Sonntag, 10. März 2013

Projekt 52 Bücher 4/2013

Ich habe ja einige Themen von Fellmonsterchens Projekt nachzuholen. Gar nicht lang herumreden, Natira, sondern loslegen: Also hier kommt Nr. 4 des Projektes

Zeige uns ein schwarz-weiß-blaues Buch.

Das Thema war zum damaligen Zeitpunkt nicht ganz aus der Luft gegriffen, es hing mit einem Fußballspiel und einem Verein zusammen. Da ich mit Fußball so gar nichts am Hut habe, nehme ich das einfach so hin und konzentriere mich im Übrigen einfach auf das schwarz-weiß-blaue Cover.

Ich hatte sofort ein passendes Buch in der Hand, dass mir kurz vor der Themenankündigung DarkJohann mal wieder in Erinnerung gerufen hatte. Also habe ich das Buch anlässlich der Themenvorgabe gelesen: Es handelt sich um die Ausgabe aus der SZ-Bibliothek von Trumans Capote "Frühstück bei Tiffany"

Eindeutig ein schwarz-blau-weißes Cover, dessen Bild der - nicht werkgetreuen, aber bekannten - Verfilmung des Buches entnommen ist.

In dem Kurzroman erfährt der Ich-Erzähler von dem Wirt Joe, dass es vielleicht ein Lebenszeichen von Holly Golightly gibt. Dieses Zusammentreffen der beiden bildet den Rahmen für die Erinnerungen des Ich-Erzählers an seine erste Wohnung in New York im Jahr 1943 und seine Begegnung mit der damals noch nicht ganz 19jährigen Holly. Der Kurzroman liest sich in der Übersetzung von Heide Zerning gut weg - aber am Ende saß ich da und fragte mich ehrlich: Okay, und warum findet der Ich-Erzähler und finden offenbar auch viele Leser Holly liebenswert?

Ja, sie ist noch sehr jung und freiheitsliebend, ja sie entwickelt kreative Überlebensstrategien in NY (ohne sich, so lese ich den Roman jedenfalls, vollständig körperlich zu prostituieren), ja, sie ist noch immer auf der Suche und ja sie hängt an ihrem Bruder und an Doc. Aber Holly ist auch egoistisch; sie erscheint mir in ihrer Freiheitsliebe extrem kompromisslos (vielleicht ist es auch das, was viele bewundern?) und in in diesem Zusammenhang auch in meinen Augen rücksichtslos. Sie will "Leben und leben lassen" (bzw. Lieben und lieben lassen), aber es ist kein verinnerlichtes Prinzip, denn sie hat z.B. keine Hemmungen, Homosexualität auszunutzen (finanziell bzw. in einer Wohngemeinschaft) oder zu attackieren (Mag oder z.B. die andere Mitbewohnerin im Haus). Capote erschafft in diesem Kurzroman fraglos einen Charakter mit Ecken und Kanten und man muss - das Thema hatten wir letztens auch bei der Winterkatze - Charaktere nicht mögen, um ein Buch zu schätzen. Und das tue ich durchaus, Struktur und Art des Erzählens gefallen mir und die beiden Hauptcharaktere werden auf den verhältnismäßig wenig Seiten nicht nur präsent; sie hallen fraglos in mir nach, auch oder vielleicht weil mir der Zugang zu Holly und dem Ich-Erzähler, der ihr - trotz seiner Erlebnisse mit ihr und seinen Beobachtungen im Übrigen - so lange wie möglich beiseite steht, schwer fällt.

Was mir bei der SZ-Bibliothek-Edition übrigens gefehlt hat: Ein kurzes Nachwort mit ein paar Informationen über das Erscheinen des Romans, den Zündstoff, den er damals sicherlich geliefert hat und über etwaige Anspielungen/Formulierungen etc. im Roman, die nach Jahrzehnten für Leser ggf. nicht mehr als solche erkennbar und interpretierbar sind.

Kommentare:

  1. Vier Wochen ist der epochale Sieg des HSV schon her? Die Zeit rast mit einem Affenzahn um die Ecke...
    "Frühstück bei Tiffany" ist bei mir auch schon ewig auf der Leseliste. Wäre was für "F" der A -- z-Challenge, bei der ich übelst hinterherhinke.

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    1. Siehst Du, so kannst Du nochmal feiern. :)
      Es ist ein gutes "F" Kandidat!
      Und falls Du tatsächlich hinterherhinken solltest mit der A-Z-Challenge, so wäre das absolut verständlich angesichts der ganzen Welteroberungspläne und weiteren Dinge (Puscheligkeit, Sprechstunde, Anstalt etc.), um die Du Dich kümmern must!

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  2. Meine kleine "Kein und Aber"-Ausgabe hat ein Nachwort, wenn es auch nicht alle Aspekte behandelt, die dich beschäftigt haben. :) Ich glaube ja, dass Holly gerade wegen ihres so selbstbezogenen Handelns fasziniert. Auf der einen Seite hat der Autor schon glaubwürdig dargestellt, wie ein solcher Charaktere entstehen kann, auf der anderen Seite nimmt sich Holly Freiheiten heraus, die man sich normalerweise nicht erlaubt, weil einem der Anstand (?)/die Erziehung im Wege stehen. Dass Holly trotzdem nicht glücklich ist, ist dann wieder ein anderer Punkt. ;)

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    1. Immerhin gab es ein Nachwort. :)
      Hollys Charakter lässt auch mich nicht kalt, wie man sieht, aber ich sehe keinen Grund für "man muss sie einfach lieben". ;)

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    2. Aber sie ist doch so ungemein charmant in ihrer egozentrischen Art! :D

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