Sonntag, 23. März 2014

7b7d mini Tag 4 (Teil 2) - Schroders Schweigen von Amity Gaige

Ah, mithilfe der Miniaktion habe ich jetzt vom Stapel angelesener Bücher einen zweiten Roman "befreit". Genau das habe ich mir erhofft.

Am heutigen Nachmittag habe ich nämlich "Schroders Schweigen" von Amity Gaige zu Ende gelesen. In diesem Roman erzählt der Protagonist Eric im Grunde in Form eines Briefes bzw. Berichtes von seinem Leben. Da sich das Nachfolgende bereits aus den Anfängen bzw. zu Beginn des Romans ergibt, spoilere ich nicht, wenn ich Folgendes schreibe: Das Besondere an Eric ist nicht nur die eigene Kindheit (Emigrant aus der DDR), sonder dass er sich bereits als Jugendlicher eine zweite Identität schuf, von der sein Vater nichts wusste. In letztere wuchs er über die Jahre mehr und mehr hinein, unter ihr heiratete er und wurde Vater einer Tochter. Und dann kam es zur Trennung und Problemen beim Umgang

Ich fand es faszinierend, Erics Erklärungsversuche zu lesen, seine Sicht auf die Dinge und seine Empfindungen gegenüber seiner Frau und seiner Tochter, denn das ist es, worum es in dem Roman geht. Dabei musste ich mir manchmal in Erinnerung rufen, dass der Ich-Erzähler ein Hochstapler ist, ein Mensch mit einiger Phantasie. Der Roman lässt mich vor diesem Hintergrund mit einigen Fragen zurück: Wie viel seines Berichtes ist wahr? Sind seine geschilderten Erinnerungen, besonders an an seine Kinderzeit, wahr oder wurden sie nur bequemerweise an die aktuellen Gegebenheiten angepasst? Ist der Brief ein Entschuldigungsschreiben an seine Frau, sein Kind oder angesichts seiner aktuellen Situation doch mehr? etc. 

Erics Gedanken sind nachvollziehbar. Seine geschilderten Empfindungen als Vater, der unter der Trennung leidet, fühlen sich richtig an. Ich kann die Fragen, ob ich seinem Brief, seinem Lebensbild glaube, ob ich dieser fiktiven Gestalt mit meinen Zweifeln Unrecht tue, für mich noch nicht beantworten.

Zugestandenermaßen fand ich Erics Abhandlungen - also besser gesagt die Entscheidung der Autorin, diese in den Roman aufzunehmen - über "Pausologie" und das Schweigen nur in geringem Umfang interessant und "wesentlich" für seinen Bericht. Ich bin mir in diesem Zusammenhang aber auch nicht sicher, ob sich mir bei einem neuerlichen Lesen des Romans die Bedeutung mehr erschließt. Jetzt war es jedenfalls so, dass mich manche Abschweifungen dazu brachten, den Roman für einige Tage wegzulegen, obwohl mich die Grundstory reizte.

Im Nachhinein hätte ich ein paar Kürzungen als hilfreich für den Lesefluss und das Halten zumindest meines Interesses an der Geschichte hilfreich gefunden. Aber nichtsdestotrotz war der Roman interessant und ist Erik eine schillernde Person.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich jetzt erst einmal eine Lesepause einlege und eine Akte X Folge schaue oder ob ich zu einem weiteren Buch - vielleicht sogar vom SaB - greife. Das entscheide ich operativ taktisch nach meinem frühen Abendessen (schließlich ist Mittag ausgefallen). Und ich werde in meinem Abschlusspost heute Abend darüber berichten. :)

Kommentare:

  1. Das klingt, als wäre es so gar kein Buch für mich. :D Aber schön, dass du wieder etwas beendet hast. Bei deiner Beschreibung musste ich an eine Reportage denken, die ich mal gesehen habe, in der eine Frau über ihr Leben mit einem Mann berichtete, der ein krankhafter Lügner war und der ihr in all den Jahren ihres Zusammenlebens nur Unwahrheiten erzählt hat. Am Ende der Reportage kam der Mann zu Wort und es stellte sich heraus, dass vermutlich sie diejenige war, die krankhaft log. Faszinierend, aber auch ziemlich erschütternd.

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    1. Wie irrwitzig!

      So extrem ist es hier sicherlich nicht, aber ich habe halt Zweifel an Erics Aufrichtigkeit und Uneigennützigkeit - obwohl sich seine Schilderung "richtig" anhört.

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    2. Das war schon ziemlich irre, da ihr wohl bewusst war, wie belastend das Leben unter den Umständen mit ihr ist ...

      Es klingt vielleicht seltsam, aber ich möchte einem Protagonisten vertrauen können, wenn ich ein Buch lese. ;)

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    3. Kann ich nachvollziehen. Aber ich denke, dass ist wie mit "Es war nur ein Traum" oder "Wir machen es durch einen Zeitsprung ungeschehen": Es kannn wie ein Trick wirken, der den Leser oder Zuschauer verärgert, aber auch funktionieren, wenn es richtig gemacht ist. Ich kam mir hier z.B. nicht "betrogen" vor, gerade weil sich die Unsicherheit, ob oder ob nicht seine "Entschuldigung" stimmt, bei mir in der Waage hält. Und: Ein andere Leser mag es vielleicht gar nicht so empfinden wie ich.

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