Sonntag, 30. Juni 2013

Projekt 52 Bücher 2013: 22/2013

Ich war letztens stolz auf mich, dass ich im Bücherprojekt aufgeholt hatte - und nur hänge ich schon wieder hinterher. :) In der 22. Kalenderwoche wirft das Fellmonsterchen in ihrem Bücherprojekt in den Raum:

"Bücherregal für Jugendliche einrichten (welche Bücher gehören gut versteckt)"

Ich lege mal Tante Wiki zugrunde, wonach die Jugend das Alter zwischen 13 und 21 umfasst. Wenn man dann noch bedenkt, dass sich die Geschlechter in dieser Zeit in verschiedenen Tempi entwickeln und dazu, dass jeder Mensch sein eigenes Entwicklungstempo und eigene Interesse hat, ist die im Bücherprojekt gestellte Aufgabe alles andere als einfach. Mit fortschreitender Entwicklung (ich schreibe bewusst nicht Alter) des Jugendlichen wird auch der Regalinhalt ändern, sich entwicklen.

Ich überlege gerade,ob ich ein Buch aus meinem Bestand einem danach fragenden Jugendlichen komplett verweigern würde. Wenn ich an "Das Buch der verlorenen Dinge" von John Conolly denke, würde ich durchaus überlegen, ob ich das Buch aushändige. Es käme auf den Jugendlichen an und auf den Erziehungsberechtigten, ob und wann ich es verleihen würde. Ein Elternteil fände es vielleicht nicht so prickelnd, wenn ich dem Kind "einfach so" ein Buch ausleihen würde, welches im Mantel der Märchenhaftigkeit nicht nur Ehrenhaftigkeit transportiert, sondern auch dunkle Begierden, Wut und Sexualität. Was ist mit Stephen-King-Büchern von dem phantastisch-horromäßigen Buch "Es" über das für mich gruselige Buch "Das Mädchen" (eine 9jährige verläuft sich im Wald) bis hin zur Kurzgeschichtensammlung "Frühling, Sommer, Herbst und Tod" - in der sich u.a. die den Filmen "Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers" und "Die Verurteilten" zugrundeliegenden Stories? Was ist mit z.B. "Nackt unter Wölfen" oder "Die Abenteuer des Werner Holt" die ich in der Schule als Jugendliche gelesen habe: Auch wenn u.a. diese Bücher als Pflichtlektüre immer den Anstrich "Zwang=Nerv" besaßen: Es sind wertvolle und in Erinnerung gebliebene, in der Zeit des Nationalsozialismus spielende, Bücher, die zu lesen sich lohnt  - aber je nach Entwicklungsstand ggf. gemeinsam mit anderen, um die Möglichkeit zu haben, über die Story zu sprechen. Deswegen: Auch diese Bücher würde ich - je nach Jugendlichem und Erziehungsberechtigten - ausleihen oder vielleicht auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten.

Ein anderer Aspekt: Wir haben in der Schule - wenn ich mich recht erinnere - so ab ca. der 8. Klasse begonnen, die Klassiker wie "Faust", "Hamlet" oder "Nathan, der Weise" zu lesen. Ich glaube nicht, dass mich diese Stücke als 14/15jährige ohne die schulische Begleitung interessiert hätten, vermutlich wegen ihrer klassischen Drama-Form. Aber: "Faust" und "Hamlet" befinden sich noch immer in meinem Bücherregal und falls ein Jugendlicher sie ausleihen wollte, würde ich sie ihm nach Abwägung geben trotz der diversen Todesfälle in den Stücken ;). Nach seinem erfolgreichen oder nichterfolgreichen  (Alleingang?-)Versuch mit dem Hamlet-Stück würde ich ihm aber auch - Englisch-Kenntnisse vorausgesetzt - den No fear Shakespeare-Hamlet-Comic von Neil Barba in die Hand drücken als zusätzlichen bzw. alternativen Zugang.

Ich mag die Vorstellung nicht, dass ich Bücher aus meinen Regalen entferne, damit ein ins Haus kommender Jugendlicher sie (noch) nicht liest. Ich würde vielmehr das Gespräch mit ihm suchen, warum ihn ein Buch interessiert, ob er sich ggf. noch Zeit lassen sollte, bis er sich diesem Buch widmet oder ob man es vielleicht gemeinsam liest und darüber redet. Denn es gibt immer Mittel und Wege, wie man an "verbotene" Dinge herankommt: man kann in Büchereien darüber stolpern und sogar direkt vor Ort dort lesen. Man kann Bücher, die in der Clique als voll gruselig oder heftig etc. im Gespräch sind, bei irgendjemanden ausleihen oder über einen Dritten kaufen. Würde ich das alles auch so sehen, wenn ich längerfristig im Haus lebende Kinder bzw. Heranwachsende hätte? Dann wäre ich vielleicht doch restriktiver ;) und würde einige Bücher mindestens außerhalb direkter Reichweite unterbringen.

Jedenfalls finden sich neben King, Sachbüchern etc. in meinem Bücherbestand auch "Tschick" von Hernndorf (für mich ein ab 14 Jahren lesbares all-age-road-movie-Buch, welches zudem ohne irgendwelche Fantasy auskommt), "Die drei Musketiere" von Dumas, "Die Abenteuer des Sherlock Holmes" von Doyle oder "Der Samenbankraub" von Prokop, die "Zauberland-Reihe" von Wolkow (die man prima auch noch als Jugendlicher oder Erwachsener lesen kann), Märchenbücher etc. - und vielleicht greift der Jugendliche ja auch dazu. :)

Kommentare:

  1. Ich muss zugeben, dass ich noch heute froh bin, dass ich als Kind/Jugendliche alles lesen durfte, was mich interessierte.

    Es war eher so, dass ich mich manchmal von Schullektüre überfordert gefühlt hatte. Nicht deshalb, weil ich sie nicht verstanden hatte oder weil meine Lesefähigkeit nicht ausreicht, sondern weil ich diese Bücher lesen musste, auch wenn ich emotional dazu vielleicht gar nicht in der Lage war.

    Denn grundsätzlich denke ich schon, dass Kinder und Jugendliche ganz gut in der Lage sind ihre Lektüre selber zu wählen und die Geschichten zu meiden, die ihnen Angst machen würden oder die Themengebiete behandeln, für die sie noch nicht reif genug sind. Außerdem würde ich die natürliche Neugier nicht beschränken, sondern lieber riskieren wollen, dass ich im Zweifelsfall zu jeder gelesenen Seite eine Menge Fragen beantworten müsste ...

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    1. Ohne die schulische Begleitung wäre ich von der Schullektüre auch regelmäßig überfordert gewesen bzw. hätte ich sozusagen nur die oberste, leicht erkennbare, Schicht erfasst.
      Ich habe als Kind auch gelesen, ich war auch Mitglied unserer örtlichen Bücherei und habe ausgeliehen, aber so viel wie heute habe ich lange nicht gelesen. Zuhause gab es auch nicht so viele Bücher (mal abgesehen von Märchen- und Kinderbüchern); meine Schwester hatte u.a. Indianerbücher von Welskopf stehen - die sind später zu meinem Bruder umgezogen - und sicher noch andere, aber deren Titel erinnere ich nicht mehr. Ich weiß, dass ich viel draußen war, auch allein (was meine Mutter mehr als einmal Sorgen bereitet hat) oder z.B. "Schule" gespielt habe. Dazu passt auch, dass ich relativ wenig Buchtitel nennen kann, die ich als Kind bzw. Jugendliche gelesen habe, abgesehen von "Klassikern" wie Jules Verne, Mark Twain, für mich auch die Zauberland-Reihe, Benno Pludra.

      Jedenfalls habe ich keinerlei Erinnerung daran, dass meine Eltern oder meine Schwester mir daheim ein Buch verboten hätten oder aber mein Bruder bei sich. In der Bücherei schaute die Bibliothekarin danach, was ausgeliehen werden durfte. ;)

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    2. In unserer Bibliothek wurde ich nie eingeschränkt. Im Gegenteil sogar - mir wurden Sachbücher rausgesucht, die mich eigentlich überforderten, durch die ich mich aus Interesse aber trotzdem gekämpft habe. :D Manchmal wünschte ich, ich hätte heute noch dieses Durchhaltevermögen.

      Viel draußen war ich auch, allerdings mit Hund (und Buch). Hatten deine Eltern Bedenken, weil du allein hättest gefährdet sein können oder weil sie fürchtete, dass du einsam wärst?

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    3. Sie hat sich Sorgen gemacht, weil ich rumgestromert bin (durchaus mit Freunden) und dabei immer die Uhrzeit vergessen habe bzw. mich daheim erst gar nicht abgemeldet hab. Früher habe ich das nicht verstanden, mit den Jahren habe aber auch ich - selbst ohne eigene Kinder - dafür mehr und mehr Verständnis entwickelt. ;)

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    4. Ah! Ja, das ist zu verstehen. :)

      Meine Mutter hat so etwas ja selten mitbekommen, da sie lange gearbeitet hat. Und solange ich den Hund dabei hatte, hat sie sich wohl eher gefreut, dass wir Bewegung bekamen. ;)

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    5. Meine Mutter arbeitete zwar auch bis Nachmittags, aber meine Schwester war für mich nach dem regulären Schulschluss erst einmal verantwortlich - wenn ich da da war ;) Und natürlich berichtete sie meiner Mutter, wenn ich mal wieder nicht nach der Schule nach Hause gekommen war, um mich abzumelden (Telefon war bei uns - erst recht in meiner Kindheit - ja nicht verbreitet). Ab und an "erwischte" mich meine Mutter auch in ihrer Mittagspause irgendwo im Dorf, was zu Schimpfe (und mehr) führte, weil ich das immer wieder machte...

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    6. Tsts, du hast deine Familie als "Wiederholungstäter" bestimmt gut auf Trab gehalten. :D

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