Freitag, 11. November 2011

"Meine weißen Nächte" von Lena Gorelik

"Meine weißen Nächte" war das 6. der 6 Bücher, die ich mir am 29.10.2011 aus der Bücherei ausgeliehen habe (die anderen waren Bd. 2 u. 3 der Libri-Mortis-Reihe sowie die drei Echo-Falls-Romane). Diesen Samstag werde ich also wieder zur Bibliothek fahren und meine Leihgaben zurückbringen - und keine mitnehmen, nein, nein. Ich habe mir vorgenommen, mich jetzt um die privaten Leihgaben zu kümmern, neben dem TuB versteht sich *g*

Worum es geht (Angabe bei Amazon):
Eigentlich wäre Anja schon damit ausgelastet, ihre Beziehung zu Jan auf die Reihe zu kriegen und sich vielleicht einen Job zu suchen. Aber Anjas Familie ist omnipräsent, auch wenn sie ein paar hundert Kilometer entfernt wohnt. Als eines Tages ihr Ex-Freund auftaucht und ihr einen Job in einem russischen Reisebüro vermittelt, wird sie schon wieder mit ihrer Herkunft konfrontiert. Und die Erinnerungen an ihre russische Kindheit, wo Kartoffeln mit Hering zum Frühstück der Inbegriff von Glück bedeutete, und später an das deutsche Wohnheim, wo die Tiefkühlpizza in Ermangelung eines Ofens auf dem Herd aufgewärmt wurde, sind wieder da. Mit einer doppelten Identität zu leben, erschöpft sich ganz offensichtlich nicht darin, seinen deutschen Freunden zu erklären, dass Puschkin nicht nur ein Wodka, sondern auch ein Dichter war.

Nachlese

Ist die Protagonistin Anja das alter ego der Autorin Lena Gorelik? Ich denke, dass man in "Meine weißen Nächte" und in Anja sehr viel von der Autorin findet. Beide sind in St. Petersburg geboren, beide kommen als Kinder mit der russisch-jüdischen Familie als „Kontingentflüchtling“ nach Deutschland  und verbringen die erste Zeit in einem baden-württembergischen Auffanglager. Vermutlich ist auch Anjas weiteres privates Leben von Lena Goreliks eigenem inspiriert, wieweit können andere sicherlich eher beurteilen als ich ;)

"Meine weißen Nächte" wirkt auf mich so persönlich, dass Anja und Lena für mich verschwimmen. Ich überlege, was wohl der Freund der Autorin über das Kapitel Paris denkt - und erinnere mich dann daran, dass die Autorin nicht Anja heißt, sondern Lena.

Das Buch wird aus Anjas Perspektive erzählt und hat etwas tagebuchartiges. Episodenartig, aber nicht immer chronologisch, erzählt die Protagonistin ihre Geschichte. In relativ kurzen überschaubaren Kapiteln wird an die Abreisezeit in St. Petersburg erinnert oder den Besuch der Familie in München. Es geht in das Auffanglager und die Schule in Baden-Württemberg, wo sie ihre erste Liebe kennenlernt, oder nach Paris, ohne ihren aktuellen Freund Jan. Ich erfahre, warum Anja kein Essen aus Kartons mag, aber dafür Kartoffeln liebt und wie sich der Einkauf in St. Petersburg gestaltete. Das erinnert mich an mein eigenes Schlangenstehen als Kind, das Greifen von Verkäufern unter die Ladentheke und auch daran, dass man manchmal zur Sommerferienzeit in den Ostseebadeorten des Bezirks Rostock schon mal tagelang keine alkoholfreien Getränke im Konsum oder der Kaufhalle kaufen konnte. Ich denke daran, dass die Erinnerungen an das Leben in meiner Kindheit um ca. 1980 (als ich ungefähr in Anjas Alter bei Ausreise und die Autorin noch nicht geboren war) ein bisschen ähnlich und doch sehr verschieden sind von Anjas Kindheit in St. Petersburg - und ich nichts vergleichbares erlebt habe wie sie in Ludwigsburg.

Über das 273 Seiten umfassende Buch "Meine weißen Nächte" ist mir Anja sehr vertraut geworden. Sie ist mir sympathisch, weil sie z.B. ihre Familie liebt und von ihr genervt ist oder weil sie deutsch sein will und auch russisch, weil ihre kindlichen und erwachsenen Aktionen, das "haben wollen", real sind. Lena Gorelik hat, wie ich finde, mit Antje einen greifbaren Menschen geschaffen, den man problemlos in der Wohnung nebenan treffen könnte. Ich bin mir sicher, dass ich zukünftig noch mehr von Lena Gorelik lesen werde, vielleicht "Hochzeit in Jerusalem", "Verliebt in St. Petersburg" oder "Lieber Mischa".

Kommentare:

  1. Wow!you are definitely a fast reader!!

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  2. @Eli
    it depends, I guess. the short chapters in this book were easy to read day by day :)

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