Mittwoch, 23. November 2011

"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson

Aus der Bücherei, genauer gesagt aus der Onleihe, habe ich mir dieses Buch nach Haus geholt.

Worum geht es:
Allan Karlsson hat keine Lust auf seine Geburtstagsfeier im Altenheim. Obwohl der Bürgermeister und die Presse auf den 100jährigen Jubilar warten, steigt Allan kurzerhand aus dem Fenster und verduftet. Bald schon sucht ganz Schweden nach dem kauzigen Alten, doch der ist es gewohnt, das Weltgeschehen durcheinander zu bringen und sich immer wieder aus dem Staub zu machen.

Nachlese
Ich gebe zu, auf den ersten Seiten war ich mir unsicher, ob ich den Roman weiterlesen würde. Aber je mehr ich über Allans Roadtrip las, der an seinem 100. Geburtstag mit dem Ausstieg aus dem Fenster beginnt, desto mehr wollte ich wissen :). Jonas Jonasson hatte mich mit seinem eigenwilligen Humor und seiner Erzählart gefangen: Schließlich ist es schon ungewöhnlich, dass ein 100jähriger einem anderen einen Koffer klaut, sich einfach ohne Ziel in einen Bus setzt, natürlich von dem Bestohlenen - der übrigens einer Gang angehört - verfolgt wird und der auf seiner ereignisreichen "Geburtstagsreise" interessante Menschen, um es milde auszudrücken, trifft ;) Und zumal Allen auch schon früher ein äußerst bewegtes Leben führte.

Allen arbeitete in seiner Jugend in einer Munitionsfabrik und verfeinerte sein Wissen durch Experimente in der Kiesgrube hinter seinem Haus. Zusammen mit einem spanischen Kollegen verlässt er seine Heimat Schweden. Allen, der sich weder an Religion oder Politik interessiert, hilft dennoch seinem spanischen Kollegen als Sprengstoffmeister im Kampf gegen Franco - jedenfalls so lange, wie er keine Menschenleben gefährdet. Als dies nämlich passiert, warnt er die betreffenden Personen und rettet so unwissentlich General Franco. Später trifft Allen auf weitere Größen der Geschichte des 20. Jahrhunderts, Truman, de Gaulle, Stalin ...

Der Autor Jonas Jonasson erzählt Allans Reise durch das 20. Jahrhundert augenzwinkernd und ironisch, unterhaltsam. Ich ordne das Buch mal als "Schelmenroman" ein, auch wenn das vielleicht nicht zu 100 % passen mag. Allen stammt aus der Unterklasse und hat nur drei Jahre die Schule besucht, was aber ausreichte, um sein Handwerk so gut zu lernen, dass ihn u.a. auch nach Los Alamos führen wird. Dabei hat Jonas Jonasson seinen Protagonisten in meinen Augen wunderbar gestaltet - mir ist dieser Mann, dem man durchaus Indifferenziertheit vorwerfen kann (er will politisch und religiös nicht Stellung beziehen und hat dennoch auf das Weltgeschehen Einfluss) ans Herz gewachsen, denn er folgt in seinem Leben durchaus seinem moralischen Kompass - auch wenn er als 100jähriger zwar nicht unmotiviert, aber doch unrechtmäßig einen Koffer klaut und es dann in seiner Gegenwart zu einigen unglückseligen Ereignissen kommt. Um aus dem Roman zu zitieren - er ist auch für mich irgendwie "ein netter Mann" :)

Eine kleine Schlussbemerkung noch zur Übersetzung: Es fühlte sich alles richtig an. Besonders fiel mir die Wahl der Vokabel "blümerant" an einer Stelle auf - und gefiel mir!-, um Stalins Gefühlzustand zu beschreiben: herrlich :)

Kommentare:

  1. klingt interessant und lesenswert! Wieder ein Buch auf den Merkzettel. Uff.

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  2. Wunschliste, Wunschliste ...
    (Steht ja nirgends geschrieben, dass da nur "Projektbücher" drauf dürfen.)
    :-)

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  3. @Aly und Fellmonster
    :)
    Ich hoffe, es unterhält Euch ähnlich gut wie mich!
    Liebe Grüße!

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