Dienstag, 29. November 2011

Buch-Umzug mit Umwegen :)

Schon seit vier Tagen wollte ich erzählen, dass ich Glück hatte. Die Bibliophilin hatte nämlich auf ihrem Blog Bücher eingestellt, die sie wegen Umzuges gegen Umzugsspende abgeben wollte. Und ich habe nicht nur vier Bücher meiner Wunschliste dort entdeckt, sondern war auch schnell genug, um sie zu bekommen. Die liebe Bibliophilin hat die Bücher auch nach Umzugsspende liebevoll verpackt, damit den Bücher auf deren Umzug kein Leid geschieht, und losgeschickt.

Und ich wunderte mich, wo sie blieben. Hatten sie zwischendurch eine Rast eingelegt oder - schlimmer noch - waren auf dem Weg zu mir falsch abgebogen? Das waren sie übrigens wirklich, weil ich Dummerchen eine falsche Hausnummer angegeben hatte. Hermes hatte bereits drei Zustellungsversuche (an die falschen Adresse), beginnend am 21.11.2011, absolviert, bevor ich meinen Fehler bemerkte. Ich schimpfe ja auch so manches Mal über den geflügelten Boten, aber dieses Mal will ich ihn loben: Ich habe am Mittwoch, 23.11.2011, die Servicestelle angerufen und dort erfahren, dass das Paket eigentlich auf den Weg zurück zum Absender sei, aber man versuche es umzuleiten. Und am Donnerstag, 24.11.2011, war es da :)

Und bevor ich es vergesse ;): Hier sind die vier umgezogenen Bücher, die in einem hervorragenden Zustand eingetroffen sind:

Sonntag, 27. November 2011

I'm in english-Challenge: "Pride & Prejudice byJane Austen, adapted by Nancy Butler & Hugo Petrus to a Graphic Novel (Marvel)"

Erst einmal ganz herzlichen Dank an die Winterkatze, die so lieb war, mir diese "Pride and Prejudice" Version auszuleihen!

So schaut sie aus:

Worum es geht und Nachlese:
Ich habe den Roman "Pride and Prejudice" in diesem Jahr bereits für diese English-Challenge gelesen (klick). Und vorher (nicht zum ersten Mal) auf deutsch (klick) . In welcher Version auch immer die Geschichte präsentiert wird, es geht um zwei Menschen, die sich als charakterlich gefestigt ansehen, und u.a. voneinander lernen, dass sie halt nicht ihrem eigenen Ideal entsprechen. Um mich selbst zu zitieren: Elizabeth und Darcy müssen jeweils einen Erkenntnisprozess durchlaufen, um den anderen nicht nur wertzuschätzen, sondern ihn bzw. sie zu verstehen und sich selbst zu ändern. Dabei geht es nicht nur um das eigene Glück, sondern auch das Leben der Familie und Freunde ist - unterschiedlich stark - betroffen. Es ist ein dramatischer, satirischer, witziger , ernster, gesellschaftporträtierender Liebesroman.

Die Geschichte hat inzwischen so viele Menschen inspiriert, ob Filmeschaffende, Schriftsteller, Zeichner. Mit manchen Adaptionen kann ich nicht leben (z.B. mit dem Zombie-Mix, ich habe reingelesen und danke nein), mit anderen kann ich leben. Zu letzteren zähle ich auch diese Graphic Novel Umsetung von Marvel. Nancy Butler ist für die textliche Anpassung verantwortlich, Hugo Petrus hat die Illustrationen geliefert. Wie gesagt, ich kann mir ihr leben, sie ist sicherlich mit Liebe gemacht - aber sie überzeugt mich nicht.

Wie es Nancy Butler in ihrem Vorwort sagt, beinhalten Graphic Novels und Comic Kunst in Form von Illustration und Prosa.

Die Prosa von Jane Austen wurde von Nancy Butler angepasst, der Roman wurde gestrafft, etliche Elemente sind entfallen (Mrs u. Mr. Hurst z.B.), dabei hätte ich einige davon gern in dieser Umsetzung gesehen. So fehlt mir z.B. die Szene zwischen Charlotte und Elizabeth, in der die beiden ihre unterschiedlichen Ansichten zur Ehe darlegen. Für mich ist das in Austens "Pride und Prejudice" eine interessante Szene, in der es um Möglichkeiten nicht so gut situierter Frauen geht. Weggelassen wurde z.B. auch die Gasthof-Empfangsszene mit Lydia, Kitty, Jane und Lizzy - kein Einspruch von mir an dieser Stelle.

Je mehr ich in dieser Graphic Novel las, desto mehr wurde mir klar, dass mich diese Umsetzung nicht überzeugt, und zwar wegen der Textbearbeitung. Die vorgenommenen Kürzungen und Anpassungen führten letztlich dazu, dass die Buch-Charaktere für meine Augen nur teilweise überlebten. Ja, Mr. Bennet wirkt in der Graphic Novel humorvoll, aber ohne die Vorgeschichte zur Heirat und der von ihm praktizierten Wirtschaft fehlen Teile seiner unverantwortlichen Charakterzüge. Für mich wird das auch durch sein Abwiegeln von Elizabeths Bitte Lydia betreffend nicht aufgehoben, zumal die vorher stattfindende Sorglosigkeit im Umgang der jüngeren Töchter mit dem Militär und Mrs. Bennets Verhalten kaum dargstellt sind und so die Dringlichkeit von Lizzys Bitte für mich untergeht. Um es mal anders zu formulieren: Warum regt sich Lizzy so auf, mag sich der Graphic-Novel-Leser denken? Denn was Lydia und Kitty die ganze Zeit übermütig treiben und den Grund für Lizzys Bedenken bildet, wird gar nicht erzählt.

Auch Mrs. Bennet wirkt auf mich hier einfach nur überspannt. Sie ist vielleicht nicht die intelligenteste Frau und macht eindeutig Fehler in der Erziehung ihrer jüngeren Töchter, aber im Buch wird deutlich, dass sie sich - mehr als ihr Mann - darum sorgt und kümmert, ob und wie ihre Töcher später versorgt sind. Sie mag dabei über das Ziel regelmäßig hinausschießen, aber in diesem Bereich ist sie dennoch clever und zielgerichtet. Und vergessen wir nicht, sie hat auch Jane und Elizabeth erzogen.

Oder die Eheleute Collins: Zwar gibt es einen Hinweis zu ihrer Beziehung in einem Nebensatz, wenn Charlotte erklärt, sie halte ihren Mann zur Gartenarbeit an. Aber man versteht diesen oder andere Hinweise nur, wenn man den Roman kennt. Für einen reinen Graphic Novel Leser ist diese Information im Grunde völlig überflüssig, da weder Charlottes Ansichten noch ihre Ansprüche an das Eheleben thematisiert werden, noch das Verhalten Mr. Collins daheim. Er mutiert, wie Charlotte, zu einer Figur am Rande, und zwar obwohl ihm angesichts der Erbesgeschichte etwas mehr Platz eingeräumt wurde. Das finde ich schade.

Mr. Collins Haus ... das habe ich einen Satz gelesen, der mir zwar vertraut war, aber für mich kam er in der Graphic Novel aus dem Nichts. Elizabeth ist gerade angekommen, war also noch nicht auf Rosings, da fährt der Wagen mit Miss de Bourgh vor. Lizzy schaut aus dem Fenster und sagt zu sich sinngemäß: Sie sieht kränklich aus, sie wird gut zu "ihm" passen. Ich habe die vorhergehenden Seiten noch einmal durchgeblättert und lasse mich gerne etwas Besseres belehren, aber: Wenn man den Roman nicht gelesen hat, woher soll man wissen, wer mit "ihm" gemeint ist oder wann erfährt Lizzy in der Graphic Novel, dass "er" Miss de Bourgh heiraten soll?

Was die Illustration von Hugo Petrus angeht: Natürlch ist die Wahrnehmung subjektiv. Mr. Collins erinnerte mich z.B. teilweise an Anthony Perkins in dem Film "Psycho". Im Großen und Ganzen finde ich aber die Zeichnungen okay, wenn man sich daran gewöhnt hat. Die "Streitszenen" - ob nun der seltsame Heiratsantrag im Hause der Eheleute Collins oder der Besuch von Catherin de Bourgh bei den Bennets - finde ich sogar sehr gelungen in der Aufteilung und der Dynamik, ebenso die Szene, in der Elizabeth während der Landpartie mit ihrer Tante und ihrem Onkel Janes Brief erhält. Etwas unglücklich war ich dagegen mit der Darstellung des Heiratsantrages von Mr. Collins. Zwar gefiel mir die Anordnung, aber ich denke wirklich, dass Elizabeth mehr Contenance gehabt hätte, als es besonders die letzten Porträtaufnahmen von ihr zeigen. Hier übertreibt der Zeichner für mich zu sehr die Fassungslosigkeit. Aber wie gesagt, die Wahrnehmung ist hier halt subjektiv.

Noch eine Anmerkung zu der Aufmachung: Auch wenn es unentschlossen klingt: Zwar finde ich das Cover von der Grundidee witzig ("How to cure your Boy-Crazy Sisters!" oder "17 Secrets about Summer Dresses" oder "Lizy on Love, Loss and Living") -  aber dennoch unpassend. Ich musste beim Betrachten und Lesen der Schlagzeilen an Klatschzeitungen denken. Und außerdem - die angekündigten Dinge findet man nicht alle "im Heft". Wenn man sich für diese Gestaltung entscheidet, sollten Schlagzeilen und Inhalte auch passen.

Wie im Text bereits gesagt: Ich kann mit dieser Umsetzung zwar leben, aber sie überzeugt mich nicht. Ich denke, man hätte den Charakteren auch in der Graphic Novel mehr Raum und Zeit lassen müssen, damit der Leser nicht nur eine Happy-End-Liebesgeschichte mit einem kleinen Drama-Touch kennenlernt, sondern auch mehr über die Motivation und die Beziehungen der Figuren erfährt.
Edit 28.11.2011: Denn die Intention dieser Graphic Novel soll nach dem Vorwort halt auch sein, Menschen, die die Geschichte (warum auch immer) nicht lesen wollen, Austens Roman nahe zu bringen. Für meine Begriffe geht dann aber zu viel in diesem Graphic Novel verloren. Und ja - es besteht die Möglichkeit, dass der Leser dieser Graphic Novel danach ganz neugierig auf den Roman ist und ihn liest. Ich bin da aber eher pessimistisch eingestellt und befürchte, dass eher die Romankenner mal schauen, wie die Graphic Novel so ist und nicht umgekehrt. Bitte belehrt mich eines Besseren! ;)

"Die Rückkehr der Eskatay " (Bd 1 der Morland Trilogie) von Peter Schwindt

Okay, schon wieder ein Büchereibuch und schon wieder von Peter Schwindt :) Endlich war nämlich die von Winterkatze erwähnte Morland-Trilogie von Peter Schwindt in der Bibliothek komplett da und ich habe zugegriffen. Und "Die Rückkehr der Eskatay" ist der erste Band.

Worum es geht und Nachlese:
Morland ist ein Land im Norden unter der Führung eines Präsidenten Begarell, dessen zweite und letzte Amtszeit sich dem Ende nähert. Die Situation in Morland ist schon seit längerer Zeit nicht stabil. Nicht findet man kopflose Leichen, auch Attentate werden verübt. Die Arbeiter sind unterversorgt, die Rohstoffe werden knapp, man hungert und kämpft um das Überleben. Eine Untergrundorganisation, die "Armee der Morgenröte" ruft zum Streik auf. Diesem Aufruf folgen auch Kinder und Jugendliche des Waisenhauses Nr. 9, unter ihnen die intelligente Tess. In ihrem Bestreben, den zugreifenden brutalen Wächtern zu entkommen, entwickelt Tess ungeahnte körperliche Kräfte und entkommt in die Straßen der Hauptstadt Lorick. Dorthin ist auch ein Wanderzirkus unterwegs. Die Situation für das wandernde Volk ist nicht gut. Man begegnet ihnen mit Vorurteilen, will ihnen Stellplatzgenehmigungen nicht gewähren und beleidigt sie. Der Jugendliche Hakon, der  kleine Zaubertrick präsentiert, verliert in einer Vorstellung die Kontrolle, als ihn ein Zuschauer des Betruges verdächtigt - und wehrt sich, indem er unwillkürlich die Geheimnisse seines Gegenübers ausplaudert - was das Interesse der Geheimpolizei weckt. Diese, dh der Innenminister, interessiert sich auch für den einflussreichen Richer Urban: Der Innenminister versucht, den Richter zur Zustimmung einer Verfassungsänderung zu bewegen, damit der Präsident Begarell weiter im Amt bleiben kann. Urban macht keinen Hehl daraus, wie er diese Sache sieht und muss die Konsequenzen tragen. Dies wird von seinem Sohn York beobachtet, der ebenfalls eine besondere Kraft an sich wahrnimmt. Sind die drei Eskatay, Abkömmlinge jener magisch begabten Rasse, die ihre Macht missbrauchten und die die Bewohner Morlands vor Jahrhunderten in einem langen Krieg besiegt haben?

Der Einstieg in Morlands Welt ist interessant, wenngleich nicht so "leichtgängig" wie in die Libri-Mortis-Reihe, wo es familiär überschauber ist und man sich im realen Paris bewegt. In dem ersten Buch der Morland-Trilogie führt Peter Schwindt dagegen nicht nur drei jugendliche Hauptfiguren ein, sondern muss auch deren Entwicklung darstellen und Kontakt-/Verbindungspersonen der diversen Handlungsstränge schaffen. Er schildert die polizeilichen Feststellungen zu den Todesfällen und etabliert zudem die aktuelle Situation Morlands sowie dessen Geschichte bzw. Legenden (Escatay). Für ein nicht ganz 400 seitiges Jugendbuch in nicht gerade Kleinschrift und normalem Hardcover-Layout sind das viele Informationen, die der Leser aufnehmen muss. Die Präsentation allerdings gelingt dem Autor gut: So erhält man z.B. weitere Informtionen über den Staat und vorhandene Erfindungen durch den Test, den York schreiben muss oder die in der Stadt vorhandenen Verkehrsmittel. Die wirtschaftliche Situation wird ziemlich direkt durch Tess Zeit im Waisenhaus oder nach ihrer Flucht deutlich. Peter Schwindt bringt sozusagen "in der action" Vieles an den Leser. Ich wage aber die vorlaute Vermutung, dass so manchem 13jährigen Leser (ab diesem Alter wird der Roman "empfohlen") von der relativ komplexen Erzählstruktur überfordert ist - vielleicht tue ich den 13jährigen aber auch Unrecht. Ich lasse mich insoweit gern belehren :)

(Nur mal am Rande: Auf der diesjährigen Frankfurter Messe war ja Island Gastland. Dabei habe ich u.a. erfahren, dass die Nachnamensndung -dottir Hinweis auf die Tochterstellung gibt. Jonasdottir würde also bedeuten Tochter von Jonas. Jonasson würde übrigens bedeuten Sohn von Jonas. Beim Lesen des ersten Bandes der Morlandreihe bin ich auf diese Namensendungen gestoßen. Noch im September wären mir diese diese Namensendungen gar nicht aufgefallen. ;) )

Peter Schwindts Morland hat viel Vertrautes, wie z.B. Kinderarbeit und industrielle Revolution, was an unser 18./19. Jahrhundert denken lässt. Aber es gibt auch Einflüsse jüngerer Geschichte: ein Präsident und eine Regierung, die bei Amtsantritt die Situation der Arbeiter verbesserte, Mindestlöhne und Urlaubsansprüche einführt, Monopole zerschlägt - und die sich nach und nach zu einer Diktatur entwickelt, eine Geheimpolizei mit Spitzeln an verschiedenen Stellen hat und versucht, Staatsbedienstete (und andere) durch mehr oder weniger offene Bestechung/Beförderung, Erpressung oder Bedrohungen zu lenken und so zu überdauern. Oder die Mittelschicht, die immer mehr verschwindet, während die Schere zwischen arm und reich immer größer wird, das Leben auf der Straße, die Art, wie man Geld verdient, die Existenz von - ja - Sozialkaufhäusern. Der Autor mag in diesem fantastischen Jugendroman zwar ein Hilfsmittel nutzen, um die gesellschaftliche und politische Situation zu potenzieren (was es für 12-/13-/14jährige plausibler machen mag), aber die in diesem Band folgenden Entwicklungen (Machthunger, Güterverteilung, Kontrolle) wirken organisch. Und dann gibt es natürlich noch die fantastischen Abenteuergeschichte der drei erkennbar miteinander verbundenen Jugendlichen.

"Die Rückkehr der Eskatay" hat mir erneut gezeigt, wie kreativ, facettenreich und fesselnd Peter Schwindt schreibt. Ich bin schon neugierig, wie die Geschichte in Band 2 weitergeht. Denn einen Abschluss - auch einen Teilabschluss - enthält Band 1 (wohl ganz bewusst) nicht ;)

Freitag, 25. November 2011

Projekt 52 Bücher: Woche 04 - Der schönste Satz

So eine Woche geht doch wahnsinnig schnell vorbei. Jetzt haben wir in Fellmonsterchens Projekt schon das vierte Thema, wow.

Da Poe derzeit viel zu tun hat, wollte er dieses Mal nur (mich) unterstützend dabei sein - und zwar mit einem Foto :).


Nun und ich ....  ich tue mich schwer mit der Vorgabe "Der schönste Satz". Ähnlich geht es mir übrigens auch bei Fragen nach dem Lieblingsbuch. Zwar gibt es Bücher, zu denen ich immer wieder zurückkomme, aber auch dort findet über die Jahre ein Wechsel statt. Und dann soll ich mich für einen schönsten Satz entscheiden? Und aus welchem Buch?

Immer wieder stolpert man als Leser über einen Satz voller Schönheit, vielleicht weil er schlicht und klar eine allumfassende Wahrheit ausdrückt oder traumhafte Bilder durch perfekte Wortwahl heraufbeschwört. Der Satz mag unvermutet in einem durchschnittlichen Text auftauchen und dort um so heller strahlen. Oder vielleicht reihen sich solch schöne Sätze aneinander wie Perlen auf einer Kette. Und: Ist "der schönste" oder "ein schöner" Satz nicht auch von dem Text um ihn herum abhängig - und von dem Leser. Dabei meine ich nicht nur den subjektiven Schönheitsbegriff, sondern auch die Stimmungslage. Was ich heute als kitschige Beschreibung einer Szene empfinde ist morgen vielleicht wunderschön romantisch.

Was mache ich also mit dem dieswöchigen Projektthema?

Ich entscheide mich dafür, Euch 10 Beispielsätze zu präsentieren, die ich schön in dem Sinne finde, dass sie mir Appetit auf das ihnen Nachfolgende mach(t)en: 

1) "Da stehe ich nun wieder vor dem kleinen Bild mit dem schlichten Rahmen."


2) "It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife."


3) "Ich wollte mich allein auf den Weg machen, und so ließ mich mein Vater heute morgen ohne Begleitung von Kobe in das Strandhaus meines Großvaters nach Tarumi fahren."


4) "Üppiger Rosenduft erfüllte das Atelier, und wenn im Garten der linde Sommerwind durch die Bäume strich, wehte das reiche Arom des Flieders oder der zartere Hauch des rosablütigen Hagedorns durch dei offene Tür herein."


5) "Ich hatte so viel gelitten, ich war ein finsterer und trauriger Mensch geworden."


6) "Was ich zu berichten beabsichtige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert im Hause meiner Urgroßmutter, der alten Frau Senator Feddersen, kund geworden, während ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebundenen Zeitschriftenheftes beschäftigte; ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, ob von den 'Leipzigern' oder von 'Pappes Hamburger Lesefrüchten'."


7) "Garps Mutter, Jenny Fields, wurde 1942 in Boston festgenommen, weil sie einen Mann in einem Kino verletzt hatte."


8) "Des glücklichen Englands lieblicher Bezirk, durch den der Fluß Don seine Wasser führt, trug in alten Zeiten mächtigen Wald, der mehr als die Hälfte der anmutigen Täler und Hügel zwischen Sheffield und dem freundlichen Städtchen Doncaster bedeckte."


9) "Der erste Nachkriegsfrühling war am oberen Don mit Macht und Ungestüm eingebrochen."


10) "(Name) begann sich recht zu langweilen, wie sie neben ihrer Schwester am Ufer saß und nichts zu tun hatte: ein-, zweimal hatte sie in das Buch gespäht, das ihre Schwester las, aber es waren keine Bilder oder Unterhaltungen darin, 'und wozu', dachte (Name), 'ist ein Bch ohne Bilder oder Unterhaltungen nütze?'"

Der erste Satz eines Werkes ... sicher eine Herausforderung!

Und, erkennt Ihr einige Bücher und Autoren? Quellenangabe folgt ...

Donnerstag, 24. November 2011

Projekt 52-2011: Taschenlampenkunst

Da habe ich überlegt und überlegt, wo ich eine Taschenlampe herbekomme und wie ich damit Kunst kreieren könnte - und dann entdecke ich, dass mein Kugelschreiber sich als kunstvolle Taschenlampe entpuppt.

Die etwas andere Taschenlampenkunst! :)



für Saris Projekt 52-2011

Mittwoch, 23. November 2011

via J.M. Fonollosa: Miau-Comic (Nr. 207) :)

Was soll ich sagen: Die Miau-Geschichten des Comic-Autors und -Zeichners José Miguel Fonollosa finde ich einfach klasse. Besonders mag ich seinen unten auch abgebildeten Zeichenstil (seine "runderen" Versionen gefallen mir einfach nicht so gut).

Jedenfalls bringt er die Gegebenheiten in einem Haushalt mit Katzen sehr schön auf den Punkt. So wie hier in der Nr. 207. Der Comicstrip ist, wie ich finde, im Großen und Ganzen selbsterklärend *lach*
alle Rechte bei: José Miguel Fonollosa (http://miaucomic.blogspot.com/)
Hier aber eine ganz grobe Übersetzung. Bitte seid nachsichtig mit mir, ich kann überhaupt kein Spanisch, d.h. google musste helfen. Und das kann ja sehr abenteuerlich und zu einer kreativen Herausforderung werden ;). 

Bild  1:
Wir haben morgen nachmittag einen Termin beim Tierarzt.
Bild  2:
(er:) Ich hoffe es nichts Schlimmes!
(sie) Das wird schwierig, wenn wir nach Hause kommen ...
Bild 3:
Ich habe gehört, dass man zur Stressvermeidung den Transportkorb in die Nähe stellen soll. Damit sie sich an den Geruch gewöhnen...
Bild 4:
Gute Idee! Versuchen wir ein neues Spielchen? (Ich tippe auf zwischen Hoffnung und Bangen schwankende Aussage á la "neues Spiel, neues Glück" *g*).
Bild 5:
Das wäre auch zu einfach gewesen, nicht wahr?

Bei meinen MuMs funktioniert "das" frühere Hinstellen der Körber teilweise. Merlin ist jedes Mal so neugierig, dass er in den Korb geht, sobald ich die Tür aufmache - egal, ob ein paar Tage vor dem Tierarztbesuch oder am betreffenden Tag. Marlowe dagegen ist ein ganz anderes Kaliber - und reagiert ähnlich wie die beiden Katzen im Comic ;) Allerdings gewöhnt er sich an das "Ding" und verschwindet nach ein paar Tagen nicht sofort unter der Couch, wenn ich in den Raum komme. Ich bekomme ihn dann wenigstens eher ... zu fassen ;)

"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson

Aus der Bücherei, genauer gesagt aus der Onleihe, habe ich mir dieses Buch nach Haus geholt.

Worum geht es:
Allan Karlsson hat keine Lust auf seine Geburtstagsfeier im Altenheim. Obwohl der Bürgermeister und die Presse auf den 100jährigen Jubilar warten, steigt Allan kurzerhand aus dem Fenster und verduftet. Bald schon sucht ganz Schweden nach dem kauzigen Alten, doch der ist es gewohnt, das Weltgeschehen durcheinander zu bringen und sich immer wieder aus dem Staub zu machen.

Nachlese
Ich gebe zu, auf den ersten Seiten war ich mir unsicher, ob ich den Roman weiterlesen würde. Aber je mehr ich über Allans Roadtrip las, der an seinem 100. Geburtstag mit dem Ausstieg aus dem Fenster beginnt, desto mehr wollte ich wissen :). Jonas Jonasson hatte mich mit seinem eigenwilligen Humor und seiner Erzählart gefangen: Schließlich ist es schon ungewöhnlich, dass ein 100jähriger einem anderen einen Koffer klaut, sich einfach ohne Ziel in einen Bus setzt, natürlich von dem Bestohlenen - der übrigens einer Gang angehört - verfolgt wird und der auf seiner ereignisreichen "Geburtstagsreise" interessante Menschen, um es milde auszudrücken, trifft ;) Und zumal Allen auch schon früher ein äußerst bewegtes Leben führte.

Allen arbeitete in seiner Jugend in einer Munitionsfabrik und verfeinerte sein Wissen durch Experimente in der Kiesgrube hinter seinem Haus. Zusammen mit einem spanischen Kollegen verlässt er seine Heimat Schweden. Allen, der sich weder an Religion oder Politik interessiert, hilft dennoch seinem spanischen Kollegen als Sprengstoffmeister im Kampf gegen Franco - jedenfalls so lange, wie er keine Menschenleben gefährdet. Als dies nämlich passiert, warnt er die betreffenden Personen und rettet so unwissentlich General Franco. Später trifft Allen auf weitere Größen der Geschichte des 20. Jahrhunderts, Truman, de Gaulle, Stalin ...

Der Autor Jonas Jonasson erzählt Allans Reise durch das 20. Jahrhundert augenzwinkernd und ironisch, unterhaltsam. Ich ordne das Buch mal als "Schelmenroman" ein, auch wenn das vielleicht nicht zu 100 % passen mag. Allen stammt aus der Unterklasse und hat nur drei Jahre die Schule besucht, was aber ausreichte, um sein Handwerk so gut zu lernen, dass ihn u.a. auch nach Los Alamos führen wird. Dabei hat Jonas Jonasson seinen Protagonisten in meinen Augen wunderbar gestaltet - mir ist dieser Mann, dem man durchaus Indifferenziertheit vorwerfen kann (er will politisch und religiös nicht Stellung beziehen und hat dennoch auf das Weltgeschehen Einfluss) ans Herz gewachsen, denn er folgt in seinem Leben durchaus seinem moralischen Kompass - auch wenn er als 100jähriger zwar nicht unmotiviert, aber doch unrechtmäßig einen Koffer klaut und es dann in seiner Gegenwart zu einigen unglückseligen Ereignissen kommt. Um aus dem Roman zu zitieren - er ist auch für mich irgendwie "ein netter Mann" :)

Eine kleine Schlussbemerkung noch zur Übersetzung: Es fühlte sich alles richtig an. Besonders fiel mir die Wahl der Vokabel "blümerant" an einer Stelle auf - und gefiel mir!-, um Stalins Gefühlzustand zu beschreiben: herrlich :)

Dienstag, 22. November 2011

Projekt 52-2011: Teekesselchen

Raven hat mir zwar ein Teekesselchen geklaut *lach*, aber ich komme dennoch ihrer lieben (Kommentar)Bitte (klick) nach, die hier wohnhaften Fellnasen am Projekt zu beteiligen. Übrigens gab es bereits eine solche Beteiligung (klick hier, hier und auch hier).

Nun aber zu "meinen" zwei Teekesselchen für Saris Projekt 52-2011 (ein Klick mit der rechten Maustaste und das Öffnen im neuen Tab könnte das Bild etwas vergrößern *g*).

Die beiden Teekesselchen zu erraten, ist sicherlich nicht schwer.
:)

Samstag, 19. November 2011

Projekt 52 Bücher: Woche 03 - Deutsche Nachkriegszeit (nach dem 2. WK)

In der dritten Woche hat sich das Fellmonster ein Geschichts-Thema aus dem Topf gepickt.Hm. Deutsche Nachkriegszeit...

Als ich das Thema las, kam mir als Erstes Schullektüre in den Sinne: "Die Aula" von Hermann Kant. Diesen Roman habe ich in meiner Schulzeit in der damaligen DDR gelesen. Das ist inzwischen so rund 25 Jahre her. In "Die Aula" erinnert sich der ehemalige Absolvent Iswall an seine Zeit an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF - diese ABFs entstanden nach Gründung der DDR und Mitgliedern der Arbeiter- und der Bauernklasse wurde dort die bis dahin einer anderen Schicht vorbehaltene "höhere Bildung" zugänglich gemacht. Hier konnte von ihnen das Abitur gemacht werden, der erste Schritt auf dem Weg zum Studium - damit verbunden war natürlich auch die Schaffung einer neuen Bildungs"klasse" in dem neuen sozialistischen Staat). Anlass und Aufhänger ist die anstehende Schließung von Iswalls Fakultät im Jahr 1962, 13 Jahre nach ihrer Gründung. Iswall wird aufgefordert, hierzu eine Rede zu schreiben und während er über Ansätze nachdenkt und Erinnerungen aufsteigen, erhält er - wenn ich mich recht erinnere, ich habe das Buch seit Jahrenzehnten nicht mehr gelesen - Gelegenheit, mit zwei seiner damaligen Zimmerkameraden zu reden: Seinem früheren besten Freund Trullesand, der wegen Iswall in China landete und zum Zeitpunkt der Erzählung in Leipzig lebt. Und als Iswall von einer Zeitung wegen der Berichterstattung nach einer Flutkatastrophe nach Hamburg geschickt wird, besucht er auch "Quasi" Riek, der nach der ABF nicht studierte, sondern in den Westen ging.

Wie gesagt, ich habe den Roman seit langer Zeit nicht mehr gelesen. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, mochte ich Kants Aula damals. In der Schule haben wir damals das Buch bestimmt nur "quasikritisch" gelesen und diskutiert. Schließlich lebten und lernten wir in der DDR mit einem Schulsystem, das weiterhin auf den Ausbau einer den Staat unterstützenden Klasse ausgerichtet war. Andererseits kann ich mir sehr gut vorstellen, dass in der Zeit dieses Neuanfangs 1949 + folgende Jahre neben zwingenden Neuordnungen, Anpassungen, Organisationen (mein Vater erzählt mir von etlichen - nach einem Arbeitstag stattfindenden - über 30 km langen Fahrten mit einem klapprigen Fahrrad von der Küste ins Hinterland und zurück, um Fisch oder "zufällig gefundenes" Wild gegen Mehl, Brot oder anderen notwendige Dinge zu tauschen) auch idealistisch, euphorisch und eifrig die Gelegenheit genutzt wurde, alte Beschränkungen aufzubrechen und Wirtschaft+Bildung+Menschen neu zu organisieren. Fellmonsters Topic diese Woche hat mich seit langer Zeit wieder an Kants Aula denken lassen. Hat jemand von Euch den Roman kürzlich gelesen?
(EDIT 22.11.11 in diesem Zusammenhang: Kant war selbst Absolvent einer ABF und hat den Roman 1965 geschrieben).

Das Wort "Schullektüre" brachte aber auch einen anderen Namen in mein Gedächtnis zurück: Günter Wallraff und "Ganz unten". Ich erinnere mich, dass wir das Buch gelesen haben - ich habe es nicht mehr - und seine Enthüllungsstories eine fruchtbare Basis für den Unterricht unseres Staatsbürgerkundelehrers boten... Abgesehen von diesem nicht unerwarteten Effekt und uanbhängig von der Frage, ob und in welcher Beziehung Günter Wallraff zur Staatssicherheit der DDR stand, denke ich aber, dass dieses Buch und ebenso die weiteren Reportagen Wallraffs generell sinnvolle Augenöffner waren und sind.

Die Erwähnung Wallraffs brachte Waggy dazu, sich auch ein wenig einzulesen. Allerdings hatte er keine Lust und Zeit, ein Buch zu lesen, deswegen hat er sich mein Netbook geschnappt und war online unterwegs:



Und ja, der Name Walter Kempowski sagt auch mir etwas. Von ihm wollte ich schon immer mal etwas lesen und ich habe - auch hierfür gebührt dem Fellmonster Dank wegen der Themenauswahl - meinen Chef  (der Kempowskis Werk, wie ich weiß, beinahe vollständig zu Hause hat) gebeten, mir "Im Block" auszuleihen. Dort beschreibt Kempowski seine Zeit von 1948 bis 1956 im sowjetischen Lager in Bautzen, wohin er von der russischen Besatzungsmacht wegen des Spionage verbracht wurde (er hatte zusammen mit seinem Bruder Unterlagen an die Westalliierten übergeben wollen, dass die russische Besatzungsmacht mehr Demontagegütern als vereinbart vereinnahmte).

Ein Buch, welches nicht in der "näheren Nachkriegszeit" spielt, habe ich Anfang letzten Jahres gelesen. Es handelt sich um "Die Schlinge" von Rolf Henrichs (klick) - ein Nachwenderoman, in welchem es um die Verteidigung eines NVA-Generals geht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet: Verantwortung für mehrere Todesfälle an der innerdeutschen Grenze.

Freitag, 18. November 2011

Freitagsfüller by Barbara

Diese Woche ging sehr flott vorbei. Arbeitstechnisch war zwar genug zu tun, aber es lag dieses Mal nicht so sehr am Büro, ich habe viel geschlafen. Und dennoch: Ich war und bin - trotz des häufig schönen Wetters in der vergangene Woche - müde. Ich habe zwar das Gefühl, durchzuschlafen und erinnere mich auch nicht an Träume, aber ich stehe gerädert auf, freue mich abends auf meine Koje und schlafe problemlos ein, teilweise beim Lesen eines durchaus unterhaltsamen Buches. Offenbar fehlt mir derzeit etwas Erholsames beim Schlafen, denn ich sitze im Büro mit Pullover, Fleecejacke und Heizung auf 5 und bin auch recht unkonzentriert. Ich gehe aber auch davon aus,  dass sich das ab nächster Woche wieder bessert mit dem Schlafen. Aber nun der:

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Ein Klick auf die Grafik oben bringt Euch zu Barbara. Da die Bildanzeige von blogger und/oder google geändert wurde, heißt es jetzt:

Ein Rechtsklick auf die Grafik und das Öffnen im neuen Tab/neuem Fenster könnte die Lesbarkeit meiner Antworten noch erhöhen :)

Dienstag, 15. November 2011

Projekt 52-2011: Träumereien

Inzwischen sind wir in der 46. Woche von Saris Projekt 52-2011.angekommen. Und falls Ihr noch ein Projektbild vermisst - KW 44 reiche ich noch nach :)

Aber aktuell geht es um Träumerein. Und das ist doch mal eine Gelegenheit für ein Fanbild *lach*, so Tagträumereien über die Zukunft :)

Sonntag, 13. November 2011

Projekt 52 Bücher: Woche 02 - Psssst: jetzt kommt ein Geheimnis!

Und schon sind wir in der zweite Woche von Fellmonsterchens Projekt. Und während ich so überlegte, welches Buch ich wohl nennen würde, ging ich zu Waggy. Dieser war total in "Der Zauberer der Smaragdenstadt" von Alexander Wolkow vertieft Er las gerade das Kapitel, in welchem der Scheuch, der Eiserne Holzfäller, der Löwe, Totoschka und Elli das erste Mal auf Goodwin den Schrecklichen treffen (übrigens fände ich den Namen Goodwill auch nicht schlecht *g*).



Ich liebe die ersten vier Teile der Zauberland-Reihe von Wolkow, habe ich das schon mal erwähnt? :) Natürlich habe ich Waggy keines der Geheimnisse dieses Buches verraten - das übrigens in gewisser Weise auch die Faschingsthematik bedient -, wo bliebe sonst die Spannung. :) Interessanterweise hat sich Waggy noch zwei Bücher aus meinem Wohnzimmer geholt:

"Das Geheimnis der schwarzen Dame" von Arturo  Pérez-Reverte ist eine Art Krimi. Auf einem Gemälde eine schwarze Dame abgebildet, die zwei schachpielende Ritter beobachtet. Die Restauratorin Julia hat das Gemälde gekauft und meint, dort einen Hinweis auf einen Mord zu entdecken und will mehr über das Bild und die Personen erfahren  ... Ich weiß, das ich den Roman vor vielleicht 4 oder 5 Jahren gelesen habe und ihn damals ganz unterhaltsam fand. Konkretere Erinnerungen habe ich allerdings nicht mehr. Vielleicht sollte ich mal einen Reread starten :)

"Fermats letzter Satz" von Simon Singh handelt von einem ganz anderen Geheimnis: Der im 17. Jhd. lebende Mathematiker Fermat hatte sich mit dem für rechtwinklige Dreiecke geltenden  Satz des Pythagoras a²+b²=c²  beschäftigt und darüber nachgedacht, ob auch gilt: a³+b³ = c³ (dritte Dimension - Kubus) , wofür er keine Lösung fand. Er probierte es mit anderen Potenzen und verallgemeinerte: „Es ist unmöglich, einen Kubus in zwei Kuben zu zerlegen, oder ein Biquadrat in zwei Biquadrate, oder allgemein irgendeine Potenz größer als die zweite in Potenzen gleichen Grades. Ich habe hierfür einen wahrhaft wunderbaren Beweis gefunden, doch ist der Rand hier zu schmal, um ihn zu fassen.“ Fermat war ein fähiger Mathematiker und forderte seine Kollegen regelmäßig mit Aufgaben heraus, deren Lösung er bereits hatte.  Kein Wunder also, dass unzählige Mathematiker versuchten, die vorstehende Behauptung zu beweisen (wobei sie offenbar der Ansicht waren/sind, dass Fermat tasächlich diesen Beweis bereits gefunden hatte) - und sich an diesem Satz über drei Jahrhunderte (!) die Zähne ausbissen. Simon Singh hat die Suche nach dem Beweis in diesem Sachbuch informativ, spannend und - wie ich finde - sogar verständlich geschildert (selbst wenn man den mathematischen Ableitungen nicht unbedingt selbst folgen kann). Zwar existiert heute ein Beweis für diesen Fermatschen Satz. Aber ich glaube - und das ist eine ganz bewusste Wortwahl ;) - , dass Fermat damals tatsächlich einen eigenen Beweis gefunden hat, der "einfacher" (im Sinne von gradliniger) als derjnige nach Wiles/Taylor ist - und das bedeutet, dass dieses Geheimnis Fermats noch immer auf seine Entdeckung wartet.
:)

Übrigens ist das von mir am vergangenen Wochenende gelesene Buch auch thematisch passend. In "Auf der Spur des Bösen - ein Profiler berichtet"erzählt Axel Petermann von seiner Ermittlungsarbeit als Mordermittler bzw.  Fallanalytiker (oder auch neudeutsch: Profiler). Anhand von 5 Fällen stellt er die Arbeit der deutschen Ermittlungsbehörden vor, geht von Fall zu Fall auf besondere Aspekte ein wie Taktiken beim Verhör, Schutzbehauptungen Verdächtiger, theoretisches Durchdenken und/oder praktisches Durchspielen der Tatabläufe oder warum z.B. Kleidungsstücke kriminalistisch nicht in Plastik-, sondern in Papiertüten aufbewahrt werden. Der Erzählton ist dabei zurückhaltend und berichtend, nüchtern, wenn man so will. Das habe ich angesichts der Thematik als passend empfunden.Dem Autor geht es hier nicht darum, einen Fall reißerisch darzustellen. Er gewährt einen Einblick, wie die deutschen Behörden vorgegangen sind bzw. vorgehen, um einen Täter zu ermitteln.

In der Küche: ein herzhaftes Ritterlein

Es ist ja für mich selten genug, dass ich Hühnereier im Haus habe. Normalerweise kaufe ich sie nämlich nur, wenn ich backen will. Aber ich wollte mal wieder ein kartoffeliges Omelett machen und hatte deswegen nicht nur 5 Kartoffeln, sondern auch 6 Hühnereier im Haus - und trocken gewordenes Mischbrot, das ich nicht wegwerfen wollte. Warum sollte ich also nicht mal etwas zum Ritter schlagen?

Das "arm" habe ich übrigens bewusst weggelassen, denn ich finde nicht, dass das Ritterlein ein armes ist, wenn man zwei Eier und ca. 2-3 TL (fertiges) Basilikum-Pesto, ca. 3-4 getrocknete Tomaten und etwas Parmesan verwendet! Das und etwas Milch, Pfeffer, den von mir äußerst geschätzten Rosenpaprika und einen Hauch von Salz habe ich nämlich verquirlt - und die Eiermischung sah dann recht lustig aus. Die Mischbrotscheiben landeten in der Masse und durften darin etwas baden, bevor sie in eine Pfanne mit Butter (ich wollte dieses Mal einfach kein Oliven- oder Rapsöl nehmen) landeten. Die restliche Eiermischung gab ich dann "oben auf".


Mir hat es geschmeckt :)

Samstag, 12. November 2011

Vorsätze ...

Soviel zu meinem Vorsatz, keine Bücher aus der Bibliothek mitzunehmen, wenn ich heute die vor zwei Wochen ausgeliehenen sechs Bücher abliefere. Dummerweise konnte ich mir nicht verkneifen, nachzuschauen, ob vielleicht die mir von der Winterkatze empfohlene Morland-Trilogie von Peter Schwindt inzwischen zurückgegeben wurde. Tja - und schon hatte ich drei Bücher "im Korb". Der Gang zurück führte mich an der "Recht"-Ecke vorbei wo Schirachs "Verbrechen" stand und Axel Petermanns "Auf der Spur des Bösen - Ein Profiler berichtet" und schon waren es 5 Bücher. Gemeinerweise standen in der Bibliothek auch noch all die Bücher herum, die am vergangenen Wochenende beim Büchermarkt nicht verkauft worden waren (klugerweise hatte ich die Bücherei am letzten Wochenende gemieden). Und tatsächlich fand ich dort "Die Leiden eines Amerikaners" von Siri Hustvedt und "Petrowitsch" von Kurkow klang auch nicht schlecht: Für beide Bibliotheksbücher habe ich insgesamt 1,00 EUR bezahlt. :)

Jetzt sitze ich also wieder daheim. Mein TuB strahlt mich ja immer an, sobald ich die Wohnungstür öffne - und dennoch habe ich erneut 5 Bibliotheksleihgaben mitgebracht, zwei Kauf-Bücher dazu - und die privaten Leihgaben stehen hier auch. Hm, naja, eigentlich sind es doch 6 Bibliothekleihgaben, denn meine Onleihe-Ebook-Vormerkung für "Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson (drm-geschütztes epub) wurde fällig (ohne meinen Zugriff binnen 48 Stunden wäre das Ebook wieder allen Onleihern zugänglich). Zwei Wochen habe ich für das Ebook Zeit, dann terminiert es sich automatisch aufgrund Leihfristablaufes, was ich einerseits praktisch finde. Andererseits habe ich aber noch keine Möglichkeit gefunden, ein Ebook zu verlängern, falls 2 Wochen mal nicht reichen und bereits andere Nutzer einen Vormerker gesetzt haben ... Nun ja, es kann ja nicht alles gleich perfekt sein, nicht wahr? :)

Aber ich habe auch andere Vorsätze eingehalten:
Brav habe ich gleich am Freitag, bevor ich es mir vor Angst anders überlegen konnte, meinen Donnerstag gefassten Vorsatz umgesetzt und mir einen Behandlungstermin beim Zahnarzt geholt. Leider waren kurzfristig keine Termine frei und so habe ich etwas länger Zeit, mich in meine Angst und Horrorvorstellungen der Behandlung (man kann mir noch so sehr erzählen, dass sie nicht schlimm sein wird) hineinzusteigern...

Der andere am gestrigen Freitag formulierte Vorsatz war: "Gönne Dir am Samstag etwas Schönes, um das Leben zu genießen!" Ich habe heute früh um halb sechs *seufz* also zunächst Merlin und Marlowe versorgt und mir dann einen Krümelkaffee frisch aufgebrüht mit einer Prise Salz im Kaffeemehl. Dann bin ich in mein Wohnzimmer und habe mir dort eines meiner Lieblingsbücher, nämlich "Der Garten des Samurai" von Gail Tsukiyama gegriffen und bin mit Kaffee und Buch wieder zurück zu meiner Koje, habe mich eingekuschelt und mich mit Stephen in das japanische Tarumi begeben. Deutlich später - nach Waschmaschinen-Befüllung, Küchenarbeiten und Ignorieren des MuMs-Gejammere nach mehr Futter - habe ich mir einen Milchkaffee und meinen Lieblingsbagel mit Tomate und Mozarella im Samocca gegönnt - köstlich wieder einmal ...

Freitag, 11. November 2011

"Meine weißen Nächte" von Lena Gorelik

"Meine weißen Nächte" war das 6. der 6 Bücher, die ich mir am 29.10.2011 aus der Bücherei ausgeliehen habe (die anderen waren Bd. 2 u. 3 der Libri-Mortis-Reihe sowie die drei Echo-Falls-Romane). Diesen Samstag werde ich also wieder zur Bibliothek fahren und meine Leihgaben zurückbringen - und keine mitnehmen, nein, nein. Ich habe mir vorgenommen, mich jetzt um die privaten Leihgaben zu kümmern, neben dem TuB versteht sich *g*

Worum es geht (Angabe bei Amazon):
Eigentlich wäre Anja schon damit ausgelastet, ihre Beziehung zu Jan auf die Reihe zu kriegen und sich vielleicht einen Job zu suchen. Aber Anjas Familie ist omnipräsent, auch wenn sie ein paar hundert Kilometer entfernt wohnt. Als eines Tages ihr Ex-Freund auftaucht und ihr einen Job in einem russischen Reisebüro vermittelt, wird sie schon wieder mit ihrer Herkunft konfrontiert. Und die Erinnerungen an ihre russische Kindheit, wo Kartoffeln mit Hering zum Frühstück der Inbegriff von Glück bedeutete, und später an das deutsche Wohnheim, wo die Tiefkühlpizza in Ermangelung eines Ofens auf dem Herd aufgewärmt wurde, sind wieder da. Mit einer doppelten Identität zu leben, erschöpft sich ganz offensichtlich nicht darin, seinen deutschen Freunden zu erklären, dass Puschkin nicht nur ein Wodka, sondern auch ein Dichter war.

Nachlese

Ist die Protagonistin Anja das alter ego der Autorin Lena Gorelik? Ich denke, dass man in "Meine weißen Nächte" und in Anja sehr viel von der Autorin findet. Beide sind in St. Petersburg geboren, beide kommen als Kinder mit der russisch-jüdischen Familie als „Kontingentflüchtling“ nach Deutschland  und verbringen die erste Zeit in einem baden-württembergischen Auffanglager. Vermutlich ist auch Anjas weiteres privates Leben von Lena Goreliks eigenem inspiriert, wieweit können andere sicherlich eher beurteilen als ich ;)

"Meine weißen Nächte" wirkt auf mich so persönlich, dass Anja und Lena für mich verschwimmen. Ich überlege, was wohl der Freund der Autorin über das Kapitel Paris denkt - und erinnere mich dann daran, dass die Autorin nicht Anja heißt, sondern Lena.

Das Buch wird aus Anjas Perspektive erzählt und hat etwas tagebuchartiges. Episodenartig, aber nicht immer chronologisch, erzählt die Protagonistin ihre Geschichte. In relativ kurzen überschaubaren Kapiteln wird an die Abreisezeit in St. Petersburg erinnert oder den Besuch der Familie in München. Es geht in das Auffanglager und die Schule in Baden-Württemberg, wo sie ihre erste Liebe kennenlernt, oder nach Paris, ohne ihren aktuellen Freund Jan. Ich erfahre, warum Anja kein Essen aus Kartons mag, aber dafür Kartoffeln liebt und wie sich der Einkauf in St. Petersburg gestaltete. Das erinnert mich an mein eigenes Schlangenstehen als Kind, das Greifen von Verkäufern unter die Ladentheke und auch daran, dass man manchmal zur Sommerferienzeit in den Ostseebadeorten des Bezirks Rostock schon mal tagelang keine alkoholfreien Getränke im Konsum oder der Kaufhalle kaufen konnte. Ich denke daran, dass die Erinnerungen an das Leben in meiner Kindheit um ca. 1980 (als ich ungefähr in Anjas Alter bei Ausreise und die Autorin noch nicht geboren war) ein bisschen ähnlich und doch sehr verschieden sind von Anjas Kindheit in St. Petersburg - und ich nichts vergleichbares erlebt habe wie sie in Ludwigsburg.

Über das 273 Seiten umfassende Buch "Meine weißen Nächte" ist mir Anja sehr vertraut geworden. Sie ist mir sympathisch, weil sie z.B. ihre Familie liebt und von ihr genervt ist oder weil sie deutsch sein will und auch russisch, weil ihre kindlichen und erwachsenen Aktionen, das "haben wollen", real sind. Lena Gorelik hat, wie ich finde, mit Antje einen greifbaren Menschen geschaffen, den man problemlos in der Wohnung nebenan treffen könnte. Ich bin mir sicher, dass ich zukünftig noch mehr von Lena Gorelik lesen werde, vielleicht "Hochzeit in Jerusalem", "Verliebt in St. Petersburg" oder "Lieber Mischa".

Freitagsfüller by Barbara

Die Woche ging nach meinem Empfinden sehr schnell rum - und beinhaltete den Wechsel von spätsommerlich warm über herblich-feucht zu herbstlich-kalttrocken momenten. Deswegen wärme ich mir meine Finger auch gerade noch an einem Pott gefüllt mit heißem Kaffee, wer weiß, wie sonst der

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aussehen würde :). Ein Klick auf die Grafik oben bringt Euch zu Barbara.

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Mittwoch, 9. November 2011

Projekt 52-2011: Chaos

Argh!


Ich komme nichts ahnend nach Hause und finde Poe beim Telefonieren vor - mit meinem Handy. Als ich ihn fragend anschaute, bestellte er mir schöne Grüße von seinem Vetter Li-Poe. Li-Poe, der irgendwo in Asien wohnt?! Poe nickt. Er habe seinen Vetter gerade gebeten, mit den Flügeln zu schlagen. Oh nein, ich ahnte worauf das hinauslief, hatte sich Poe doch die letzten beiden Tage über das feuchte Herbstwetter mit dem Nebel beschwert. Und richtig. Poe hat mit Li-Poe über eine Stunde über die Chaos-Theorie gesprochen und darüber, dass das Flügelschlagen eines Schmetterlinges an einem anderen Ort das Wetter verändern könnte!

Über! eine! Stunde! von! meinem! Handy! Das bedeutet Chaos in meinen Finanzen! POE, komm zurück und bring gefälligst Geld mit! Du erstattest mir das!!!

von Saris Projekt 52-2011.

Dienstag, 8. November 2011

Projekt 52-2011: Zahlenzauber

Ein "Rückstandsbild" aus der 42. KW von Saris Projekt 52-2011.

Das große dicke Postleitzahlenbuch ist zwar unhandlich und inzwischen auch für viele Menschen durch das entsprechende Internet-Angebot der Post obsolet. Aber es hat für andere halt immer noch seine Daseinsberechtigung und entfaltet in einem gewissen Sinne für diese seinen Zahlenzauber.


Sonntag, 6. November 2011

" ... verliefen sich im Wald: Ein Echo Falls Krimi" von Peter Abrahams

"Was geschah in Echo Falls" (klick) spielte im Herbst, "Hinter dem Vorhang" (klick) in der Vorweihnachtszeit und  "... verliefen sich im Wald", der dritte und jedenfalls aktuell letzte Echo-Falls Krimi spielt nach Weihnachten im Winter.

Worum es geht (Angabe von Amazon)
Im Echo Falls kann die beschauliche Kleinstadtidylle sehr schnell trügerisch werden. Jederzeit kann plötzlich ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit auftauchen. Das hat die dreizehnjährige Ingrid, Sherlock- Holmes-Fan und Hobbydetektivin, schon zweimal feststellen müssen. Diesmal stolpert sie buchstäblich über eine Leiche - und das auf dem Grund und Boden ihres Großvaters, der prompt unter Mordverdacht gerät und verhaftet wird. Ingrid weiß, dass Grampy keinen Mord begangen haben kann, aber aus irgendeinem Grund schweigt er beharrlich. Um seine Unschuld zu beweisen, bleibt Ingrid nichts anderes übrig, als den Fall auf eigene Faust aufzuklären. Dabei gerät sie - ähnlich wie die Gretel aus dem Märchen, das sie mit ihrer Theatergruppe gerade probt - immer tiefer in den gefährlichen Wald und entdeckt noch weit mehr Geheimnisse, als ihr lieb sind...

Nachlese
Ich bin noch immer etwas "atemlos". Dieses Buch hat weniger Seiten als die beiden vorangegangenen, aber es passiert so viel! Dabei gelingt es dem Autor trotz des Tempos und der sich besonders zum Ende hin überschlagenden Ereignisse, das Augenmerk auf den Charakteren zu halten:

Ingrid steht durch ihre Aktivitäten naturgemäß im Vordergrund, aber es ist ihr Großvater, auf den sich die Augen der Einwohner von Echo Falls richten. Er ist es, der des Mordes verdächtigt wird, der kein Alibi vorweist und von dem bekannt ist, dass er schnell mal aufbraust. Chief Strade hat natürlich gar keine andere Wahl, als ihn festzunehmen. Und er bittet seinen Sohn Joey, nicht mit Ingrid zu reden - was übrigens auch Ingrids Dad von ihr verlangt. Das sorgt natürlich auch für Spannung zwischen Ingrid und Joey. Und erneut lernt man mit Ingrid neue Seiten ihrer Familie kennen.

Dieser Band ist nicht nur schneller, er ist auch deutlich ernster im Ton. Der Originaltitel "Into the Dark" passt sehr gut zum Inhalt, besser als die deutsche Anlehnung (dies gilt übrigens auch für das erste Buch "Down the rabbit hole" = "Was geschah in Echo Falls?"). Ingrid entdeckt bzw. erfährt nicht nur einige unschöne Wahrheiten, auch ihre Erlebnisse in diesem Buch sind heftig und Ingrid findet sich mehrfach an dunklen Orten wieder.

Und obwohl mir "Verliefen sich im Wald" sehr gut gefallen hat, sind mir zwei, drei Punkte aufgefallen. Nun, zwei Punkte liegen wohl am Lektor/Übersetzung, denn an einer Stelle ist mir eine "haben" zu viel im Satz und an einer anderen Stelle - Mr. Samuels von der Zeitung will ein Interview mit Ingrids Großvater führen für eine in der Zeitung erscheinende Serie über Kriegshelden - heißt es: heißt es:
 
"... Was hat er denn gemacht?", fragte sie. "Genau das versuche ich ja, hier festzunageln", sagte Mr Samuels."

Festzunageln?! Wie wäre es mit festzustellen, herauszufinden, vielleicht auch darzustellen?

Für mich wichtiger ist aber eine andere Stelle im Roman, ein Handlungsmoment, dass mich aufmerken liße und irritierte. Dummerweise würde ich spoilern, wenn ich so ins Detail ginge, wie es zur Begründung eigentlich notwendig wäre. Also muss ich mich etwas schwammig ausdrücken und hoffen, dass ein Leser dieses Buche die Stelle erkennt ;):

In einer Szene macht Ingrid die Wäsche und findet etwas. Und dass Ingrid zu diesem Zeitpunkt etwas nicht tut, hat mich beim Lesen aufmerken lassen. Ingrid zieht "es" kurz in Erwägung und ihre zur Ablehnung führende Überlegung überzeugen mich nicht. Ich hätte angesichts der vorhergehenden Ereignisse, dem Gespräch mit dem Anwalt und den Auswirkungen etwas anderes getan - und Peter Abrahams schaffte es an dieser Stelle halt nicht, dass ich Ingrids Überlegungen zu diesem Zeitpunkt als "nachvollziehbar und passend" empfinde (was die späteren Ereignisse angeht, sind sie aus Ingrids Sicht - und für mich überzeugend - und konsequent). 

Trotz dieses naturgemäß subjektiven Kritikpunktes ist Peter Abrahams erneut ein stimmiger und in Bezug auf Charakter und Aktion erstaunlich ausgewogener Jugend-Krimi gelungen. Die drei Bücher kann man zwar als Einzelromane lesen, aber die richtige Reihenfolge ist eindeutig vorzuziehen, schon allein wegen der Entwicklung der Charaktere.

Mehr Echo-Falls-Romane hat Peter Abrahams bislang nicht produziert. Er schreibt ja auch Krimis/Thriller für Erwachsene (nein, ich habe noch keine von ihm gelesen) und - wie ich dank Wikipedia festgestellt habe - unter dem Namen Spencer Quinn die Hundekrimi-Reihe um Bernie und Chet (mir ebenfalls unbekannt). Wer weiß, vielleicht landet mal ein anderes seiner Bücher in meinem Lesesessel. Oder Peter Abrahams entscheidet sich, noch einmal zur Sherlock-Holmes liebenden Ingrid und Echo Falls mit dem Polizeichef Gilbert L. Strade (wie wäre es mit der Schreibweise Le Strade? *g*)  zurückzukehren. Falls ja, folge ich ihm und Ingrid gerne.

Samstag, 5. November 2011

"Hinter dem Vorhang: Ein Krimi aus Echo Falls" von Peter Abrahams

Gerade stellte sich noch die Frage "Was geschah in Echo Falls" (klick) und schon geht es darum, was sich "Hinter dem Vorhang" verbirgt, dem zweiten Krimi aus Echo Falls.

Worum es geht und Nachlese:
Die 13jährige Ingrid mit einem Faible für Sherlock Holmes hat ihr "Abenteuer" in dem Roman "Was geschah in Echo Falls" überstanden und der Alltag hat sie wieder. Im Theater wird ein neues Stück, besser gesagt eine Szene aus "Der Zauberer von Oz" geprobt. Ingrids Fußballtraining geht weiter. Ingrids Grampy will weiterhin von seiner Farm nichts verkaufen, erst recht nicht an den Chef von Ingrids Vater. Letzterer hat jobmäßig ganz schön zu kämpfen, nachdem sein Chef die junge Julia LeCaine in die Firma geholt hat. Dies bleibt selbst Ingrid nicht verborgen, wenngleich sie (und der Leser) nur am Rand etwas vom Berufsleben ihrer Eltern mitbekommt. Und Ingrid beobachtet ein seltsames Verhalten ihres Bruder Ty, der um Anerkennung im Footballteam kämpft, auf einmal zum Muskelprotz motiert und einen weniger guten Umgang pflegt. Und dann wird Ingrid auf einmal in der eigenen Garaga gekidnappt und im Kofferaum eines Wagens weggefahren. Da sie einen erstaunlich kühlen Kopf behält, kann sie sich selbst befreien. Allerdings kann sie weder den Entführer beschreiben, noch wurde sie verletzt, noch finden sich Spuren. Um zu beweisen, dass sie das nicht erfunden hat, um einem verhassten Mathe-Wettbewerb fernbleiben zu können (was ihr nämlich von der ihrer Lehrerin unterstellt wird), versucht Ingrid selbst herauszufinden, was hinter ihrer Entführung steckt.

Es war einfach nur toll, Ingrids Leben in Echo Falls direkt nach dem ersten Buch weiterzuverfolgen. Charaktere, die in "Was geschah in Echo Falls" zum Teil nur angerissen wurden, werden vertieft, allen voran Ty und Grampy, aber auch Ingrids Eltern, ihre Schulfreundinnen, ihr Freund Joey und dessen Vater (sehr schön sein Gespräch mit Ingrids Eltern zum Gutachen!). Grampy wächst mir mit seiner unumwundenen Art mehr und mehr ans Herz und ich habe mich gefreut, wieder von ihm zu lesen und mehr von ihm zu erfahren.

Und Ingrid? Ich mag sie :) Ohne nachzudenken handeln geht mit dem Versuch, sich an ihrem großen Vorbild Sherlock Holmes zu orientieren einher, was keinen Widerspruch für ein dreizehnjähriges Kind darstellt - und im Übrigen auch nicht für Ältere ;) -. Sie bemüht sich, ist zielstrebig und loyal und kommt doch immer wieder in Schwierigkeiten, weil sie halt auch hier und dort schwindelt oder schweigt. Ihre - gedanklichen - Kommentare sind so manches Mal Gold wert.

Peter Abrahams Erzählweise, in sich stimmig übersetzt von André Mumot, ist auch hier wieder fesselnd. Auch wenn man als "erwachsenerer" Leser ahnen mag, wohin sich die Story entwickelt, so hat sie doch weiterhin Überraschungen parat und ist durch die Charaktere wirklich unterhaltsam. Und mir gefällt der auch hier wieder enthaltene Humor. Ich musste so feixen, als Ingrids Nachbarn, die Grunellos, das Fundament der Vogeltränke bearbeiten, weil es sich aus für sie nicht nachvollziehbaren Gründen auflöst, während Ingrid und auch der Leser sehr wohl wissen, wie das kommt. Oder wenn die Theaterregisseurin sich den ... äh kreativen Vorschlag eines Ensemblemitgliedes anhört... oder oder oder.

Es ist wirklich ein Glück, dass die Bücherei alle drei Echo-Falls-Romane da hatte, als ich letztens Samstag dort war. So kann ich mit "Verliefen sich im Wald" heute gleich weitermachen!

Projekt 52 Bücher: Woche 01 - Das Buch, dass Du zur Zeit liest

Das Fellmonsterchen fragt in der "Premierenwoche" danach, welches Buch man gerade lese.

Also Waggy verfolgt gerade Ingrids Abenteuer in der Stadt Echo Falls. Und zwar so begeistert, dass er gestern "Was geschah in Echo Falls?" von Peter Abrahahms beendet -


 - und gleich danach mit "Hinter dem Vorhang" angefangen hat.

Er mag die Dreizehnjährige, obwohl sie Fußball spielt (womit Waggy nicht wirklich etwas anfangen kann). Waggy hat mir verraten, dass er Ingrid bewundert, weil sie Theater spielt (was er sich selbst nie trauen würde) und Sherlock Holmes mag.

Das Buch "Was geschah in Echo Falls"  muss lustig sein, denn das liebenswerte Waggy-Monster hat die letzten Tage immer wieder beim Lesen gelacht. Als ich ihn vorgestern fragend anschaute, las er mir ein Beispiel vor:

"..."Was ist das?" fragte Ingrid. "Dynamit, Kid" sagte Grampy. "Ich werde die Oberflächenhöhe (einer Senke, wie Waggy erläuterte) ein winziges bisschen neu arrangieren." ..."
(aus "Was geschah in Echo Falls" von Peter Abrahams in der Übersetzung von Anne Wilsberg, Bloomsbury Verlag 2007).

Also ich musste über das "neu arrangieren" auch schmunzeln *g*. Wenn ich mir überlege, dass Waggy ständig das Buch vor der Nase hatte und ja gleich einen neuen Echo-Falls-Roman angefangen hat, muss zumindest der erste Teil auch spannend gewesen sein ...

(Ja, Waggy? ... Ah, ja, kein Problem, ich tippe mit: )


(Die etwas andere Nachlese *g*):
Ingrid mag offenbar nicht nur Sherlock Holmes, sondern eifert ihm in vielen Dingen nach. Sie bemüht sich darum, ihre Umgebung aufmerksam zu beobachten und auch andere Dinge, die sie aus den Doyle-Romanen erfahren hat, umzusetzen. Als sie sich nämlich in Echo Falls verirrt und dabei zufällig auf "Müll-Katie" trifft, beginnt sie, sich stärker mit dem Stadtplan auseinanderzusetzen. Schließlich hätte sich Sherlock Holmes nie in London verirrt! Kurz darauf erfährt Ingrid, dass Katie ermordet wurde - Ingrid hat zwar in Katies Haus Schritte gehört und Katie machte einen irritierten Eindruck, aber Ingrid traut sich nicht, dass zu erzählen. Denn sie hat ihre Eltern etwas angeschwindelt, was das Verlaufen anging. Und bestimmt waren die Schritte und Katies Blick zum nächsten Stockerk nicht so wichtig... Weitere Vorkommnisse führen aber dazu, dass Ingrid sich immer tiefer in ihre Schwindeleien verstrickt und sich dazu entscheidet, selbst herauszufinden, wer Katie ermordet hat...

Das sei spannend zu lesen gewesen, sagt Waggy. Toll sei aber auch das ganze Drumherum gewesen: Zum Beispiel Joey aus der Schule, der irgendwie immer schmaler wird und sich angewöhnt hat, häufiger in Ingrids Augen zu schauen. Oder die unterschiedliche Behandlung Ingrids und ihres Bruders Ty durch ihre Eltern. Und Grampy!

Peter Abrahams Echo-Falls-Zyklus besteht (jedenfalls bislang) aus drei Büchern: "Was geschah wirklich in Echo Falls" (Lektüre beendet), "Hinter dem Vorhang" (Lektüre begonnen) sowie "... verliefen sich im Wald" (ist schon ausgeliehen). Und gestolpert sind Waggy und ich über diese Reihe direkt bei Winterkatze und daher indirekt bei Kiya.

Freitag, 4. November 2011

Freitagsfüller by Barbara

Die Arbeitswoche hier in NRW war mit 4 Tagen ja kurz (und ich habe den freien Dienstag zum ausgiebigen Lesen genutzt!), aber irgendwie fühlt es sich aktuell nicht so an, als hätte es einen Arbeitstag weniger gegeben ... Aber, das Wochenende steht sooooo kurz vor der Tür :) Und eingeläutet wird es auch dieses Mal mit dem


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:)
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Donnerstag, 3. November 2011

Projekt: 52 Bücher by Fellmonsterchen

Das Fellmonsterchen hat sich ein Projekt überlegt und Raven war so lieb, mich - und besonders Waggy! - darauf aufmerksam zu machen. Das Fellmonsterchen wird - beginnend mit dem 04.11.2011 - über 52 Wochen lang freitags ein Thema posten, zu dem Bücher - bitte beachten :) - vorgestellt werden sollen.

Um es mit Fellmonsterchens eigenen Worten zu sagen:

"Zu dem Motto schreibt Ihr dann einen Blogartikel mit einem Buch, das dazu passt, und sei es, dass man dafür um 100 Ecken denken muss. (Ja, es können auch gern mehrere Bücher sein, kein Problem!) Erlaubt sind Bücher, Hörbücher, Comics und wenn’s passt auch sonstiges gedrucktes Zeuchs. Ich sehe das Projekt ganz locker und habe nicht vor, 100 Regeln aufzustellen. Auch halte ich viel von Meinungsfreiheit, aber es gibt Grenzen, so hätten z. B. Bücher, die den Nationalsozialismus verherrlichen, keine Chance. Ansonsten: Lustige Bücher, ernste Bücher, Weltliteratur, Unterhaltungsromane — alles gern gesehen, es gibt hier keine hochgestochenen Qualitätsstandards, bunt und gut gemischt möge es zugehen. Wenn Ihr den Artikel geschrieben habt, wäre ein Hinweis mit Link bzw. ein Trackback in dem Kommentar des jeweiligen Freitagsartikels sehr nett..."


Waggy war ganz aufgeregt, als er das gelesen hat. Er meinte zu mir:

"Ich habe ja wegen meiner Arbeit nicht sooo viel Zeit, aber vielleicht habe ich ja zu dem Thema schon was gelesen und kann das dann vorstellen. Oder wenn ich mal nichts zum erzählen habe oder es nicht schaffe, ein Buch zu dem Thema zu lesen, dann gucke ich mir einfach an, was die Anderen so schreiben. Vielleicht besorge ich mir ja dann eins von Ihren vorgestellten Büchern."

Ich finde, Waggy sieht das ganz richtig. Und deswegen habe ich ihn angemeldet - ich werde vermutlich unterstützend dabei sein. Jetzt heißt es also: Waggy ran an das Projekt. Wie Ihr seht, hat er sich schon in Position begeben :)


Weitere Informationen findet ihr übrigens hier (klick). Vielleicht möchte ja auch jemand von Euch mitmachen?! Es können auch noch Themenvorschläge beim Fellmonsterchen eingereicht werden...

Am 03.11.201 "1Q84" Kindle-Edition von Haruki Murakami für 0,00 EUR!

Murakami-Interssierte aufgepasst.

Nur heute am 03.11.2011 gibt es 1Q84: Roman von  Haruki Murakami 
in der  Kindle-Version für:  
0,00 EUR!
Soweit ich es beurteilen kann, ist es die deutsche Übersetzung.


Ich habe ihn mir geladen - auch wenn es offenbar noch ein weiteres (drittes?) Buch/dritten Teil zu 1Q84 gibt. Wenn ich es richtig überblicke, entspricht diese Kindle-Ausgabe der HC Ausgabe von Buch 1+2 (jedenfalls sind die Cover identisch und bei der HC-Version landet man bei dieser Kindle-Version, wenn man dem dortigen Amazon-Link zu "weiterer Ausgabe" folgt.

Dienstag, 1. November 2011

"Libri Mortis Bd. 3: Lauernde Stille" von Peter Schwindt

So ein Lesemarathon ist eine schöne Sache. Und ein freier Tag in der Woche, an dem man in Bücher eintauchen kann, natürlich auch. Nachdem ich letzte Woche Band 1 "Flüsternde Schatten" (klick) gelesen und im Verlauf dieses Marathons Band 2 "Schlaflose Stimmen" (klick) beendet habe, habe ich nun Band 3 "Lauernde Stille" ausgelesen. Auch hier gilt: Es ist tatsächliche SPOILERGEFAHR gegeben, schließlich handelt es sich um den dritten und letzten Band der Libri Mortis Reihe.

Worum geht es? (aus der Kurzbeschreibung Amazon)
Wie eine dunkle Verlockung liegen die Tagebücher ihrer Mutter in Rosalies Händen. Auch Marguerite hat Stimmen gehört und Dinge gesehen, die anderen verborgen blieben. Auch sie konnte sich dem Bann der Katakomben nicht entziehen. Entgegen aller Warnungen macht Rosalie sich daran, das dunkle Geheimnis ihrer Familie zu lüften. Doch sie ahnt nicht, in welche Gefahr sie sich damit begibt ...

Nachlese
Meine Hoffnung hat sich erfüllt: Der letzte Band hat mich spürbarer in seinen Bann gezogen als Band 2. Aber natürlich sind die Geschehnisse in "Schlaflose Stimmen" wichtig gewesen, nicht nur in Bezug auf Passepartout und die Gruppe Kataphiler, die Rosalie trifft, sondern auch hinsichtlich ihrer Selbstzweifel und ihres Vorgehens gegen Quentin Pylart.

Rosalie hat ihr letztes Abenteuer in den die Katakomben, als sie sich tagelang durch diese Unterwelt kämpfte, um unentdeckt zu dem in Pylarts Gewalt befindlichen Ambrose zu kommen, mehr schlecht als recht überstanden. Da sie ihr gebrochenes Bein und die Hüfte viel zu früh belastet hat, stehen weitere Behandlungen an. Außerdem steht ihr ein Strafverfahren bevor. Sie überwirft sich mit mit ihrem Vater, den sie als kontrollsüchtig empfindet und von dem sie weiterhin denkt, er verheimliche ihr Vieles. Kurzentschlossen zieht sie in das Häuschen ihrer verstorbenen Großmutter Fleur und beginnt, dort in den Tagebüchern ihrer Mutter Marguerite zu lesen. Und erneut taucht Rosalie ungesund intensiv in die Ereignisse ein, beginnt zu schlafwandeln und gefährdet sich dadurch selbst. Sie erkennt, dass das so nicht weitergehen kann und gibt dem Drängen ihres Vaters nach, an einer stationären 12wöchigen Therapie teilzunehmen, und zwar in der Klinik, in der ihre Mutter im Koma liegt und ihr Vater in einem anderen Bereich arbeitet. Aber während sie dort ist, hört sie erneut Pylarts Stimme, sieht erneut Passepartout, fragt sich erneut, was mit ihrer Mutter geschah und beginnt heimlich, die Tagebücher ihrer Mutter wieder zu lesen ...

Peter Schwindts Version, die Verflechtung von Marguerites und Rosalies Erlebnissen zu beschreiben, finde ich sehr gelungen - stilistisch meine ich -, da hierdurch auch der Leser einbezogen wird. In diesem Band steht neben Rosalies Therapie Marguerite im Vordergrund. Und mich hat ihre Geschichte - neben den Ereignissen in der Klinik - sehr gefesselt. Nur konsequent "spiellt" Peter Schwindt auch hier mit dem Leser: Rosalie ist schließlich in stationärer Therapie. Andre, ein weiterer Patienten, verunsichert sie mit seinen Vermutungen über Traum und Wirklichkeit: vielleicht ist Rosalie nur ein Traum Marguerites, deren Versuch, aus dem Koma zu erwachen.

Die Puzzleteile fallen nach und nach an ihren Platz. Und auch wenn ich einen Teil der Auflösung kommen sah, war ich natürlich gespannt, wie Peter Schwindt seine Reihe zu Ende bringt. Und "Lauernde Stille" bringt die Reihe ganz passend zu Ende, wie ich finde. Und Rosalie? Rosalie ist kein glatter Charakter, war es in keinem der drei Teile. Ihre Familie ist ihr wichtig, aber sie begehrt auch gegen sie auf und ist misstrauisch. Sie ist verwirrt, was ihre Gefühle für Marguerite angeht. Sie macht Fehler ja. Sie hat einen moralischen Kompass, der allerdings auch so manches mal ausfällt und sie ihre Familie und auch ihren Freund Ambrose gnadenlos anfähren lässt. Das alles macht die im letzten Band knapp 17jährige Protagonistin nicht immer liebenswert, aber lebendig.

"Libri Mortis Bd. 2: Schlaflose Stimmen" von Peter Schwindt

Letzten Samstag war ich wie von mir geplant in der Bücherei, habe Band 1 "Flüsternde Schatten" dieser Reihe (klick) zurückgegeben und (neben anderen Büchern) Band 2 und 3 ausgeliehen. Was auch bedeutet: Dies ist eine Fortsetzung, SPOILERGEFAHR in Bezug auf Band 1 ist eindeutig gegeben, also überlegt auch gut, ob Ihr diese Nachlese jetzt zur Kenntnis nehmen wollt :)

Nun also zu den "Schlaflosen Stimmen"


Ich habe das Buch im Rahmen des Halloween-Lesemarathon beendet und mit ein wenig Glück schaffe ich Band 3 bis zum Ende desselben.

Worum geht es? (Kurzbeschreibung laut Amazon)
Rosalie hat das Gefühl, verfolgt zu werden. Bildet sie sich das alles nur ein, oder weiß ihr alter Feind Pylart über jeden ihrer Schritte Bescheid? Eines Nachts schreckt Rosalie hoch - zu entsetzlich waren die Stimmen, die sie gehört und die Bilder, die sie im Traum gesehen hat: Ambrose verzweifelt, Ambrose gefesselt, Ambrose entführt. Und bald wird aus ihrer Angst schreckliche Gewissheit, denn sie findet heraus, dass ihr Freund tatsächlich in den Fängen des so mächtigen wie skrupellosen Pylart ist. Wenn sie Ambrose retten will, bleibt ihr nur ein einziger Weg, um sich unbeobachtet durch Paris zu bewegen ...

Nachlese
Auch in diesem Band zeigt sich, dass Peter Schwindt ein Händchen für stimmungsvolles Beschreiben hat, was sich erneut besonders zeigt, wenn Rosalie in die Katakomben steigt und dort auf Passepartout und eine interessante Gruppe Kataphiler trifft... Wie in Band 1 macht der Autor auch hier wieder eine Gratwanderung:

Rosalie erwacht im Krankenhaus. Ihr letzter Ausflug in die Katakomben von Paris hat ihr u.a. eine gebrochene Hüfte und ein gebrochenes Bein eingebracht, sie hatte mehr Glück als Verstand und lag im Koma  wie ihre Mutter Marguerite es noch immer ... Rosalie wirft zudem aus der Bahn,dass während ihrer Zeit im Koma ihre Großmutter Fleur gestorben ist und beerdigt wurde. Als Rosalie in der Reha-Klinik den Psychologen Dr. Molitor kennenlernt, entschließt sie sich, sich bei ihm in Behandlung zu begeben, der ihr erklärt, sie zeige erste Anzeichen einer Borderline-Erkrankung. Diese Diagnose und die Trauerbewältigung werden zusätzlich erschwert dadurch, das Rosalie mehr und mehr Schlafprobleme hat: Jede Nacht wacht sie eine Stunde füher auf, ist gerädert und kann nicht schlafen, obwohl sie völlig erledigt ist. Und dann wird auch noch ihr Freund Ambrose von Pylart entführt. Pylart erpresst Rosalie: Ambrose gegen den geborstenen Spiegel. Er glaubt ihr nicht, dass dieser Spiegel gestohlen wurde und sie nicht weiß, wo sie den Spiegel finden soll. Also fasst Rosalie einen Entschluss: Sie will unterirdisch zu Pylart und Ambrose befreien ...

Man fragt sich unwillkürlich bei dieser Diagnose und dem Schlafentzug, ob das, was Rosalie während dieser Zeit erlebt, wirklich wahr ist. Hat sie aufgrund ihrer Erkrankung vielleicht einfach einen Traum? Bei all der Kraft, die Rosalie aufwendet, um Ambrose zu finden, fragt sie sich das auch immer wieder. Liegt sie etwa noch im Koma, ist das alles real? Und so wie Rosalie schiebe auch ich immer wieder diese Gedanken zur Seite - aber er lauert, im Hintergrund.

Im Vergleich zu Band 1 muss ich allerdings sagen, dass für mich "Schlaflose Stimmen" etwas abfällt. Was mich richtig gestört hat war, dass der immer wiederkehrende Chanson La Mer nur französisch abgedruckt ist. Es ist ja ganz schön, dass Rosalie in Paris lebt und den Text versteht, ich allerding stehe vor dem Text und weiß es nicht: Gibt es einen inhaltlichen Bezug zum Roman? Hier wäre wirklich - so wie es sonst auch in einem Nebensatz bei den Namen passiert - ein Hinweis auf die Textbedeutung mehr als schön gewesen. In diesem Zusammenhang eine klitzekleine Kleinigkeit, die mir aber sofort aufgefallen ist: Kurz nachdem Rosalie diesen Song hört, kommen ihr Vater und sie daheim an und einigen sich darauf, eine Pizza kommen zu lassen. Maurice ruft an, dann sichtet Rosalie ihre Handvoll Post, die beiden reden kurz und - die Pizza wird geliefert! Wow! Nach der Schilderung im Buch sind vielleicht 5 Minuten vergangen, das nenne ich eine Leistung...

Im Übrigen: Peter Schwindt hat in Band 1 einen Spannungsbogen begonnen, der sich um Rosalie und ihre Familie sowie Pylart aufbaut - in Band 2 geht es hauptsächlich um Rosalies Reise durch die Katakomben, es wird eine weitere Gruppe eingeführt (ich hoffe, von dieser auch in Band 3 noch etwas zu lesen) und natürlich um Rosalies Zweifel an ihrer eigenen geistigen Gesundheit. Das ist alles interessant, aber ich hatte gehofft, etwas mehr in Richtung der Verflechtungen von Rosalie, ihrer Familie und Pylart zu erfahren. Im Grunde werfe ich dem Autor also vor, meine Erwartungen in Band 2 nicht so recht zu erfüllen - aber Band 3 folgt ja noch. Spannungsbogen aufbauen in Band 1 - Geschichte ausbauen und Bogen halten in Band 2 - Geschichte hoffentlich spannend auflösen in Band 3 = Trilogie, richtig so? :)

Na dann, auf in die "Lauernde Stille", den Band der Libri Mortis-Reihe