Freitag, 1. November 2013

Halloween-Lesewochenende by Kiya - II

Gestern abend habe ich "Joyland" von Stephen King ausgelesen. Ich konnte es einfach nicht weglegen, als der Protagonist Devin einen Anruf bekam - auch wenn meine Augen noch so müde waren.

Um es vorweg zu nehmen: Wer in diesem Roman übernatürlichen Horror in der Art von "Es" oder "In iner kleinen Stadt" etc. erwartet, sollte ihn sich nicht kaufen. Der Protagonist Devin (Student) jobbt im Vergnügungspark Joyland und lernt bereits vor Jobantritt die Geschichte eines Mordes in der Geisterbahn (Täter nie gefasst, eine obligatorische Spukgeschichte gehört dazu)  und ein paar Schausteller kennen. Zu letzteren gehört eine Wahrsagerin, die Devin auch prompt etwas vorhersagt. Natürlich kennt Ihr das Gefühl, wenn man nicht weiß, ob es so etwas wie Wahrsagerei wirklich gibt - ist es Empathie gepaart mit guter Beobachtunggabe, Menschenkenntnis und Informationsquelle? Ist da tatsächlich eine Gabe, stimmt es, was sie vorhersagt? Die "Gabe", die Spukgeschichte und natürlich der Mord werden im Roman immer wieder thematisiert (das Buch ist letztlich auch ein Krimi) - trotzdem fühlte es sich für mich vorrangig wie ein nostalgischer Trip in die Vergangenheit an. Devin erinnert sich an seine erste Liebe, wie er besondere Menschen kennenlernte, von Mr. Eastbrook über Tom, Erin bis hin zu Annie und Mike, wie ihn die Zeit in Joyland stärkte bzw. veränderte. Man verkaufte Spass im Vergnügungspark, und das war harte Arbeit. Ich hatte Devin vor Augen, geschafft und erledigt nach seinen Fell-Aktionen und einmal sah er vor meinem geistigen Auge wie ein cooler junger Paul Newman aus, als er sich kommentarlos von Eddie wegdrehte. Das Rauschen der Brandung, wenn er in seinem Zimmer war, war präsent - vermutlich weil ich die See immer vermisse ;) - und ich wurde etwas an des Setting von "Der Talisman" erinnert mit dem Strand und dem Vergnügungspark. Ja, wie schon früher zeigt mir auch dieser Roman wieder (auch wenn ich die Übersetzung lese), was für ein großartiger Erzähler Stephen King ist.

Ich habe allerdings etwas, was mich störte: In vielen seiner Romane pflegen bestimmte Figuren eine vulgäreren Ausdrucksweise; es ist Stilmittel und Charakterisierung in einem. In "Joyland" hält sich das in Grenzen, es ist anderer Slang, der im Vergnügungspark gesprochen wird. Zum Romanende fiel mir der Rückfall auf deftigere Worte daher um so deutlicher auf. Ich kann sie auch auf einer Ebene auch nachvollziehen, dennoch glaube ich, dass sind nicht notwendig und vielleicht sogar contraproduktiv waren. Ohne die Herabsetzungen und Beleidigungen in dieser Form wäre vielleicht der Austausch an sich, aber dafür die dahinterstehende Charakterisierung intensiviert worden; so wirkt es wie Kontrollverlust, den ich angesichts der vorhergehenden Abläufe irgendwie nicht glaube. Sorry, dass dies hier so schwammig ist, aber ich will nicht spoilern.

Übrigens finde ich das deutsche Cover (klick) besser und inhaltlich erheblich passender als das amerikanische (klick), wenngleich das amerikanische durchaus Retro-Charme hat. ;)

Was das Lesewochenende angeht: Jetzt frühstücke ich erst einmal und dann - hm, Saeculum? Mal schauen. :)


Kommentare:

  1. Ich finde auch, gerade wenn Stephen King NICHT übersinnlich wird, ist er am besten. :)
    Ich habe vor langer Zeit aufgehört Stephen King zu lesen, weil die Handlung in seinen Geschichten, die ich las, für mich immer öfters vorhersagbar war. *nerv* … Aber vielleicht sollte ich mal wieder was von ihm lesen?

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    1. Ich hatte auch über Jahre eine Stephen-King-Pause, die erst vor ca. 5, 6 Jahren endete. Danach habe ich mir seinen Turm-Zyklus vorgenommen (gefällt mir sehr gut) und in seinen neueren Büchern habe ich besonders seine gute Beobachtungsgabe und sein Einfühlungsvermögen in "Arena" und "Der Anschlag" und aktuell auch wieder in "Joyland" geschätzt. Versuche es doch einfach mal wieder mit ihm, Raven. :)

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  2. Das erste ausgelesene Buch für dieses Wochenende, schön :-)

    Die vulgäre Sprache war für mich irgendwann ein Grund, es mit King erstmal gut sein zu lassen. Wenn man zu viel King liest, übersättigt das auch sehr. Erst seit einiger Zeit habe ich wieder Spaß an seinen Büchern - und übrigens vor einigen Tagen den zweiten Dunkler Turm-Band beendet :-)

    "Joyland" klingt immer noch gut für mich... hoffentlich dauert es nicht so lange bis zur Taschenbuch-Ankündigung.

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    1. Ah, Monsterkrabben und anderes ... Und, liest Du den Dunklen-Turm-Zyklus weiter?

      Falls Du ein audible-abo hast, könntest Du auch auf diesem Weg relativ günstig an das Buch kommen, das von David Nathan bestimmt wieder hervorragend eingelesen wurde. ;)

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    2. Natürlich lese ich weiter :-) Ich brauche nur immer ewig... Zwei Folgebände sind auch schon gekauft. Ich mag allerdings die Geschehnisse in Rolands Welt (über die ich immer noch sehr wenig weiß) lieber als die in unserer.

      Danke für den Tipp, ich höre aber selten Hörbücher und habe deshalb kein Abo. Allerdingshabe ich mir angewöhnt, Hörspiele für die Autofahrt zur Arbeit mitzunehmen - am liebsten die von Titania Medien.

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    3. Lustig, ich habe parallel bei Dir kommentiert. :)

      Was den DT angeht: Band 3 und 4 werden Dich hoffentlich auch nicht enttäuschen, gerade Band 4 präsentiert einiges an Hintergrund. Wirst Du Dir auch "Wind" holen? Der Roman spielt nach Bd.4 und vor Bd. 5.

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    4. Hatte ich vor, ja... Guter Hinweis, bisher dachte ich, "Wind" schließe nach dem 7. Band an. Dann sollte ich das Buch besser schon mal zwischendurch kaufen, das Taschenbuch erscheint ja demnächst.

      Irgendwann sollte ich allerdings auch "Die Arena" weiterlesen, in dem ich noch nicht nennenswert weit gekommen bin...

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    5. Ah, da kann ich dann ja auch nachgreifen. Ich hatte "Wind" bislang nur als Leihgabe. :)

      Den Roman habe ich kurz nach Erscheinen vor ein paar Jahren gelesen und fand ihn sehr gut, King wendet auch hier seine Beobachtungsgabe gekonnt an und die Entwicklung in diesem tatsächlichen Mikrokosmos war für mich beängstigend realitätsnah. In die aktuelle Miniserie "Under the Dome" habe ich hineingeschaut, dann aber nach zwei Doppelfolgen nicht mehr - was King schriftlich gelingt mit den verschiedenen Charakteren und dem Beziehungsgeflecht fand ich in der TV-Serie nicht überzeugend.

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