegen mache ich in 2015 weiter. Das Vorbehaben bleibt bestehen: 6 Titel wieder lesen bzw. wieder hören! 

Ich werde berichten, vielleicht sind ja ein paar dieser Kandidaten dabei. :)

  1. "Owen Meany" von John Irving
  2. "Der Garten des Samurai" von Gail Tsukiyama
  3. "Stein und Flöte und dass ist noch nicht alles" von Hans Bemmann
  4. "Naokos Lächeln" von Haruki Murakami
  5. "Das Tagebuch des Oscar Wilde" von Peter Ackroyd (Hörbuch)
  6. "Die Speed-Queen" von Stewart O'Nan
  7. "Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel
  8. "Die Frau mit den Regenhänden" von Wolfram Fleischhauer
  9. einen oder mehrere Stephen-King Romane, z.B. "Dolores" oder "Sie" 
  10. einen Austen-Roman
  11. einen oder mehrere Romane der Bronte-Schwestern, z.B. "Jane Eyre", "Stürmische Höhen" oder "Vilette"

Vermutlich wird mir dieser Post auch direkt als Übersichtsseite dienen.

Und ich werde Euch auf dem Laufenden halten, wie erfolgreich ich als Wiederholungstäter in 2015 sein werde. ;)

Tja ... Ich habe durchaus in 2015 Titel wieder gelesen, allerdings ist nur Stephen King als wiedergelesener Autor dabei. Richtig besprochen habe ich diese Bücher in 2015 hier im Blog allerdings nicht, sie tauchen nur ab und an im Rahmen von Leseaktionsbeiträgen auf:

Von Alexander Wolkow
- Der Zauberer der Smaragdstadt
- Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten
- Die sieben unterirdischen Könige
- Der Feuergott der Marranen

Von Stephen King
- Schwarz (deutsch und englisch)
- Drei (deutsch und englisch)
- Tot (deutsch wiederholt, englisch neu)

Aus dem Turm-Zyklus wiedergelesene Comics (Robin Furth u.a.)
- Der Dunkle Turm #1
- Der lange Heimweg #2

Von Jane Austen
- Emma  (audio)
- Persuasion (audio)

Außerdem

- Indexing by Seanan McGuire (audio)
- Death on the Nile by Agatha Christie (englisch only)
- Whose Body by Dorothy L. Sayers (audio)

Mittwoch, 1. Januar 2014

Die kleine Zusammenstellung :)

FROHES NEUES JAHR! Ich hoffe, Ihr seid alle gut hineingekommen. Hier bei mir ging es zunächst ruhig zu (ich habe am Abend gelesen) und die MuMs haben etwas vorgefeiert.


Mit dem Geknalle konnten die beiden nicht wirklich viel anfangen und zogen sich zurück. Vorher meinten sie noch, wenigstens sei ich vernünftig, mich nicht an der Böllerei zur Vertreibung böser Geister zu beteiligen - ich habe mir das nur durch das Fenster angesehen -,


denn ich hätte erkannt, dass sie - die MuMs - sich ja ohne Weiteres um böse Geister kümmenr könnten. Jedenfalls haben die beiden offenbar später, als es draußen ruhiger wurde und ich längst in der Koje lag, noch auf ihre eigene Weise ins neue Jahr gefeiert, denn heute Morgen wirkten sie doch irgendwie müde und erledigt, die Kater ...


Nun, das gibt mir Gelegenheit, in meine Statistik für 2013 zu schauen.

Meine Leseliste 2013 mit den Einzeltiteln incl. Format findet ihr im Header unter Leselisten. Es sind im Jahr 2013 insgesamt 191 Titel gewesen (89 print, 66 ebook, 36 audio), wobei ich jeden einzeln gekauften Titel auch als einzelnen Lesetitel gewertet habe (die von der Anzahl her überschaubaren Einzel-Comic-Hefte). Von meinem TuB kamen ganze 145 Exemplare. Nicht mitgezählt habe ich natürlich die 6 Bücher, die ich abgebrochen habe - eines, weil es mich nervte (Milch und Honig), die anderen, weil ich keine Lust auf Weiterlesen entwickelte (Eine wie Alaska, Odins Insel, Die Götter von Whitechapel, Fish And Fritz, Märzkinder). Möglicherweise bekommen sie eine weitere Chance. Gelesen bzw. gehört habe ich auf deutsch und auf englisch, es waren sogar sehr viele meine Hörbücher englischsprachig (u.a. Jane Austen und 12 Titel der Amelia-Peabody-Reihe). Jetzt weiß ich auch, warum auf dem Blog im Verhältnis zu den Vorjahren weniger "passiert" ist: Ich war einfach mit meinen Hör-/Büchern beschäftigt. :)

Im Jahr 2013 sind 183 Titel bei mir einzogen, davon 92 print, 64 ebook und 27 audio. Für diese Leidenschaft habe ich 1227,12 Euro ausgegeben. Sehr gut angelegtes Geld für Wanderungen in literarischen (und manchmal auch realen) Orten mit Urlaubseffekt für Kopf und Herz.

Mit dem 52-Bücher-Projekt, das noch nicht beendet ist, bin ich in 2013 zwar immer wieder in Rückstand geraten, konnte ihn aber zum Jahresende aufarbeiten. :) Außerdem habe ich in 2013 an verschiedenen Leseaktionen teilgenommen, so an Sayuris Lesewoche,  Kiyas HalloweenlesewochenendeArianas Adventslesen und meiner eigenen Weihnachtslesewoche. :)

Für das Jahr 2014 habe ich mich für Winterkatzes Sachbuch-Challenge angemeldet und heute auch schon mein erstes Challengebuch begonnen ("Es ist so einfach - Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken" von Richard P. Feynman). Das laufende Projekt 52-Bücher des Fellmonsterchens werde ich beenden, aber nach zwei vollständigen Läufen die dritte Saison aussetzen. Mal sehen, ob es online wieder Aktionen gibt, an denen ich teilnehmen möchte, das werde ich wohl jeweils operativ taktisch entscheiden. :) Allerdings liebäugel ich auch bereits jetzt angesichts der Lage der Weihnachtsfeiertage in 2014 mit einer Wiederholung meiner Weihnachtslesewoche. Im Wesentlichen möchte ich wie alle Leser ein tolles Lesejahr haben. :)