Sonntag, 27. November 2011

I'm in english-Challenge: "Pride & Prejudice byJane Austen, adapted by Nancy Butler & Hugo Petrus to a Graphic Novel (Marvel)"

Erst einmal ganz herzlichen Dank an die Winterkatze, die so lieb war, mir diese "Pride and Prejudice" Version auszuleihen!

So schaut sie aus:

Worum es geht und Nachlese:
Ich habe den Roman "Pride and Prejudice" in diesem Jahr bereits für diese English-Challenge gelesen (klick). Und vorher (nicht zum ersten Mal) auf deutsch (klick) . In welcher Version auch immer die Geschichte präsentiert wird, es geht um zwei Menschen, die sich als charakterlich gefestigt ansehen, und u.a. voneinander lernen, dass sie halt nicht ihrem eigenen Ideal entsprechen. Um mich selbst zu zitieren: Elizabeth und Darcy müssen jeweils einen Erkenntnisprozess durchlaufen, um den anderen nicht nur wertzuschätzen, sondern ihn bzw. sie zu verstehen und sich selbst zu ändern. Dabei geht es nicht nur um das eigene Glück, sondern auch das Leben der Familie und Freunde ist - unterschiedlich stark - betroffen. Es ist ein dramatischer, satirischer, witziger , ernster, gesellschaftporträtierender Liebesroman.

Die Geschichte hat inzwischen so viele Menschen inspiriert, ob Filmeschaffende, Schriftsteller, Zeichner. Mit manchen Adaptionen kann ich nicht leben (z.B. mit dem Zombie-Mix, ich habe reingelesen und danke nein), mit anderen kann ich leben. Zu letzteren zähle ich auch diese Graphic Novel Umsetung von Marvel. Nancy Butler ist für die textliche Anpassung verantwortlich, Hugo Petrus hat die Illustrationen geliefert. Wie gesagt, ich kann mir ihr leben, sie ist sicherlich mit Liebe gemacht - aber sie überzeugt mich nicht.

Wie es Nancy Butler in ihrem Vorwort sagt, beinhalten Graphic Novels und Comic Kunst in Form von Illustration und Prosa.

Die Prosa von Jane Austen wurde von Nancy Butler angepasst, der Roman wurde gestrafft, etliche Elemente sind entfallen (Mrs u. Mr. Hurst z.B.), dabei hätte ich einige davon gern in dieser Umsetzung gesehen. So fehlt mir z.B. die Szene zwischen Charlotte und Elizabeth, in der die beiden ihre unterschiedlichen Ansichten zur Ehe darlegen. Für mich ist das in Austens "Pride und Prejudice" eine interessante Szene, in der es um Möglichkeiten nicht so gut situierter Frauen geht. Weggelassen wurde z.B. auch die Gasthof-Empfangsszene mit Lydia, Kitty, Jane und Lizzy - kein Einspruch von mir an dieser Stelle.

Je mehr ich in dieser Graphic Novel las, desto mehr wurde mir klar, dass mich diese Umsetzung nicht überzeugt, und zwar wegen der Textbearbeitung. Die vorgenommenen Kürzungen und Anpassungen führten letztlich dazu, dass die Buch-Charaktere für meine Augen nur teilweise überlebten. Ja, Mr. Bennet wirkt in der Graphic Novel humorvoll, aber ohne die Vorgeschichte zur Heirat und der von ihm praktizierten Wirtschaft fehlen Teile seiner unverantwortlichen Charakterzüge. Für mich wird das auch durch sein Abwiegeln von Elizabeths Bitte Lydia betreffend nicht aufgehoben, zumal die vorher stattfindende Sorglosigkeit im Umgang der jüngeren Töchter mit dem Militär und Mrs. Bennets Verhalten kaum dargstellt sind und so die Dringlichkeit von Lizzys Bitte für mich untergeht. Um es mal anders zu formulieren: Warum regt sich Lizzy so auf, mag sich der Graphic-Novel-Leser denken? Denn was Lydia und Kitty die ganze Zeit übermütig treiben und den Grund für Lizzys Bedenken bildet, wird gar nicht erzählt.

Auch Mrs. Bennet wirkt auf mich hier einfach nur überspannt. Sie ist vielleicht nicht die intelligenteste Frau und macht eindeutig Fehler in der Erziehung ihrer jüngeren Töchter, aber im Buch wird deutlich, dass sie sich - mehr als ihr Mann - darum sorgt und kümmert, ob und wie ihre Töcher später versorgt sind. Sie mag dabei über das Ziel regelmäßig hinausschießen, aber in diesem Bereich ist sie dennoch clever und zielgerichtet. Und vergessen wir nicht, sie hat auch Jane und Elizabeth erzogen.

Oder die Eheleute Collins: Zwar gibt es einen Hinweis zu ihrer Beziehung in einem Nebensatz, wenn Charlotte erklärt, sie halte ihren Mann zur Gartenarbeit an. Aber man versteht diesen oder andere Hinweise nur, wenn man den Roman kennt. Für einen reinen Graphic Novel Leser ist diese Information im Grunde völlig überflüssig, da weder Charlottes Ansichten noch ihre Ansprüche an das Eheleben thematisiert werden, noch das Verhalten Mr. Collins daheim. Er mutiert, wie Charlotte, zu einer Figur am Rande, und zwar obwohl ihm angesichts der Erbesgeschichte etwas mehr Platz eingeräumt wurde. Das finde ich schade.

Mr. Collins Haus ... das habe ich einen Satz gelesen, der mir zwar vertraut war, aber für mich kam er in der Graphic Novel aus dem Nichts. Elizabeth ist gerade angekommen, war also noch nicht auf Rosings, da fährt der Wagen mit Miss de Bourgh vor. Lizzy schaut aus dem Fenster und sagt zu sich sinngemäß: Sie sieht kränklich aus, sie wird gut zu "ihm" passen. Ich habe die vorhergehenden Seiten noch einmal durchgeblättert und lasse mich gerne etwas Besseres belehren, aber: Wenn man den Roman nicht gelesen hat, woher soll man wissen, wer mit "ihm" gemeint ist oder wann erfährt Lizzy in der Graphic Novel, dass "er" Miss de Bourgh heiraten soll?

Was die Illustration von Hugo Petrus angeht: Natürlch ist die Wahrnehmung subjektiv. Mr. Collins erinnerte mich z.B. teilweise an Anthony Perkins in dem Film "Psycho". Im Großen und Ganzen finde ich aber die Zeichnungen okay, wenn man sich daran gewöhnt hat. Die "Streitszenen" - ob nun der seltsame Heiratsantrag im Hause der Eheleute Collins oder der Besuch von Catherin de Bourgh bei den Bennets - finde ich sogar sehr gelungen in der Aufteilung und der Dynamik, ebenso die Szene, in der Elizabeth während der Landpartie mit ihrer Tante und ihrem Onkel Janes Brief erhält. Etwas unglücklich war ich dagegen mit der Darstellung des Heiratsantrages von Mr. Collins. Zwar gefiel mir die Anordnung, aber ich denke wirklich, dass Elizabeth mehr Contenance gehabt hätte, als es besonders die letzten Porträtaufnahmen von ihr zeigen. Hier übertreibt der Zeichner für mich zu sehr die Fassungslosigkeit. Aber wie gesagt, die Wahrnehmung ist hier halt subjektiv.

Noch eine Anmerkung zu der Aufmachung: Auch wenn es unentschlossen klingt: Zwar finde ich das Cover von der Grundidee witzig ("How to cure your Boy-Crazy Sisters!" oder "17 Secrets about Summer Dresses" oder "Lizy on Love, Loss and Living") -  aber dennoch unpassend. Ich musste beim Betrachten und Lesen der Schlagzeilen an Klatschzeitungen denken. Und außerdem - die angekündigten Dinge findet man nicht alle "im Heft". Wenn man sich für diese Gestaltung entscheidet, sollten Schlagzeilen und Inhalte auch passen.

Wie im Text bereits gesagt: Ich kann mit dieser Umsetzung zwar leben, aber sie überzeugt mich nicht. Ich denke, man hätte den Charakteren auch in der Graphic Novel mehr Raum und Zeit lassen müssen, damit der Leser nicht nur eine Happy-End-Liebesgeschichte mit einem kleinen Drama-Touch kennenlernt, sondern auch mehr über die Motivation und die Beziehungen der Figuren erfährt.
Edit 28.11.2011: Denn die Intention dieser Graphic Novel soll nach dem Vorwort halt auch sein, Menschen, die die Geschichte (warum auch immer) nicht lesen wollen, Austens Roman nahe zu bringen. Für meine Begriffe geht dann aber zu viel in diesem Graphic Novel verloren. Und ja - es besteht die Möglichkeit, dass der Leser dieser Graphic Novel danach ganz neugierig auf den Roman ist und ihn liest. Ich bin da aber eher pessimistisch eingestellt und befürchte, dass eher die Romankenner mal schauen, wie die Graphic Novel so ist und nicht umgekehrt. Bitte belehrt mich eines Besseren! ;)

Kommentare:

  1. Ich glaube nicht, dass der reine Comicleser die gleichen Sachen vermissen würde wie du - schließlich weiß er ja nicht, dass die Geschichte so viel mehr Ebenen hat, als sie der Comic zeigen kann.

    Und bei den Punkten, bei denen dir der Zusammenhang fehlte, muss ich zugeben, dass sie mir nicht ins Auge gesprungen sind. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich - aufgrund der einen oder anderen Übersetzungs- oder Überarbeitungsproblematik - bei Comics und Manga gewohnt bin, dass manche Sachen einfach "offen" gelassen werden.

    Um grob die Figuren und die Geschichte kennen zu lernen und vielleicht Lust auf mehr zu machen, fand ich diese Umsetzung eigentlich ganz gut. ;)

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  2. Mir würde Deinen Optimismus, liebe Winterkatze, dass der reine Comicleser durch diese Umsetzung Lust auf mehr bekommt, gern teilen.

    Aber gerade weil der (zugegeben hypothetische) reine Comicleser gar nicht die Sachen vermissen wird, gehen meine Überlegungen in die andere Richtung. Was man nicht kennt (die durch die Konzentration in dieser Ausgabe verbundene Reduzierung der Figuren in Anzahl, Charakterisierung und deren Verflechtung und Bedeutung) ...
    Der (hypothetische) Romannichtkenner und reine Comicleser wird in dieser Umsetzung wohl den Roman "im Großen und Ganzen" vermuten und ich befürchte, dass der Anreiz, sich den Roman zu holen, dann nicht sehr groß ist.

    Bestimmt lese ich Graphic Novels und Comics noch immer als "newbie", ich experimentiere mit dem Genre ja noch :)

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  3. Argh... Morgenstund hatte keine Grammatik im Mund *lach*. Es muss im ersten Satz natürlich "Ich" und nicht mir heißen.

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  4. Aber vielleicht führt der Comic zum Angucken einer der Verfilmungen ... :D

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  5. Das ist natürlich möglich :)
    Da gibt es ja dann auch gleich ein paar zur Auswahl ;)

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