Dienstag, 4. Februar 2014

"Schwarze Piste" von Andreas Föhr

Als im letzten Monat bei Amazon das Audiobuch "Schwarze Piste" von Andreas Föhr im Angebot war, habe ich zugegriffen. Schließlich wollte ich schon länger mal in eine Regionalkrimi-Reihe hineinschnuppern. Bislang beschränken sich meine Erfahrungen mit Regionalkrimis auf "Frau Maier fischt im Trüben" von Jessica Kremser. Das vor kurzem gekaufte ebook "Tödliche Saat" von Elke Bergsma, einen Ostfriesenkrimi, habe ich nämlich auch noch nicht gelesen.

Aber zurück zu "Schwarze Piste". Das Hörbuch kam auf 6 CDs daher, Gesamtlaufzeit 436 Minuten, und es handelt sich um eine gekürzte Lesung durch Michael Schwarzmaier des gleichnamigen Romans von Andreas Föhr.

Polizeiobermeister Kreuthner verstreut auf der sogenannten Schwarzen Piste, die er wie seine Westentasche kennt, die Asche seines vor kurzem verstorbenen Onkels. Angesichts der Gesetzeslage in Deutschland macht er das lieber kurz vor Einbruch der Dämmerung, wenn keine Skifahrer mehr unterwegs sind. Dachte er - dummerweise kommt aber die junge Frau, Daniela Kramm, "dazwischen". Die beiden bemühen sich in der anbrechenden Dunkelheit den Weg ins Tal zu finden, als Kreuthner auf einer Lichtung von einem auf einer Bank sitzenden Schneemann abgelenkt wird. Wie er bald feststellt, trifft diese Beschreibung in keiner Weise zu ...

Wie gesagt, ist dieser Teil mein erstes Buch aus der Reihe um Kreuthner und Wallner. Ich war davon ausgegangen, dass Kreuthner ein Ermittler der Polizei ist - aber das ist so nicht ganz richtig. Also er ermittelt schon. Aber aus den Andeutungen von Wallner und seinem Team (die zum Tatort gerufen werden) habe ich entnommen, dass Kreuthner wohl mehr ein Händchen für das Auffinden von Leichen hat und es bei seinen "Ermittlungen" eher Ärger gibt. Einen ersten Eindruck davon erhielt ich gleich zu Beginn des Hörbuches. Dort werden Geschehnisse geschildert, die ein paar Jahre zurückliegen. Kreuthner hatte zu diesem Zeitpunkt gerade ein, hm, etwas unglückliches Händchen beim Kartenspiel, was zu einer, nun ich sage mal, ungewöhnlichen Nacht für ihn führte. Die Ereignisse haben mich mehrfach auflachen lassen; da kam halt Schadenfreude durch. Auch bei den Geschehnissen am Morgen konnte ich mir ein mit Schmunzeln gepaartes Kopfschütteln nicht verkneifen, wenn Kreuthner seinem jungen Kollegen in die nach seiner Meinung nach Feinheiten des Streifendienstes einführt.

Wallner bildet einen deutlichen Gegensatz zu Kreuthner. Er übernimmt die Verantwortung für die Ermittlungen, leitet das Team, führt Verhöre durch. Einblicke in sein Privatleben gibt es auch, wobei Wallner trotz all seiner Ernsthaftigkeit und Professionalität sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben als sympathischer Mann dargestellt wird, der die häusliche Situation mit Kind und Kegel aber auch Kreuthners Extravaganzen zu meistern hat.

Für mich als noch immer eher gelegentliche Krimileserin/-hörerin entfaltete sich der Plot ruhig, aber nichtsdestotrotz interssant. Das Tempo steigert sich mit voranschreitender Story und dem Fortgang der Ermittlungen, die zu neuen Erkenntnissen, aber auch Gefahren führen. Das Tatgeschehen wird geschildert, aber es findet keine detaillierte blutreiche Bestandsaufnahme o.ä statt. Das "Zusammenspiel" der beiden gegensätzen Männer Kreuthner und Wallner in diesem Zusammenhang fand ich gelungen und unterhaltsam - ebenso wie das Zusammenwirken des ernsthaften Geschehens und des trotzdem vorhandenen humorvollen Tons. So manches Mal schüttelte ich den Kopf, schmunzelte, lachte oder empfand Mitleid (regelmäßig im Zusammenhang mit Kreuthners Extratouren), folgte den Gesprächen von Wallner und seinem Team mit Beteiligten mit Interesse und spekulierte, was den Ereignissen dieses Falles wirklich zugrundelag. Dabei lag ich zum Teil falsch, manches wurde im Verlauf des Romans für Ermittler und Hörer/Leser klarer bzw. offenbar und die Lösung selbst habe ich erst zusammen mit den Ermittlern "gefunden".

Alles in allem fand ich den Ausflug in diese Regionalkrimireihe äußerst unterhaltsam. Das hat sicher mit der sehr gelungenen Interpretation durch Michael Schwarzmeier zu tun. Die Geschichte wurde von ihm gut, aber zurückhaltend und Hochdeutsch vorgetragen. Sobald es aber zu Dialogen bzw. Gesprächen kam, wechselte er ins mehr oder weniger ausgeprägte Bayerische oder Berlinerische und verlieh hierdurch und durch Emotionalität den Figuren jeweils Charakter und Charisma.

Wo und in welchem Maße die Kürzung stattfand, kann ich nicht beurteilen. Mir sind jedenfalls keine Lücken aufgefallen; nach meinem Empfinden ist die Bearbeitung im Ergebnis stimmig. Auch dass ich irgendwann in der Buchreihe mit dem Teil "Schwarze Piste" eingestiegen bin, war kein Problem. Sicherlich ist es immer schöner, die Entwicklung der Charaktere über die Zeit mitzuerleben, aber die Geschichte - und die Beziehungen - waren auch so verständlich.

Fazit: ein Reihenexperiment mit positiven Ergebnis. :)

Kommentare:

  1. Wenn du so weitermachst, sollte man für dich vielleicht die Challengeanforderungen verdoppeln. ;)

    Schön, dass dir dein Ausflug in die Regionalkrimiwelt gefallen hat. Ich persönlich mag es normalerweise nicht, wenn Hörbuchsprecher Dialekt sprechen, denn die wenigsten beherrschen das richtig, aber es kann natürlich auch zur Atmosphäre beitragen. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Winterkatze: Nun bin ich ja ein Fischkopp - aber in meinen Ohren klang der bayerische Dialekt richtig und natürlich. Ich will meiner Freundin, die schon seit 20 Jahren in München lebt, das Hörbuch für ihre Autofahrt empfehlen, wenn sie dieser Tage hier hereinschneit. Falls sie Interesse hat, werde ich sie mal auf diesen Punkt ansprechen. :)

      Löschen
    2. Leider gibt die Hörprobe bei Audible keine Kostprobe des Dialekts, sonst hätte ich euch direkt sagen können, ob es für eine Muttersprachlerin auch natürlich klingt. Ich finde es immer recht unangenehm, wenn Menschen versuchen, Bairisch (oder andere Dialekte) zu sprechen, es aber einfach nicht beherrschen. Dann lieber gleich bleiben lassen.

      Löschen
    3. Hör doch mal bitte in die Hörprobe zum Prinzessinnenmörder rein, Ariana. Nach Wallners Ankunft am Tatort - ist hochdeutsch, brachte mich zum Schmunzeln - kommt es zum Gespräch mit Kollegen.... http://www.audible.de/pd/Krimi/Der-Prinzessinnenmoerder-Hoerbuch/B004UVSR6O/ref=a_search_c4_1_4_srTtl?qid=1391845876&sr=1-4

      Löschen
    4. Ein wenig unnatürlich/aufgesetzt klingt es an manchen Stellen schon, aber das ist ja auch nur ein kurzer Auszug. Vielleicht ist es insgesamt ja besser.

      Vermutlich könnte der Sprecher auch "richtiges", natürliches Bairisch sprechen, muss aber auf die Hörer Rücksicht nehmen, die das dann nicht verstehen würden. An den inhaltlich wichtigen Stellen versucht er offenbar, zumindest so "hochbairisch" zu sprechen, dass auch Nicht-Bayern verstehen, worum es geht. Wäre ja doof, wenn "Fischköppe" wie du der Handlung nicht folgen könnten, weil sie das richtige Bairisch nicht verstehen und ihnen Informationen fehlen. ;-)

      Das ist ja bei Dialekten immer das Problem: die Zielgruppe. Wenn das Hörbuch nur für Menschen gedacht wäre, die Bairisch verstehen, könnte sich der Sprecher da ganz anders "austoben", aber so muss er eben einen Kompromiss eingehen, durch den es dann für mich etwas unnatürlich klingt.

      Richtig schönes Bairisch habe ich übrigens an Weihnachten in Ludwig Thomas "Heilige Nacht" gehört. Hier der Link zur Hörprobe bei Amazon: http://www.amazon.de/gp/recsradio/radio/B001F4VMFM/ref=pd_krex_dp_a
      Das klingt, als würde mein Opa erzählen. Und da ist mir im ganzen Hörbuch keine einzige Stelle untergekommen, die nicht natürlich klang.

      Löschen
    5. Als Fischkopp bin ich froh, dass das Föhr Hörbuch nicht im Thoma-Stil gesprochen wurde, denn so verstehe ich doch sehr viel mehr. Wie das natürlich für die Muttersprachler über das Hörbuch hinweg klingt, ist eine andere Frage. ;) Was die Konzessionen an den Hörer angeht. bin ich also froh, nicht nur was das Bayerische angeht, sondern mir würde es ebenso mit "richtigem" z.B. Schwäbischen, Kölsch, Sächsisch oder traditionellen Platt gehen. Mit letzterem bin ich nämlich auch nur "am Rande" groß geworden.
      So oder so wäre es schade, wenn die Idiome ausstürben.

      Löschen
  2. Schon wieder eines durch?!? Da kann ich der Winterkatze nur zustimmen - wir sollten die Anforderungen erhöhen. ;-)

    Freut mich übrigens sehr, dass dir der Krimi von Andreas Föhr so gut gefallen hat. Ich bin ja vor ein paar Monaten auf den Autor aufmerksam geworden und war sowohl vom Auftakt der Reihe um Wallner und Kreuthner wie auch vom Autor selbst richtig begeistert. (Habe ihn ja im November auf einer Lesung erlebt- sehr spaßig!) Zwei weitere Bände aus dieser Reihe warten auf meinem SuB bzw. SuEB - und ich freue mich schon sehr darauf, die beiden ungleichen Polizisten wieder zu treffen und mit Kreuthner die nächste Leiche zu finden. ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Ariana und Winterkatze:
      Im Gegensatz zu Euch habe ich aber auch nicht so ein langes Hörbuch gehört UND ich muss auch nicht auf einen Ehemann Rücksicht nehmen. Nur auf die MuMs - und die jammern mir die Ohren dann voll, wenn sie Hunger haben oder ich sie - das Hörbuch hörend - wegen Kochens aus der Küche aussperre. :D

      Der Kreuthner ist ein Schlitzohr. Es hat wirklich Spass gemacht, das Hörbuch zu hören. :) Ich kann mir gut vorstellen, dass ich zu dieser Reihe mal wieder zurückkehre.

      Löschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)