Samstag, 12. Juli 2014

"Audiobook Narrator: The Art of Recording Audio Books" by Barbara Rosenblat

Merkwürdig, wie man manchmal zu seiner Lektüre kommt: In meinem Feedreader bin ich letztens in einem Beitrag über die Serie "orange is the new black" (die ich nicht kenne) über den Namen einer der dortigen Schauspielerinnen gestolpert: Barbara Rosenblat. Frau Rosenblat ist mir als Sprecherin von Hörbüchern ein Begriff, insbesondere habe ich ihr mit Begeisterung als Sprecherin der "Amelia-Peabody-Reihe" im engl. Original gelauscht.

Aufgrund des Beitrages und des Besuchs ihrer Webseite  (klick) fand ich heraus, dass sie ein ebook "Audiobook Narrator: The Art of Recording Audio Books" verfasst hat.

Mein Interesse war geweckt, auch wenn ich keine Karriere als Hörbuchsprecherin anstrebe. Der Preis des ebooks mit geschätzt 78 Seiten war mir allerdings zu hoch (aktuell 7,40 EUR). Allerdings hatte ich die Möglichkeit, das ebook auszuleihen - und so bin ich im Verlauf der letzten Woche  Hercule etwas untreu geworden und habe immer wieder in Barbara Rosenblats Ratgeber gelesen.

Auf dieser goodreads-Seite (klick, und dort unter "more") findet Ihr eine Auswahl aus den 39 Fragen, auf die Barbara Rosenblat im ebook eingeht. Die Fragen -und auch ein paar der Antworten - erinnerten mich etwas an die Kategorie "FAQ" auf manchen Webseiten. Nun, die Autorin führt im Vorwort auch aus, dass es Fragen sind, die ihr während eines 2,5 Stunden Seminars gestellt wurden - wer detaillierte Anweisungen zur Hörbuchproduktion oder Studio-Equipment erhalten möchte, der möge dieses Buch nicht kaufen (man sich eine ebook-Leseprobe schicken lassen kann, dürfte der potentielle Käufer wohl entsprechend gewarnt sein).

Dafür, dass das ebook kurz und die Antworten (zwangsläufig) regelmäßig überschaubar waren, fand ich eine erstaunliche Fülle an Informationen und die Lektüre interessant:

Ich habe mich nie mit der Frage beschäftigt, wie man ein professioneller Hörbuchsprecher wird oder ob meine Vorlese-Fähigkeiten mich in irgendeiner Weise hierfür qualifizieren würden (ich denke nicht). Meine Perspektive war bislang "kundengeprägt":  Mag ich dem Hörbuchsprecher, Stimme, seiner Interpretation, seiner Atmung (für mich in der Tat wesentlich: Hörproben, in denen ich den Sprecher bei normaler Lesung deutlich atmen höre, packe ich wieder weg, so z.B. Otto Sanders Lesung von "Der Hundertjährige, der durch ein Fenster ..." )? Ich habe in letzter Zeit mehrfach festgestellt, dass ich bei Hörbüchern ungeduldiger bin als bei Büchern. Während ich letzteren noch Zeit und ggf. eine neuerliche Chance gebe, breche ich Hörbücher ab, wenn mir der Sprecher nicht zusagt. So geschehen mit Gerd Anthoff  bei "Tod auf dem Nil" (ich glaube, es waren keine 10 Minuten) oder bei Peter Simonischek mit "Alexis Sorbas" (im zweien Track, glaube ich).

An einer Stelle erklärt die Autorin in ihrem Buch, dass Hörer manchmal keine 15 Minuten warten, um sich auf eine fremde (Hörbuch-)Stimme einzulassen.  ist natürlich keine in Stein gemeißelte Regel, aber wie schon erwähnt: Ich bin deutlich ungeduldiger bei Hörbüchern und will mich nicht stundenlang mit einem Sprecher herumquälen, wenn ich die Zeit angenehmer verbringen und mir das Hörbuch vielleicht sogar auch mit einem  Künstler suchen kann.

Es wird erkennbar, wie sehr es Barbara Rosenblat motiviert, dass sie den Hörer mit ihrer Stimme auf eine Reise mitnehmen kann, wie aufregend sie es findet,  mit dieser Kunst regelrecht zu verführen. Das muss auch etwas sein, was einen Hörbuchsprecher antreibt. Denn nach dem, was ich dem Buch entnehmen, es ist ein anstrengender Job, die Vorbereitung, das "Schauspielern" (nicht nur sprechen), nuanciert zu lesen, ein Tempo zu finden (bei Kinderhörbücher, die zusammen mit Printversionen erscheinen, ist es z.B. wichtig, dem Kind und ggf. einem Elternteil Zeit für Bilder etc. zu lassen). Die Bezahlung liegt zwischen "nothing and a lot of money". Die Bezahlung ist natürlich davon abhängig, wie gut (und bekannt) man ist, aber auch vom Studio, ob man Mitglied einer Gewerkschaft ist - oder ob z.B. der Autor einen bestimmten Sprecher ausdrücklich wünscht etc. Für Anfänger dürfte es zwangsläufig schwierig sein. z.B. weil sie noch keine Studioerfahrung haben. Hier verweist Frau Rosenblat auf das Programm "talking books for the blind", wo man vielleicht nicht bezahlt ist, aber Erfahrungen im Studio sammeln kann. Barbara Rosenblat geht im ebook auch auf  technische Aspekte ein - Heimstudio/Verlagsstudio, Raumklang etc. -, darauf, dass man sein eigenes "Werkzeug", seine Stärken kennen sollte. Sie gibt Tipps zum Erstellen von Demobändern und wo man Informationen über den Hörbuchmarkt und Studios etc. herbekommt. Interessant fand ich auch die Verweise auf  Audio-Datenbanken im Internet (z.B. für die Dialektrecherche).

Beim Lesen dieses kleinen Buches wurde für mich ganz deutlich, dass Barbara Rosenblat ihre Arbeit als Hörbuchsprecherin spannend  findet und mag. Das überrascht mich allerdings nicht: Ich denke nicht, dass man Hörbücher so sprechen/einlesen kann, wie sie es tut, wenn man nicht mit Freunde dabei ist.

Ein guter Hörbuchsprecher - ach, der englische Begriff  "voice artist" ist meiner Ansicht nach so viel passender! - hebt das Buch auf eine andere höhere Ebene. Ein Hörer, der das Buch bereits kennt, entdeckt vielleicht eines ganz Neues im Text oder seine Phantasie wird auf eine andere Weise angeregt, ein Charakter erscheint deutlicher oder man sieht Handlungsbögen in intensiverem Licht. Das finde ich als Hörerin natürlich großartig und ich  bin jedes Mal glücklich, wenn ich für mich einen solchen "voice artist" finde. Barbara Rosenblat gehört für mich dazu, Stepen Fry, David Nathan, Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck um nur einige zu nennen. Deswegen an dieser Stelle einfach mal ein großes Danke an die Hörbuchsprecher und -sprecherinnen, die voice artists, dieser Welt und die unterstützenden Techniker, Regisseure und Produzenten - denn auch deren Rolle ist, z.B. wegen der Aufnahme von "Ton-Lesezeichen" für den Sprecher, nicht zu unterschätzen. ;)

Kommentare:

  1. Wie wichtig Regisseure und Produzenten sind, fällt mir vor allem bei Hörspielen auf. Gerade wenn es da bei einer Serie Wechsel gibt, kann es zu so radikalen Änderungen der Qualität kommen, obwohl die Sprecher die gleichen geblieben sind - das ist spannend.

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  2. In der Tat spannend! Frau Rosenblat spricht auch an, dass sich mit dem Wechsel des Verlages auch die Audiorechte übergehen - was nicht zwangsläufig auch den oder die Sprecher oder Tontechniker etc. betreffen muss, die lange Jahre eine Serie betreut haben.

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