Mittwoch, 28. September 2011

Kurzschau Gelesenes

Die Arbeit hatte und hat mich noch immer recht fest im Griff und vermutlich wird das auch noch etwas andauern. Um so mehr habe ich das letzte Wochenende mit dem Traumwetter genossen und auf meinem Balkon die Füße hochgelegt und gelesen.

Ja, wirklich - auch wenn es in letzter Zeit auf diesem Blog angesichts mangelnder Nachlesen gar nicht danach ausschaut. ;) Und weil die Zeit aktuell wirklich nicht für ordentliche Nachlesen reicht, gibt es heute mal ein paar Kurzeindrücke:

An unterschwelligen Ängsten hat z.B. "Mein Leben ohne gestern" von Lisa Genova gerührt.


In diesem Roman wird das Leben einer Professorin beschrieben, bei der die früh einsetzende Alzheimer-Krankheit diagnostiziert wird. Wie häufig fehlten mir schon Worte und stand ich auf dem Schlauch, weil mir nicht einfiel, wo ich das Handy-Ladegerät hatte! Ich hoffe zwar nicht, dass ich Alzheimer habe, aber bei Lektüre dieses Romans musste ich ganz automatisch an diese Vorfälle denken. Schließlich beginnt die Alzheimer-Krankheit so schleichend, dass Stress für die ersten Symptome ein wunderbar einfacher (und bequemer) Erklärungsgrund ist. Trotz der fachspezifischen Passagen empfand ich den Roman äußerst fesselnd. Lisa Genovas Roman ist eine schon sachlich zu nennende Lebensbeschreibung, die dadurch aber Kitsch und Pathos vermeidet und die nüchterne Realität betont. Die Autorin selbst ist übrigens nicht an Alzheimer erkrankt, sie hat allerdings wie ihre Protagonistin einen psychologisch-wissenschaftlichen Hintergrund.

Etwas seltsamer empfand ich dagegen "winterschwester" von Alison McGhee.

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Hier flüchtet sich eine 11jährige in ihre PhantasieDamit meine ich nicht, dass sie sich eine Fantay-Welt aufbaut, sondern sie erschafft sich plausible Erklärungen und Antworten auf Fragen, die ihre alleinstehende Mutter ihr nicht beantworten will. Da geht es zum einen um den leiblichen Vater, die bei der Geburt verstorbene Zwillingsschwester der Protagonistin und, wieso es überhaupt zu einer Geburt im Straßengraben mitten im Schneesturm gekommen ist und wer die Schuld dran trägt. Das Buch wird aus Ich-Perspektive der 11jährigen Clara erzählt, was in emotionaler Hinsicht natürlich alle geschilderten Erlebnisse und Schlussfolgerungen einfärbt. Mir war Clara in vielen Dingen zu altklug und in ihrem Bücherwissen - welches zum Teil rein faktisches, zum Teil angewandtes Wissen darstellt - auch zu unglaubwürdig, denn ich denke, dass Clara erst in einem Alter von 9 Jahren mit dem intensiveren Lesen angefangen hat (der Grund hierfür ergibt sich aus dem Roman). Die Geschichte hat mich genug interessiert, dass ich sogar recht zügig das Buch ausgelesen habe, aber wirklich überzeugt hat es mich nicht.

Interessant war auch "Der Zauderberg" von Dr. Piers Steel, seines Zeichens auch Psychologe.


In diesem Sachbuch geht Dr. Steel dem Phänomen des Aufschiebens nach. Ich bin nach seinem im Buch angebotenen Test auch ein Aufschieber (Überraschung! *schaut auf die Bücher, zu die es eigentlich Nachlesen hätte geben müssen und den Keller, der mit sich selbst replizierendem Müll gefüllt zu sein scheint*). Aber so ausgeprägt, wie es manch anderen Menschen geht, ist es bei mir noch nicht. Der Autor geht auf die geschichtliche Entwicklung ein, psychologische Hintergründe, zeigt Lösungsansätze, teilweise etwas fachspezifisch, aber gewürzt mit Alltagsgeschehen und einer Prise Humor - und ich habe danach  meine Speisekammer mal wieder durchforstet und abgelaufene bzw. nicht mehr von mir genutzte Sachen entsorgt :)

Mal überlegen, was gab es noch? Ah ja, zwei Vampirbücher, die mir die liebe Irina leihweise zur Verfügung gestellt hat (Danke!).

Das eine war Lynsay Sands "Ein Vampir zum Vernaschen"; mein Neugierde hat insofern die Winterkatze geweckt.



Der Roman ist Teil 2 einer ganzen Vampirserie, allerdings kann man diesen Teil auch separat lesen. Vermutlich ist es noch schöner, den ersten Teil vorab zu lesen, aber es ging auch so. Der fragliche Vampir Lucern Argeneau betätigt sich als Schriftsteller. Seine Sachbücher werden wegen ihrer Detailtreue geschätzt - kein Wunder, kann er sich doch gut an die dort beschriebenen Dinge erinnern. Allerdings waren die letzten beiden Werke Romane, die äußerst gut von der weiblichen Fangemeinde aufgenommen wurden. Seine Lektorin bemüht sich, ihn zu einer Leserreise zu bewegen und beweist dabei "Terrierqualitäten". Einmal festgebissen lässt sie nicht mehr los, sehr zum Ärgernis von Lucern. Zwar zog sich der Roman für mich zum Ende hin wegen der Verwicklungen etwas über Gebühr hin. Aber die von Lynsay Sands produzierte Mischung aus Vampir-Komödie-Liebesroman funktionierte auch für mich ganz gut. Der Roman war unterhaltsam und dem Vampirdasein wurde noch eine andere als die althergebrachte Dracula-Variante abgewonnen.

Der zweite Vampirroman war der Auftaktband der Serie "Vampire Academy: Blutschwestern" von Richelle Meads.


Aufmerksam und neugierig geworden bin ich auf diese Serie durch eine Vorstellung einer hierzu erscheinenden Graphic Novel, gesehen bei Irina und Julianes Kommentaren dort.  "Blutschwestern" handelt von Rose, einer Halbvampirin (Dhampir) und Lissa (einem Moroi-Vampir - es gibt auch dunkle Strigoi-Vampire). Rose fühlt sich als Wächterin von Lissa, beide sind - nachdem Lissa bedroht wurde - von der Vampire Academy geflohen, werden aber zurückgebracht und nehmen ihre Ausbildung wieder auf. Aber die Bedrohung ist noch nicht aus der Welt - und hinzu kommen Cliquen an der Schule, Nachholen der Ausbildung, Geheimnisse und ein Schuss Romantik. Die Mischungs machte es - der erste Band hat mich wirklich gefesselt und ich hatte ihn sehr zügig ausgelesen.Auch hier wurde dem Vampirismus eine andere Seite abgewonnen, die Wächter-Schützling Kombination ist interessant, Rose ist eigen und Lissa... nun, auch stille Wasser können tief sein.

Es sind noch ein paar mehr Sachen gewesen, die durch Kopf und Herz gewandert sind, aber der Post ist so schon recht lang geworden. Vielleicht gibt es demnächst noch einmal so eine Kurzübersicht, mal sehen :)

Derzeit bin ich übrigens mit "In der Stille hörst du dich selbst: Meine 12 Jahre in einem Schweigekloster" von Miek Pot beschäftigt.


50 Seiten habe ich inzwischen ca. gelesen und mir fällt auf, dass ich schon mehrfach gedacht haben: "Nenn doch bitte ein konkretes Beispiel". So geschehen z.B. bei den von der Autorin erwähnten "Worten der Weisheit", die ihr von ihrer Starets (offenbar eine erfahrene Schwester mit der Funktion einer geistigen Führerin) genannt werden und über die die Autorin dann lange meditiert, häufig ohne sie zwar geistig vollständig verstehen, aber auf "innere Weise". Nun, mal sehen, wie es so weiter geht mit diesem Buch...

Kommentare:

  1. Da hast du ja wirklich einige Bücher verschlungen -und auch noch in so unterschiedlicher Mischung. :)

    Ich glaube Alzheimer macht jedem von uns Angst. Nicht genau zu wissen, warum diese Krankheit ausbricht, der unabwendbare Verlauf und der schleichende Beginn - schreckliche Vorstellung!

    "Der Zauderberg" würde mich vermutlich auch als Aufschieber entlarven. Aber weil es so depremierend sein kann, wenn man immer nur sieht, was man alles aufgeschoben hat, versuche ich mich gerade wieder jeden Tag auf die Dinge zu konzentrieren, die ich geschafft habe! ;)

    Schön, dass dir der "Vampir zum Vernaschen" ein paar unterhaltsame Stunden bereitet hat. :) Die Serie hat Höhen und Tiefen, aber diesen Band mag ich wirklich gern. Oh, und im Original ist es sogar der dritte Band, aber Lyx hat ihn als zweites ins Deutsche übersetzt. Warum auch immer ... ;)

    Ich drücke die Daumen, dass der Stress bald vorbei ist! :)

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  2. @Winterkatze
    Danke! :) Bestimmt ist irgendwann auch wieder genug Ruhe, dass ich zu normalen Nachlesen hier auf dem Blog komme ...
    In dem Buch spricht der Charakter Alice mehrere Punkte an: Man kann wegen der Unabwendbarkeit eigentlich nicht gegen die Krankheit kämpfen und hat zudem keinen Einfluss auf den Teil Deiner selbst bzw. Deiner Fähigkeiten, der zum nächsten Zeitpunkt nicht mehr richtig da ist ...

    Liebe Winterkatze, Du brauchst Dr. Steel auch gar nicht, Du praktizierst (sehen und anerkennen, was alles schon geschafft wurde) schon den Beginn der Erfolgsspiralen-Strategie, die er anspricht :)

    Die dt. Übersetzungs- und Veröffentlichungspolitik ist halt eigen ...

    Liebe Grüße und einen schönen Tag!
    Natira

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  3. Das wünsche ich dir! :)

    Ich glaube, ich will mir gar nicht genau vorstellen, was bei Alzheimer alles in einem abläuft. Schon schlimm genug, wenn der Körper versagt, aber vieles kann man ja dann noch über seinen Verstand lösen. Aber wenn einem diese Denkfähigkeit verloren geht ...

    Ah, ich bin also genauso schlau wie Dr. Steel! Was für eine Erkenntnis zum Tagesanfang! *kicher*

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  4. The first book has reminded me of one of the besto movies i've ever seen, it's called MY life without me, i totally recommend it to everyone!

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  5. So wie ich das sehe, wärst du eine Perfekte Kandidatin für des Projekt des Fellmonsters.
    http://monstermeute.wordpress.com/2011/09/27/projekt-52-bucher/

    Bist du dabei? :-)

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  6. Ähm, das war ja wohl nix. *hüstel*

    Es muss natürllich so geschrieben stehen:

    So wie ich das sehe, wärst du eine perfekte Kandidatin für das neue Projekt des Fellmonsters.
    http://monstermeute.wordpress.com/2011/09/27/projekt-52-bucher/

    Bist du dabei? :-)

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  7. Aaaargh! Was ist mit mir los?!
    Natürlich natürlich!

    Wochenende, komm! Schnell!!!

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  8. @Gris
    I have heard of this film but did'nt seen it ... hm, I try to avoid films like "My life without me", "Life as a house" etc... But who knows, maybe I'll see the film some time.

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  9. @Raven
    :)
    Ich bin so froh über dieses schön lange Wochenende!

    Mein Untermieter Waggy (http://natiraszeit.blogspot.com/2010/03/projekt-52-2010-verwandtschaft.html) hat mir übrigens über die Schulter geschaut und Deinen Kommentar gelesen. Er findet das Projekt sehr interessant und denkt über eine Teilnahme nach :)

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