Sonntag, 16. September 2012

"Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens" by Shaun Hutchinson


Nachlese:
Stellt Euch unsere Welt vor mit einem kleinen Unterschied: Jeder Mensch erfährt durch einen Todestagsbrief, dass er 24 Stunden nach Zustellung sterben wird. Diese Briefe sind völlig normal. Als der Teenager Oliver Travers aufwacht und erfährt, dass ein Todestagbrief zugestellt wurde, denkt er zunächst, seine Nana - immerhin schon über 70 - sei die Empfängerin. Aber weder sie noch sein Vater, seine Mutter oder eine seiner jüngeren Schwester wird in den frühen Morgenstunden des kommenden Tages sterben, sondern er. Wie und mit wem verbringt man seine letzte Stunden, besonders wenn man ein pubertierender 15jähriger ist?

Im Nachwort dankt Shaun Hutchinson seinem Literaturagenten für dessen Vertrauen, dass ein Buch über Tod und Peniswitze funktionieren würde. Und ja, in dem aus Oliver Travers Perspektive erzählten Roman geht es um Tod - schließlich stirbt der Protagonist am Ende und dass ist angesichts des Klappentextes und des Vorwortes kein Spoiler. Außerdem finden sich einige mehr oder weniger geschmackvolle Umschreibungen für Masturbationen, Penisse, Sex. Und zum Teil ging es mir auch etwas auf die Nerven, aber: Olli ist 15 Jahre jung und steckt in der Pubertät. 15jährige Jungs werden sicher eher beurteilen können, wie sich das anfühlt. Und ich gehe davon aus, dass sich Shaun Hutchinson daran erinnert. Auf den Punkt gebracht: Olli, der gerade zeugungsfähig wird, erhält den Todestagbrief und wird sterben. Punkt. Nein, er ist nicht krank; seine Zeit läuft einfach ab. Also schwänzt er zusammen mit seinem besten Freund Shane und seiner Ex-Freundin Ronni die Schule und versucht herauszufinden, was er mit seinen letzten Stunden am Besten anfangen kann, zumal ihm der ganze emotionale Kram - z.B. die Art, wie seine Eltern ihn anschauen - nicht behagt. Manche Aktionen bringen ihm Ronni etwas näher und zeigen ihm, was für ein Freund Shane ist. Anderes läuft ziemlich aus dem Ruder, etwa wenn er und seine Freunde auf eine Runde Kiffer treffen.

In meinen Augen gelingt Shaun Hutchinson dabei recht recht gut, Ollis Gefühle und Gedanken sprachlich zu transportieren, allerdings überzeugt mich die Auflösung nicht ganz. Letzteres schiebe ich allerdings - ich will nicht spoilern - auf den Zeitfaktor. Ein anderer Punkt ist die Erzählperspektive. Natürlich wird gerade durch die Ich-Perspektive Ollis innere Welt offenbart, trotzdem empfinde ich es merkwürdig, quasi ein im Präsens geschriebenes Tagebuch einer am Romanende (in Echtzeit) sterbenden Person zu lesen. Vielleicht hätte ich dies bei einem außenstehenden allwissenden Erzähler nicht so empfunden.

Das Thema Todestagbrief handhabt der Autor nicht wirklich befriedigend, aber es funktioniert. Genauer will ich hierauf nicht eingehen, weil ich dann mehr über den Romaninhalt schreiben müsste. Und das wäre nicht so glücklich: Schließlich lebt die Story nicht von klassischen Spannungseffekten, sondern es geht um die Reise des Protagonisten ansich. ;)

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