Samstag, 18. August 2012

Projekt 52 Bücher: Woche 40: HassCharakter?

Seit zwei Wochen schiebe ich nun das Thema der 40. Kalenderwoche von Fellmonsterchens Projekt: "Hass-Charakter (im Sinne von nicht nachvollziehbaren Handlungen) vor mich her, es wird langsam Zeit. 

Hm, "Hass"-Charakter Im Sinne von nicht nachvollziehbarer Handlungen". Ich weiß nicht, ob es das so für mich gibt. Falls der Charakter für mich nicht nachvollziehbar handelt,frage ich im Idealfall: Liegt es an mir? Bewegt sich und handelt die Figur innerhalb seiner Charakterzeichnung und des Romansettings nachvollziehbar? Falls er das tut, kann ich zwar den Charakter immer noch ablehnen, möglicherweise auch hassen, aber der Grund sollte nicht in "nicht nachvollziehbaren" Handlungen liegen. Und falls der Charakter in sich nicht stimmig ist, ärgere ich mich dann nicht über den Autor?

Ein Charakter, der mich bei jeder Lektüre des Romans nervt - und ich lese den Roman dennoch immer wieder, weil ich ihn trotz dieses Charakters liebe und die Autorin schätze - ist Marianne Dashwood aus dem Roman "Sense and Sensibility" von Jane Austen. Marianne Dashwood ist die mittlere der drei Dashwood-Töchter und 16 Jahre, als ihr Vater verstirbt und sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern aus ihrem Elternhaus wegziehen muss.

Jedes Mal, wenn ich den Roman lese, erkenne ich durchaus, dass die ganze Familie durch den Tod des Vaters und den vom Halbbruder und dessen Ehfrau erzwungenen Wegzug emotional angeschlagen ist, dass Marianne sich von einem Mädchen zur jungen Frau entwickelt, dass ihr Zusammentreffen mit Willoughby romantisch ist etc. ... Aber das ändert nichts daran, dass sie in meinen Augen verzogen und bei aller Liebe - die sie für ihre Familie hegt - egozentrisch ist. Diese Eigenschaften zusammen mit dem generellen Setting des Romans führen dazu, dass Marianne sich regelmäßig unhöflich gegenüber anderen und auch im Übrigen unangebracht in der Gesellschaft benimmt. Damit fährt sie selbst dann noch fort, wenn ihr z.B. von ihrer älteren Schwester Elinor ihr fehlerhaftes Verhalten aufgezeigt wird. Nicht nur stellt sie ihr eigenes Befinden ohne Rücksicht auf andere in den Vordergrund - z.B. wenn sie erklärt: "Yes, why should I stay here? I came only for Willoughby's sake - and now who cares for me? Who regards me?" (S. 462 der gutenberg-project-ebook-Ausgabe von Jane Austens "Sense and Sensibility") - sie brüskiert auch immer wieder ihre Schwester oder Col. Brandon.

Mein Kopf sagt mir, dass Marianne sich im Rahmen ihrer Figurenanlage und des Settings nachvollziehbar verhält, mein Herz ist der Meinung, dass diesem undankbaren und egozentrischen "Mädchen" kräftig die Leviten gelesen werden müssten (und der Mutter gleich mit), ich würde sie am liebsten durchschütteln und den Kopf zurechtrücken... Warum ich den Roman mitsamt Marianne trotzdem mag? Nun, es geht in dem Roman auch um Elinor (sowie wunderbare Nebencharaktere) und die Geschichte geht nach London (wo sich Elinor und Marianne in Gesellschaft einer Verwandten befinden) weiter ...

Kommentare:

  1. Hihi ... gibt es eigentlich irgendeine Leserin über 16 Jahren, die Marianne leiden kann? ;)

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    1. Ich weiß nicht, ich weiß es wirklich nicht ;)

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