Dienstag, 25. März 2014

"16.50 Uhr ab Paddington" von Agatha Christie (audio)

Nein, ich habe nicht wirklich lange für das Hörbuch "16.50 Uhr ab Paddington" von Agatha Christie, ungekürzt gelesen von Katharina Thalbach, gebraucht. Begonnen am Sonntagvormittag wollte ich es heute Mittag zwingend zu Ende hören (und aus diesem Grund platzte mein Feedreader am heutigen Abend auch etwas aus den virtuellen Nähten).

Wie ich schon am vergangenen Sonntag im Rahmen der 7d7b-Mini-Aktion geschrieben habe, kenne ich vo diesem Buch eine Romanverfilmung, und zwar (bislang) ausschließlich diejenige mit Margaret Rutherford. Im Hinterkopf hatte ich daher auch immer irgendwie den Film laufen und muss sagen, dass gerade zu Beginn die wesentlichen Szenen enthalten sind. Allerdings werden in dieser Verfilmung die Erlebnisse anderer Figuren dem Miss Marple-Charakter zugeschrieben:

So beobachtet z.B. die Figur von Mrs. Gillicuddy (Was für ein Name!) den Mord im Zug und Lucy Eyelesbarrow ist diejenige, die in Rutherford Hall als Hauswirtschafterin eine Stellung annimmt - auf Bitten und im Auftrag von Miss Marple. Letztere steht (mal wieder) im Hintergrund, dieses Mal altersbedingt. Schließlich sind seit dem ersten Roman meiner laienhaften Schätzung nach (eine Zahl wird nicht genannt) ca. 20 Jahre vergangen (der erwachsene Sohn der Pfarrersfrau aus "Mord im Pfarrhaus" taucht in diesem Roman auf). Miss Marple quartiert sich als Lucys Tante in der Nähe von Rutherford Hall ein und steht eher mit Überlegungen und Rat als mit Tat zur Seite. Es ist vielmehr Lucy, die sich mit den diversen Herren und der einen Frau der Familie Crackenthorpe "herumschlagen" muss und die mit Hilfe von Miss Marple und Inspektor Craddoc versucht zu ermitteln, ob es auf dem Anwesen eine Leiche gibt bzw. wer die Ermordete und wer der Täter war.


Obwohl ich in diesem Fall wegen Kenntnis der Verfilmung schon gespoilert war, habe ich doch neugierig der Geschichte gelauscht. Denn je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr Unterschiede  im Vergleich zur Verfilmung mit Margaret Rutherford kamen (zwangsläufig) zum Vorschein. Ich meine dabei nicht nur fehlende Szenen und Charaktere, sondern z.B. dass der mir aus den Filmen bekannte Inspektor Craddoc in diesem Buch erstmals begegnet ist. Und natürlich ist im Film nur beschränkt Zeit, die Charaktere zu zeigen bzw. zu entwickeln. Mein Interesse wurde also problemlos wachgehalten.

Etwas überrascht war ich davon, dass Agatha Christie sich im Gegensatz zu "Mord im Pfarrhaus" und "Ruhe unsanft" hier von den ermittelnden Personen, also Lucy, Inspektor Craddok und Miss Marple immer wieder "entfernte". Weder Lucy noch Miss Marple sind Zeugen des Mordes. Keiner der drei ist z.B. in der Nähe, wenn Emma sich mit einem bestimmten Besuch unterhält oder Harold daheim ist. Natürlich gibt es allwissende Erzähler und offensichtlich funktioniert der Roman auf diese Weise. Es kam für mich - ausgehend von den bislang von mir gehörten Romanen - nur, ja, unerwartet.

Wie immer, wenn ich eine Lesung von Katharina Thalbach neu einschalte, bin ich im ersten Moment überrascht, wie rauh ihre Stimme ist. ;) Aber ich habe mich sehr schnell eingehört und finde, dass Katharina Thalbach ihren Job sehr gut macht und den einzelnen Charakteren - trotz der alles überlagernden "Rauheit" ihrer Stimme - eigene Nuancen verleiht. Ihr Oberhaupt der Familie Chrackenthorpe klingt z.B. hämisch, oft ruppig und unhöflich und manchmal, wie ich finde, sogar schleimig. Miss Marple klang zwar nicht so verhuscht, wie ich sie mir vom reinen Romantext vorgestellt habe, aber doch so sanft und zurückhaltend, wie es dieser Sprecherin möglich ist, behaupte ich mal. ;)

Dass mir die Umsetzung sehr gut gefallen hat, dürfte sich letztlich natürlich auch daran zeigen, dass ich trotz umfangreichen Arbeitspensums jede Gelegenheit genutzt habe, um das Hörbüch weiter zu hören. :)

Kommentare:

  1. Du weißt ja, ich habe mit Katharina Thalbach als Hörbuchsprecherin ein Problem. Die Geschichte hingegen mag ich sehr gern inklusive Lucy und einigen Mitgliedern der Familie Crackenthorpe. :) Schön, dass dir das Hörbuch im Ganzen gefallen und dir eine gute Zeit bereitet hat.

    AntwortenLöschen
  2. Bislang habe ich nur zwei Hörbücher mit ihr gehört, neben diesem war das ein Kinderbuch und auch da gefiel mri die Lesung insgesamt, nachdem ich mich erst einmal eingehört hatte. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass man besonders bei einem Lieblingsbuch, welches man selbst häufiger gelesen hat, eine eigene Stimme für den Erzähler im Kopf hat, was zu Problemen mit dem tatsächlichen Vortragenden führen kann - aber natürlich nicht muss. Bei derVogelkunde bzw. Tierkunde habe ich zum Beispiel immer einen Mann als Erzähler im Ohr mit sanfter weicherer Stimme, vielleicht sogar leichtem (!) Akzent und könnte mir z.B. Herrn Rohrbeck nicht vorstellen und irgendwie klingt die Erzählstimme in meinem Kopf auch nicht nach D.Nathan, obwohl ich ihn mir eher vorstellen könnte. :)

    AntwortenLöschen
  3. Es geht mir nicht um eine bestimmte Stimme, sondern um ihre Ausarbeitung der Charaktere (und ihre Aussprache englischer Namen), die für mich nicht mit den Figuren zusammenpassen, die in den Romanen beschrieben werden.

    Bei den Ost-Afrika-Romanen habe ich auch keinen Erzähler im Ohr, ich würde da nur jemanden als Sprecher erwarten, der sowohl die Anmerkungen des Erzählers, die bedachte Art von Mr. Malik, als auch den selbstsichere Art von Maliks Rivalen oder dem Tiger passend zum Ausdruck bringt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Okay, Mrs. Gillicuddy musste ich nachschlagen, aber das ist auch ein Name! :)

      Löschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)