Sonntag, 18. März 2012

"Chucks" von Cornelia Travnicek

Der gestrige Samstag lief ruhig an und so habe ich mich spontan zur Lektüre dieses Romans (Leihgabe) entschlossen.

Worum es geht und Nachlese:
Die Protagonisten Mae muss im Wiener Aids-Hilfehaus gemeinnützige Stunden abarbeiten. Wie es dazu kommt und wozu diese gemeinnützige Arbeit führt, dazu will ich eigentlich nicht mehr sagen. Es liegt an der Art und Weise, wie Cornelia Travnicek den Roman geschrieben hat. Sie macht eine Nachlese nicht gerade leicht, weil alles miteinander verbunden, die Erzählweise selbst jedoch sprunghaft ist.

Die Geschichte wird von Mae selbst erzählt und bewegt sich zeitlich vor und zurück. Sie umfasst Erlebnisse der kindlichen Mae, des pubertierenden Teenagers - der nur die von der Schulpflicht umfassten 9 Jahre lang die Schule besucht - und diejenigen des Twens. Nach meinem Dafürhalten ist Mae noch um die 20, wenn ihre Erzählung beginnt, aber ganz sicher bin ich mir nicht.

Durch das Springen zwischen Erinnerung und Gegenwart wird Maes Geschichte komprimiert, dabei ist die Sprache deutlich und die Gefühle der Protagonistin brodeln die ganze Zeit und brechen förmlich aus. Dem Leser wird durch diesen Erzählstil Raum gelassen, der vom Leser aufgefüllt werden kann und muss, da sonst Maes Leben und Entwicklung nicht greifbar wird.

Für mich ... Nun, Maes Zorn und Wut kam bei mir an und ich füllte die Zwischenräume auf, aber mir gelang es nur intellektuell, nicht emotional, was mit meinem eigenen Wesen und meinen vorhandenen oder nicht vorhandenen Erfahrungen zusammenhängen mag. Ich stand manchmal etwas ratlos neben Mae und fragte mich, weshalb sich dieser Zorn dort wieder zeigte oder die Unversöhnlichkeit. Vielleicht bin ich aber auch einfach inzwischen zu weit weg von diesem Alter ;).

Was mir beim Lesen irritierend auffiel, ist die durch die Erzaehlperspektive Maeve zugeschriebene Bildung, welche aus ihren reflektierenden Bemerkungen, die Einordnung einer Nasenforms ins klassisch-römische, ihre formulierten Gleichnisse (Leben und physikalische Teilchen, Unschärfe etc.) erkennbar wurde und die ich nicht recht mit Maeves Geschichte und ihrem Alter zusammenbringen konnte. Aus meiner Sicht wird hier Maes Stimme von der Stimme der Autorin überlagert. Im übrigen passten für mich Ton und Ausdruck zu Mae.

Ich fand den Roman "Chucks" - was es mit diesen Schuhen auf sich hat, ergibt sich natürlich auch aus dem Roman - inhaltlich reizvoll und intensiv und trotz der häufigen zeitlichen Sprünge in seiner eigenen Art strukturiert und auch flüssig lesbar. 

Kommentare:

  1. Ja Mae ist 20. Das kommt aus der Geschichte zwar nichzt hervor, wird aber im Umschlagtext (links) in der Inhaltsangabe genannt.

    Schöne Rezi, auch wenn mir die Geschichte scheinbar besser gefallen hat als dir.

    Liebe Grüße,
    Jimmy

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    1. Ah (Umschlagseite)! Aus dem von mir gelesenen ebook ergab sich das nicht ;) Danke für die Information, Jimmy!

      Cornelia Travniceks "Chucks" hallt auf jeden Fall nach, und zwar nicht aus "negativen" Gründen wie in Erinnerung bleibender langweiliger oder abstoßender Inhalt etc. Er fordert - und zudem auf eine besondere Art und Weise. Das gefällt mir.

      Viele Grüße zurück!

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