Samstag, 30. März 2013

Lesewoche by Sayuri #7

Von dem Roman "Die nachhaltige Pflege von Holzböden" habe ich etwas mehr als die Hälfte gelesen. Der Erzähler musste bereits Holzbodenpflege betreiben, was allerdings nichts mit den zwei von ihm zu hütenden Katzen zu tun hatte. Letztere sind übrigens nächtliche Freigänger.

Ich rätsel immer noch, wie Oscar, der laut Darstellung des Erzählers und eines befreundeten (? wirklich?) Musikers namens Michael ein pedantischer und durchorganisierter Kontrollmensch ist, nicht nur zwei (!) Katzen in seiner Designerwohnung mit unversiegeltem Holzboden und Ledersofa hälft (auch wenn sie auf letzteres nicht dürfen), sondern diese beiden sind auch noch Teilzeitfreigänger über Nacht. Ob nun Hauskatzen oder Freigänger: Die Fellnasen sind Individualisten und auch wenn man ihnen das Ledersofa oder einen Raum oder was auch immer verbietet und sie es in Deiner Gegenwart tatsächlich nicht tun, heißt letzteres gar nichts. Ich kann mir Oskar, der sogar in seiner künstlerischen Arbeit Regelungsbedürfnis bzw. die Anwendung von System bevorzugt - er arbeitet an einer Symphonie auf der Basis des Deweyschen Katalogisierungssystems  - einfach nicht als Katzenversorger vorstellen. Jedenfalls nicht in Bezug auf all die Kleinigkeiten wie Katzenklos (incl. Beacheffekt in der Wohnung), Toben durch die Wohnung mit Kehren bzw. Bremsen unter Zuhilfenahme von Krallen, Zeckenentfernung bzw. mit Freigang möglicherweise einhergehende Verschmutzung etc.

Davon abgesehen geht mir der Erzähler aktuell auf die Nerven. Trotz Kenntnis von Oskars Charakter und Angewohnheiten aus der gemeinsamen Unizeit (wie Untersetzerbenutzung, Zetteln mit Hinweisbitten) und dem Hinweisbrief, den er bei Antritt des Haussittings findet, nutzt er beim Rotweintrinken keinen Untersetzer, lässt die Katzen auf dem Sofa verbleiben etc. Natürlich  - ich habe keine Hemmungen, das hier zu schreiben, da man dies als Leser angesichts des Titels und des Klappentextes bereits erwartet - geht das schief. Andere Dinge kommen hinzu und der Protagonist jammert und gibt an Ereignissen dem ortsabwesenden Oskar schuld (der ihn telefonisch zu einem Konzertbesuch "drängte") ... Oskar hat ihm in der Vergangenheit mal gesagt, seine (des Erzählers) Toleranz ginge zu weit, er (der Erzähler) passe sich allem an, seiner Freundin, seinen Lebensumständen. Und genau das passiert auch hier: Er gibt Oskars Drängen zum Konzert nach, er gibt Michaels Drängen - Barbesuch u.a.- nach und ist dann wegen der Konsequenzen seiner bequemen Entscheidungen bzw. Nichtentscheidungen unzufrieden und eigentlich sind ja die anderen schuld.

Erzähltechnisch finde ich auch der Autor momentan anstrengend. Es ist nicht so sehr die Sprache an sich, sondern die Hingabe, mit der z.B. das verkaterte Aufwachen in den verschiedenen Wahrnehmungsstadien beschrieben wird, am Abend davor halt die Stadien der Trunkenheit, etwas davor mit Metaphern die Stadtansicht (in der Art, dass eine Kirche mit weißem Putz wie frischer Tofu in trübsinniger Misosuppe der Stadt wirkt).

Ich brauche eine Pause. Es ist jetzt kurz nach halb acht und ich werde meine Sachen zusammenpacken und hoffentlich gegen 8 aus der Wohnung heraus auf einem Spaziergang sein und dabei Pride & Prejudice by Jane Austen weiter hören.

Wir lesen uns.

Kommentare:

  1. Oh ... Ich glaube, ich bin sehr froh, dass ich auf den Zug nicht aufgesprungen bin.

    Selbst wenn Freigängerkatzen (meinem Gefühl nach) wirklich mehr "Regeln" befolgen, weil sie sich ja draußen austoben können, so stimmt dein Buchcharakter ja so gar nicht mit der Realität von Katzenbesitzern überein.

    Der Protagonist würde mich auch auf die Nerven gehen und ich hasse, hasse, hasse! solche Beschreibungen und Vergleiche (wenn sie nicht so richtig gut gemacht sind - aber wie viele Autoren machen das schon richtig gut?).

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    1. Ja, das Gefühl habe ich auch (Katzenbesitzer/Oskar).
      Und ich denke auch, dass ein Autor - und nicht nur dieser - eine feine Linie gehen können muss bei der Verwendung von Vergleichen dieser Art. Dabei finde ich es schon schwierig, diese Linie überhaupt zu beschreiben, denn natürlich ist sie auch leserabhängig. ;)

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  2. Ich glaube, für mich wäre das auch nichts.
    Das schönste an dem Buch scheint bislang der Name des Autors ;) Und evtl. die Beschreibungen der kätzischen Mitbewohner, sofern es die denn gibt.
    Meine Erfahrungen mit Freigängerkatzen ist, dass diese überhaupt keine Hemmungen haben, zum Beispiel in einer feuchtkalten Nacht mit nassen, schlammüberzogenen Pfoten überall herumzutollen, auch gerne mal im Bett. Und über empfindliche Holzböden sicher auch.
    Und was verkaterte Protagonisten und denkwürdige Vergleiche und Beschreibungen machen mich auch eher ungeduldig und nerven mich...

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    1. Ja, im Ländle hast Du ja eigene Erfahrungen sammeln können. ;) Der Autorenname ist wirklich schön, ich frage mich, ob da künstlerisch nachgeholfen wurde - falls ja, ist es mir aber egal. :) Die kätzsichen Mitbewohner gibt es, sie werden aber in ihrer Art gar nicht so ausgiebig beschrieben. Ich will an dieser Stelle nicht spoilern: Falls Du den Roman nicht lesen möchtest, kann ich Dir ja gelegentlich etwas über die zwei Katzen erzählen. ;)

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    2. Das hängt sehr von der Erziehung ab! Die schmutzigen Pfoten kann man natürlich nicht vermeiden und unsere Freigänger haben auch gern mal halbe Mäuse mitgebracht. Aber Flächen oberhalb von Stuhlsitzen waren für sie verboten und daran haben sich unsere Kater auch gehalten! (Und man sieht ja doch ganz gut, wenn in Abwesenheit Spuren hinterlassen werden, gerade bei sandigen Pfoten. ;D)

      Trotzdem glaube ich auch nicht, dass ein so beschriebener Mensch mit Tieren überhaupt leben könnte ...

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    3. Ich würde es wohl auch erst glauben, wenn ich solch einen Bekannten hätte und ich es sehen würde. ;)

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