Freitag, 9. Mai 2014

"Alles über Shakespeare" von Charlotte Lyne

Birthe hat auf ihrem Blog dieser Tage einen historischen Roman von Charlotte Lyne besprochen. Das hat mich daran erinnert, dass sich auf meinem TuB schon länger „Alles über Shakespeare“ von Charlotte Lyne befindet. Und - wie Birthe auch erwähnte - die Lektüre dieses Buches bietet sich in diesem Jahr durchaus an, feierten wir doch den 450. Geburtstag des Barden (getauft 26.04.1954). ;)

Nun ist mir zwar das eine oder andere Stück von Shakespeare vertraut, aber ich lerne seine Arbeit noch immer kennen. Hamlet war zwar Schulstoff, aber im Übrigen muss(te) ich mich dem Barden so nähern und hatte bzw. habe dabei keine Hemmungen, dies auch auf dem Umweg einer Verfilmung bzw. Theateraufzeichnung (so zuletzt geschehen mit "Macbeth") oder über "No fear Shakespeare" (zB Gegenüberstellung von Altenglisch und modernem (Prosa-)Englisch) zu tun. :) Was den Menschen selbst angeht: Eine Shakespeare-Biographie habe ich bislang noch nicht gelesen, sondern nur - vor rund 15 Jahren - das Buch "Das Shakespeare-Komplott" von Walter Klier. Soweit ich es in Erinnerung habe, geht der Autor dort Hinweisen nach, wonach Shakespeare einer anderen historischen Person seinen Namen lieh.

Mit diesem "Basiswissen" habe ich mich also am letzten Sonntag in "Alles über Shakespeare" vertieft. Bereits in der Einleitung macht die Autorin aber - natürlich - darauf aufmerksam, dass in diesem Buch nicht „Alles über Shakespeare“ zu finden ist. Der Titel sei eher als Provokation und - der Kreis schließt sich am Ende des Buches - Herausforderung an den Leser zu verstehen, selbst auf "Entdeckungsreise" zu gehen.

kurzer Ausflug ins Star-Trek-Universum. :)
Shakespeare und seine Werke sind dort vielfältig zu finden, sowohl bei Kirk & Co als auch z.B. bei Picard. Im Zusammenhang mit Inhalt und Titel dieses Buches musste ich aber trotzdem an eine der vielen Erwerbsregeln der Ferengi denken, wonach man sich nicht scheuen solle, zu Verkaufszwecken einen griffigeren Titel zu wählen... :) 

Jedenfalls: Über die historische Person William Shakespeare ist offenbar nicht wirklich viel bekannt (insbesondere in Bezug auf sein Privatleben z.B. in London, seine Lebensansichten etc.). Immer wieder wurde und wird z.B. angesichts seiner Abstammung und Bildung („Bauernbengel“, Besuch nur einer einfachen Schule in Stratford) bezweifelt, dass die uns bekannte historische Person William Shakespeare mit dem Verfasser der Sonette und Stücke - und der Inhaber eines erstaunlichen Wortschatzes-  identisch ist. Auch Charlotte Lyne erwähnt mehrfach, dass man Shakespeare nicht wirklich „zu fassen“ bekommt.

Die Autorin verknüpft daher hier die mageren gesicherten Daten der historischen Person (z.B. das Leben im elterlichen Heim, die frühe Heirat mit einer älteren Frau, der Tod des Sohnes) mit den vorhandenen Stücken und Sonetten und versucht so, die historische Person mit dem Autor in Übereinstimmung zu bringen. Für mich lasen sich ihre Ableitungen recht schlüssig. 

Daneben geht Charlotte Lyne auch immer wieder - zwar nur kursorisch, aber dennoch informativ  - auf zugehörige Themen ein wie z.B. sich ändernde politische Verhältnisse, die damaligen Anforderungen an Autoren und Schauspieler, die Entwicklung der englischen Sprache oder die Rekonstruktion des Globe.

Ihre Ausführungen fand ich sehr verständlich, zumal "Alles über Shakespeare" einer Führung nachempfunden ist und der Leser immer wieder direkt angesprochen und einbezogen wird. Charlotte Lynes Leidenschaft für Shakespeare und sein Schaffen ist dabei deutlich spürbar.

Weiter aufgelockert wird das Buch z.B. durch Textzitate aus Shakespeares Werken und vielen Illustrationen (Gemälde, die Shakespeare oder Zeitgenossen zeigen, Drucke, Illustrationen zu Szenen seiner Werke etc.). Zum Schluss gibt es noch eine Zeittafel, die Auflistung seiner Werke und Empfehlungen für weiteren Shakespeare-Genuss. 

Ich stimme Charlotte Lyne zu: Wer auch immer die William Shakespeare zugeschriebenen Sonette und Stücke verfasst hat, war ein Ausnahmetalent. Nicht umsonst beschäftigen wir uns auf unterschiedliche Weise immer wieder mit seinen Werken. Stellt Euch vor, sie wären nach seinem Tod nicht zusammengetragen und veröffentlicht worden ...

Kommentare:

  1. Du möchtest wohl schon im ersten Halbjahr die Sachbuch-Challenge abschließen? :D

    Shakespeare ist wirklich eine rätselhafte Gestalt. Ich finde ja, dass auch gar nicht so viel gegen die Theorie spricht, dass nicht ein einziger Mensch all diese Stücke verfasst hat. So oder so haben all diese Texte doch einen großen Einfluss auf Sprache und die folgende Literatur gehabt, was sehr faszinierend ist. :)

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    1. Das werde ich wohl kaum schaffen, Winterkatze, lach. :)

      Der Mangel an Informationen, sei er nun bewusst oder zufällig durch Pest, Feuer, Krieg etc. bewerkstelligt worden, öffnet Theorien wirklich die Türen. Ich kenne Shakespeares Werke nicht genug bzw. habe darübe nicht genug gelesen, um zu beurteilen, ob sie in ihrem Stil auf verschiedene Autoren schließen lassen.

      Ja, das finde ich auch (Einfluss). Auch wenn er sich aus anderen Quellen bediente, hat er diese Geschichten doch in einer neuen Art in einer Weise "erzählt". :)

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    2. Wenn du so weitermachst, ist das überhaupt kein Problem! :D

      Ich bin auch lange nicht mehr so fit wie früher, aber es gibt immer wieder Stellen, die "unrunder" sind als andere. Aber das kann auch im Laufe der Zeit gekommen sein, gerade bei Theaterstücken ist es doch so, dass gern mal was geändert wird, um sich den politischen Zeiten anzupassen oder weil jemand eine Rolle gern anders ausarbeiten würde.

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    3. Vermutlich müsste ich dafür alle Stücke mal in "seinem" Original lesen - und dazu bin ich bei aller Wertschätzung Shakespeares derzeit nicht bereit. ;)

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  2. Ich habe noch ganz schön viel von Shakespeare zu lesen, habe aber zwischendurch auch schon Informationsbedarf gehabt - ich habe den Shakespeare-Sachcomic gelesen, der auch ganz nett war; das Buch, das du gelesen hast, ist aber sicherlich wesentlich umfassender gewesen. Klingt jedenfalls lohnenswert :-)

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    1. Ich kann mir vorstellen, dass der Sach-Comic auch fazinierend zu lesen war, Kiya, schon wegen des Stils. Vermutlich variieren die Informationen über den Barden _an sich_ gar nicht so sehr. ;) Auf jeden Fall ist "Alles über Shakespeare" nicht zurückhaltend faktisch, sondern von einer parteiischen Verehrerin geschrieben :D

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