Sonntag, 24. März 2013

Lesewoche by Sayuri #2

Ich will auch gleich mal etwas zu "Mamas Vermächtnis" von Herrad Schenk schreiben. Die Ausgangssituation ist ja, dass eine fast 70jährige Witwe ihr Rentnerdasein im Grunde damit verbracht hat, für ihre extravagante künstlerische Mutter da zu sein und sie bis zu ihrem Tod zu pflegen. Zweigleisig stellt die Autorin Theas aktueller Situation (die Mutter ist gerad verstorben und Thea löst den Nachlass auf) dar und in Rückblenden erfährt man mehr von Theas Leben und dasjenige ihrer Mutter.

das Gefühl, dass z.B. Kleidung und Mobilar der Mutter nach deren Tod fehl am Platz und seltsam falsch wirkt ... oder das Gefühl, das man gleichzeitig gebraucht wird und gelitten, dass die eigene Zeit fremdverplant und vereinnahmt wird, die spürbare Frustration der Tochter und der Mutter ob dieses Zustandes...

wirkt vertraut.

Kommentare:

  1. Ich glaube, manche Themen sind einem selbst dann nah, wenn man noch nicht so persönlich damit konfrontiert wurde. Aber wenn ich so eine Inhaltsangabe lese, dann denke ich, dass eine Frau in den 70ern sich nicht um jemanden kümmern müssen sollte, sondern vielleicht selber mal umsorgt werden sollte. Schon seltsam, was für eine Weltsicht ich da habe. Aber wenn ich an meine Mutter denke, die in diesem Alter ist, dann denke ich eben auch an all die körperlichen und geistigen Einschränkungen, die so langsam deutlich spürbar werden ...

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    1. Die Tochter ist noch fit und auch die Mutter (rund 30 Jahre älter) war geistig lange fit - nur nicht mehr mobil nach einem Schlaganfall und später eine Lungenentzündung ... Und Thea ist in einer Internet-Partnervermittlung angemeldet - was sie der Mutter nicht erzählt hat -. Wie bei jüngeren Menschen auch befand sich ihr Leben quasi in einer Warteschleife - und was passiert nun, wo sie es wieder aufnehmen kann?

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    2. Also hätte man die Geschichte theoretisch auch mit 30 Jahren jüngeren Protagonisten erzählen können? ;)

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    3. Nein, das denke ich nicht. Es ist ja doch ein Unterschied, ob Du mit 40 oder mit 70 dein Leben neu, hm, organisierst, deine Erwartungen und Hoffnungen sind ja anders - ebenso der Zeitfaktor.

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    4. Da hast du natürlich recht, aber die von dir erwähnten Themen sind ja nicht nur für diese Lebensspanne relevant.

      (Was mich gerade darauf bringt, dass meine doppelt so alte, aber jung gebliebene Tante überraschenderweise viele Bücher mit der gleichen Lebenssicht wie ich kommentiert ...)

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    5. Themenbezogen stimmt das natürlich :)

      Es ist toll, dass Deine Tante jung geblieben ist! Ich wünsche ihr noch viele schöne Jahre!

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  2. Mich erinnert die Stimmung, die Du beschreibst an "Du fehlst" - ich glaube von Joyce Carol Oates? Da geht es um den Tod der Mutter der Protagonistin und wie sie damit umgeht. Ich konnte das Buch nicht weiterlesen, weil es mich sehr mitgenommen hat.
    Und dieses Thema finde ich auch insgesamt sehr schwierig - diese Vereinbarkeit des eigenen Lebens, der eigenen Wünsche mit dem Leben der Familie ... vielleicht aber auch nur wieder ein Problem der Jetzt-Zeit? Nee, wahrscheinlich war das immer schon so...
    Hmm, das regt schon zum Nachdenken an...

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    1. Mutter als auch Tochter sind in ihren Eigenarten für mich kantig genug, um das Buch in der Waage zu halten: Obwohl alles durch Theas Erinnerungen gefärbt ist, ist die Mutter nicht nur extravagant und führt die Tochter vor, sondern ich sehe auch ihre verletzliche Seite und kann emotional nachvollziehen - vielleicht eher als Thea - weshalb die Mutter in manchen Bereichen die Hilfe ihre Pflegerin bevorzugt. Auf der anderen Seite ist Thea, die ihr Leben aus Pflichtgefühl für die Mutter ausrichtet, sie aufgrund ihrer Frustration - statt mit ihr zu reden - anderweitig "bestraft"; andererseits kommen ja durch Theas Augen auch die anderen Seiten der Mutter hervor.
      Die Autorin setzt das, wie ich finde, ganz gut um, aber es hallt natürlich auch nach.

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