Sonntag, 1. Januar 2012

Projekt 52 Bücher: Woche 09 - Das aus emotionalen Gründen abgebrochene Buch

Das Thema von Fellmonsterchens Projekt 52 Bücher lautet vollständig: "Bücher, deren (an sich sehr lesenswerter) Inhalt Euch so mitgenommen hat, das ihr aus emotionalen Gründen nicht weiterlesen konntet. (Das abgebrochene Buch.)".

Als ich Waggy das Thema vorgelesen habe, erklärte er mir, er würde diese Themenwoche aussetzen. Er hätte so ein Buch noch nicht gehabt - er liest ja auch noch nicht so lange ;) - . Und er würde keinen Grund sehen, extra ein Buch für dieses Thema anzutesten. Wo er recht hat ...!).

Ich habe dagegen einige Zeit über das Thema nachgedacht. Es ist nicht so, dass ich keine Bücher abbreche. Das passiert. Manchmal ist es ein radikaler Abbruch, indem ich das Buch zuklappe und weglege. Manchmal ist es ein ... Scannen oder Querlesen des restlichen Inhaltes, was ja irgendwo auch ein Abbruch ist. Schließlich nehme ich den Inhalt des Buches nicht mehr vollständig wahr und auf.

So habe ich z.B. "Die Marsfrau" von Alexander Kröger (klick) - ein Buch, dass ich als Jugendliche verschlungen hatte - abgebrochen, weil ich bereits auf den ersten Seiten von der Sprache und der Ideologie genervt war. Ich habe das Buch noch und vielleicht werde ich es irgendwann wenigstens noch einmal querlesen.

"Das Haus" von Lou Andreas-Salome (klick) wurde von mir z.B.nur quergelesen, weil mich der Sprachstil bereits kurz nach Beginn des Buches nervte, ich aber - da ich das Buch nicht kannte - wenigstens wissen wollte, wie es weitergeht.

Aber: Ich erinnere mich nicht daran, ein Buch abgebrochen zu haben, weil ich aus emotionalen Gründen nicht weiterlesen konnte (genervt sein dürfte als emotionale Rekation hier kaum gemeint sein). Im Kommentar bei Roland (klick) habe ich es bereits angedeutet:

Ich ertappe mich dabei, nach entsprechender Vorwarnung Bücher (bewusst und irgendwann wohl nur noch unbewusst) zu meiden, die potentiell solchen Inhalt haben. Zum Beispiel: Eine Freundin, die Murakamis "Kafka am Strand" gelesen hat, meinte zu mir, dass man das Buch als Katzenliebhaberin vielleicht besser nicht lesen sollte. Obwohl ich Romane bzw. Erzählungen von Murakami gelesen habe und auch an weiteren Sachen von ihm interessiert bin, habe ich "Kafka am Strand" gedanklich erst mal ad acta gelegt.

Lese ich dagegen "ohne Vorwarnung" ein Buch, in dem grauenvoll realistische Szenen enthalten sind

- ich denke da z.B. an
*Stephen Kings "Das Bild Rose Madder" (klick), in der die Protagonistin misshandelt wird
*Dieter Nolls "Die Abenteuer des Werner Holt" (klick), in dem die Erlebnisse von Werner Holt und seiner Kameraden als sehr junge Soldaten im 2. Weltkrieg geschildert werden (es war damals übrigens Pflichtlektüre in der ehemaligen DDR)
*eine Szene (ich erinnere das Buch oder Kurzgeschichte gerade nicht, meine aber, es wäre auch Stephen King gewesen), in welcher einem zutraulichen Hund etwas Furchtbares durch einen dem Hund vertrauten Jungen zugefügt wird, was ich hier zur Vermeidung von Nachahmung nicht näher ausführen will... -,

dann führten allein solche Szenen - jedenfalls bislang - nicht dazu, dass ich das Buch radikal abbrach. Ich schlucke, weine, rede/schreibe darüber, pausiere ... und beende das Buch, wenn es lesenswert ist.

Ansehen kann ich mir solche Dinge übrigens nicht bzw. nicht gut. Ich habe "Friedhof der Kuscheltiere" abgeschaltet, sobald das Kind beerdigt wurde, weil ich durch den Roman wusste, was kommt. Ich halte überhaupt nichts von Verfilmungen wie "Saw". Dieser Art Visualisierung finde ich unerträglich ...

Kommentare:

  1. Ich habe beim Lesen deines Beitrags (und des von dir verlinkten Beitrags) mal darüber nachgedacht, ob es Bücher gibt, die ich aus emotionalen Gründen abbrechen würde.

    Mein Fazit dabei ist, dass es Bücher wären, die Themen ansprechen, die mich persönlich betreffen, und nicht welche mit Szenen, die detailliert Dinge beschrieben, gegen die sich mein moralisches oder sonstiges Empfinden sträubt.

    Solche Darstellungen in Büchern machen mich eher wütend, weil da der Autor in meinen Augen einen Ekelfaktor einbringt, der nichts mehr mit der Geschichte an sich zu tun hat. Viele dramatische und schreckliche Ereignisse kann ein guter Autor eindringlich schildern, ohne "Fragen" offen zu lassen, ohne dabei so sehr in Details zu gehen, dass man die Szene nicht mehr als Ganzes oder Teil der Gesamthandlung wahrnimmt, weil man so mit den abstoßenden Elementen beschäftigt ist.

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  2. Ja, das beschreibt so ziemlich genau meine Einstellung.
    Es gibt da in "Der Drachenbeinthron", eine großartige Fantasyreihe, eine schlimme Szene mit einem kleinen Hündchen. Daran hatte ich wirklich zu knabbern, es war aber nur ein ganz kleiner Teil des Romans, um zu zeigen, wie brutal einer der Protagonisten ist. Hätte ich das vorher gewusst, weiß ich nicht, ob ich das Buch gelesen hätte, aber dann hätte ich eine großartige Fantasyreihe verpasst. Nichtsdestotrotz muss ich immer noch manchmal an diese Stelle denken, und sie macht mich traurig. Ja, ich weiß, dass es "nur eine Geschichte" ist, aber das Furchtbare ist ja, dass man genau weiß, dass es solche oder ähnliche Taten mehr als genug in der realen Welt gibt. Ich sehe ein, dass es teilweise solche Beschreibungen in Romanen geben muss, aber es sollte nicht überhand nehmen. Deshalb mache ich auch meistens einen großen Bogen um Horrorliteratur, wo das Grauen ja oft genug Selbstzweck ist oder zumindest einen großen Raum einnimmt.
    (Aber immerhin habe ich "Dracula" gelesen, und das fand ich gar nicht sooo schlimm wie befürchtet. Das Buch wurde mir übrigens geschenkt. :-))

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  3. @Winterkatze
    Ja - Ekelszenen um des Ekels wegen brauche ich auch nicht. Mir geht gerade der Begriff "Splatterbuch" durch den Kopf.

    @Winterkatze und Fellmonster
    "es war aber nur ein ganz kleiner Teil des Romans, um zu zeigen, wie brutal einer der Protagonisten ist"
    Das bringt es sehr gut auf den Punkt. Es mag auch sein, dass Bukowski genau das anstrebt in dem von Ralf vorgestellten Buch, aber ich habe keine Lust, das herauszufinden, gestehe ich.

    Um Horrorliteratur selbst mache ich nicht bewusst einen Bogen. Ich lese z.B. Stephen King, der verschiedene Arten des Horrors in seinen Romanen darstellt: vom übernatürlichen bis hin zum schmerzhaft nah in der Realität verwurzelten. Manchmal sind mir die Vorstellungen von Thrillerautoren da noch unangenehmer, die ja teilweise auch Abnormitäten und Perversionen ausloten... Da ertrage ich den fiktiven Horror noch eher.

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  4. Als "Splatterbuch" wurde ich sowas gar nicht mal bezeichnen, mir kommen solche Szenen oft in Krimis oder Thriller vor, und erzeugen bei mir dann das Gefühl, dass der Autor einfach noch etwas draufsetzen wollte - im Vergleich zur Konkurrenz oder zum eigenen Vorgängerband, um im Gespräch zu bleiben. Solche Autoren verlieren mich dann auch ganz schnell.

    Überraschenderweise vertrage ich "realen" Horror deutliche besser als "fiktiven" Horror. Es fällt mir einfach schwerer mir vorzustellen, dass mich ein Serienkiller im Visier hat, als dass etwas unheimliches im Keller lauert. ;)

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  5. Ah, liebe Winterkatze, da hatte ich Dich im ersten Kommentar etwas missverstanden. Ich dachte Du meintest Romane, wo der Autor im Grunde gewalttätige Szenen um des profitablen (hm, wirklich?) Schockeffektes aneinanderreiht, also sozusagen schriftliche Pendants zu Splatterfilmen. Hm... MIr fällt allerdings aktuell kein romanhaftes Beispiel ein, was ich auch nicht schlimm finde ;)

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  6. So unterschiedlich ist das: Ansehen kann ich mir viel mehr, als realistische Grausamkeiten lesen. Seltsam, oder?

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  7. @DarkJohann
    Beim Lesen spielt zwar meine Imagination auch mit, vielleicht filtert sie aber zugleich, wenn es um Tatsachenberichte in schriftlicher Form geht, so dass ich sie ... von einem entfernten Punkt lesen und sehen kann. Bei visueller Tatsachenberichterstattung kann ich das nicht, bei manchen Filmen gelingt es mir gar nicht, bei anderen ganz- oder teilweise. So verschieden sind wir ...

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