Dienstag, 30. Dezember 2014

Madame de Pompadour und die Macht der Inszenierung von Andrea Weißbrod

Eher zufällig bin ich anlässlich des Kaufs von "Am Beispiel der Gabel" über  "Madame de Pompadour und die Macht der Inszenierung" von Andrea Weisbrod gestolpert. Ich fand den Ansatz, eine Biographie ausgehend von acht Porträts der Madame de Pompadour zu präsentieren, reizvoll.

Die Autorin hat bereits ihre Doktorarbeit Madame de Pompadour und der politischen Rolle von offiziellen Mätressen gewidmet. Dieses Buch könnte man fast eine natürliche Fortentwicklung nennen. Als bekennender Geschichtsmuffel bin ich - wohl eher unbewusst ;) - immer wieder auf der Suche nach Büchern, die mir auf neue und hoffentlich nicht trockene Weise Geschichte nahebringen. Und ich wurde hier nicht enttäuscht:

In acht Kapiteln präsentiert die Autorin das Leben der Jeanne-Antoinette de Pompadour (1721 - 1764). Dabei konzentriert sie sich (wie man dem Wort "Macht" im Titel entnehmen kann) auf die Zeit der Madame de Pompadour, die diese als offizielle Mätresse des französischen Königs Ludwig XV an dessen Hof verbrachte. Sie konnte sich immerhin fast 20 Jahre an diesem Hof trotz all der Intrigen, Fehlentscheidungen und jüngeren Frauen, die der König immer wieder vorzog, halten und Einfluss auf den König und das Staatsgeschehen nehmen.

Jedem Kapitel ist ein Porträt der Madame de Pompadour vorangestellt, welches letztere in dem kapitelmäßig abgedeckten Zeitrahmen in Auftrag gegeben hat. Diese Porträts, die fast alle in dem Pariser Salons dem Adel und dem Bürgertum präsentiert wurden, waren, wie die Autorin darlegt, Kommunikationsform und in diesem Sinne eine Art, sich nach außen darzustellen, Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen, mithin Propagandamittel und eine Möglichkeit, die eigene Stellung zu untermauern.

Das Zusammenwirken von textlicher Einführung und Erläuterung des aktuellen Status der Madame de Pompadour, ihrer Fähigkeit zur nonverbalen Kommunikation bzw. "Nichtkommunikation" am Hof und in ihren Briefen, ihre Einflussnahmen auf die Besetzung von Ämtern etc. im Zusammenhang mit der Erläuterung der Porträts und ihrer Bedeutung fand ich sehr interessant. Ich habe so nicht nur etwas über das (Über-)Leben am Hof erfahren oder wie Frankreich z.B. seine Kolonien in Kanada verlor und etwas mehr über die Zeit vor Marie Antoinette, sondern auch, welche subtilen Botschaften sich in den jeweiligen Porträts verbergen, wenn man sie (zeitgenössisch) zu lesen versteht. Denn laut der Autorin war die Porträtierte, die selbst künstlerisch begabt war, an der Gemäldeerstellung eng beteiligt. Das abgebildete Hündchen z.B. steht für Treue und Loyalität, wobei dies auf die Treue und Loyalität der Porträtierten zum König zu übertragen ist. Oder dass es einen Grund dafür gibt, dass auf dem einen Porträt (klick) trotz der üppig verzierten u. vergoldeten Toilettenartikel incl. kleinem Handspielgel der große Spiegel nur einen schlichten Holzrahmen hat.

Die Marquise de Pompadour hat sich am Hofe durch Diplomatie, diverse Strategien und Anpassungsfähigkeit ausgezeichnet. Dies alles wurde von ihr auch durch die Porträts, zum Teil sehr subtil und vielleicht sogar für den damaligen Betrachter nicht offensichtlich (das Porträt im "Freundschafts-Garten" im Zusammenhang mit dem Frauenbild der Aufklärung) kommuniziert.

Sicherlich kann man sich noch intensiver mit dieser schillernden Frauengestalt bzw. mit der Zeit, in der sie lebte, auseinandersetzen. Für mich war dieses Buch jedoch genau richtig, ausreichend und im Aufbau und Darstellung faszinierend.

Kommentare:

  1. Das klingt wirklich interessant. Mein Wissen über diese Zeit stammt ja fast vollständig aus britischen Büchern und beschäftigt sich mit dem französischem Hof nur sehr am Rande und so gut wie gar nicht mit französischer Geschichte. Ich glaube, ich muss mir das Buch von dir - wenn möglich - mal leihen. ;)

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  2. Aber gern doch, Winterkatze. :) Es ist auch nicht sooo umfangreich, schmaler als das "Mit den Augen der Maler" Buch, denke ich. ;)

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  3. Welches ich auch noch für die nächste Sachbuch-Challenge lesen könnte ... *hilfe*

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  4. Nun, so hast Du mindestens ein Reservebuch in petto, ist doch beruhigend. *g*

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  5. EIN Reservebuch? Wenn das so weitergeht, muss ich die Challenge noch einige Jahrzehnte laufen lassen ... ;)

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  6. Nun, es besteht ja immer die Gefahr, dass die Leihgabe Dir nicht so gut gefällt und Du sie nicht ausgelesen weglegst. ;)

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  7. Aber dafür setze ich dann weitere Bücher auf die Leihliste - es ist einfach ein Teufelskreis. :D

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    1. Kreise sind ja grundsätzlich elegant und schön... ;)

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  8. Oh, noch ein Buch für die Wunschliste... ;)

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    1. Das theoretisch auch eine leihweise Rundreise antreten könnte, Hermia. ;)

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    2. Da würde ich auch nicht nein sagen, sondern mich freuen. ;)

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    3. @Winterkatze und Hermia
      Dann ist nur noch zu klären, wohin das Buch wann zuerst geht. :)

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    4. Hast du in absehbarer Zeit wieder ein Päckchen in die eine oder andere Richtung zu schicken? Eigentlich bin ich mal wieder dran mit dem Leihgaben zurückschicken, oder? Sonst würde ich sagen, du steckst es einfach derjenigen zu, die als erste von dir Post bekommt. ;)

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    5. An Hermia gehen demnächst die Gedichte zurück (ich bin noch nicht zum Reinschauen gekommen) u. an Dich die Hörbuchleihgaben, mit denen ich auch nicht weitergekommen bin. ;) Dein Vorschlag klingt aber gut, Winterkatze.

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    6. Wenn du möchtest, kannst du die Hörbücher ruhig noch etwas behalten - musst aber natürlich nicht. :)

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    7. Also wenn ich kann, dann mache ich das noch, Winterkatze. :)

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    8. Mach das! :) Ich habe sie ja gehört und brauche sie so schnell nicht wieder und eventuelle andere Interessenten haben vermutlich selber noch einige Leihgaben von dir. *g*

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  9. Ich brauch die Gedichte auch noch nicht - kannst sie ruhig noch behalten! Ich bin selber auch leider noch nicht dazu gekommen, von deinen Leihgaben irgendwas anderes außer "Kinderland" zu lesen - gerade jetzt im neuen Jahr steckt irgendwie der Wurm in meiner Leserei drin! ;)

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    1. Danke Hermia! Momentan ist mir nämlich nicht nach Lyrik. ;) Ich gebe es im Übrigen zurück: Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, ich weiß ja, wo die Sachen sind. :D

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