Sonntag, 15. Januar 2012

Projekt 52 Bücher: Woche 11 - beste und schlechteste Buchverfilmung


Wir sind in der 11. Woche von Fellmonsterchens Projekt und es geht um die beste und die schlechteste Buchverfilmung. Man sollte meinen, dass dieses Thema einfacher wäre als die Würfelaktion der letzten Woche. Ist es aber nicht wirklich ;)

Wie auch schon andere Teilnehmer angemerkt haben: Es kann eine gute Verfilmung eines schlechten Buches sein. Es kann ein gutes Werk schlecht verfilmt werden. Geht es um die Werktreue? Der Film mag den Geist des Werkes einfangen, aber bei der Werktreue mag es Abstriche geben - oder umgekehrt. Mal davon abgesehen, dass man manchmal den Film gesehen und neugierig auf das Buch geworden ist oder umgekehrt, was jeweils die Wahrnehmung (wegen der Erwartungshaltung) beeinflussen kann. Und was ein Buch- und Filmfan bzw. -kenner bemängelt, mag den "just-for-fun-reader" nicht stören, oder es verhält sich - um mich zu wiederholen - umgekehrt :D

Also erneut eine thematische Herausforderung-  und das ist auch gut so. :)

Ich glaube, eine meiner ersten Literaturverfilmungen, die ich mir gekauft habe (zunächst als VHS), war "Viel Lärm um nichts" von und mit Kenneth Branagh (klick). Und ich liebe diese Verfilmung mit ihrem Tempo, der Enerige, dem Witz und Drama der Charaktere und die dem Originalwerk von Shakespeare entnommenen Dialoge.

Und wo ich gerade bei Shakespeare bin. Für mich gehören auch die Adaptionen des Stückes "Hamlet" durch Kenneth Branagh (sehr opulent,klick) zum einen und durch die Royal Shakespeare Company mit David Tennant und Sir Patrick Stewart (düster, Umsetzung der Bühnenversion in offener realer Szenerie, klick) zum anderen zu gelungenen Umsetzungen dieses Dramas. Andere Versionen (Sir Laurence Olivier, Ethan Hawkes, Mel Gibson) kenne ich bislang nicht.

Die BBC-Filmemacher sind im Bereich Literaturverfilmungen sehr produktiv. Ich muss, ich kann wirklich nicht anders *g*, den BBC-Mehrteiler aus dem Jahr 1995 zum Roman "Stolz und Vorurteil" (klick) mit Jennifer Ehle und Colin Firth erwähnen, den ich sehr gelungen finde. Ich habe auch eine frühere BBC-Version dieses Romans aus dem Jahr 1979 hier bei mir stehen, die sehr werkgetreu ist - aber auch etwas steif und altbacken daherkommt und mich nicht so zu unterhalten weiß wie diejenige aus dem Jahr 1995.  Kaum werkgetreu, aber sehr unterhaltsam fand ich übrigens die 1940er Version mit Sir Laurence Olivier (klick), auch wenn diese ein hollywoodtypisches Design und Ende hatte (von der Tante in dieser Version will ich nicht einmal anfangen im Hinblick auf Werktreue*g*).



In diesem Zusammenhang - Stolz und Vorurteil - gibt es für mich auch eine Verfilmung, mit der ich weniger anfangen kann. Es handelt sich um die Filmumsetzung dieses Romans aus dem Jahre 2005 mit Keira Knightley (klick) (Umsetzung des Romans, Interpretation  der Figuren, besonders Darcys Melancholie - oder das nebelverhangene Ende).Für mich gehört diese Version nicht zu den besten,aber ich würde sie nicht als "richtig schlechte" oder gar "schlechteste" Buchverfilmung bezeichnen.


Ich denke bereits seit Tagen über "richtig schlechte" Buchverfilmungen nach, habe mit Freunden darüber gesprochen - und hatte weiterhin Schwierigkeiten, "etwas" zu finden (bis heute, dazu nachstehend mehr).  Vielleicht vergesse ich schlechtere Verfilmungen schneller. Und es gibt sicherlich sehr viele Verfilmungen, die ich nicht kenne bzw. nicht beurteilen kann: Vielleicht  kenne ich nur das Buch oder nur den Film, aber nicht beide Versionen. So kenne ich zum Beispiel nicht die Miss-Marple-Romane von Agatha Christie, sehe aber die Margaret-Rutherford-Filme sehr gerne, die höchstwahrscheinlich mit der literarischen Vorlage kaum etwas gemeinsam haben. Ein anderes Beispiel: Ich habe "Das Geisterhaus" gelesen, kenne aber nicht den Film, was z.B. auch für den Roman "Das Jesus-Video (gefiel mir!) gilt, dessen Verfilmung ich auch nicht gesehen habe. 

Eine weitere Variante ist: Die Film-Version enthält nur noch Teile oder deutlich mehr als die literarische Vorlage. Ein Beispiel ist "Gottes Werk und Teufels Beitrag", wobei der Autor John Irving an der Filmadaption mitgewirkt und die Reduktion, Konzentration und Adaption im Film seine Zustimmung fand. Oder der Film "Jurassic Park", der zwar auf "Dino-Park" von Michael Crichton basiert, ihn jedoch nicht "werkgetreu" umsetzt (der Roman ist viel wissenschaftlicher, aber auch hier wirkte der Autor am Drehbuch  mit). Oder "Carmen" - eine Kurzgeschichte von Prosper Merimee, die Ravel zu einer Oper inspirierte und auch Filmschaffende (teils inspiriert durch Ravels Interpretation): Was für eine Entwicklung!

Aber noch einmal zurück zum Thema schlechte Buchverfilmungen.

Zählen eigentlich auch Zeichentrickfilme? *geht gucken* Ah, das Fellmonster selbst hat eine Zeichentrickserie erwähnt :) Mir geht es hier um die Disney-Zeichentrick-Verfilmungen, z.B. von Christian Andersens "Die kleine Meerjungfrau". Was hätte der Autor wohl zu dieser Disney-Version seines Märchens gesagt?Wieviele Kinder (und Erwachsen?) sind wohl überrascht, wenn sie mal Andersens Märchen lesen? Was dieses Märchen angeht, bleibe ich lieber bei der bulgarisch-tschechischen Verfilmung aus dem Jahre 1976 (klick - man beachte die englischen Untertitel im Clip), die hier bei mir steht und bei der ich regelmäßig weinen muss.

Aber- ich habe noch eine Realverfilmung, denn gerade habe ich mir "Das Bildnis des Dorian Gray" - die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Oscar Wilde aus dem Jahr 2009 (klick) u.a. mit Colin Firth angesehen. Und dieser Adaption des Romans kann ich kaum etwas abgewinnen. Die Charaktere wirken auf mich - mit Ausnahme von Basil - weitgehend flach, sie reflektieren kaum. Werktreue kann, muss aber nicht Thema sein - wie vorstehend schon erwähnt -, aber der Film fängt für mich auch den "Geist" des Romans nicht ein. Auf mich wirkt diese Filmversion wie eine Art Gruselfilm mit den Maden im Porträt, Windrauschen, Nebelschwaden, röchelndem Atem, Mord, ein bisschen sexuelle Andeutungen und Opium ...  Aber "Das Bildnis des Dorian Gray" ist nicht einfach ein Schauerroman und der im Roman thematisierte Hedonismus bedeutet mehr als sexuelle Spielarten auszuprobieren. In dieser Verfilmung kehrt Dorian von seiner Weltreise zurück und ist "müde".Echt?! Was in den 18 Jahren passiert ist, darüber gibt es nur wenig im Film zu entdecken, ein paar angelesene Briefe...  Mal abgesehen davon, dass sich Wilde in seinem Roman natürlich noch einer Menge anderer Themen widmet, die im Film - wenn überhaupt - nur gestreift werden (Amoralität, Grenzüberschreitung, Verkrüppelung der Seele, generelle Dekadenz, Abbild und Realität, Narzissmus). Für mich ist das eine überflüssige Film-Adaption des Romans. Vielleicht ist dieser Roman auch kein 90- oder 100-Minuten-Filmmaterial, sondern seinem Inhalt mitsamt des ganzen Subtextes kann man nur in Form einer Miniserie/eines Mehrteilers Genüge tun.

Kommentare:

  1. An "Das Bildnis des Dorian Gray" hat man sich auch vergriffen? Ein weiteres gutes Buch verhunzt. :-(
    Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich mir nur wenige Filme angucke, es scheint doch recht viel Übles an mir unbemerkt vorbeizuziehen. Viele gute Sachen zwar wohl auch, aber irgendwas ist ja immer. ;-)
    Das einzige, was ich von Deiner sehr ausführlichen Aufzählung kenne, sind die Margaret-Rutherford-Filme, die mir sehr gut gefallen.

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    1. Auf diese Dorian-Gray-Verfilmung hätte ich auch verzichten können, selbst Colin Firth als Lord Hutton konnte mich nicht vom Hocker reißen. Manchmal ist Unwissenheit ein Segen ;)

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    2. Oh ja, "Viel Lärm um nichts" mit Kenneth Branagh und Emma Thompson war klasse! Den Dorian Gray werde ich mir dann wohl nicht anschauen, obwohl ich Colin Firth gerne sehe. Aber da stimme ich dir zu, das Buch ist zu vielschichtig für eine 90-Minuten-Verfilmung.

      Insgesamt eine sehr ausfürliche Auseinandersetzung mit dem Motto, toll.

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    3. Hallo und Willkommen Scrooge!
      Colin Firth war auch für das Argument, mir den Film zu besorgen ;)
      Bei Kenneth Branagh u. Emma Thompson fällt mir gerade ein, dass bei mir daheim auch "Peters Friends" steht und irgendwo auch noch eine Aufnahme von "Schatten der Vergangenheit" liegen müsste ... hm....

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  2. Oh, Hamlet mit David Tennant. Bist du auch zufällig ein Doctor Who Fan? ;-)
    Ich habe es immer noch nicht geschafft diese Verfilmung anzusehen, genauso wie Macbeth mit Patrick Stewart. Man kommt einfach zu nix. *seufz*

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    1. Oh ja, Doctor Who bin ich seit dem Reboot mit C.E. "verfallen" und habe ab diesem Zeitpunkt die Staffeln brav gekauft. Aktuell fehlen mir nur die Weihnachtsspecials mit dem 11. Doctor Matt Smith auf DVD (gesehen habe ich sie) :)

      Macbeth mit Patrick Stewart - stimmt. Allerdings habe ich davon auch noch nicht die DVD, ich hatte nur im vergangenen Jahr (meine ich) gelesen, dass das Stück mit ihm verfilmt und veröffentlich wurde bzw. ansteht.

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  3. Zu Margaret Rutherford sage ich lieber nix. ;) Aber danke, dass du mich an die kleine Meerjungfrau erinnert hast - ich mag die tschechische Verfilmung und trotzdem gehört sie nie zu denen, die mir in Erinnerung kommen, wenn ich mal über diese Märchenfilme rede. :)

    Insgesamt mache ich um Literaturverfilmungen lieber einen Bogen, da ich mir meine Fantasie nicht zerstören lassen mag. Einzig bei "In den Schuhen meiner Schwester" gefällt mir der Film besser als das Buch.

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    1. Ich konnte Margaret Rutherford einfach nicht außen vor lassen *kichert*. Aber ich räume ja auch ein, dass diese Verfilmungen mit den Büchern wohl nichts gemein haben :)

      Das stimmt *überrascht schaut*! Ich denke auch bei den Märchenverfilmungen spontan eher an andere Filme - Salzprinz, Drei Haselnüsse... Seltsam...

      "In den Schuhen meiner Schwester" kenne ich weder als Roman noch als Film. Aber geht es da nicht um ein Mädchen, das für ihre Schwester spenden ... soll/will/muss?

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    2. Das war ja klar, gerade nach unserem Austausch gestern. :D

      Die Meerjungfrau ist früher auch nicht so oft im Fernsehen gezeigt worden oder zumindest habe ich das so in Erinnerung. Das Aschenbrödel ist ja - gerade zu Weihnachten - überpräsent und auch einige andere Filme werden regelmäßig wiederholt, aber die Geschichte habe ich schon lange nicht mehr im Fernsehen gefunden ...

      Ne, da hast du den falschen Film im Kopf. "In den Schuhen meiner Schwester" ist mit Toni Colette und Cameron Diaz verfilmt worden und handelt von zwei Schwestern, die sehr gegensätzlich sind. Während die eine (Toni Colette) eine erfolgreiche Anwältin ist, die ihre Einsamkeit und ihren Frust mit dem Kauf teurer Schuhe und dem Lesen von Liebesromanen bekämpft, ist die andere eine leichtlebige junge Frau, die keinen Job behalten kann und immer wieder bei den Eltern Unterschlupf sucht, bis sie schließlich von der Stiefmutter vor die Tür gesetzt wird und sich daraufhin bei der großen Schwester einquartiert.

      Kurz darauf kommt es zu einem großen Streit, der bei beiden Schwestern letztendlich entscheidende Veränderungen auslöst (mehr mag ich nicht verraten, ich war beim Kinobesuch schon verärgert, weil durch die Besetzungsliste eine entscheidende Entwicklung in der Handlung verraten wurde ;D). Und diese Veränderungen werden im Film durch sehr kleine feine Szenen gezeigt, während ich bei dem Roman das Gefühl hatte, dass die Autorin mehr beschreibt und erklärt als nötig gewesen wäre.

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    3. Ah... ja, jetzt wo Du es sagst - Shirley MacLaine spielt da (glaube ich) auch mit. Aber ich kenne dennoch weder Film noch Buch :)

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    4. Wenn du mal Bedarf nach einem netten "Frauenfilm" mit einer kleinen Portion Kitsch und amüsanten Szenen hast, dann solltest du zugreifen. ;)

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  4. Klassiker wie Shakespeare sind ja auch leicht zu verfilmen: Da sind die Dialoge UND die Regieanweisungen schon komplett geschrieben ;-) Deshalb funktioniert das auch ...

    Das Bildnis des Dorian Gray ist nicht verfilmbar. Punkt. Wie anmaßend, es zu versuchen!

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    1. Ja, Shakespeare hat sehr schön vorgearbeitet :D

      Was Dorian Gray angeht, war ich total überrascht, wie häufig eine Adaption erfolgt ist (versucht wurde), sowohl im Theater als auch im Kino. Tante Wiki ist da recht informativ http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Bildnis_des_Dorian_Gray

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  5. Ich kenne da so einige sehr schlechte Romanverfilmungen - ein Beispiel das mir spontan einfällt ist "Timeline" (Michael Crichton). Das Buch gefiel mir ganz gut, aber den Film fand ich furchtbar.

    Ich wusste gar nicht, dass "In den Schuhen meiner Schwester" eine Romanvorlage hat. Der Film selber hat mir gut gefallen, ist aber kein Film, den ich mehrmals anschauen könnte.

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    1. Oh ja, stimmt, "Timeline" habe ich auch mal aus der Videothek ausgeliehen und uahhh...!

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  6. @Winterkatze und Pashieno
    Wenn "In den Schuhen meiner Schwester" mal wieder im TV läuft, werde ich versuchen an Euren Tipp zu denken :)

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  7. Any film with colin firth any time!

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    1. That's what I thought too, but this one, Eli... I can live without this particularly "Dorian"-Film *sigh*

      But I can no longer live without "Pride & Prejudice" with Jennifer Ehle and Colin Firth :)

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