Samstag, 22. Oktober 2011

"Libri Mortis Bd. 1: Flüsternde Schatten" von Peter Schwindt

Als ich in der letzten Woche in der Bücherei war, wollte ich mir zur Entspannung den zweiten und ggf. auch den dritten Teil aus Peter Schwindts Jugendbuchreihe "Justin Time" mitnehmen. Den ersten Teil "Zeitsprung"(klick) hatte ich ja im Juli dieses Jahres gelesen. Aber ich hatte Pech, die komplette Reihe war ausgeliehen und auch schon vorgemerkt. ;)

Die Winterkatze hatte mir von Peter Schwindt auch die Morland-Reihe empfohlen - aber auch hier hatte ich Pech, weil der erste Band ausgeliehen war. Und mit Band 2 wollte ich diese neue Reihe nun auch nicht beginnen. Aber neben diesem zweiten Band stand "Flüsternde Schatten", der erste Band der Libri Mortis Reihe von Peter Schwindt:



Worum geht es?
Die 16jährige Rosalie sieht in der Schule einen Hausmeister, was eigentlich nicht erwähnenswert wäre. Aber sie ist die einzige, die ihn sieht. Mehrfach. Hinzu kommen Stimmen. Rosalie befürchtet, den Verstand zu verlieren, entdeckt aber - als sie den Geräuschen folgt - in der Schule einen der Zugänge zu den Katakomben von Paris. Im Gegensatz zu den meisten, ist er versteckt und daher von der zuständigen Polizeibehörde nicht verschlossen worden. Sind die Stimmen real und kommen von den durch die Katakomben streifenden Menschen? Vielleicht steckt aber doch mehr hinter den Stimmen, dem geisterhaften Hausmeister und dem Einbruch in Rosalies Heim, bei dem seltsamerweise nur ein zerbrochener Spiegel und keinerlei Wertgegenstände gestohlen wurde? Oder entwickelt Rosalie doch eine überbordende Fantasie, wie sie auch ihre seit 16 Jahren im Koma liegende Mutter hat? Rosalie setzt alles daran, Gewissheit zu erlangen und lernt dabei u.a. den äußerst mysteriösen ca. 50 jährigen Quentin Pylart kennen, der sich sehr für die Katakomben von Paris interessiert.

Nachlese
Wer es kurz und knackig möchte: Ich bin eingetaucht in Rosalies Welt und sie hat mich vollständig vereinnahmt. Ich hätte doch gleich den nächsten Teil mitnehmen sollen ;)

Aber es geht auch etwas ausführlicher.

Da gibt es zum einen Rosalies Familie: Ihre Mutter Marguerite liegt seit 16 Jahren im Koma. Ihre Großmutter mütterlicherseits, Fleur, und ihr Vater Maurice haben entgegengesetze Ansichten darüber, welche Behandlung Marguerite nach dieser langen Zeit benötigt. Fleur ist der Meinung, ihre Tochter werde nur noch von den Maschinen künstlich am Leben erhalten - für sie ist Marguerite nicht mehr wirklich am Leben und sie möchte die Maschinen abschalten lassen. Maurice dagegen hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass seine Frau wieder aus dem Koma erwacht. Und Rosalie steht zwischen den Stühlen. Da sie ihre Mutter eigentlich nicht kennt, fällt es ihr schwer, ihr Verhältnis zu dieser im Koma liegenden Frau zu definieren. Was empfindet sie für diese Frau und wie steht sie zu der Frage, ob die Maschinen abgeschaltet werden sollten oder nicht. 

Daneben geht es natürlich noch um die Frage, ob und falls ja wen oder was Rosalie hört und sieht: Als Rosalie 16 wird, erhält sie von ihrer Großmutter einen Kristallanhänger Marguerites zum Geburtstag. Und an diesem Tag sieht Rosalie auch das erste Mal den geisterhaften Hausmeister und sie erfährt von ihre Großmutter, dass auch ihre Mutter Stimmen gehört hat. Obwohl man als Leser umgehend eine Verbindung annimmt und einen mysteriösen fantastischen Hintergrund erwartet, bleibt die Geschichte stark in der Realität verwurzelt. Vielleicht bildet sich Rosalie den Hausmeister nur ein, vielleicht auch nicht. Auch die Katakomben von Paris sind nicht verwunschen: Beton, Stufen, Tunnel, einbrechende Decken, Schutt. Rosalies erster Abstieg in den "Bauch von Paris" zeigt ihr und dem Leser recht schnell, dass dieses unterirdische Reich gefährlich und nicht ohne Grund von den Behörde verschlossen worden ist.

Mir fiel es nicht schwer, wie Rosalie das Faszinierende und - durch die Stille - Beruhigende der von ihr entdeckten ersten Ebene der Katakomben zum empfinden, die trockene Kühle und irgendwie sichere Umgebung. Ein wenig seltsam ist das schon, da ich bei Dunkelheit und Kühle durchaus an eine Gruft denke; meine Gedanken schweiften in Richtung Tod, aber halt auch in Richtung Ruhe, Stille, Frieden, die man auch als Lebender auf Friedhöfen oder in Gruften empfinden und in sich aufnehmen kann. Genau so gut konnte Peter Schwindt mich aber auch das Umschlagen von Rosalies Gefühlen in Panik mitempfinden lassen, als sie auf ihrem ersten Trip in diese Unterwelt weiter vorankommt. Auch wenn der Autor dieses Miterleben nicht die ganze Zeit in mir hervorrufen konnte (z.B. lasen sich die Erlebnisse eines bestimmten Dritten - ich will hier nicht spoilern, daher so vage - genau als das: ein Erlebnisbericht), so hat er mich doch immer wieder in seinen Bann gezogen, sei es nun durch Rosalies Gefühle, sei es durch die bildliche Schilderung der Katakomben, deren Beton, Treppen und Kreuzungen ich mir problemlos vorstellen konnte.

"Flüsternde Schatten" hat einen relativ ruhigen Beginn, der von Peter Schwindt gut genutzt wird, um Rosalies Charakter einzuführen. Das Tempo des Bandes steigert sich nach und nach und ebenso der Spannungs- und durchaus auch Gruselfaktor. In diesem Zusammenhang darf man natürlich nicht vergessen, dass der Roman für Leser von 13 - 16 Jahren (lt. Verlag) geeignet ist, wobei ich eine Alterseinschätzung ab 14 aus dem Bauch heraus als passend empfinde.

Ich hoffe jetzt einfach mal, dass bei Rückgabe des ersten Bandes Teil 2 und 3 der Trilogie in der Bücherei vorhanden sind :)

Kommentare:

  1. I love it when you do book reviews because i always find out about authors and books i didn't know!

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  2. Ich drücke dir die Daumen, dass du die beiden nächsten Bände bald in die Hände bekommst - und ich freue mich, dass ich dich mit dem Autor "anstecken" konnte. :)

    Und weil deine Rezi mich neugierig gemacht hat, habe ich mir mal die Bände in meiner Bibliothek vorgemerkt. :D

    Uff, viel mehr kann ich gar nicht vormerken, mein Bibliothekskonto beschwert sich schon ... :D

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  3. @gris
    I don't know, if this book "fluesternde schatten" is aviable at the spanish bookmarket, but take a look at this. http://www.alibri.es/justin-time-viaje-en-el-tiempo-387909?filter_name=Peter%20schwindt
    I guess, this is the first of the justin-time-books ("zeitsprung")... ;)

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  4. @winterkatze
    was ich bislang von diesem autor gelesen habe, gefaellt mir wirklich gut, ich bin schon neugierig auf die weiteren teile dieser reihe u. der justin-time-reihe ... und auch auf die morland-trilogie :)

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  5. Die Morland-Bücher - zumindest 1 und 2 - kann ich dir ja mal leihen. :)

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  6. @Winterkatze
    :) Das ist lieb von Dir!

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  7. Ich hab es mal auf die Liste geschrieben ... :)

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