Dienstag, 15. Mai 2012

Der Hund der Baskervilles ... x 2

In meinem Urlaub ist mir das Mängelexemplar "Freispruch für den Hund der Baskervilles - Hier irrte Sherlock Holmes" von Pierre Bayard unter die Augen gekommen. Aber bevor ich mit der Lektüre begann, wollte ich zunächst die Originalgeschichte noch einmal lesen. Also griff ich mir meine beiden Arthur Conan Doyle-Bücher, nur um dann festzustellen, dass "Der Hund der Baskervilles" nicht enthalten war. Die Lösung war das Herunterladen einer kostenfreien ebook-Version ;)

Und dann ging es erst einmal mit der Originalgeschichte los:

Ich gestehe, dass mich die Geschichte nicht sehr gefesselt hat. Die Beschreibungen der Landschaft soll sicherlich dazu dienen, die rechte Stimmung aufkommen zu lassen - ich fand sie ermüdend. Bin ich inzwischen zu sehr an eine andere Erzählgeschwindigkeit gewöhnt?

Was die Geschichte selbst angeht, eine verkürzte Einführung in den Beginn: Der Arzt Dr. Mortimer sucht bei Sherlock Holmes in London Rat, ob er dem Erben Henry Baskerville (den er abholen will) von dem Baskerville-Fluch erzählen soll. Denn dessen Onkel ist zwar ohne Gewalteinwirkung gestorben, offenbar war aber ein Hund in der Nähe und auch im Baskerville-Fluch spielt ein Hund eine wichtige Rolle.Soll er den Erben auf solch eine mögliche Gefahr hinweisen? Holmes stellt fest, dass Lord Baskerville jun. bereits in London verfolgt wird, er schickt daraufhin Dr. Watson mit Dr. Mortimer und Lord Baskerville auf dessen Landsitz und lässt sich von Watson berichten ... Weiter will ich hier nicht auf die Geschichte eingehen, schon um nicht zu spoilern. Wer aber seine Erinnerung zum Ablauf auffrischen möchte und das Buch nicht zur Hand hat, in der deutschen Wikipedia (klick) gibt es einen Abriss

Gleich im Anschluss habe ich mich dann mit Pierre Bayards Buch beschäftigt.


Der Autor, der sich in diesem Buch nicht das erste Mal mit diesem Thema beschäftigt (er hat sich u.a. auch mit Agatha Christies "Alibi" befasst), agiert hier als Kriminalkritiker. Pierre Bayard führt im vorliegenden Buch detaillierter aus, worum es der Kriminalkritik genau geht. Ganz grob gesagt - so verstehe ich es jedenfalls - liest der Kriminalkritiker das betreffende Werk nicht nur konzentriert und überlegt, sondern hinterfragt auch die Hinweise und Aussagen und schaut, ob diese nicht auf eine andere als die angebotene Lösung hindeuten. Er ermittelt quasi selbst.

Im "Freispruch für den Hund der Baskervilles" legt Pierre Bayard zunächst zusammengefasst die fragliche Geschichte noch einmal dar, um dann anhand von Beispielen z.B. auf die Widersprüchlichkeiten hinzuweisen. Er widmet, wie bereits gesagt, einige Kapitel des Buches den Aufgaben und dem Vorgehen der Kriminalkritik (zum Teil etwas trocken) - und widmet sich dann auch aus psychologischer Sicht dem Autor Arthur Conan Doyle. Zuletzt nimmt Pierre Bayard sich noch einmal die Geschichte vor und entlastet - für mich überzeugend - den im "Der Hund der Baskervilles" von Sherlock Holmes ermittelten Täter.

Die Originalgeschichte hatte ich mit misstrauischem Blick wiedergelesen, dachte ich jedenfalls (das fällt ja auch nicht schwer, wenn man gerade ein Buch gekauft hat, in dessen Titel "Hier irrte Sherlock Holmes" steht). Mir war zu Beginn noch durch den Kopf gegangen, dass auch eine langsame Vergiftung den Tod Lord Baskervilles verursacht haben könnte, doch die weitere Geschichte gab nichts in diese Richtung her und so folgte ich Sherlock Holmes Schlussfolgerungen. Die von Pierre Bayard aufgezeigten Hinweise habe ich bei Lektüre der Sherlock-Holmes-Geschichte überlesen und so hat der wirkliche Täter mich - und Sherlock Holmes - in die Irre geführt. Aber jetzt kenne ich die Wahrheit ;)

Kommentare:

  1. Klingt nach einem interessanten Erlebnis, aber ich glaube, ich behalte den unfehlbaren Sherlock Holmes lieber so in Erinnerung ... ;)

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  2. Das klingt nach einem spannenden Experiment – auch wenn ich glaube, dass man sich durch eine solche Betrachtungsweise zuverlässig die Freude an einem Krimi nehmen kann. Manchmal ist es wohl besser, nicht allzu genau hinzuschauen! :D

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  3. Nach Pierre Bayard bin ich ein kritikloser Krimileser - wobei ich das auf seine Definition von Kriminalkritik beziehe. Wie beim Hund der Baskervilles folge ich brav dem Autor bzw. den Schlussfolgerungen der Ermittler. Irgendwie ... also irgendwie glaube ich nicht, dass sich mein Leseverhalten bei Krimis verändern wird aufgrund Pierre Bayards "Verteidigung" ;). Sie ist recht Baskerville-/Holmes-spezifisch und ich habe die Geschichte ja sogar hm, kritischer gelesen "als sonst" ;). Vielleicht ist es recht hilfreich, dass ich noch immer recht wenig Krimis gelesen habe.

    Und ich möchte auch nicht zu viel wissen. Winterkatze erwähnte mal, dass sie aufgrund subtiler (oder nicht subtiler) Kameraeinstellungen etc. häufig den Täter in TV-Shows erkennen kann. Das ist auch etwas, was ich nicht können möchte ;)

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  4. Winterkatze erkennt aufgrund von Kameraeinstellungen den Täter? Du lieber Himmel! So langsam wird sie mir *wirklich* unheimlich! ;)

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  5. Ich bin NICHT unheimlich! Ich habe in meinem Leben nur einfach viel zu viele amerikanische Krimiserien geguckt.

    Was kann ich denn dafür, wenn die alle eine bestimmte Kameraführung haben, um Atmosphäre aufzubauen und dadurch dann immer schon den Täter verraten? *schmollt*

    P.S.: Bei deutschen Vorabendkrimiserien ist es übrigens das gleich. Da kann man dann aber auch noch einen Blick auf die Uhr werfen, um sicher zu gehen, dass das wirklich der Täter ist ... :D

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