Dienstag, 3. Juni 2014

Shakespeare on Toast - Getting a Taste for the Bard by Ben Crystal

Ich habe die ebook-Version dieses Titels bereits im Januar 2013 in einer 0,99 EUR-Aktion bei Amazon erstanden, einfach weil es interessant klang, und seitdem schlummerte sie in meiner CuE (also Cloud unread ebooks *g*). "Shakespeare on Toast" von Ben Crystal kam mir wieder ins Gedächtnis, während ich "Alles über Shakespeare" las.

Bei Erwerb des ebooks und auch danach hatte ich noch nie von Ben Crystal etwas gehört. Wie ich jetzt weiß, ist er (Baujahr 1977) ein englischer Autor und Schauspieler, der u.a. im Globe gearbeitet hat. Sein Vater ist Linguist und vielleicht wurde hier der Samen gepflanzt für Ben Crystals Interesse an der Sprache Shakespeares. Er hat übrigens zusammen mit seinem Vater ein Wörterbuch verfasst, in welchem offenbar die meisten Worte aufgenommen sind, deren Bedeutung sich seit der Verwendung durch Shakespeare in dessen Texten bis heute erweitert oder gar gewandelt hat (Beispiele sind auch in "Shakespeare on Toast" vorhanden).

In "Shakespeare on Toast" will Ben Crystal dem Leser die grundsätzliche Scheu vor Shakespeares Stücken und Sonetten nehmen und ihm im Ergebnis einen Weg zeigen, Zugang zu den in alter merkwürdiger Sprache geschriebenen Werken zu bekommen.

Ich fand das Buch dabei in der Tat erhellend, auch wenn ich weiterhin Scheu vor den Originaltexten habe. ;) Im Gegensatz zu Ben Crystal und vermutlich sehr vielen englischen sowie vermutlich auch einigen deutschen Schülern habe ich in der Schule nur ein Stück von Shakespeare, nämlich Hamlet, gelesen - und das auch in einer deutschen Übersetzung. Im Übrigen habe ich mich - deutlich später - Shakespeare über Verfilmungen wie "Viel Lärm um Nichts" und "Hamlet" (in verschiedenen Umsetzungen), "Othello", "Ein Sommernachtstraum", "Verlorene Liebesmüh" und "Macbeth" angenähert und im Fall von "Hamlet" und "Macbeth" zudem eine Comicumsetzung gelesen. Ich will damit sagen, dass ich grundsätzlich sehr unbelastet an die Werke herangehe (was ein Vorteil sein kann), die Erarbeitung vor diesem Hintergrund aber für mich auch schwieriger ist. "Shakespeare on Toast" schien mir daher ein guter Ansatz ...

Nun stellt Ben Crystal stark auf die Originaltexte der Stücke ab, was natürlich Sinn macht, mir aber die Sache als Fremdsprachlerin und - wie gesagt - Laie erschwert. Dankenswerterweise führter er aber auch immer Beispiele an, stellt Lesarten vor und machte es mir auf diese Weise dann wieder etwas leichter. Er vergleicht z.B. die modernen Ausgaben von Penguin mit dem ersten Folio der Shakespeare-Stücke, welcher von Schauspielern aus "Shakespeares Truppe" (sage ich jetzt mal verkürzend) herausgegeben wurde. Bei diesem Folio handelt es sich nach Auffassung des Autors um denjenigen Text, der den Schriften Shakespeares am Nahesten kommt. Bei diesem Vergleich zeigen sich bereits die Änderungen, die durch die Verlage bei Ausgabe neuer (englischer) Editionen vorgenommen wurden und die z.B. Ausrufungszeichen hinzufügen oder Wortanpassungen vornehmen. Auch auf diesem Weise kann es bereits zu Sinnveränderngen kommen (selbst wenn es nur um ein Ausrufungszeichen geht). Wenn man dann noch z.B. Kürzungen bei Verfilmungen bedenkt oder halt Übersetzungen  ... 

Dies alles leitet Ben Crystal - für mich nachvollziehbar -  u.a. davon ab, dass Shakespeare die Werke nicht für Leser schrieb, sondern für - die ihm vertrauten, also "seine" - Schauspieler zum Zwecke der Aufführung vor Publikum. Die den Schauspielern ausgehändigten Rollen enthielten neben dem Text durch die Zeichensetzung bzw. Nutzung von Prosa oder Vers (z.B. iambisches pentameter) indirekt quasi Regieanweisungen. Dies alles wird am Beispiel - mit besonderer Gewichtung auf das iambische pentameter - erläutert. Und auch wenn ich die Ausführungen zum iambischen Pentameter als Fremdsprachler und Laie - auch in Bezug auf Lyrik - als schwierig verständlich empfand (und ich Gefahr laufe, die Ausführungen im Detail nicht zu erinnern), fand ich sie dennoch, wie schon gesagt, erhellend. Ich hatte durchaus "Aha-Erlebnisse" und weiß im Übrigen ja auch, wo ich noch einmal nachschlagen kann, falls ich mich doch mal an einen "alten" Shakespeare-Text wagen sollte (die Royale Shakespeare Company hat offenbar auf dem Folio basierende Texte "neu" herausgegeben) - vielleicht ja an "Hamlet" oder "Viel Lärm um Nichts", da mir diese Stücke vertrauter sind als die anderen. 

"Shakespeare on Toast" war für mich also eine zwar anstrengende, aber lohnende Lektüre. :)

Kommentare:

  1. Ich glaube, so ein Buch würde bei mir eher Scheu vor den Originaltexten wecken, statt Lust darauf zu machen. Es ist einige Zeit her, seitdem ich das letzte Mal Shakespeare gelesen und noch länger seitdem ich mich intensiv an seinen Originalen versucht habe, aber ich fand es spannend und mochte selbst dann Klang und Rhythmus, wenn ich nur teilweise verstand. Vielleicht solltest du wirklich mal einen Versuch wagen. :)

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    1. Wir haben ja auch schon weiter über das Buch gesprochen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Dich anregt, in ein oder zwei Texte noch einmal hineinzuschauen mit seiner Lesart im Hinterkopf - gerade wenn Du die Texte im Original schon kennst. :)

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  2. Wenn du mal einen Versuch unternehmen willst, Shakespeare auf Englisch zu lesen, würde ich eine zweisprachige Ausgabe empfehlen. Da hast du dann den deutschen Text direkt daneben, das dürfte die Sache erleichtern. Ich kann auf jeden Fall gut verstehen, dass man eine gewisse Scheu vor den Originalen hat, obwohl es sich natürlich sehr lohnt. :-)

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    1. Inzwischen habe ich in meinem Regal gesucht, Ariana, sorry wegen der späten Antwort: ich habe vom Sommernachtstraum eine zweisprachige Ausgabe aus dem Reclamverlag. Mal gucken ...
      Aber erst mal geht es wohl mit Poirot weiter *g*

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