Mittwoch, 10. Dezember 2014

"Alle unter einer Tanne" von Lo Malinke

Am zweiten Adventswochenende habe ich "Alle unter einer Tanne" von Lo Malinke gelesen und seine Geschichte zündete bei mir leider nicht (was nicht am Lektoratsfehler lag, die falsche Schreibweise des doch recht bekannten Autors Stephen King übersehen zu haben).  Nachfolgend gibt es zwei, drei Minispoiler, die - soweit das Geschehen nicht sehr früh im Roman zur Sprache kommt - aber im Rahmen dieser Nachlese notwendig waren.

Die Ausgangssituation ist skurril: Elli und Robert sind nach langjähriger Ehe (incl. drei inzwischen erwachsenen Kindern, die teils selbst eine Familie gegründet haben) geschieden. Sie haben jeder einen neuen Partner, mit dem sie auch zusammen leben. Außer zu Weihnachten. Seit 3 Jahren räumt Ellis über 15 Jahre jüngere Freund Micha seine Sachen zu den Weihnachtsfeiertagen raus und Robert seine wieder hinein, während Roberts Freundin Chrissi allein in der gemeinsamen Wohnung bleibt. Elli und Robert haben ihren Kinder nicht gesagt, dass sie geschieden sind und wollen diese Schauspiel weiter aufrechterhalten. Dieses Weihnachten jedoch tritt Chrissi durch die Tür und weigert sich, zu gehen. Was dazu führt, dass auch Micha bleibt. Und die Kinder kommen...

Das Buch liest sich gut weg. Der Schreibstil des Autors ist eingängig, die Kapitel haben eine angenehme Länge. Übrigens wechselt der Autor pro Kapitel auch den Charakter, sodass man als Leser immer wieder in die Erinnerungs-, Gedanken- und Wahrnehmungswelt einer der acht erwachsenen Personen (Eltern, Partner, drei Kinder und der Ehemann der einen Tochter) eintaucht und so auch  mehr über diese Person erfährt. Ein wenig bremst das die Geschichte, die an einem Tag (dem 24.12.) spielt, allerdings aus, denn hier gibt es immer wieder mal Rückblicke und über längere Bereiche des Romans keine Gespräche oder Aktivitäten.

Wesentlich wichtigere Punkte sind aber, dass mir der Autor keinen vernünftigen Grund vermitteln konnte, weshalb Elli und Robert tun, was sie tun  und warum es drei Jahre braucht, bis zumindest einer der beiden neuen Partner sagte: So nicht mehr! Ja, im Verlauf der Geschichte wird Ellis Motivation klarer, aber weshalb Robert weiter mitspielte und weshalb Micha seelenruhig seine Sachen packte, erschließt sich mir nicht. Gab es in den Vorjahren zwischen den neuen Paaren keine (Streit-)Gespräche?

Dass ich mit Elli als Charakter nicht klar kam, machte die Angelegenheit natürlich auch nicht besser. ;) Die Art, wie sie verbissen, geradezu störrisch, versucht, alle Anwesenden zu kontrollieren, ihnen über den Mund fährt etc., hat mich mehr und mehr geärgert. Hier zeigte sich für mich auch der Nachteil, kapitelweise erzählerisch den Charakter zu wechseln: Meinen Ärger konnte ich zwar verringern, aber nur, weil ich mir immer wieder vor Augen führte, dass trotz all dem zwischenzeitlich Erzählten das Geschehen in Ellis Haus nur wenige Stunden umfasst, Elli also "wenig Zeit" hat.

Von Chrissi abgesehen, deren Aktivität meine Neugierde etwas weckte, konnte der Autor mir leider die übrigen Charaktere nicht nahebringen. Es gab bei mir trotz all den geschilderten Hintergründen weder ein emotionales Echo noch wirkliches Interesse daran, wie es ihnen auf Dauer ergeht.

Vielleicht muss ich die im Nachwort erwähnte Verfilmung sehen, um die Geschichte besser schätzen zu können.

Kommentare:

  1. Habe heute auch entdeckt, dass die Verfilmung am 12.12. läuft, mal schaun, ob ich sie ansehe.
    Das Buch werde ich wohl erst einmal nicht selber lesen, auch wenn mir die Leseprobe gut gefallen hat.
    Aly mit den drei Q-Katzen

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  2. "Vielleicht muss ich die im Nachwort erwähnte Verfilmung sehen, um die Geschichte besser schätzen zu können. "

    Ah, jetzt weiß ich, warum mir die Inhaltsangabe so bekannt vorkam! Ich habe den Film nicht gesehen, fand aber wohl den Trailer so nett, dass ich überlegte ihn anzuschauen.

    Schade, dass dich der Roman nicht ganz befriedigen konnte.

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  3. @Aly und Winterkatze
    Ich habe mir die Verfilmung inzwischen angeschaut und sie funktionierte trotz der formatbedingten Mängel (Hintergründe von Charakteren) für mich tatsächlich besser als das Buch.

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  4. Gesehen habe ich die Verfilmung immer noch nicht, aber schön, dass sie stimmiger ist als das Buch. :)

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