Sonntag, 11. Mai 2014

"Mit den Augen der Maler - Schauplätze der Kunst neu entdeckt" von Florian Heine

Gestern kam "Mit den Augen der Maler - Schauplätze der Kunst neu entdeckt" von Florian Heine bei mir an. Auf den Titel bin ich - mal wieder - eher zufällig bei Arvelle gestoßen, fand aber die Beschreibung interessant. Danach bietet der Autor nämlich dem Betrachter einen neuen Blickwinkel auf ausgewählte Gemälde (z.B. El Grecos "Ansicht von Toledo") an, indem er die Schauplätze "damals" und heute gegenüberstellt. Kaum war das Buch da, hatte ich mich auch schon darin vertieft. Ich hatte mir nämlich von "Mit den Augen der Maler" einen für mich als Laien weitergehenden Einblick in Bezug auf ausgewählte Künstler und Werke erhofft, wobei meine Basis die vor kurzem gelesene "Geschichte der Kunst" von Herrn Gombrich (klick) war.  Um es vorweg zu nehmen: Meine Hoffnung hat sich erfüllt.

Florian Heine (übrigens freischaffender Fotograf und Kunsthistoriker) präsentiert in diesem Buch eine Auswahl an Gemälden und Malern, die auf unterschiedliche Art und Weise wegweisend für die Entwicklung in der Malerei waren. Dabei konzentriert er sich auf 21 europäische Künstler verschiedener Zeiten und Orte:

Seine Reise beginnt bei Giotto, der um 1300 erstmals statt einer "anonymen" Farbe Ansichten einer Stadt als Hintergrund einführte. Weiter geht es mit Dürer, der mit seinen Aquarell-Reisebildern ein Vorreiter der Landschaftsmalerei war. Sehr beeindruckt hat mich übrigens das Gemälde "Ansicht von Toledo" von El Greco mit seiner leuchtenden Stadtmauer und Stadt zwischen Grün und Blau. Man kann das heutige Toledo in dem Gemälde wiedererkennen - aber Florian Heine zeigt auf, dass El Greco "sein" Toledo malte in dem Sinne, dass er das Bild nach seiner eigenen Ansicht komponierte, Gebäude versetzte etc. Interessant fand ich auch, auf was der Mann in Caspar David Friedrichs "Der Wanderer über den Nebelmeer" schaut bzw. welche Deutungen möglich sind.

Beispielhaft sind auch noch van Gogh, Munch oder Braque nennen, die Florian Heine präsentiert. Spannend, welche Ermittlungen Forscher anstellen, um zu erfahren, ob ein Munch-Gemälde ein Nacht- oder Tagbild ist und was es mit der nicht vorhandenen Spiegelung eines Gestirns im Wasser auf sich haben könnte. Bei Braque allerdings stieß ich an meine Grenzen - die tatsächlichen Ansichten des Ortes/Schlosses konnte ich mit der kubistischen Umsetzung dieses Malers nicht in Einklang bringen; mein Auge ist sicher auch zu ungeschult. Das ändert aber nichts daran, dass ich auch hier die dargelegten Ableitungen mit Interesse gelesen habe. Das Buch endet nicht mit einem Maler, sondern mit einem Fotografen und Ausführungen dazu, wie angesichts der jüngsten Entwicklung in der der Malerei und Fotografie sich diese beiden Ausdrucksformen ähneln und annähern.

Florian Heine nimmt also nicht einfach einen direkten Vergleich von Gemälde und aktuellen Ansichten vor, sondern er führt auch kurz in das Leben und Werk des jeweiligen Künstlers ein und macht mir als Leser klar, warum ich in diesem Buch über diesen Künster etwas lese. Als Kunsthistoriker bringt der Autor Künstler und Werk zudem prägnant in zeitlichen und kulturellen Kontext, und zwar auf eine auch mir als Laien verständliche Weise. Florian Heine ist für mich zwar nicht so deutlich spürbar leidenschaftlich dabei wie Erich Gombrich in seiner Kunstgeschichte, aber ich fühle mich dennoch auf angenehme Weise "unterrichtet". :) 

Kommentare:

  1. Das klingt wirklich reizvoll und spannend. Kubismus finde ich als Betrachter auch nicht immer so einfach, aber es macht Spaß damit beim Malen zu experimentieren (auch wenn meine letzten Versuche ... uff ... 20 Jahre her sind oder so ... ).

    Oh, noch zwei Bücher und du hast die Challenge geschafft - das solltest du in knapp zwei Monaten doch auf die Reihe bekommen. Wieso fandest du das vor wenigen Tagen noch unvorstellbar? ;)

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    1. Ah, stimmt ja, Du hast ja mindestens 20 (nicht 12) Bücher verlangt. :)

      Ich habe den Gombrich zum Mal Hineinblättern für Dich im Juni schon zur Seite gelegt, soll ich dieses Buch dazu packen? *unschuldigschaut*

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    2. argh 10! 10 nicht 20! *lach*

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    3. Ich frage mich gerade schon, wessen Challenge du da im Sinn hattest! :D

      Und eigentlich wollte ich ja Drohungen ausstoßen, damit du keine weiteren Bücher anschleppst ... blöderweise bin ich so ekelhaft neugierig ... also ... ja ... *seufz*

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    4. Vielleicht eine Manga-Challenge? :D

      Vielleicht findest Du die Bücher nach dem Reinblättern gar nicht so spannend bzw. Dir reicht das stichprobenartige Anlesen völlig aus. *geht das Buch hinlegen*

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    5. Der Challenge werde ich mich eh in den nächsten Tagen stellen, wenn die 20th-Century-Boys-DVDs von meinem Mann eintreffen. Vor dem Gucken soll ich nämlich die Reihe durchlesen. :D

      Pfff ... wann habe ich jemals ein Buch nicht als interessant empfunden? Aber ob ich dann auch in absehbarer Zeit in der Stimmung zum Lesen bin ... :(

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