Sonntag, 5. Januar 2014

"Es ist so einfach: Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken" von Richard P. Feynman

Als erstes Buch für die Sachbuch-Challenge der Winterkatze habe ich mir Richard P. Feynmans "Es ist so einfach: Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken" gegriffen.

Irgendwie komme ich immer wieder zu diesem Physiker zurück. "Es ist so einfach,.." ist inzwischen das vierte Buch von bzw. über ihn in meinem Buchregal und abgesehen von den "Sechs physikalischen Fingerübungen" - welches neben Einleitungen und Vorworten sechs Vorlesungen enthält - gibt es zwischen "Es ist so einfach ...", "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!" und "Kümmert Sie, was andere Leute denken?" auch Überschneidungen. Einige Anekdoten tauchen in der einen oder anderen Form stärker ausgeführt in diesen Büchern auf.

Dennoch habe ich auch in "Es ist so einfach ..." wieder Neues bzw. weitere Aspekte entdeckt. In diesem Buch finden sich neben Erinnerungen noch ein paar Interviews und Vorträge. Darunter u.a. ein solcher über Miniaturisierung, der zum Teil - ebenso wie der spätere Vortrag über den Computer der Zukunft - zwar recht technisch (und für mich an diesen Stellen auch etwas schwer zu verstehen), aber dennoch interessant war. Besonders wenn man die heutigen Errungenschaften in der Nanotechnologie bedenkt und, dass der Vortrag zur Miniaturisierung von Feynman in 1959 gehalten wurde.

Zum Referieren im Zusammenhang mit "Lehren von Naturwissenschaften" wurde Richard P. Feynman von Kollegen eingeladen. Sein Aufhänger war die Frage, was Wissenschaft eigentlich ist. Neben liebevollen Erinnerungen an seinen Vater - ich sehe die beiden fast vor mir beim Waldspaziergang - finden sich hier kritische Überlegungen zu Unterrichtsgestaltungen bzw. -vorgaben wie Lehrplan, Lehrbücher und Methodik, die ich gut formuliert und begründet fand - insbesondere zu seinen Überlegungen, dass Kinder zum Erforschen und Lernen begeistert werden sollen statt zum Sammeln und Aufnehmen von Informationen. Anregend fand ich auch seine Überlegungen, die er bei anderer Gelegenheit zum Verhältnis Religion/Wissenschaft anstellte oder was er in einem Vortrag zum Verhältnis Wissenschaft/Gesellschaft zu sagen hatte. Im letztgenannten Vortrag gab er - 1964 - u.a. seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Biologie als Wissenschaft zukünftig in moralische Schwierigkeiten hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit gelangen wird. Angesichts heutiger Themen wie Klonen, genmanipuliertem Getreide oder Stammzellenforschung war er ziemlich weitsichtig.

Dass ich immer wieder zu "Feynman-Literatur" zurückkehre, hat wohl viel damit zu tun, dass er mich als Mensch und Wissenschaftler fasziniert - und er mir sympathisch ist. Er bekannte sich zu Fehlern, ist in der Lage komplexe Sachverhalte zu übersetzen, betonte - und praktizierte ;) - wissenschaftliches Arbeiten und forderte auf bzw. ermutigte dazu, zu zweifeln und zu hinterfragen.

"Ich habe gelernt, ohne Wissen zu leben. Ich bin nicht auf Erfolg aus. Und was ich vorhin über die Wissenschaft gesagt habe - ich glaube, mein Leben ist erfüllter, weil ich mir darüber im Klaren bin, daß ich nicht weiß, was ich tue. Mich begeistert einfach die Unermeßlichkeit dieser Welt."*

Feynman hat eine Art zu erzählen - ob er nun Einblick in sein privates oder beruflichen Leben gewährt - , die mich anspricht. In seinen Worten - aber auch aus  Einleitungen und Vorworten zu seinen Büchern - sehe ich Neugierde auf die Welt, eine beinahe respektlose Unbekümmertheit beim Eintauchen in andere (Wissens-)Gebiete außerhalb der Physik (was sich allerdings eher aus "Sie belieben wohl zu scherzen..." entnehmen lässt) und eine andauernde Begeisterung für seine Arbeit.

Eine biografische Übersicht zu Richard P. Feynman findet sich hier (klick) in der deutschen Wiki.

(*Quelle: S. 218 aus "Es ist so einfach - Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken" von Richard Feynman, Kapitel 7 "Der klügste Mann der Welt" - aus dem Interview Richard P. Feynmans mit der Zeitschrift Omni in 1979 -, ungekürzte TB-Ausgabe 6. Aufl. 2009 Piper Verlag GmbH München, ISBN 978-3-492-23773-4, bzw. "Der klügste Mensch der Welt" OMNI Publications Internation Ltd.)

Kommentare:

  1. Ich finde es schön, wie sehr du diese Bücher genießt und wie viel Spaß dir seine Einblick in sein Leben und seine Arbeit bereiten. :)

    Für mich denke ich aber immer "Chemie war in der Schule viel interessanter als Physik" und innerlich schüttelt es mich dann ein wenig, wenn ich an den Physikunterricht denke. ;)

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    1. Ich dagegen bin mit mit Chemie nie warm geworden und war dankbar, dass ich mich in diesem Fach immer durchwursteln konnte. :D

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  2. Das ausgewählte Zitat finde ich sehr schön.

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    1. Ja, es ist eine schöne Einstellung zur Welt und zum Leben.

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  3. Schon das erste Buch für die Sachbuch-Challenge gelesen! Bin beeindruckt!

    Ich hab auch noch ein paar Physik- bzw. Physiker-Bücher im Regal stehen, die stammen noch von meiner Magisterarbeit, in der ich mich mit Chaostheorie und Quantenmechanik beschäftigt habe - na ja, eigentlich mit der Rolle der Naturwissenschaften in zwei Theaterstücken, aber im einen ging es eben um Quantenmechanik und im anderen um Chaostheorie ;-). Hab schon kurz überlegt, ob ich "Auf der Suche nach Schrödingers Katze" oder "Schrödingers Kätzchen" für die Challenge lesen soll, werde aber vermutlich doch auf andere Bücher zurückgreifen ;-)

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    1. Bei Skoobe habe ich mir "Schrödingers Katze auf dem Mandelbrotbaum" auf die Merkliste gesetzt - vor 5 Jahren, was ja gar nicht möglich ist. :) Interessant sind die Themen Quanten und Chaos ja ... Vielleicht wirst Du ja doch noch schwach. :D

      Sagte Dir denn der Name Feynman etwas, Ariana *neugierigschaut*?

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    2. Na klar sagt mir Feynman was - allerdings nicht aus meiner Magisterarbeit, da ging es um Bohr und Heisenberg. Aber ein guter Freund von mir ist Physiker (und Fan von Feynman), da kommt man gar nicht umhin, den zu kennen. ;-)

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    3. Das kann ich mir vorstellen (Freund/Physiker). :)

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  4. Spannend, Natira! Das hab ich gedacht, als ich den Post vor ein paar Tagen im Reader las. Ich kenne das ja von mir aus dem Bereich der Genetik, der hat mich damals auch so fasziniert, dass ich jede Menge Fachbücher und Biografien aus der Zeit der Entdeckung der DNA und aktuelle Forschung gelesen habe. Momentan fehlt mir dazu etwas die Zeit, aber ganz aktuell habe ich auch wieder Lust, mich in solche Themen (wobei, wenn ich ehrlich bin, bitte nicht die Physik ;) ) einzulesen.
    Das Zitat gefällt mir auch gut!

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    1. Es ist großartig, dass uns solche Fachthemen aus der Ausbildung oder dem Job auch die Augen für "Begleit"-Literatur öffnen. Das finde ich auch immer wieder totel spannend! Genetik und die Erforschung der Vererbungslehre und der DNA ist auch ein interessantes Gebiet. Ich glaube, zuletzt habe ich darüber etwas in dem DArwin-Buch gelesen, dass ich hier stehen habe - aber es war eher ein stichprobenartiges Hineinlesen in das Buch. ;)
      Sobald ich in dem Interview-Auszug die Zeilen gelesen hatte, wollte ich sie anstreichen und zitieren. :)

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