Mittwoch, 23. Mai 2012

Kinoabende

Ich komme gerade aus dem Kino zurück. Es hat ja einige Zeit gedauert und es gab auch nur die heutige Vorstellung in diesem Lichtspieltheater, aber es gab eine! ;) Gesehen habe ich heute den oscarprämierten Film "The Artist"


Es handelt sich - falls es jemand noch nicht weiß - um einen Film über die Zeit, in der der Stummfilm dem Tonfilm weicht und einige Schauspieler diesen technischen Fortschritt karrieremäßig nicht überleben. Ich bin ganz verzaubert. Die Schwarz-Weiß-Bilder haben mich gepackt und wo ich sonst auf Gespräche lausche beobachte ich hier konzentriert Mimik, Gestik und Augen, versuche von den Lippen (englisch) zu lesen und bemerke viel eher Details an den Kostümen als es sonst geschieht. Der Film ist zum Teil völlig still, ohne Sprache, ohne musikalische Begleitung. Manchmal irritierten mich die Auflacher aus dem Kinopublikum, die eine Komik wahrnahmen (häufig in Verbindung mit dem Hund), wenn ich den Blick von George Valentin = The Artist als traurig-müde oder gewollt nettlächelnd interpretierte. Vielleicht stimmte beides gleichzeitig in diesen Szenen Humor und Tragik, ich weiß es nicht. Ich bin froh, dass ich noch Gelegenheit hatte, diesen Film in einem Kino auf (zumindest) größerer Leinwand zu sehen.

Und wo ich im letzten Jahr insgesamt vielleicht 4x im Kino war, habe ich in diesem Jahr bereits 4 Filme gesehen ;)

So habe ich am vergangenen Samstag meine Freundin Sayuri besucht und wir beide haben die Gelegenheit genutzt, uns den oscarnominierten Film "My week with Marilyn" anzuschauen.


Vorweg: Wir waren in einem wundervollen Kino mit bequemen roten Sesseln und es war dort wunderbar still. Ich habe in diesem Kino bei dieser Filmvorführung erst gemerkt, wie laut es sonst während eines Films noch immer im Kino ist...

Der Film gefiel mir - im Nachhinein denke ich, im Original wäre er noch besser gewesen. Michelle Williams und Kenneth Branagh sind in meinen Augen überzeugend als die Monroe und Olivier, besonders Branagh sah und agierte in manchen Szenen so überzeugend, dass ich dachte: Da ist Olivier. Was ich gut fand: Obwohl der Erzähler ein Faible für die Monroe hat, bemüht er sich - zumindest im Film - weder Marilyn Monroe noch Laurence Olivier Schuld zuzuweisen, sondern in meinen Augen bemüht er sich um Respekt. Beide Filmcharaktere wirken im Verlauf des Films sowohl fordernd (teils unsympathisch) als auch verletzlich. Mir gefiel es.

Wo ich doch so gerade im Schwung bin: Ich hatte Gelegenheit, in Frankfurt während der Nippon-connection 2012 den japanischen Film "The Woodsman and the rain" zu sehen, im japanischen Original mit deutschen Untertiteln. Viel Erfahrung habe ich nicht mit japanischen Filmen - und so war ich dankbar, dass es sich um eine in ruhigen Bildern erzählte Geschichte handelt und ich sowohl die Bilder als auch die Untertitel aufnehmen konnte. Es geht in dem Film um einen Waldarbeiter, dessen Frau vor kurzem gestorben ist und der mit seinem erwachsenen Sohn nicht klar kommt. Während er im Wald arbeitet, wird er von einem Filmassistenten angesprochen, er möge doch seine Arbeit bitte unterbrechen, weil man gerade eine Szene drehe. Immer wieder stolpert der Waldarbeiter über die Filmcrew und insbesondere einen jungen Mann, er offenbar gar nichts tut und den er daraufhin immer wieder in deutlichen Tönen auffordert, den anderen zu helfen...


 ... Hier (klick) ist der Link zur Nippon-Connection-Seite des Films, der übrigens den diesjährigen Nippon Cinema Award gewonnen hat :).

Nicht unerwähnt bleiben soll auch "Ziemlich beste Freunde", den ich mir zusammen mit meiner Freundin C. angeschaut habe.


Meine Freundin S. aus München hat mir diesen Film als erste empfohlen und als er in unserem nahe gelegenen Provinzkino lief, habe ich meine Freundin C. überredet, ihn mit mir anzuschauen. Es ist nicht gerade ein Film, der ihr als erstes bei einem Kinoabend in den Sinn kommen würde, aber ich konnte sie offensichtlich überzeugen. Und ihr hat er ebenso gut gefallen wie mir. Wir haben geschaut und den Kopf geschüttelt und viel gelacht: Der Film transportiert so viel Lebensfreude! Und Omar Sy als Driss ist wunderbar - allerdings spielt Francois Cluzet grandios den vom Hals abwärts gelähmten Philippe. Ach übrigens, am 17.05.12 ist ein neuer Film mit Francois Cluzet angelaufen, "Die Kunst zu lieben"

Kommentare:

  1. Soeben habe ich das Buch zum Film "Les Intouchables" fertig gelesen. Es hat mich sehr beeindruckt und fasziniert, wie Philippe Pozzo di Borgo seine Lebensgeschichte meistert und mit uns teilt.
    Leider läuft der Film bei uns nicht mehr. Ich werde ihn mir aber diesen Sommer im Open Air Kino anschauen! *freu*
    Die Biografie von Samuel Koch hat mich übrigens auf das Thema aufmerksam gemacht. Auch diese ist unglaublich wahrhaftig authentisch.

    Viele Grüsse, Sara

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    1. Hast Du "Les Intouchables" im Original gelesen *neugierig ist*? Ich kenne das Buch nicht; ich meine, irgend wo gelesen zu haben, dass dort mehr als die Filmgeschichte niedergelegt ist. Bestimmt wird Dir der Film ebenfalls gefallen.

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    2. Oh nein, mein Französisch ist (trotz Landessprache) nicht so gut um Bücher zu lesen/verstehen. ;)
      Aus Erzählungen über den Film muss ich schliessen, dass das Buch wirklich weiter ausholt und direkter auf seine Gefühle eingeht, da Philippe Pozzo sie ja selbst verfasst hat.

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    3. Ich bin froh, dass ich "bonjour" richtig aussprechen kann und komme bereits ins Schleudern, wenn ich frage muss "Parlez vous l' allemand". Wird das verneint, bin ich "durch" ;)

      Auch wenn der Film nur einen Teil der Geschichte erzählt: Er ist wundervoll.

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  2. Bei "The Artist" fand ich es unglaublich erholsam, dass man nicht mit so einer Dialogflut zugeschüttet wurde wie bei manch anderem Film. (Bei "The Woodsman and the Rain" übrigens auch). :D Als wir "The Artist" im Kino sahen, gab es auch eine Menge Lacher, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass die tragischen - und zum Teil auch selbstbetrügenden - Elemente untergingen. ;)

    "The Woodsman and the Rain" war wirklich ein kleines Goldstück - ich bin da vermutlich voreingenommen, aber ich habe das Gefühl, dass japanische Filmemacher diese Art Filme so erzählt, dass sie mir ans Herz wachsen, während europäische Filmemacher solche Geschichten so erzählen, dass sie mir auf die Nerven gehen. *g*

    "Ziemlich beste Freunde" hätte ich auch gern gesehen, aber dafür hätte ich alleine ins Kino gehen müssen und dazu konnte ich mich nicht aufraffen - vielleicht klappt es ja, wenn er irgendwann im Fernsehen kommt. :)

    Schön, dass du in dem ersten (knappen) Halbjahr so viele schöne Filme gucken konntest - ich drücke die Daumen, dass es in den nächsten Monaten noch viele weitere werden. Wie war das noch mit "Best Exotic Marigold Hotel"? :D

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    1. ja ... "Best Exotic Marigold Hotel" möchte ich auch sehen, aber ich weiß nicht, ob ich es noch im Kino schaffen werde ;) Als ich mit Sayuri in "My week with Marilyn" war, lief übrigens der Trailer zu Moonrise Kingdom - der war so skurril, den Film möchte ich auch sehen. http://www.youtube.com/watch?v=7N8wkVA4_8s

      Ach und es steht natürlich auch noch Lachsfischen im Jemen an, möglicherweise reicht aber auch hier - wie bei Best Exotic ... und "Moonrise Kingdom" TV statt Kinoleinwand aus ;)

      Was "The Woodsman and the rain" angeht, weiß ich nicht, ob Du recht hast, da der japanische Film in dieser Art ja eine Premiere für mich war. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass dieser Film mit erstaunlich wenig Dialog auskommt, um seine Geschichte erzählen.

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  3. "Moonrise Kingdom" sieht wirklich skurril und reizvoll aus - aber vermutlich kann ich da wieder nur auf die Fernsehausstrahlung in ein paar Jahren warten. ;)

    Und ich mag die Dialogarmut in einigen japanischen Filmen! :)

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    1. Irgendwann kommen diese Filme vielleicht auf Arte oder man leiht sich mal die DVDs

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    2. Dann hoffe ich nur, dass mir jemand mitteilt, dass sie auf arte laufen - den Sender erwischen wir nur durch Zufall. Vor allem, weil wir ja so selten in unsere Fernsehzeitung gucken. *g*

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    3. nun ... es wird ja noch einige zeit dauern, aber wer weiß... ;)

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