Samstag, 7. Mai 2011

I'm in english-Challenge: "Flirting with Pride & Prejudice - Fresh Perspectives on the Original Chick-Lit Masterpiece" HrsG: Jennifer Crusie


Im Januar 2011 hatte ich mich ja an Jane Austens "Pride & Prejudice" im Original versucht. Dabei habe ich gelernt, dass ich für Jane Austen im Original nur bedingt bereit bereit bin: Der Geist ist willig - und zugleich auch schwach in Bezug auf Vokabular und Grammatik der englischen Sprache im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert. Natürlich hindert mich die Januarerfahrung nicht daran, weiter Austens Werke in verschiedenen Formen zu konsumieren bzw. mich mit ihnen zu beschäftigen. So habe ich vor kurzem diese Essay-Sammlung bei Arvelle entdeckt - und konnte nicht widerstehen:

Worum es geht und Nachlese
"Jane Austen's Pride and Prejudice ist one of the most beloved novels of our time, transcending the literary world to earn a spot on every woman's nightstand. Now, Flirting with Pride & Prejudice takes a fresh an humorous look at Austen's cassic tale of looking for Mr. Right, marrying rich and finding true love in the process." (Klappentexzitat!).

Zunächst einmal...
Auch wenn ich angesichts des Titels neugierig war und mir das Buch bestellt habe - Dass "Chick-Lit" in einem Atemzug (oder hier: im Buchtitel) mit Jane Austens "Pride and Prejudice" genannt wurde, ließ mich etwas die Stirn runzeln.

Okay, mit "Chick-Lit" als Literaturgattung kenne ich mich zugegebenermaßen wenig aus. Ich verbinde eine bestimmte Art von Romanen mit diesem Begriff. Um sicherer zu sein, habe ich den Begriff aber einfach mal in der deutschen Wikipedia nachgeschlagen: "Die Chick lit wird meistens der geistigen Richtung des Postfeminismus zugeordnet. So geht es in Romanen dieser Literaturrichtung meist um Klischees wie ‚Schuhe‘, ‚Shopping‘ und ‚Männer‘. Oft handelt es sich dabei um Komödien oder Humoresken."* In diese Richtung ging übrigens auch meine Vorstellung.

Für mich ist "Pride and Prejudice" keine Chick-Lit. Der Roman ist dem Postfeminismus nicht zuzuordnen und auch wenn es in ihm um Frauen und ihr Selbstverständnis geht, so würde ich diesen Plot nicht mit denjenigen moderner Chick-Lit gleichsetzen wollen. Ja, Elizabeth ist eine smarte "Heldin" mit Verstand und Witz und sie , wie die weiteren Frauenfiguren dieses Romans, möchten lieben und geliebt werden. Aber die Begleitumstände der Frauenfiguren in Austens "Pride und Prejudice" - ihre Stellung und ihre Beschränkungen als Frau, einzugehende Kompromisse, Lebenserwaertungen etc. - haben in meinen Augen eine deutlich andere Qualität als die Bedürfnisse der modernen Frau in der heutigen Chick-Lit.

Und dann lese ich auf dem Klappentext "... looking for Mr. Right, marrying rich and finding true love in the process". Mir gefällt diese Verallgemeinerung zu "Pride and Prejudice" nicht wirklich.Elizabeth und Jane mögen reich geheiratet haben, aber beide wären auch mit weniger zufrieden gewesen. Diese beiden Schwestern kann ich mir genauso gut als Ehefrauen eines Pfarrers, Offiziers oder Anwalts vorstellen, solange es nur Darcy und Bingley sind. Davon abgesehen, was ist denn im Roman mit Lydia? Mr. Right?Hmm... sicher! Rich? Falls ja, wie lange wohl? True Love in the Process? Aber sicher doch! Und Charlotte? Zwar mögen Lydia und Charlotte nicht die Heldinnen des Romans sein - aber der Klappentext liefert auch keine Details. Okay,okay, ich weiß, sooo wichtig ist das Geplänkel auf dem Klappentext nun auch wieder nicht, aber trotzdem ;)

Jedenfalls: In diesem Buch gehen sowohl Herausgeber, als auch die Masse der Beitragenden davon aus, dass "Pride and Prejudice" Chick-Lit ist. Und eingedenk der Tatsache, dass "Mystery" in der englischen Literatur Krimi bedeutet und nicht etwa Fantasy-Mystery, wollte ich zumindest auch die Erklärung der englischsprachige Wikipedia zur Kenntnis nehmen:

"According to professor Suzanne Ferris, chick lit often features hip, stylish, career-driven[1 female protagonists, usually in their twenties and thirties. The women featured in these novels may be obsessed with appearance or have a passion for shopping, e.g. Carrie Bradshaw, the protagonist of Sex and the City.[1] However, this has been disputed. In Publishers Weekly, Amy Sohn redefines the genre as being about women who can stand on their own two feet.[3] This same article refutes the previous stereotypes. Library Journal also states that ethnic chick lit counts in the definition, mommy lit, and other sub sub genres which don't include the 20-30-something protagonist who is worried about shopping, boys and sex.[4] To define the genre in the most general way, chick lit features a female protagonist whose womanhood is heavily thematized in the plot. Though most often set in a contemporary world, such as in Waiting to Exhale, there is also historical chick lit. The issues dealt with are often more serious than consumerism. Marian Keyes's Watermelon, for instance, features a protagonist who wrestles with how to be a mother in a modern world, and there is a growing market for religious chick lit. As with other types of genre fiction, authors and publishers target many niche markets.[4] Protagonists vary widely in ethnicity, age, social status, marital status, career, and religion." **


Interessant. Die englischsprachige Wikipedia ist insgesamt offener (ich habe nichts von Postfeminismus gefunden) und ausführlicher. Diese Definition als zutreffend unterstellt, könnte man "Pride and Prejudice" also als historische Chick-Lit bezeichnen. Ehrlich? Wirklich glücklich bin ich damit auch nicht.Und weder Laura Caldwell mit "High Class Problems", in dem sie sich unter anderem mit Ähnlichkeiten der Plots von Chick-Lit. und "Pride and Prejudice" beschäftigt, noch Shanna Swendson mit "The Original Chick-Lit Masterpiece" können mich zu 100 % überzeugen, auch wenn diese Essays interessant zu lesen waren. 
(Zwischendurch off topic: Wenn ich eine Verbindung zwischen Jane Austen und Chick-Lit herstellen wollte, würde ich wohl eher "Emma" in Erwägung ziehen, jedenfalls nach den vorstehenden Definitionen (mal abgesehen vom Postfeminismus). Emma ist ebenfalls eine intelligente junge Frau, die allerdings finanziell abgesichert ist. Sie steht sozusagen auf eigenen Füßen, eine Heirat ist nicht lebenswichtig für sie. Emma versucht, andere Menschen zu verkuppeln, berücksichtigt aber nicht romantische Gefühle. Im Verlauf des Romans wächst und entwickelt sich Emma durch diverse Vorkommnisse und Verwicklungen zu einer einsichtsvolleren Frau).
 Die Mehrzahl der Essays in dieser Sammlung fand ich wirklich spannend und anregend. So vergleicht Beth Kendrick zum Beispiel die Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung der Frauen damals und heute ("accomplished" damals und die Anforderungen an Perfektion der modernen Frau an sich selbst). Lawrence Watt Evans geht die Frage an, warum in Austens Roman der Krieg mit Frankreich keine Erwähnung findet und überlegt, warum Austen ihren Roman aber mit einem wiederhergestellten Frieden ausklingen lässt.

Die Kurzgeschichten, die in bzw. kurz nach Austens Roman mit den dortigen Charaktern "spielten", rissen mich dagegen nicht so sehr vom Hocker. Beispiele hierfür sind Jane Espenson "Georgiana" oder Mercedes Lackey "Not Precisely Pride" (mit magischem Touch), "Pride and Prejudice. With Cellphones" von Michelle Cunnah oder Jill Winters mit "The Secret Life of Mary".  Aber auch die Storys, die Austens Charaktere in die Gegenwart transportierten wie z.B. Melissa Senates  "Charlottes Side of the Story" oder "Pride an Prejudice: The Reality Show" von Joye Millmann, waren nicht so meins. Versteht mich nicht falsch. Viele dieser Kurzgeschichten waren unterhaltsam, innovativ, manchmal witzig und es war ja auch die Vorabe, mit "Pride and Prejudice" zu jonglieren.

Nur fand ich die anderen "Abhandlungen" interessanter. Obwohl ich erwähnen will, dass ich die Einleitung von Jill Winter zu ihrer Geschichte über Mary äußerst reizvoll fand (es geht darum, ob und falls ja was man aus Marys häufiger Abwesenheit in der Romanstory ableiten kann). Im Übrigen bricht zum Beispiel Jo Beverley eine Lanze für Mrs. Bennets und belegt historisch die Notwendigkeit, sich gut zu verheiraten. Elisabeth Fairchild gibt ihrer Überzeugung Ausdruck, warum Janes Austens Roman noch immer aktuell ist und wieder und wieder "neu" adaptiert werden kann. Der Grund sind "love and onions". Okay, um hier ein wenig mehr zu verraten: Sie widmet sich der Frage (und beantwortet sie auch), nach welchem Prinzip Jane Austen ihren Plot vorantreibt "You see, three different vegetables offer the keys to driving fiction: broccoli, Mr. Potato Head and onions".

Weitere Beitragende waren übrigens: Jennifer O'Connell, Adam Roberts, Lauren Baratz-Logsted , Jennifer Coburn, Laura Resnick (Vergleich Bollywood/Roman - Indien heute/England damals), Sarah Zettel (beschäftigt sich kursorisch mit der Colin-Firth, der Laurence-Olivier- und der Bollywood-Verfilmung), Teresa Medeiros, Lani Diane Rich (ein witziger Tagebuchauszug, der seinen Weg gaaanz zufällig in dieses Buch gefunden hat), Cheryl Sawyer, Erin Dailey, Alesia Holliday und Karen Joy Fawler.

Auch wenn ich manche Geschichten nicht so gelungen fand oder mit Schlussfolgerungen nicht konform ging, die unterschiedlichen Herangehensweise und das Spiel mit Inhalt und Charakteren fand ich faszinierend. Und  der Respekt bzw. die Bewunderung der jeweiligen Autoren/Autorinnen für Jane Austen war immer spürbar. Ich habe die Anschaffung dieses Buchs nicht bereut, gestehe aber, dass es ein preisreduziertes Mängelexemplar und somit ein Schnäppchen war.

Und zum Abschluss gibt es noch ein Zitat von Jennifer Crusie aus diesem Buch - einfach, weil es aus meiner Sicht stimmt. :)

"Clearly, this is not an anthology of Studies on the Work (for that, see Norton, et al.). It's more of a series of Dates with Jane, where some writers were serious about her, some were looking for a good time and some, frankly, took advantage of her. But don't worry that any damage has been done. In one hundred an ninety-three years of wear, tear and academic assaults, not to mention countless adaptations, Pride an Prejudice has remained unchanged, except that Darcy now looks like Colin Firth..."***

*Zitat:
Seite „Chick lit“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. Mai 2011, 13:41 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Chick_lit&oldid=88453230 (Abgerufen: 7. Mai 2011, 10:59 UTC)
** Zitat
Chick lit. (2011, May 4). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 11:06, May 7, 2011, from http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Chick_lit&oldid=427405632
***Zitat:
Jennifer Crusie in der Einleitung zu "Flirting with Pride & Prejudice - Fresh Perspective on the Original Chick-Lit Masterpiece", Benbella Books, 200)

Kommentare:

  1. Great, amazing, exciting, amusing, interesting, sweet...so many adjectives to describe one of my favourite books!

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  2. Ich muss gestehen, dass ich all die Überlegungen und Definitionen zu "Chick Lit" sehr interessant fand. Aber trotz einer gewissen Faszination an P&P würde mich dieses Buch so gar nicht reizen - ich bin einfach zu ungeduldig, wenn ich das Gefühl habe, jemand hat das Original nicht richtig verstanden. ;)

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  3. @Gris
    "Pride and Prejudice" gehört auch zu meinen Lieblingsbüchern :D

    @Winterkatze
    Der Verlag hatte diese Chick-Lit-Verbindung vorgegeben und bei den jeweiligen Verfasser/innen angefragt. Der Inhalt ihrer Essays läßt dabei natürlich auch Rückschlüsse auf deren Lesart des Romans zu.
    Aber schon ich lese aufgrund meiner aktuellen Verfassung, meines Vorwissens, eines historischen Hintergrundees etc. den Roman anders als zum Beispiel Du. Es ist für mich auch faszinierend, dass sich die Austen-Romane für mich bei jedem Lesen verändern. Mal entdecke ich etwas Neues, mal konzentriere ich mich auf andere Aspekte. Manchmal tänzle ich quasi nur durch den Roman (in der deutschen Übersetzung), ohne tiefer zu gehen.

    Was ich sagen will: Ich würde nicht sagen, dass die Verfasser/innen das Original generell nicht richtig verstanden haben. Möglicherweise haben sie den Roman aktuell mit dem Wort "Chick-Lit" im Hinterkopf gelesen, was die Textwahrnehmung ja auch schon ändert.

    LG und einen schönen Sonntag :)

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  4. Dass man die Austen-Romane immer wieder anders wahrnimmt, finde ich auch großartig. Ich finde einfach diese Chick-Lit-Vorgabe des Verlags so "gruselig", dass ich lieber keinen Versuch wagen würde - umso interessanter wahr eben dein Beitrag dazu. :D

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  5. @Winterkatze
    Ich war mutig ("These are the voyages ...") *kichert*

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  6. Auf jeden Fall mutiger als ich es wäre ... *g*

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