Mittwoch, 11. Juli 2012

Projekt 52 Bücher: Woche 36: Unbekanntes

Oh, auf dem Blog ist es eine Woche sehr ruhig geblieben. Das hat mit der Vorurlaubszeit zu tun, in der es im Büro sehr hektisch war. Und nach Urlaubsbeginn war ich blogtechnisch sehr antriebslos. Aber ich habe mir vorgenommen, mit diesem Post die Ruhe zu durchbrechen :)

Es geht in der 36. Kalenderwoche von Fellmonsterchens Projekt um das unbekannteste Buch, das der jeweilige Teilnehmer je gelesen hat.

Ich habe mich vor meine Bücherregale gestellt und geschaut. Ein Buch um das andere herausgezogen, nachgedacht und dem Gefühl nachgespürt, das ich mit dem betreffenden Buch verbinde. Denn ich merke, dass ich nur vage Erinnerungen an die Inhalte habe. Also packe ich sie gedanklich auf meinen nochmal-Lesen-Stapel. Ob die drei Beispielsbücher die dieswöchige Themenvorgabe erfüllen? Bei zwei von ihnen weiß ich es nicht - ich denke aber, sie sind jedenfalls nicht allzu bekannt -,das Sachbuch allerdings kommt mir doch recht unbekannt vor:

Da wäre zunächst einmal Marcus Clarkes Buch "Lebenslänglich". Ich glaube, zuletzt habe ich es vor 15 gelesen (meine Ausgabe vom Verlag Volk und Berlin stammt aus dem Jahr 1988). In dem Roman erzählt Clarke von Ereignissen um 1835 in der Strafkolonie Vandiemensland, heute besser bekannt als Tasmanien. Zehn Gefangene können sich eines Schiffes bemächtigen, setzen die Frau und die Tochter des Kommandanten sowie den Offizier Mr. Frere und noch zwei (?) Männer aus und segeln davon. Die Frau des Kommandanten stirbt, die Tochter Sylvia verliert ihr Gedächtnis. Dann stößt noch der entflohene Sträfling Rufus Dawes zu dieser Gemeinschaft. Alle müssen miteinander klarkommen, um zu überleben und zu entkommen... Clarke orientierte sich an amtlichen Berichten über die Strafkolonie. Der Roman hat mich bewegt - sonst hätte ich ihn auch nicht behalten.

Bewegt und verzaubert hat mich zudem Anthony C. Winklers "Das bemalte Kanu". Der jamaikanische Fischer Zachariah Pelsie ist ein hm fleißiger, aber auch uneinsichtiger Mann. An getroffenen Entscheidungen hält er fest, auch wenn ihm von Dutzenden von Menschen das Gegenteil nachgewiesen wird. So streitet er sich mit dem Pastor darüber, warum Gott den Menschen wenig hilft. Ist schließlich kein Wunder, wenn sie ihn ständig wegen Lappalien anrufen, sodass Gott irgendwann nicht mehr weiß, wann es etwas Wichtiges und wann es eine Kleinigkeit ist.  Sein Beharren auf Ansichten führt oftmals zu Streitereien und eines Tages auch dazu, dass er mit seinem Kanu zu Fischen herausfährt, obwohl er die Nacht zuvor nicht gut geschlafen hat. Und das kurz vor Beginn der Regenzeit, wenn die Winde auffrischen und die See stürmisch wird. Es kommt, wie es kommen muss: Er schläft auf See ein, treibt ab und wacht umgeben von Wasser irgendwo auf:
"Aber er konnte an nichts anderes denken, als daran, was er für ein Narr gewesen war einzuschlafen und wie sehr er es verdiente, für diese Dummheit bestraft zu werden. Er blickte sich um auf der Suche nach einer passenden Bestrafung und entschied, dass, gleich wie gerne er ein Stück von dem Tabak geraucht hätte, er ihn stattdessen über Bord werfen und sich dieses Vergnügen vorhalten würde."* (Er macht das dann auch, kurz danach:). "So n verdammter Idiot, wirft den Tabak weg!" verwünschte er sich und fuhr mit seiner freien Hand wütend durch die Luft."*
Und da wäre noch ein Sachbuch, welches ich in diesem Blog besprochen habe. Wie es ausschaut, gehöre ich zu einigen wenigen Menschen, die das getan haben, denn häufig gelangen Suchende nach diesem Buch auf meinen Blog. Es geht um das Buch "Die Universalgeschichte der Zahlen" von Georges Ifrah (klick).

*Quelle: 
S. 41 aus "Das bemalte Kanu" von Athony C.Winkler in der Übersetzung von Karin Höpker, 1. Aufl. 2000, deutsche Rechte beim Scherz Verlag, Bern-München-Wien, ISBN. 978-3502108573

Kommentare:

  1. Und wieder Zahlen - Sprache scheint ohne Zahlen nicht zu funktionieren ;-) So sind unsere Themen doch recht ähnlich.

    Das "Fischerbuch" hört sich schon fast komisch an, die "Strafkolonie" hingegen sehr dramatisch. Ich tendierte eher zum (tragisch?)-komischen Werk ...

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    1. Das scheint auch umgekehrt der Fall zu sein, Ralph. :)

      Die Strafkolonie bezieht, wenn ich mich recht erinnere, seine Wirkung auch aus dem Erzählstil mit direkter Rede aus etwas distanziert wirkender Drittperspektive. "Das bemalte Kanu" hat in der Tat Komik. Du weißt ja, wenn Interesse besteht, einfach melden. :)

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  2. Die beiden Bücher hören sich interessant an. Mal sehen, ob man die noch aufstöbern kann. Bei unbekannten Büchern kann das ja manchmal schwierig sein, aber immerhin hat man dank Internet viel bessere Chancen als früher. (Ich liebe das Internet. :-))

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    1. Oh ja, ZVAB.com oder booklooker sind zwei Anlaufstellen für ältere Bücher :) Du kannst Dich aber auch bei mir melden, falls Du in eines der Bücher mal reinlesen möchtest. :D

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  3. Verzeih mir, aber ich klicke NICHT auf "Die Universalgeschichte der Zahlen"! Ich hasse Zahlen... *brr*

    Lebenslänglich hab ich glaube ich sogar irgendwo hier herumliegen, das habe ich aus dem Aussortierungs-Nachlass einer älteren Dame übernommen. Kann aber auch sein, dass es sich nicht um das selbe Buch handelt und nur im Titel irgendwo lebenslänglich vorkommt. Ich muss mal schauen gehen! ;-)

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    1. *kicher* kein Problem

      Ich bin ja mal gespannt, welches "Lebenslänglich" da auftaucht :) Meines ist, wie gesagt, ja schon etwas älter ... und muffelt leider auch etwas *g*

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