Sonntag, 6. November 2011

" ... verliefen sich im Wald: Ein Echo Falls Krimi" von Peter Abrahams

"Was geschah in Echo Falls" (klick) spielte im Herbst, "Hinter dem Vorhang" (klick) in der Vorweihnachtszeit und  "... verliefen sich im Wald", der dritte und jedenfalls aktuell letzte Echo-Falls Krimi spielt nach Weihnachten im Winter.

Worum es geht (Angabe von Amazon)
Im Echo Falls kann die beschauliche Kleinstadtidylle sehr schnell trügerisch werden. Jederzeit kann plötzlich ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit auftauchen. Das hat die dreizehnjährige Ingrid, Sherlock- Holmes-Fan und Hobbydetektivin, schon zweimal feststellen müssen. Diesmal stolpert sie buchstäblich über eine Leiche - und das auf dem Grund und Boden ihres Großvaters, der prompt unter Mordverdacht gerät und verhaftet wird. Ingrid weiß, dass Grampy keinen Mord begangen haben kann, aber aus irgendeinem Grund schweigt er beharrlich. Um seine Unschuld zu beweisen, bleibt Ingrid nichts anderes übrig, als den Fall auf eigene Faust aufzuklären. Dabei gerät sie - ähnlich wie die Gretel aus dem Märchen, das sie mit ihrer Theatergruppe gerade probt - immer tiefer in den gefährlichen Wald und entdeckt noch weit mehr Geheimnisse, als ihr lieb sind...

Nachlese
Ich bin noch immer etwas "atemlos". Dieses Buch hat weniger Seiten als die beiden vorangegangenen, aber es passiert so viel! Dabei gelingt es dem Autor trotz des Tempos und der sich besonders zum Ende hin überschlagenden Ereignisse, das Augenmerk auf den Charakteren zu halten:

Ingrid steht durch ihre Aktivitäten naturgemäß im Vordergrund, aber es ist ihr Großvater, auf den sich die Augen der Einwohner von Echo Falls richten. Er ist es, der des Mordes verdächtigt wird, der kein Alibi vorweist und von dem bekannt ist, dass er schnell mal aufbraust. Chief Strade hat natürlich gar keine andere Wahl, als ihn festzunehmen. Und er bittet seinen Sohn Joey, nicht mit Ingrid zu reden - was übrigens auch Ingrids Dad von ihr verlangt. Das sorgt natürlich auch für Spannung zwischen Ingrid und Joey. Und erneut lernt man mit Ingrid neue Seiten ihrer Familie kennen.

Dieser Band ist nicht nur schneller, er ist auch deutlich ernster im Ton. Der Originaltitel "Into the Dark" passt sehr gut zum Inhalt, besser als die deutsche Anlehnung (dies gilt übrigens auch für das erste Buch "Down the rabbit hole" = "Was geschah in Echo Falls?"). Ingrid entdeckt bzw. erfährt nicht nur einige unschöne Wahrheiten, auch ihre Erlebnisse in diesem Buch sind heftig und Ingrid findet sich mehrfach an dunklen Orten wieder.

Und obwohl mir "Verliefen sich im Wald" sehr gut gefallen hat, sind mir zwei, drei Punkte aufgefallen. Nun, zwei Punkte liegen wohl am Lektor/Übersetzung, denn an einer Stelle ist mir eine "haben" zu viel im Satz und an einer anderen Stelle - Mr. Samuels von der Zeitung will ein Interview mit Ingrids Großvater führen für eine in der Zeitung erscheinende Serie über Kriegshelden - heißt es: heißt es:
 
"... Was hat er denn gemacht?", fragte sie. "Genau das versuche ich ja, hier festzunageln", sagte Mr Samuels."

Festzunageln?! Wie wäre es mit festzustellen, herauszufinden, vielleicht auch darzustellen?

Für mich wichtiger ist aber eine andere Stelle im Roman, ein Handlungsmoment, dass mich aufmerken liße und irritierte. Dummerweise würde ich spoilern, wenn ich so ins Detail ginge, wie es zur Begründung eigentlich notwendig wäre. Also muss ich mich etwas schwammig ausdrücken und hoffen, dass ein Leser dieses Buche die Stelle erkennt ;):

In einer Szene macht Ingrid die Wäsche und findet etwas. Und dass Ingrid zu diesem Zeitpunkt etwas nicht tut, hat mich beim Lesen aufmerken lassen. Ingrid zieht "es" kurz in Erwägung und ihre zur Ablehnung führende Überlegung überzeugen mich nicht. Ich hätte angesichts der vorhergehenden Ereignisse, dem Gespräch mit dem Anwalt und den Auswirkungen etwas anderes getan - und Peter Abrahams schaffte es an dieser Stelle halt nicht, dass ich Ingrids Überlegungen zu diesem Zeitpunkt als "nachvollziehbar und passend" empfinde (was die späteren Ereignisse angeht, sind sie aus Ingrids Sicht - und für mich überzeugend - und konsequent). 

Trotz dieses naturgemäß subjektiven Kritikpunktes ist Peter Abrahams erneut ein stimmiger und in Bezug auf Charakter und Aktion erstaunlich ausgewogener Jugend-Krimi gelungen. Die drei Bücher kann man zwar als Einzelromane lesen, aber die richtige Reihenfolge ist eindeutig vorzuziehen, schon allein wegen der Entwicklung der Charaktere.

Mehr Echo-Falls-Romane hat Peter Abrahams bislang nicht produziert. Er schreibt ja auch Krimis/Thriller für Erwachsene (nein, ich habe noch keine von ihm gelesen) und - wie ich dank Wikipedia festgestellt habe - unter dem Namen Spencer Quinn die Hundekrimi-Reihe um Bernie und Chet (mir ebenfalls unbekannt). Wer weiß, vielleicht landet mal ein anderes seiner Bücher in meinem Lesesessel. Oder Peter Abrahams entscheidet sich, noch einmal zur Sherlock-Holmes liebenden Ingrid und Echo Falls mit dem Polizeichef Gilbert L. Strade (wie wäre es mit der Schreibweise Le Strade? *g*)  zurückzukehren. Falls ja, folge ich ihm und Ingrid gerne.

Kommentare:

  1. Eigentlich wollte ich den Text ja erst lesen, wenn ich meine eigene Rezi zu dem Band geschrieben habe, aber jetzt mag ich es nicht länger aufschieben. ;)

    Wie schon an anderer Stelle erwähnt: Für mich ist die Stelle mit der Wäsche aus Ingrids Sicht stimmig. Auch wenn ich persönlich anders gehandelt hätte. Aber so oder so ist das eine recht verzeihliche Sache angesichts des ansonsten so stimmigen Romans. :)

    Die Reihe ist einfach toll und ich würde auch jederzeit nach Echo Falls zurückkehren. :)

    Ach, er hat die Bernie-und-Chat-Romane geschrieben? Der erste Band ist vor einiger Zeit auf so vielen Blogs aufgetaucht, da hatte der Verlag wohl massiv Werbung gemacht, aber mir war das nach dem Klappentext zu viel "Hundeperspektive", deshalb habe ich die Rezis nicht gelesen. ;)

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  2. Bei dervWäschegeschichte bekam der Autor mich sozusagen nicht aus meiner Haut heraus und in Ingrids hinein. Aber das ist über die drei Romane hinweg auch der einzige Punkt, bei dem ich gestutzt habe.

    Ich habe von den Bernie-Chet-Romanen auch nicht gelesen, aber als ich bei Wiki und auf der Homepage des Autors war - ich wollte schauen, ob es vielleicht einen noch nicht übersetzten Echo-Falls-Roman gibt :) -, bin ich über diese Info gestolpert.

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  3. Nach weiteren Echo-Falls-Geschichten hatte ich auch geguckt, aber mit einem solchen Tunnelblick, dass ich keine weiteren Veröffentlichungen gesehen habe. *g*

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