Dienstag, 4. März 2014

"Ruhe unsanft" von Agatha Christie (audio, vollständig)

Es hat ja nicht wirklich lange gedauert, bis ich den nächsten Agatha-Christie-Roman gehört habe. Nachdem mir Sayuri diesen Romantitel ans Herz legte, habe ich mich bei den Audioproduktionen umgeschaut und nur zwei gefunden: eine gekürzte Version, gelesen von Katharina Thalbach, der vor ca. einem halben Jahr von der Winterkatze besprochen wurde, und diese - bislang einzig existierende - ungekürzte Version von "Ruhe unsanft", gelesen von Gabriele Blum (es wäre sicher interessant, einen direkten Vergleich der beiden Hörbuchversionen vorzunehmen, das überlasse ich aber der Winterkatze *g*).

Die junge Gwenda Reed trifft ein paar Tage früher als ihr Ehemann in England ein und macht sich auf die Suche nach einem ehelichen Haus. Sie wird in dem Seebad Dillmouth fündig: Das Haus kommt ihr direkt wie ein Heim vor, alles wirkt direkt vertraut und so, wie es sein soll. Aber es ist schon irgendwie merkwürdig, dass sie weiß, wo es einen Wanddurchbruch gab oder wo sich früher die Steinstufen im Garten befanden.... Und dann hat sie auch noch einen Zusammenbruch während einer Theateraufführung, die sie zusammen mit Miss Marple und deren Neffen samt Ehefrau besucht und in dessen Folge Gwenda überlegt, ob die von ihr erinnerte tote Frau eine Tatsache oder eine Illusion ist.

Im Mittelpunkt der aus neutraler Sicht erzählten Geschichte steht das junge Ehepaar Reed. Miss Marple steht - wie in "Mord im Pfarrhaus" - eher am Rande des Szenerie und ist, nachdem die Ereignisse von den Reeds in Gang gesetzt wurden, dennoch mit ihren Anmerkungen und Hinweisen essentiell für den Fortgang des Geschehens. Letzteres dreht sich, wie schon gesagt, regelmäßig um die Reeds und so bin ich im Wesentlichen ihnen gefolgt, bei ihrer Detektivarbeit aber auch ihren Rätseleien und Schlussfolgerungen. ;) 

Diese Detektivarbeit der Reeds gestaltet sich übrigens auch nicht so einfach. Das hängt natürlich nicht nur damit zusammen, dass zunächst herauszufinden ist, wer die erinnerte Frau war und welches Schicksal sie tatsächlich ereilt hat. Außerdem sind es kindliche Erinnerungen Gwendas, also muss sie die Frau vor rund zwei Jahrzehnten gesehen haben - falls überhaupt. Und natürlich können die Reeds weder einen Vertrauensvorschuss wie z.B. ein Pfarrer für sich in Anspruch nehmen, noch können sie wie die Polizei einfach Fragen stellen. Die Reeds - und auch Miss Marple, deren Gesundheit es ganz offensichtlich erforderlich machte, genau dieses Seebad aufzusuchen - müssen also manchmal ein paar Umwege auf ihrer Suche nach Antworten machen.

Diese Wege, auf die Agatha Christie die Reeds und Miss Marple geführt hat, fand ich wirklich interessant - und dennoch bin ich ab und an beim Hören gedanklich abgeschweift. Der Grund lag nicht im Plot, sondern in der Lesung: Frau Blum hat zwar einen guten Job gemacht; sie liest flüssig und verleiht den einzelnen Charakteren verschiedene Färbungen, sodass sie unterscheidbar sind. Jedoch ist Frau Blums Vortragsweise ruhig, beinahe sanft zu nennen. Dies passt zwar recht gut zum Titel an sich ;) und zu Miss Marple incl. ihren Erläuterungen. Allerdings führte diese Lesart bei mir dazu, dass ich von der gefühlt vor sich hin plätschernden Lesung ab und an etwas, ja, eingelullt wurde. Im Nachhinein muss ich sagen, dass mich die Vortragsweise an meine Kinderzeit erinnerte, wenn meine Schwester mir - im Bett liegend - vorlas. ;) Alles in allem hätte ich mir also eine etwas abwechslungsreichere und - z.B. wenn die jungen Leute miteinander reden - lebhaftere Vortragsweise gewünscht..

Es ist schon irgendwie lustig, dass meine ersten beiden Agatha-Christie-Romane der erste und der letzte Miss-Marple-Roman sind. Beide gefielen mir von der Story her und auch wenn ich bei beiden mit der Lesung nicht zu 100 % glücklich war, bin ich mit dem Hörbuchkauf jeweils zufrieden. ;) Mal sehen, wie mir der dritte Miss-Marple-Roman in Hörbuchform (16.50 Uhr ab Paddington) gefällt und welchen Eindruck Hercule Poirot in "Tod auf dem Nil" auf mich machen wird.

Kommentare:

  1. Wie gut, dass ich gewillt bin einen solchen Vergleich vorzunehmen. ;)

    Vielleicht lag es nicht nur an der Sprecherin, sondern auch an der Geschichte, dass dir das alles so ruhig vorkam. Ich finde immer, dass es einer der gemächlicheren (*g*) Miss-Marple-Romane ist, weil die Ereignisse schon so lange her sind und einen zwar neugierig machen, aber dieses Gefühl von Aktualität eben doch fehlt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das stimmt natürlich mit der Aktualität (die Gemächlichkeit im Vergleich zu anderen Miss-Marple-Romanen kann ich nicht beurteilen *g). Aber mach Dir einfach selbst ein Hörbild - sehr schön, dass Du vergleichen möchtest. :)

      Löschen
    2. Ich mag die Agatha-Christie-Geschichten eben auch als Hörbücher sehr gern. Auch wenn mich die eine oder andere nicht so glückliche Umsetzung schon ein paar Stunden gequält hat, kann ich da einfach nicht widerstehen. :)

      Löschen
  2. Das sehe ich auch so, es gibt "bessere" Romane von ihr, wo man näher am Mörder dran ist... Versuch's doch mal mit Hercule Poirot. :o)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hercule Poirot werde ich mit "Tod auf dem Nil" auf jeden Fall austesten, Jed.

      Löschen
  3. Oh, endlich mal ein Buch, das ich schon kenne - also kann ich auch mal die ganze Rezi dazu lesen und ich freue mich sehr, dass Dir das Buch insgesamt gefällt.
    Ich kann mich meinen Vorrednern gut anschliessen - "Ruhe unsanft" besticht durch seine Ruhe und durch die mysteriösen Verschlingungen in der Vergangenheit und nicht gerade durch den Action-Faktor :)
    Aber gut, in der Zeit, als ich viel Agatha Christie gelesen habe, war ich insgesamt entspannter und ein ruhiger Krimi war für mich absolut okay - ich habe mich darüber z.B. kaum gewundert bzw. es ist mir erst aufgefallen, als es jetzt hier thematisiert wurde.
    Darum würde ich zwar sagen, dass z.B. bei "Der Tod auf dem Nil" insgesamt mehr los ist, vielleicht ist da aber auch nur meine Erinnerung verklärt - ich habe dieses Buch damals aufgrund meines Ägypten-Faibles total verklärt ;)
    So oder so: ich wünsch Dir ganz viel Spass dabei :D

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe "Tod auf dem Nil" auch als "lebhafter" in Erinnerung und bei den Miss Marples wäre zum Beispiel der Titel, der in der Karibik spielt noch eine Möglichkeit. Und bei "Die Tote in der Bibliothek" ist auch mehr los und man sieht sehr schön Miss Marples Interaktion mit einer Freundin. :)

    AntwortenLöschen
  5. @all
    Die Story von "Ruhe unsanft" mag ich trotz ihrer "Gemächlichkeit". Ich fand den "Effekt", dass ich mich in der Position Reeds incl. ihrer Schlussfolgerungen - wohin sie auch führten - wiederfand, ganz lustig und habe beim Lauschen von MIss Marples Erläuterungen zum Ende hin auch ein "stimmt ja"-Erlebnis gehabt. Ich denke weiterhin, dass meine Konzentrationsschwierigkeiten durch die Lesart von Frau Blum verursacht oder zumindest begünstigt wurden - ich bin wirklich neugierig, Winterkatze, wie Du die Lesung empfinden wirst.

    Ich denke, ich werde als nächstes noch das dritte der ruhigen Miss-Marple-Bücher "16.50 Uhr ab Paddington" hören, das von Katharina Thalbach gelesen wird. Da lass ich mich mal überraschen. Und dann werde ich Hercule kennenlernen. :D

    AntwortenLöschen
  6. Falls du mal Bedarf an mehr Christie-Lesungen hast: Wie du evtl. gesehen hast, stehen die ganzen (gekürzten) Hörverlag-Lesungen hier rum.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oohhh! Und nein, die habe ich nicht bemerkt, aber vielleicht kann ich ja zukünftig mal einen genaueren Blick darauf werfen. ;)

      Löschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)