Sonntag, 31. Juli 2011

"Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman! von Richard P. Feynman


Ich hatte mal wieder Lust auf ein Sachbuch. Also habe ich mir von meinem TuB das dieses Buch gegriffen.

Worum es geht?
Oder solle ich besser schreiben, worum es nicht geht? Das Buch enthält keine Vorlesungsmitschriften des Physikers Richard P. Feynman, für die er so bekannt war. Und es ist auch keine Autobiographie. Jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Der Nobelpreisträger hat Anekdoten aus seinem Leben niedergeschrieben - aus der Kinderzeit, aus seiner Zeit beim Manhatten-Projekt, aus seiner späteren Lehr- und Forschungszeit.

Nachlese
Mir lief der Name dieses Physikers vor einigen Jahr-(oh!)Zehnten das erste Mal über den Weg. Richard P. Feynman: Theoretischer Physiker, Nobelpreisträger, Professor, der nicht nur forscht, sondern auch lehrt und hierfür eine seltene Begabung habe: komplexe Sachverhalte, besonders der Quantenphysik, so darlegen, dass sie ein - sicherlich mit fachlichem Basiswissen ausgestattetes - Publikum auch _nachvollziehen_ konnte. Das lag, wie sich auch aus diesem Buch herleiten lässt, an Feynmans eigener Neugier und Herangehensweise an Probleme:

„Ich brauchte das (ein Beispiel, Anm. Natira): Ich bin nicht in der Lage, etwas im allgemeinen zu verstehen, wenn ich nicht ein bestimmtes Beispiel im Kopf habe und sehe, wie es läuft ... Der andere glaubt, dass ich den Schritten mathematisch folge (den vorgelegten Gleichungen, Anm. Natira), aber das tue ich nicht. Ich habe das besondere, physikalische Beispiel für das, was er zu analysieren versucht, und ich weiß instinktiv und aus Erfahrung, was für Eigenschaften die Sache hat.“ (S.323 „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!,Piper Verlag 4. Aufl. 2011)

Seine Vorlesungen waren bekannt und beliebt, nicht nur am Caltech, dessen Ruf R.P. Feynman 1959 folgte und dem er „treu blieb“. Im Vorwort dieses Buches geht Harald Fritzsch z.B. auf eine Vorlesung in Wuppertal ein, die Studenten aus der ganzen Bundesrepublik anzog ...

In „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman“ geht es auch um Physik. Wie könnte es anders sein, war Feynman doch mit Leib und Seele Physiker. Aber seine Neugierde trieb ihn auch in andere Bereiche: Er schaute sich bei den Biologen um, arbeitete zeitweilig in einer Mini-Firma eines Freundes als „Chef-Chemiker“ mit einem Assistenten, lernte zeichnen und trommeln.

Fasziniert las ich von seinem Aufenthalt in Japan: Er berichtete weniger von der Konferenz, sondern darüber, dass er mit höflicher Geduld den zuständigen Organisator überzeugen konnte, ihn aus dem „amerikanischen“ in ein typisches japanisches Hotel unterzubringen. Und wie er versuchte, japanisch zu lernen und feststellte, dass bereits das „sehen“ mindestens drei japanische Entsprechungen hat - je nach Kontext.

Durchaus unterhaltsam, wenngleich nicht so reizvoll für mich fand ich z.B.seine Erlebnisse in Las Vegas, nichts desto trotz zeigen auch sie erneut, dass Feynman Kontakte und Gespräche zu allen möglichen Menschen suchte und fand :)

Seine Erlebnisse in Brasilien empfand ich dagegen spannender - und seine Feststellungen zur brasilianischen Bildungspolitik ebenso interessant wie seine später im Buch folgenden Erfahrungen als Bewerter von Schulbuchinhalten in den Staaten. Seine Zeit beim Manhatten-Projekt spart Feynman auch nicht aus, aber auch hier geht es weniger um physikalische Gleichungen und Forschungen.

Ob ernst und nachdenklich zur Forschung, augenzwinkernd und ironisch zu Kultur oder schalkhaft von seinen Streichen berichtend: „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!“ bot mir einen faszinierenden Einblick in R.P. Feynmans Leben und brachte mich so manches Mal zum Lachen. Auch wenn die kapitelweise erzählten Episoden manchmal sprunghaft wirken, da sie zwar zeitlich geordnet sind, Feynman aber durchaus thematisch wechselt, so kann man sich doch ein gewisses Bild dieses Physikers machen: von seinen Anschauungen, von Fehlern und Erkenntnissen, von seinen Leidenschaften.

Mich sprach das Buch an - und auch der 1988 verstorbenen Richard P. Feynman ;)

Kommentare:

  1. Klingt interessant, auch wenn ich jetzt ausnahmsweise mal nicht meiner Neugierde nachgebe. Aber ein Mensch, der etwas so scheinbar theoretisches wie Physik lebendig rüberbringt und sein Leben lang mit offenen und neugierigen Augen durch die Welt geht, hat bestimmt faszinierende Anekdoten zu erzählen! :)

    AntwortenLöschen
  2. Faszinierend passt, wie ich finde, ganz hervorragend zu R.P. Feynman - vermutlich auch charismatisch ;) Mich juckt es schon in den Fingern, mir "Kümmert Sie, was andere Leute denken" und/oder "Es ist so einfach" zu bestellen :)

    AntwortenLöschen
  3. Wenn es in den Fingern juckt, dann solltest du vielleicht nachgeben ... :D Die Titel klingen schon mal gut. :)

    AntwortenLöschen
  4. Hör auf! *hält sich die Ohren und die Augen zu*

    AntwortenLöschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)