Donnerstag, 19. Juli 2012

Kurzeindrücke Urlaubslektüre Boltenhagen 2012

Ich habe, wie schon in einem anderen Post gesagt, z.B. am Strand gelesen.

Mitgenommen hatte ich drei Print-Bücher:

"Neu-Erscheinung" von Michael Gantenberg: Dort wird die Geschichte eines verheirateten Journalist in der Provinz erzählt, der unter dem Pseudonym Bella Gabor in der Zeitung inen Fortsetzungsroman über Jesus Zwillingsschwester in unserer Zeit schreibt. Dabei fließen nicht nur seine eigenen kreativen Ideen ein, sondern auch seine Beobachtungen und Frustrationen aus der Ehe und die Vorgaben seines Chefs. Ich fand den Roman ... ganz nett, aber bei weitem nicht so wortwitzhaltig oder lustig, wie er angepriesen wurde und vermutlich werde ich den Inhalt bald vergessen haben.

"Zeitreisen für Anfänger" von Sharon Griffith: Auch hier geht es um eine Zeitung, allerdings eine etwas größere und die Protagonistin ist eine Frau. Die Journalistin Rosie soll eine Reportage über das 50er-Jahre-Haus in "The Meadows" schreiben, bricht aber auf der Türschwelle der Interviewpartnerin zusammen und wacht an einem andere Ort auf - und in Gesellschaft von Menschen, die sich ziemlich seltsam benehmen. So wie in den 50ern ...Rosie vermutet, an einer Reality-Show teilzunehmen, auch wenn sie nicht verstehen kann, warum sie weder gefragt noch gebrieft wurde und wo die Kameras sind. Aber nach und nach wächst in ihr die Überzeugung, dass ihre Leben nicht in einer Reality-Show stattfindet, denn neben dem Wohnhaus und dem Zeitungsbüro hat sich auch die ganze Stadt und die Umgebung incl. der Menschen verändert. Ich habe mich auf die Zeitreiseidee eingelassen und wurde mit einer unterhaltsamen Lebens-und Liebesgeschichte belohnt. Die Autorin schreibt lebensnah und lässt Rosies kleinere und größere Zweifel und Kämpfe spürbar werden, ob es nun um ihre Gefühle für den "50er Jahre verheirateten Billy" geht, das Outfit oder die Erwartungshaltung an eine arbeitende Frau.

"Dämonen des Lichts" von L.A. Weatherly ist ein Urban-Fantasy-Roman mit Engelsthematik. Willow, eine 16jährige Schülerin, hat übersinnliche Fähigkeiten. Als ihre Schulkameradin Beth sie um Hilfe bei einer Entscheidung bittet, sieht sie nicht nur einen Engel in Beth Erinnerung, sondern auch, dass dieser Engel Beth zwar irgendwie glücklich macht, ihr aber zugleich schadet und nicht gut für sie ist. Allerdings stößt sie bei Beth auf taube Ohren. Als Willow versucht, mehr über die Engel zu erfahren, macht sie die Bekanntschaft von Alex, der Engel bekämpft und tötet. Willow erfährt mehr über Engel, als ihr lieb ist, denn sie hat selbst ein engelhaftes Wesen in sich und Alex soll sie töten. Aber sie ist anders als z.B. Beths Engel ... Der Roman ist flüssig geschrieben und die Story hat mich durchaus in den Bann geschlagen. Weshalb die Autorin allerdings zwischen Ich-Perspektive (Willow) und Dritt-Erzählstimme (Alex) wechselt, obwohl sie Gefühle und Empfindungen beider gleichwertig beschreibt, bleibt wohl ihr Geheimnis.


Mein Tablet hatte ich ja auch mit und das war auch gut so. Die Ferienwohnung hatte nämlich nur die Deckenlampe - mit dem Schalter genau an der dem Bett gegenüberliegenden Seite des Raumes - und keine Lese- oder Nachttischlampe. Also habe ich im Bett am Tablet gelesen - schließlich brauchte ich dafür kein weiteres Licht - und zwar "Als die Liebe zu Elise kam" von Natasha Salomons: Von dieser Autorin hatte ich dieses Jahr bereits "Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand" gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Auch im aktuellen Buch zeigt sich wieder der flüssige Erzählstil der Autorin und ihre Fähigkeit, mit "leichter Hand" von einem Leben zu erzählen und dem Leser dabei einen Teil der Geschichte zu vermitteln (dennoch gefällt mir im direkten Vergelich "Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand" besser): Elise ist die jüngste Tochter einer jüdischen Wiener Künstlerfamilie. Ihr Vater ist Schriftsteller, ihre Mutter Opernsängerin in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Elise muss, als die Repressionen gegen Juden immer deutlicher werden, zu ihrer Sicherheit ihre Familie verlassen und findet - wie viele andere Österreicher/innen - in Großbritannien in einem Landadel-Haushalt eine Anstellung. Statt bedient zu werden, muss nun sie andere versorgen, muss kochen, putzen, heizen und hat kaum mehr eine Minute Zeit für sich selbst. Der Hausherr Mr. Rivers sorgt sich um sie, unterwirft sich aber dem gängigen Verhaltenskodex. Als sein Sohn Kit aus Cambridge nach Hause kommt, wird das Leben aller durcheinander gewirbelt. Und dann bricht der Krieg aus.

Die Autofahrt habe ich mir zudem mit Hörbücher vertrieben:

So hat mir Gayle Tufts mit "Miss Amerika" (Autorenlesung) die Hinreise versüßt. Ich habe häufig vor mich hingegrinst und gelacht In "Denglish" erzählt die Autorin von ihrem Leben in Deutschland und den Reisen in ihre amerikanische Heimat.Sehr sympathisch fand ich, als sie von dem Inhalt ihres Kleiderschrankes berichtet, der Klamotten verschiedener Kleidergrößen enthält, die wiederum unterschiedliche Etappen ihres Lebens beschreiben.Mir gefiel ihr Stil - das zugrundeliegende Buch kenne ich übrigens nicht -und sie ist eine Autorin, die auch ihre Texte unterhaltsam "einlesen" kann. Sicher hat das auch damit zu tun, dass sie Bühnenerfahrung hat. :)

Auf der Rückreise habe ich ein deutlich ernsteres Hörbuch gehört, nämlich Lily Bretts "Von Mexiko nach Polen". Es ist ein autobiographisches Werk, in welchem Lily Brett von ihren Gefühlen und Eindrücken während eines Mexikoaufenthaltes erzählt, von ihrer Rückkehr nach New York (nachdem ihre Wohnung dort ausgebrannt ist) und wie sie den 11.09.2001 erlebt und von einer ihrer Reisen nach Polen. Zu Beginn musste ich mich etwas an die Sprecherin gewöhnen, die für mich zunächst zu zurückhaltend und ein wenig leidenschaftslos klang. Aber dieser erste Eindruck war falsch: Trotz der Ruhe konnte Simone von Zglinicki die Verletzlichkeit, den Ärger und Frust und Resignation der Autorin ebenso transportieren wie ihre Liebe für ihren Vater und ihren Mann.Nachdem ich mich etwas eingehört hatte, konnte ich den feinen Nuancen ihrer Sprechweise folgen. Ich sah Lily Bretts Vater förmlich vor mir, wenn er ihr am Telefon sagt: "Reg Dich runter", ich schmunzelte über ihre Selbstironie und genoß den Humor (z.B. zum Thema Computer und Lily Bretts Vater) und hatte eine Gänsehaut, als die Autorin ihre durch Ruß beschmutzen Finger in Ausschwitz betrachtet oder entsetzt darüber nachdenkt, wer es wohl schafft, in einem in Ausschwitz befindlichen Restaurant einen Tisch zum Essen zu reservieren. Ein bemerkenswertes und intensives Hörbuch.

Kommentare:

  1. "Neuerscheinung" habe ich mir letztes Jahr mal als ME gekauft. Ich fand es auch nicht so prickelnd. "Zeitreisen für Anfänger" steht auf meiner Wunschliste, weil ich sowohl Zeitreisen als auch die 50er mag :)

    Von "von Mexiko nach Polen" habe ich noch nie gehört, aber die Thematik klingt interessant.

    LG

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  2. Neuerscheinung und auch Zeitreisen für Anfänger habe ich beide über arvelle bezogen. :) Wenn Du magst, kann ich Dir die Zeitreise gern leihen und auch das Hörbuch.

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    1. Das Angebot ist toll und für die Zeitreise würde ich es auch gerne annehmen. Allerdings lieber etwas später, damit ich erstmal meinen Bibliotheks-Stapel ablesen kann.

      Hat das Hörbuch einen Kopierschutz oder kann man die CD in Mp3 umwandeln? Ich habe nämlich kein mobiles CD-Abspielgerät, weswegen ich alles ins MP3 Format umwandeln muss.

      Den Hinweis auf arvelle überlese ich gerade ganz bewusst, denn da bleibt es sonst nicht bei einem Buch ;-)

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    2. *kicher*
      Schick mir dann einfach eine Mail, dann klären wir den Rest :)

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  3. Das Buch von Lily Brett klingt reizvoll!

    Auf jeden Fall finde ich es schön, dass du so intensiv lesen (und hören) konntest! :)

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    1. Soll ich es auf die WZS-Liste setzen? Es sind nur zwei CDs - und als ich mich eingehört hatte, kam ich auch nicht los.

      Und ja, für Literatur hatte ich herrlich viel Zeit und Muße.

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    2. Gerne! Wenn es so kurz ist, dann bekomme ich es auf jeden Fall schnell gehört. Und ich arbeite ja gerade an deinen Leihgaben, dann kann ich auch wieder neue Wünsche sammeln. ;) Überhaupt bin ich bei Hörbüchern gerade relativ gut. Obwohl sich das wieder ändern könnte, wenn ich eine Spülmaschine habe ... *g*

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    3. jetzt bekomme ich fast ein schlechtes gewissen, weil ich deine bücher noch ungelesen hier liegen habe. aber nach boltenhagen an den strand wollte ich sie dann auch nicht mitnehmen, denn sand hat die seltsame angewohnheit, an den unglaublichsten stellen - wieder - aufzutauchen, selbst wenn man alles gereinigt hat...

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    4. Jetzt fang nicht wieder damit an! Vor allem, da ich jeden "Wer hat was am längsten ausgeliehen"-Wettstreit (dank der "Buffy"-Boxen) locker gewinnen würde!

      Meine Sachen sind bei dir gut aufgehoben, lägen bei mir eh nur im Umzugskarton und du kannst dir so viel Zeit lassen wie du willst!

      Das ändert sich auch nicht, wenn ich jetzt mal etwas disziplinierter mit meinen Leihgaben und Neuzugängen umgehe.

      Abgesehen davon bin ich sehr, sehr froh, dass du meine Bücher nicht gesandet hast ... *g*

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    5. Ja, das dachte ich mir (gesandet) *g*
      Und was das Buffy-Universum angeht: Im Gegensatz zu mir hast Du ja einen mitstimmungsberechtigten Mitbewohner, da braucht es halt Zeit :D

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    6. "mitstimmungsberechtigten Mitbewohner" das hast du aber schön ausgedrückt! Ich nenne ihn eher meinen grumpeligen Ehemann ... :D

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