Montag, 1. April 2013

Lesewoche by Sayuri #10

"Salvador und der Club der unerhörten Wünsche" habe ich gestern während meiner Autofahrten weitergehört und ich mag den Ton immer noch. Salvador wird zwar - wenn man die Anlage seiner Figur bedenkt - in meine Augen zu gebildet dargestellt, aber das nehme ich nur wahr ohne es als zu stören zu empfinden. Vielleicht, weil auch Salvadors Geschichten selbst - obwohl erwachsene Geschichten mit Wahrheiten - zu fantastisch sind, um wahr sein zu können. Oder sind sie es vielleicht doch? Es gibt eine Liebesgeschichte, die mich etwas an Cyrano de Bergerac denken ließ und auch daran, wie unglaubwürdig es schon war, dass Lois Lane in Clark Kent nicht Superman erkannte. Und ich bin noch immer erstaunt, wie Stephan Benson (Jahrgang 1964) es schafft, Salvador einen (auch altersmäßig) passenden Tonfall zu verleihen - wie er Charaktere aus Salvadors Geschichten spricht kommt nur noch hinzu. Ich hoffe, dass ich das Hörbuch heute noch beenden werden.

Am gestrigen Nachmittag begonnen und heute beendet habe ich "Vier minus Drei" von Barbara Pachl-Eberhart, in der die Autorin von ihrem persönlichen Weg berichtet, wie sie mit dem Verlust ihres Ehemannes und ihrer zwei Kinder zu leben lernte. Ich empfinde es so, dass Trauer(arbeit) zwar auf einem Level für jeden gleich ist (schon aufgrund der Existenz), aber für jeden ganz anders und privat. Wie ich mich in der Zeit nach einem Verlust existiere, schütze, Kraft schöpfe, wie und wie lange ich Abschied nehme, ist so persönlich wie es nur geht und so mag es nicht ausbleiben, dass die Wahrnehmung Dritter von mir verzerrt ist oder sie damit nicht umgehen können, weil ihre Art der Trauer anders ist. Und hieran liegt es wohl auch, dass ich mich mit dem Buch von Frau Barbara Pachl-Eberhart unwohl fühlte. Nicht, weil sie ihren persönlichen Weg eingeschlagen hat, der spirituell ist und auf welchem sie statt einer Beerdigung ein Seelenfest wünscht. Sondern weil ich mich in Bezug auf die Trauerarbeit der Autorin wie eine Voyeristin fühle. Und das ist unsinnig, denn sie hat ja ihre Erfahrungen bewusst veröffentlicht, um zu helfen und zu inspirieren (das ist mutig). Dennoch fühle ich mich, als sei ich zu tief in ihre Privatsphäre vorgedrungen. Aber das ist mein "Problem".

Kommentare:

  1. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich du und Sayuri das Buch wahrnehmt ...

    Was den Salvatore angeht, so erscheinen mir häufig Buchfiguren zu gebildet für ihren Hintergrund. Auf der anderen Seite habe ich schon sehr gebildete Menschen gefunden, wo ich es nicht erwartet hätte. Außerdem wäre es vielleicht nicht so reizvoll, wenn Salvatores Wissensstand anders wäre - aber das kann ich nur vermuten. ;)

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    1. Ich denke, ich weiß, was Du meinst. Denn im Kern sind Sayuri, ich und auch Du alle beisammen, dass Trauer in gesellschaftliche Normen nicht passt. Es ist verwirrend: Vom Verstand hat weiß jedes Mitglied der Gesellschaft, dass der eigene Trauerweg gefunden werden muss und dennoch hört man "So macht man das nicht" oder "schnell drüber weg" etc.

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    2. Und zu dem Gefühl, dass Trauer eine sehr persönliche Sache ist, kommt bei dir - zumindest kommt es mir so vor - noch das Gefühl, dass Trauer auch eine private Sache ist. Sich dann so mit der "Innensicht" einer realen trauernden Person zu beschäftigen, scheint dann schon fast etwas von Voyeurismus zu haben, wenn man nicht zu den Menschen gehört die anderen ihre Ansichten aufdrücken wollen.

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    3. Ich hoffe, ich kann es in Worte fassen: Die Autorin hat einen eigenen Weg gefunden, mit dem Verlust umzugehen,u.a. durch Einbindung von Verwandten, engeren Freunde, Bekannten, Kollegen, z.B. indem sie ihnen per Email mitteilte, wie sie sich fühlt, was sie emotional braucht oder auch nicht. Für sie fühlte sich das richtig an.

      Und auch die Veröffentlichung dieses Buches mit ihren (bislang in dieser Breite ggf. nicht geteilten privaten) Gedanken, Empfindungen, Träumen und Entscheidungen wird sich für sie richtig angefühlt haben. Obwohl ihre Trauer persönlich und privat war/ist, konnte sie darüber - letztlich in diesem Buch - reden. Sie ist, wie Sayuri auch schon sagte, dabei sie selbst. Ich respektiere das und bin sicher, dass viele Menschen dankbar sind für diesen Einblick und Mut schöpfen.

      Mein Raum ist diesbezüglich kleiner und privat(er), ja, und mit wem ich ihn teile Vermutlich fühlte ich mich bei der Buchlektüre deshalb trotzdem als Eindringling, obwohl ich objektiv keiner bin.

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    4. Ja, so hatte ich es schon verstanden - aber anscheinend nicht so ausgedruckt. :)

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    5. oder ich habe es nicht so aus deinem kommentar erlesen. :)

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  2. Zu "vier minus drei" - da kann ich Deine Empfindungen schon nachvollziehen. Es ist unglaublich nah und offen, was mich auch manchmal schlucken liess. Andererseits dachte ich auch häufig, "ach, das ist ja eine interessante, positivere Sichtweise als die, die ich habe"...
    Beeindruckend finde ich, dass Du das Buch trotzdem beenden konntest - ich hatte es ja mit der Option begonnen, dass ich vielleicht abbrechen würde...
    Am Ende steht ja, wie Du schon sagtest, immer die Trauer des Einzelnen. Und ich denke, das Wichtigste ist, dass wir alle darin auf unsere Weise authentisch und bei uns sind - und den anderen ihren Raum lassen ... ich glaube, da sind wir alle einer Meinung :)

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