Mittwoch, 26. Februar 2014

Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen von Franziska Wilhelm

Was ist das für ein Romantitel? Nun, jedenfalls ließ er mich zu "Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen" von Franziska Wilhelm greifen und damit hat er zumindest bei mir wohl seine Schuldigkeit getan. :) Und ja, er hängt mit der Geschichte zusammen. 

Franziska Wilhelms Protagonistin Milla ist eine junge Frau, die mit ihrer Familie im dörflichen Einerlei lebt und in der mehr oder weniger heruntergekommenen Sportlerkneipe der Familie aushilft. Letztere liegt nahe von Bahnschienen, an denen häufiger Menschen in den Freitod gehen. Das ist allseits bekannt - Millas Familie, den Dorfbewohnern, den Selbstmordgefährdeten etc. Dieser Teil des Settings bereitete und bereitet mit weiterhin grundsätzlich Unbehagen: Diese Menschen - wie z.B. auch Geisterfahrer oder Autobahnbrückenspringer (jeweils mit Selbstmordabsicht) - nehmen bewusst das Trauma und die Verletzung Unbeteiligter in Kauf. Dieser Problemkreis wurde von der Autorin nicht komplett außen vor gelassen, für meinen Geschmack aber auch nur gestreift. Nun kann man natürlich sagen, dass dies das Recht der Autorin ist, diese Umstände als gegeben darzustellen und sich auf Milla, ihre Familie und Kalle, mit dem Milla letztlich eine Fahrt unternimmt zu konzentrieren (und natürlich ist der Ort des Aufbruches für die Geschichte ebenso wichtig wie die Fahrt). Aber als Leser kann ich mir trotzdem wünschen, Franziska Wilhelm wäre intensiver auf diesen Problemkreis eingegangen, Gelegenheit hierfür gab es jedenfalls. 

Aber abgesehen hiervon, hat mir der Roman gut gefallen. Es gibt zwar keinen klassischen Spannungsbogen, aber die erzählten Geschichten - allen voran natürlich Millas Entwicklung, aber auch Kalles und die von Millas Familie - sind interessant. Vermutlich sprachen mich die erinnerten bzw. geschilderten Geschehnisse - sie spielen vor und nach der Wende  - auch deswegen an, weil sie vertraut erscheinen: sei es weil Bekannte ähnliches erlebt haben und/oder die emotionalen Auswirkungen für mich nachvollziehbar sind oder ich einfach etwas mit "Überbrühtem" und Caro-Zigaretten anfangen kann. Dass die Autorin eine klare einfache Sprache nutzt, die meinen Geschmack getroffen hat, kommt dann natürlich nur noch hinzu. Und ich mag das Ende. :)

Kommentare:

  1. Irgendwo habe ich neulich gelesen, das lange Buchtitel gerade angesagt sind - nach dem Erfolg mit dem Hundertjährigen. ;)
    Wie dem auch sei, das Buch klingt interessant und irgendwann werde ich es wohl lesen.

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  2. Hm, das kann durchaus sein. Bei mir hat es jedenfalls zum Zugreifen geführt. :)

    Ich kann es Dir, falls Interesse besteht, auch Leihen; einfach melden. ;)

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    1. Das ist lieb - Mail schreibe ich dir gleich!

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    2. Lass dir ruhig Zeit, ist ja nicht so, das ich sonst nichts zu lesen habe. XD

      Übrigens, ich habe den Artikel über den Trend zu den langen Titel wiedergefunden: Überall Hundertjährige

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    3. Ah ja, danke für den Link!
      Und ups, ich kann die Buchsendung jetzt nicht mehr zurückholen... :)

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  3. Ich verstehe gut,. dass dich der Titel neugierig gemacht hat. Ich hätte mir bei dem Titel sicher auch den Klappentext durchgelesen einfach um zu wissen, was dahinter steckt :)

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    1. @Julia *nickt*
      Mir ging es schon so, als ich den von Hermia bereits angesprochenen "Hunderjährigen" damals in der Onleihe entdeckte. Der Titel stach so heraus, dass ich das Buch damals heruntergeladen habe. Und "Mein Sohn hat ein Sexleben und ich lese meiner Großmutter Rotkäppchen vor" von R. Dorretstein ist auch, aber nicht nur, wegen dieses Titels bei mir gelandet. ;)

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    2. Ach, es gibt neue(re) Bücher von Renate Dorrestein? Ich habe ihre ersten beiden Romane gelesen, fand sie sehr gut, danach habe ich die Autorin offenbar aus den Augen verloren. Super, dass ich auf diese Weise wieder an sie erinnert werde. Hast du das erwähnte Buch denn gelesen? Und hat es dir gefallen?

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    3. Ariana, ich fand "Mein Sohn hat ein Sexleben und ich lese meiner Mutter Rotkäppchen vor" ( da war im früheren Kommentar offenbar der besprochene Titel noch zu präsent *g) intensiv. Man ahnt beim Titel (Märchen vorlesen) ja irgendwie schon, wohin die Geschichte mit der Mutter gehen wird. Und trotz dieser thematischen "Schwere" ist das Buch sehr gut lesbar! Leider habe ich mein Exemplar gerade an eine Freundin verliehen (der Münchenerin *g), aber wenn es wieder da ist, kann ich Dir das Printbuch auch gern in ein Hörpaket stecken. ;)

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    4. Grundsätzlich sehr gern, hat aber Zeit. Ich habe mir doch ein Bücherleihverbot auferlegt, das sollte ich erst (unter)brechen, wenn ich zumindest einige Sachen vom SuB weggelesen habe, und nach dem lesetechnisch miesen Februar ist das noch nicht so bald der Fall. :-(

      Kein Wunder, dass du im Zusammenhang mit Rotkäppchen an die Großmutter und nicht die Mutter denkst. ;-)

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    5. *g Falls Du es im Hinterkopf behältst, kannst Du Frau Dorrestein ja demnächst noch einmal ansprechen. :)

      *mitHandvordenKopfschlägt* DEN Zusammenhang sehe ich tatsächlich erst jetzt, lach.

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