Samstag, 3. Mai 2014

(auch) als Wiederholungstäter: "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende

Vor einiger Zeit wurde bei Audible die vollständige Lesung von Michael Endes "Die unendliche Geschichte" durch Gert Heidenreich im Abo für ein halbes Guthaben angeboten (das Angebot gibt es übrigens - 03.05.2014 noch immer) und ich konnte einfach nicht nein sagen. Ich mag die Geschichte, die ich auch als Buch bei mir zu Hause stehen habe und die ich sowieso mal wieder lesen wollte. Eine wunderbare Gelegenheit - sowohl für meine persönliche Wiederholungstäter-Challenge als auch für Arianes Hörbuch-Challenge. :)

Ich bin also mit dem ca. 11jährigen Bastian Balthasar Bux in ein Antiquariat gestürzt und dort dem mürrischen Eigentümer Karl Konrad Koreander unter die Augen getreten (ist es nicht putzig, dass beide Nachnamen wie Gewächse klingen, aber es jeweils nicht sind?), habe beobachtete, wie Bastian magisch von einem Buch - in welchem Herr Koreander gerade gelesen hat - angezogen wird und wie er dieses aus dem Antiquariat klaut. Bastian, der von seinen Mitschülern nicht nur wegen seiner Pummeligkeit gehänselt und von seinem Vater seit dem Tod der Mutter fast vollständig ignoriert wird, verkriecht sich mit diesem Buch auf dem Schulspeicher und beginnt zu lesen: von Phantasien; von der Kindliche Kaiserin Phantasiens - die schwer, vielleicht sogar tödlich, erkrankt ist -; von dem ominösen Nichts, das sich in Phantasien ausbreitet; von Atreju aus dem Volk der Grünhäute, der ausgesandt wird, ein Heilmittel für die Kindliche Kaiserin zu finden ...

Ich überlege gerade, inwieweit "Die unendliche Geschichte" Teil des "Allgemeinwissens" besonders hier in Deutschland ist. Spoilere ich bereits, wenn ich mich mit dem zweiten Teil des Buches befasse? Falls Ihr also das Buch noch nicht kennt, jetzt ist die Chance, mit dem Lesen dieses Beitrags aufzuhören. ;)




Es ist ein paar Jahre her, dass ich "Die unendliche Geschichte" gelesen habe.  Viele wesentliche Dinge waren mir daher noch in Erinnerung wie z.B. das Moor der Traurigkeit, die Tore des Südlichen Orakels, Fuchur, Groagramon, Xayide. Dennoch konnte ich mich fast wie bei der ersten Lektüre des Buches auf Atrejus Suche nach dem Heilmittel für die Kindliche Kaiserin oder die späteren Abenteuer des "Retters" einlassen, weil Michael Ende die Geschichte mit so vielen phantasievollen, märchenhaften und stimmungsvollen Details erzählt. Und weil so viel Zeit seit meinem letzten Eintauchen in "Die unendliche Geschichte" vergangen ist, habe ich mich sehr stark auf diese Märchen- und Abenteuerlichkeit der Geschichte "konzentriert". Ich ging sozusagen in meinem kindlichen Selbst ein wenig verloren, ist das nicht interessant? :)

Denn "Die Unendliche Geschichte" bietet natürlich mehr, angefangen bei der Suche und der Entwicklungreise Atrejus und des Retters im Ganzen - aber auch im Detail: Die uralte Morla und Atreju führen z.B. eine philosophische Diskussion über den Sinn des Lebens. Die Tore zum Südlichen Orakel und der Weg in die Magnolienblüte sind nicht nur Herausforderungen auf materieller Ebene. Man kann über Atrejus Aufgabe und "Weg" zum Südlichen Orakel und den "Weg" des Retters(und seine Aufgabe) im Bergwerk der Bilder im Zusammenhang mit Spiegelungen nachdenken etc. Neben Abenteuern fand ich also auch moralische, soziale und philosophische Aspekte in der "Unendlichen Geschichte". Nachdem ich das Hörbuch beendet hatte, habe ich übrigens in diesem Zusammenhang mal eine Google-Suche gestartet und wurde  bereits von dem Umfang der Inhaltsangabe auf einer Wiki-Seite beinahe erschlagen! Ich habe in der Wiki aber nicht weiter gelesen, denn ich glaube, für einen (auch weiteren) ReRead der Unendlichen Geschichte und eigene Entdeckungen wären die dortigen Ausführungen eher hinderlich. ;)

Gert Heidenreich hat die Geschichte ruhig und angenehm vorgetragen. Ohne großartige Verstellung seiner Stimme hat er dabei auch den einzelnen Charakteren Leben eingehaucht. Mir persönlich war Herr Heidenreich auf Dauer zu "getragen". Ich habe deshalb versuchsweise von der audible-Player-Funktion Gebrauch gemacht, die Geschwindigkeit auf das 1,25fache zu erhöhen und kam dann besser mit der Lesung zurecht.

Einfach mal eine Frage zum Ende.
Was genau hat Herr Koreander in dem Buch wohl gerade gelesen, als er von Bastian bzw. dem Telefon abgelenkt wurde? :)

Kommentare:

  1. Für mich ist "Die unendliche Geschichte" zu lange her, um dir so eine Frage zu beantworten. Ich weiß gar nicht warum, aber wenn ich die Wahl habe, dann lese ich immer eher "Momo" als "Die unendliche Geschichte" wieder - vielleicht weil ich nicht alle Elemente des Romans gleich mag ...

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    1. Momo werde ich noch lesen und wer weiß, vielleicht gefällt mir dieser Roman ja auch "mehr" . ;)

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    2. Bei "Momo" kann ich gar nicht sagen, ob es an der Geschichte liegt oder daran, dass wir auf dem Gymnasium ein tolles Theaterstück daraus gemacht und aufgeführt hatten. ;) Das ist für mich untrennbar verbunden ...

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    3. Was für eine wunderbare Erinnerung! An unserer Schule gab Schüler-Theater nicht, weder an der Allgemeinbildenden noch der Erweiterten Oberschule. ...

      Du könntest natürlich beide Bücher noch mal lesen... Um Dich zu zitieren: dumdidum :D

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    4. Bei uns kam das auch erst, als die tolle Musiklehrerin an der Schule anfing. Die hat nicht nur in der Oberstufe Musik unterrichtet, sondern auch einen zweiten - moderneren - Chor und eine Theater-AG aufgezogen. (Weil die Frau so toll war und so tolle Musik machte, habe ich dann mal dezent über meine Schwester gefragt, ob ich nicht auch in den Oberstufen-Chor gehen konnte, statt in den überaus langweiligen Unter- und Mittelstufen-Chor. Das war schon cool ... :D)

      Irgendwann ...

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    5. In einem Chor war ich in meiner Allgemeinbildenden Schule auch, aber ich schätze mal, dass er eher Ähnlichkeit mit Deinem Unter-u.Mittelstufenchor hatte. Wenn überhaupt. :D

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    6. Der war so schrecklich! Zwei Solisten, die von der Chorleiterin gehätschelt wurden, und eine Aula voller "Chormitglieder", die funktionieren durften, während klassische und volkstümliche Stücke eingeübt wurden. Da war es doch viel spannender Jazzstücke zu singen oder für einen Südafrika-Abend Stücke einzuüben oder gemeinsam mit der Theater-AG "Anatevka" aufzuführen. :)

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    7. klingt spannender als Volkslieder oder Arbeiter-/JugendLieder ...

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    8. Ich bin ja gerade mitten drin in der unendlichen Geschichte und kann jetzt wieder genau sagen, warum ich die so selten wieder aus dem Regal ziehe: Bastian.

      Ich kann Bastian nicht leiden! Ich liebe Fantasien, ich finde die vielen verschiedenen Ideen, die philosophischen Gedanken, die Figuren - ach, eigentlich alles einfach großartig. Aber ich könnte Bastian durchgehend schütteln. Ich kann ihn wirklich nicht leiden ...

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  2. Hach, vielleicht sollte ich mir auch dieses Hörbuch gönnen. Ich habe die Unendliche Geschichte schon viel zu lange nicht mehr gelesen und könnte sie mir ja auch zur Abwechslung mal vorlesen lassen. "Momo" mag ich auch, aber nicht ganz so sehr - vermutlich, weil ich damit weniger Kindheitserinnerungen verbinde als mit Phantasien.

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    1. Falls Du ein audible- Abo hast greif zu, Neyasha, das ist zur Zeit so ein Schnäppchen! :)

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