Dienstag, 15. April 2014

Ostern 7d7b: Tag 2 - "Ich und die Menschen" von Matt Haig

An meinen letzten Urlaubstag habe ich mich am Vormittag mit einer Freundin zum Frühstück getroffen, habe danach meinen Ostereinkauf erledigt, die kätzischen Helden bespaßt, Blogrunden gedreht, ein paar Urlaubsfotos bearbeitet und irgendwann auch in meinem Buch "Ich und die Menschen" von Matt Haig weitergelesen. Dann gab es eine Unterbrechung für ca. 1 1/2 Stunden, weil ich mit einer Freundin zusammen eine Stunde lang durch den Wald gewalkt bin (ohne Stöcke, die ich mir auf Dauer wohl mal besorgen sollte). Danach war ich dermaßen warm, dass nicht einmal mein Schulterbereich mehr weh tat (offenbar ausstrahlende Brustwirbelblockade, wenn ich es richtig verstanden habe, am kommenden Dienstag habe ich einen Physiotherapie-Termin). Und nach der Dusche, der Versorgung der MuMs und dem eigenen Abendessen konnte ich auch tatsächlich ein weiteres angefangenes Buch beenden:

Ausgangspunkt von "Ich und die Menschen" von Matt Haig ist, dass eine außerirdische Intelligenz von den sogenannten Moderatoren seines Planeten auf die Erde geschickt wird und dort den Körper und die Identität des Mathematikers Andrew Martin annimmt. Letzterem ist ein wichtiger mathematischer Durchbruch gelungen und die Vonnadorianer wollen diese Information vollständig vernichten, damit sich die Konsequenzen dieses Durchbruches nicht realisieren. Nun sind die Vonnadorianer so ganz anders als die Menschen, nicht nur physisch (deswegen auch die Übernahme des Körpers), sondern auch von ihren Fähigkeiten und ihrer Psyche her, also ihrer gesamten Einstellung zum Leben.

Der "neue" Andrew Martin materialisiert sich nun auf der Erde, und zwar unerwarteterweise nicht im Büro, sondern irgend wo. Und nackt. Außerdem  gelingt der mentale Gehirnscan incl. Wissensweitergabe vom entführten Andrew Martin nicht, sodass "der Neue" auch z.B. zunächst die Sprache nicht versteht. Dennoch soll und will er seine Aufgabe erledigen und macht sich auf den Weg.

Der Plotbestandteil, dass ein Außenseiter die menschliche Natur beobachtet und kommentiert, ist für mich nichts Neues. Auch wenn mir genau in diesem Moment kein Buch einfällt, so kenne ich dieses Konzept aus den verschiedenen Star-Trek-Serien (ja, mal wieder ein Star-Trek-Bezug *g*), in denen z.B. Spock, Data oder Odo diese Position einnehmen. Aber es gibt so viele menschliche Aspekte, die man kommentieren kann - und in diesem Fall spielt die Geschichte in der Gegenwart. :) Die Entität dieses Romans nenne ich ab jetzt 97, da diese Zahl für sie eine Bedeutung hat:

97 muss sich, um seinen Auftrag zu erledigen, mit den Menschen und ihrer Welt arrangieren und dabei hilft ihm die u.a. auf Mathematik basierende Lebensphilosophie der Vonnadorianer nicht wirklich. Ich musste schon etwas schmunzeln, als 97 seine Schlüsse aus dem ersten von ihm beobachteten Verhalten der Menschen zieht bzw. seinen Wortschatz (und weitere Schlussfolgerungen) aus der Cosmopolitan entnimmt.
Ein paar von 97s Beobachtungen und Fazits sind im ersten Augenblick irrwitzig falsch und durchaus erheiternd. Andere sind neu formulierte, wieder andere schlichte bekannte Wahrheiten, was ihren Bedeutungen natürlich jeweils keinen Abbruch tut (z.B. Planet der verpackten Dinge - und dabei sind nicht nur Lebensmittel gemeint - oder die Beobachtungen anlässlich der Nachrichtensendung). In diesem Zusammenhang: Ich mag 97s ganz persönliche Hinweise an einen Menschen (Nr. 5 lautet z.B. "Lache. Es steht Dir." *).

Ein anderer Aspekt: Durch 97s Beobachtungen, Schlussfolgerungen und die von ihm getroffenen Entscheidungen werden nicht nur die Menschen beleuchtet und beurteilt, sondern indirekt auch die Vonnadorianer, nicht nur in deren Reaktion in den regelmäßigen Kontakten. Dies ist ein Gesichtspunkt, der bei den ganzen Beschreibungen des Lebens auf der Erde vielleicht etwas untergeht. 97 hat in der Geschichte halt eine besondere Position mit den Menschen auf der einen und den Vonnadorianern auf der anderen Seite.

Zu den Punkten, ob und wie 97 seine Aufgabe erfüllt, ob und in welcher Weise seine notwendigen Arrangements mit der Welt der Menschen Auswirkungen auf ihn haben, will ich hier, schon um Spoiler zu vermeiden, nichts weiter schreiben. Mich haben jedenfalls 97s Fortschritte (und nicht nur diese) interessiert und der Autor konnte mich mit seinem Protagonisten sowie seiner Erzählweise problemlos "bei der Stange" halten. Ich kann mir übrigens vorstellen, dass auch das englische Original gut verständlich ist.

Für mich war es ein sehr gut lesbarer humorvoll-ernsthafter Roman mit einigen zum Nachdenken anregenden Fragen und Ansätzen. Und sicher werden mir einige Formulierungen in Erinnerung bleiben, wie z.B. der Hinweis Nr. 47, der da lautet "Eine Kuh bleibt eine Kuh, auch wenn Du sie Steak nennst." * ).


*Zitate aus "Ich und die Menschen" von Matt Haig in der Übersetzung von Sophie Zeitz, dtv-premium Verlag, dt. Erstausgabe 2014 S. 324, 327, ISBN 9783423260145


Ich werde gleich noch eine kleine Blogrunde drehen, denn ich muss in meine Koje. Morgen wird es vermutlich nur einen überschaubaren Post geben. Selbst wenn ich zum Lesen kommen sollte, wird es nicht viel sein. Die Arbeit hat mich wieder und abends bin ich verabredet. Ich sage jetzt schon mal gute Nacht - und wir lesen uns demnächst in diesem Blog-Theater. :)

Kommentare:

  1. Klingt nach einem interessanten Buch :-) Von dem Autor schlummert noch "Die Radleys" auf meinem SuB... hatte ich sogar kurz für den Lesestapel überlegt.
    Dann bin ich also nicht die einzige, die morgen arbeiten muß. Bei mir wird es allerdings ab morgen langsam besser - wahrscheinlich bin ich schon um vier wieder zu Hause, was eine wesentliche Verbesserung zu heute bedeutet.

    Gute Nacht schon mal ;-)

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    1. Ich habe jetzt nicht gegoogelt, aber ging es in "Die Radleys" nicht auch um eine - ungewöhnlichere - Vampirfamilie?
      Mein Arbeitstag geht regulär bis 18.00 Uhr und ich bemühe mich gerade, nicht pessimistisch zu sein und an einen pünktlichen Feierabend zu denken...

      Ich hoffe, dass es bei Dir ab morgen in der Tat besser wird und Du früh nach Hause zum Lesen kommst. :) Gute Nacht, Kiya! :)

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    2. Ja, genau - eine Vampirfamilie. War mal ein Mängelexemplar, das ganz interessant klang.
      Wenn man unbedingt früh gehen will, klappt es auch oft mit dem pünktlichen Feierabend, finde ich :-) Wir lesen uns am Abend!

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    3. Ah, hatte ich doch richtig im Hinterkopf.
      Meine Erfahrungen sind leider nicht identisch, da Fristsachen mir schon mal fröhlich einen Strich durch die Rechnung machen können . Aber heute kam ich bereits viertel nach sechs raus (war aber morgens auch eine Stunde früher da) und auch morgen werde ich mind. eine Stunde früher ins Büro gehen. Ist halt doch einiges liegen geblieben für mich. ;)

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    4. "Die Radleys" hatte Denis Scheck mal sehr bejubelt, aber alles, was er als "toll" und "innovativ" in Bezug auf Vampirgeschichten beschrieb, hatte ich schon in britischen Kinderbüchern aus den 70er Jahren gelesen und das hatte mich eher abgeschreckt. ;)

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    5. Es hat eindeutig seine Vorteil, in einem anderen Gesellschaftsystem und Staat groß geworden zu sein. Für mich ist das alles Neuland. :D

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  2. Von dem Titel hab ich noch nie was gehört, wird wohl daran liegen, dass ich mir dieses Genre sehr selten raussuche. Klingt auf jeden Fall interessant! - Werde es mal auf meine WuLi setzen :)

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    1. Ich habe das Buch in der im örtlichenBuchhandel ausliegenden Zeitschrift eher zufällig entdeckt, wo es aber eher um das von C.M. Herbst eingelesene Hörbuch ging. Vermutlic hätte ich aber auch reingeblättert, wenn ich im Laden zufällig über das Buch gestolpert wäre bei dem Cover.. ;)

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  3. *hach* ich hätte auch unglaublich gerne ein bisschen Urlaub, aber ich muss wohl noch auf die Feiertage warten. Bald ists ja geschafft :)

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    1. Ja, nur noch morgen, Julia, dann heißt es entspannen, lesen und sich eine schöne Osterzeit machen. :)

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  4. Jedes Mal, wenn ich von so einer Grundidee lese, muss ich an eine SF-Anthologie denken, die ich früher mal aus der Bibliothek geliehen hatte. Da hatten Außerirdische auch einen sehr ungewöhnlichen Blick auf die menschliche Alltagswelt. Vor allem die Theorie zu den öffentlichen Toiletten, die darauf hinauslief, dass es sich um einen religiösen Ort, an dem man Opfergaben hinterlassen würde, handeln musste, ist bei mir hängen geblieben. :D

    Hinweis Nr. 47 unterschreibe ich mal. ;)

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    1. Lach, das ist ja auch mal interessant (Toiletten).

      Ja, schön reden bringt nichts (Hinweis Nr. 47).

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Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)